Dieter Rüggeberg Geheimpolitik
Schon recht früh in seinem Buch Geheimpolitik 1 – Der Fahrplan zur Weltherrschaft macht Dieter Rüggeberg deutlich, wo er die wahren Schurken sieht. Eine „Geheimgesellschaft des Cecil Rhodes“
habe bereits 1890 eine Karte zur Neugestaltung Europas entwickelt, die dem Bild von 1945 recht ähnlich sei.
Die dort genannten britischen Pläne zur Erringung der Weltherrschaft wurden von C. Rhodes testamentarisch an den Juden Lord Rothschild weitergegeben. Nach meiner Auffassung sind die „Protokolle“ ein Teilstück aus dem „Glaubensbekenntnis“ des C. Rhodes und wurden geschaffen, um jüdische Kreise für eine Mitarbeit bei diesem Plan zu gewinnen, was ja auch in erheblichem Umfang gelungen ist, wie die geschichtlichen Daten beweisen.
D. Rüggeberg, Geheimpolitik, S. 9
Rüggeberg sagt hier nicht nur, es gebe eine jüdische Weltverschwörung, sondern er geht noch einen Schritt weiter und behauptet unter Verweis auf die so genannten „Protokolle der Weisen von Zion“ sogar, sie sei weitgehend erfolgreich verlaufen. Dies liegt in etwa auf der Linie von Jan van Helsing und Johannes Rothkranz, die meinen, die Protokolle seien bereits verwirklicht [vgl. Antisemitismus].
Außerdem entspricht es auch den Vorstellungen, die in den Köpfen führender Nazis herumgespukt haben müssen, als sie den Entschluss fassten, das „zur Herrschaft gekommene jüdische Gesindel“
(so Hitler in Mein Kampf) ein für alle Mal auszurotten.
Auf der folgenden Seite zitiert Rüggeberg aus dem 1933(!) erschienenen Buch Die zionistischen Protokolle von Theodor Fritsch und stimmt ihm zu, hält es aber für nötig, in zwei Details zu widersprechen. Zunächst erklärt Rüggeberg, die wahren Drahtzieher seien wohl kaum so dumm, ihre Absichten offen zu verkünden, wie es laut Fritsch auf einem zionistischen Kongress in Basel geschehen sei [vgl. Zionistenkongress 1897 in Basel].
Fritschs Behauptung, „daß ein arischer Kopf ein solches System spitzbübischer Niedertracht und so schamloser Folgerichtigkeit“
sich kaum auszudenken vermag, quittiert Rüggeberg mit der Bemerkung, damit solle der Leser wohl in eine geistige Sackgasse gelockt werden. Die Protokolle hätten Vorläufer im Christentum gehabt, und „die arisch-christlichen Horden der SA und SS“
hätten, als Fritsch sein Buch schrieb, schon seit fast zehn Jahren ihr Unwesen getrieben. Allerdings, fährt Rüggeberg fort, hätten sich die „Arier“ in den folgenden zehn Jahren sehr bemüht, „mit den verbrecherischen Zielen der Protokolle gleichzuziehen“
.
Was auf den ersten Blick wie eine scharfe Absage an den Nationalsozialismus daherkommt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als fauler Zauber, denn auf Seite 92 zitiert Rüggeberg einen Ausschnitt aus Dietrich Bronder, Bevor Hitler kam, wie folgt:
Einen besonderen Terror übten die Nazis mit ihren Rassengesetzen aus, wobei ja meistens der Unterschied zwischen der arischen und der jüdischen Rasse besonders herausgestellt wird. Dieses Rassedenken gewinnt einen geradezu grotesken Anstrich, wenn man den Stammbaum einiger Initiatoren des Rasseterrors betrachtet. Dietrich Bronder schreibt dazu: "Selbst jüdischer Abkunft waren (…)"
Rüggeberg, S. 92
Die Liste, die dann folgt, enthält unter anderem die Namen Hitler, Hess, Göring, Strasser, Goebbels, Rosenberg, Frank, Himmler, von Ribbentrop, Heydrich und „Globicznik“. Der letzte Name ist falsch geschrieben; es handelt sich um den NS-Gauleiter und Nazi-Massenmörder Odilo Globocnik. Wer sich mit der Literatur zum Holocaust auskennt, der kennt auch diesen Namen; Rüggeberg kennt sich offenbar nicht aus und hat dies genau wie alle anderen Behauptungen ungeprüft von Bronder übernommen, auf den der Schreibfehler zurückgeht [vgl. auch jüdische Vorfahren und Namen].
Seltsamerweise nennt Rüggeberg kurz davor (auf Seite 87) Hitler ausdrücklich einen Katholiken und bekräftigt auf Seite 89, dass der Nationalsozialismus „eine starke katholische Wurzel“
habe. Rüggebergs Argumentation gerät hier sichtlich aus den Fugen.
Deutlich erkennbar ist aber, dass Rüggeberg sich Bronders Darstellung anschließt: Der Nationalsozialismus sei eine vornehmlich jüdische Angelegenheit gewesen, da ja die führenden Verbrecher allesamt Juden gewesen seien; und Freimaurer waren die meisten bösen Buben sowieso.
Es gibt von verschiedenen Autoren eine ganze Reihe solcher Behauptungen zu verschiedenen NS-Größen (vgl. z.B. Hitler und Heydrich). Diese Behauptungen zeichnen sich durch zwei Gemeinsamkeiten aus: An ihnen ist nichts Wahres, und alle sind sie getragen vom Bedürfnis, „den Juden“ die Verbrechen der Nazis unterzuschieben, was im Umkehrschluss sofort bedeutet, dass „wir Deutschen“ nichts damit zu tun hätten. Die perfide Umkehrung der Täter/Opfer-Rollen gipfelt schließlich in der dreisten Unterstellung, die Zionisten hätten die Nazis für ihre Zwecke eingespannt:
Die Menschen für diesen jüdischen Staat sollten insbesondere durch die Vertreibung der Juden aus Europa besorgt werden, was ohne eine Anheizung des Antisemitismus nicht möglich war.
Rüggeberg, S. 81
Die Behauptung, die Zionisten hätten die Nazis im Grunde nur benutzt, um ihren jüdischen Staat zu bekommen, taucht in verschiedenen Formen auch bei Emil Aretz, Jürgen Graf und Hennecke Kardel auf; Kardels Buchtitel Adolf Hitler: Begründer Israels fasst zusammen, was Autoren aus dieser Ecke des antisemitischen Spektrums aus der dünnen Luft greifen.
Rüggeberg verwendet in seinem Buch ausgiebig Materialien und Argumente, die der Entlastung der des NS-Regimes und der Diffamierung des Judentums dienen. Einige davon sollen im Folgenden stichpunktartig aufgezählt werden.
- Verheimlichte Dokumente von Erich Kern, erschienen in Gerhard Freys NS-nahem FZ-Verlag.
- Die jüdische Kriegserklärung vom 24.03.1933, eine antisemitische Legende.
- Germany must perish!, der sogenannte „Kaufman-Plan“ zur Sterilisierung der Deutschen; ebenfalls eine antisemitische Legende.
- David Irving habe in der Zeitschrift CODE eine
„bestimmte Gruppe deutscher Holocaust-Historiker der Wahrheitsverfälschung“
bezichtigt. Das entspricht durchaus der Überschrift des betreffenden Artikels in CODE, ist allerdings nichts Besonderes, weil so gut aie alle „Revisionisten“ etwas Ähnliches behaupten. David Irving ist ein Holocaust-Leugner; er verfasste u.a. das Vorwort zur englischen Ausgabe des Leuchter-Report. - Auf CODE beruft Rüggeberg sich im Übrigen mehrfach. Die Zeitschrift erschien unter der Leitung von Ekkehard Franke-Gricksch, dem 1933 geborenen Sohn des Altnazis Alfred Franke-Gricksch, im rechtsextremen Diagnosen Verlag [vgl. auch Frank-Grickschs Rolle beim gefälschten Warburg-Bericht].
Auf Seite 112 singt Rüggeberg ein Loblied auf die Holocaustleugner Faurisson und Irving, die sich durch unermüdliche Arbeit hervorgetan hätten. Dank ihrer Arbeit sei
die Behauptung, dass die meisten der geschätzten 5,7 Millionen jüdischen Kriegsopfer von den Nazis absichtlich ermordet wurden, sehr ins Wanken geraten.
Rüggeberg, S. 112
Auf Seite 152 meint er, Henry Ford und Nesta Webster hätten sich mit wichtigen Fragen befasst, die sonst kaum zur Sprache gekommen seien. Beide waren antisemitische Verschwörungsfantasten und Faschisten.
In seiner Literaturliste empfiehlt er Texte von Hennecke Kardel und Johannes Rothkranz.
Von den Hardcore-Auschwitzleugnern wird Rüggeberg kaum zur Kenntnis genommen, doch im Grenzbereich zwischen Esoterik und brauner Propaganda spielen die in seinem Verlag erschienenen Texte eine gewisse Rolle. So hat beispielsweise van Helsing auf Rüggebergs Geheimpolitik zurückgegriffen, und auch bei Usenet-Schreibern wie „Normarz“ und „TheklaK“ fanden sich, teils mit und teils ohne Nennung der Quelle, Gedanken wieder, die von Rüggeberg zu stammen scheinen.