Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Jan van Helsing (Jan Udo Holey) Geheimgesellschaften 2

Zweimal Pfusch ist immer noch Pfusch

Im zweiten Band der Geheimgesellschaften setzt van Helsing (d.i. Jan Udo Holey) nahtlos fort, was im ersten Band begonnen hat. Auch hier sollen wieder einige besonders markante Beispiele belegen, dass van Helsings Distanzierung von Antisemitismus und Rechtsextremismus nicht mehr als ein Lippenbekenntnis ist.

Wie sich gleich zeigen wird, hat van Helsing keinerlei Berührungsängste mit Holocaustleugnern und rechtsextremen Sektierern, und auch in diesem Text übernimmt er wieder Argumentationsfiguren, die letzlich aus der Nazizeit stammen.

Grün auf schwarzem Grund Titel und Autor. In der unteren Hälfte ein roter Kreis mit einem roten X. Unter dem X ist das Siegel der USA wie auf dem Dollarschein zu sehen: Grüne Pyramide mit dem Auge der Vorsehung, rundherum der Text Annuit Coeptis und Novus Ordo Seclorum.

Jan van Helsing, Geheimgesellschaften 2

Rassismus

Auf Seite 43 schreibt van Helsing über Logen, die

(…) aus der rein jüdischen B'nai B'rith Loge hervorgegangen sind, der wiederum nur reinrassige Juden angehören

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 43

Die NS-Ideologen betrachteten Juden als minderwertige und sogar gefährliche Rasse und brachten sie um. Van Helsing stellt sich in die geistige Tradition des Nationalsozialismus, wenn er das Judentum ebenfalls als Rasse betrachtet. Es gibt so wenig eine jüdische Rasse, wie es eine katholische oder atheistische Rasse gibt.

Zu dieser Rassenlehre gehört die Überzeugung, dass ein Jude ein Jude bleibt, selbst wenn er die Religion wechselt. Und wenn ein Jude das Glaubensbekenntnis wechselt, dann tut er dies natürlich nicht aus innerer Überzeugung oder aufgrund äußerer Zwänge, die andere Menschen manchmal zu solchen Entscheidungen veranlassen. Wenn ein Jude den Glauben wechselt, dann kann dies nur irgendwelchen finsteren Zielen dienen, denn

ein geheimer Jude ist ein Jude, der im Auftrag der Rabbiner zur Tarnung eine andere Religion annimmt.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 168

Die Idee der angeblich getarnten Geheimjuden scheint van Helsing direkt bei Goebbels entlehnt zu haben:

Es ist bekannt, daß die jüdische Rasse meisterhaft wie keine andere alle Register der öffentlichen Täuschung und Tarnung beherrscht und es in der Kunst der Angleichung an gegebene Tatbestände zu einer hohen Fertigkeit gebracht hat. Das Judentum betreibt überall da Mimikry, wo es sich als notwendig und zweckmäßig erweist. Aber die Erfahrung lehrt, daß auch diese Methode nur ein Mittel ist, die Völker um so wirksamer hinters Licht zu führen. Es wäre geradezu naiv zu glauben, daß die Juden mit ihrer Schutzfarbe auch ihre Pläne änderten.

Joseph Goebbels, „Die motorischen Kräfte“, in: Der steile Aufstieg, S. 308

Diffamierung

Ab Seite 87 greift van Helsing einige bei Rechtsextremisten sehr beliebte Argumentationmuster auf. Er macht sich die Behauptung zu eigen, das Judentum hätte Deutschland den Krieg erklärt und es sei die erklärte Absicht der Kriegsgegner gewesen, alle Deutschen auszurotten. Auch der sogenannte „Kaufman-Plan“ (Germany Must Perish) taucht unweigerlich in diesem Kontext auf.

Interessant ist hier die Quelle, die van Helsing für diese historischen Falschmeldungen nennt: Carlus Baagoe, Geburtswehen einer neuen Welt, Samisdat-Verlag, Toronto. Der Samisdat-Verlag gehörte dem Holocaustleugner Ernst Zündel.

In diesem Band rückt van Helsing von der im ersten Buch formulierten Behauptung ab, der jüdische Gott Jahwe sei eine Verkörperung Satans, was die Juden zwangsläufig zu Teufelsanbetern macht. Jetzt heißt es, eine außerirdische Zivilisation habe auf der Erde ein Volk gesucht, das den eigenen (natürlich nicht gerade freundlichen) Absichten am besten entsprochen hätte.

Nachdem die Marcabianer sahen, dass die Menschen gefügig geworden waren, schloss man mit ihnen einen Vertrag, indem man anbot, dass das kontaktierte Volk zum herrschenden Volk auf Erden werden würde, falls es den Marcabianern zu ihren Zielen verhelfe.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 75

Nach dieser mehr als deutlichen Anspielung auf den Glaubenssatz, die Juden seien das auserwählte Volk, fordert van Helsing seine Leser auf, doch mal zu raten, „wer denn die Gruppe war, mit der die Marcabianer den Vertrag geschlossen hatten?“

Und dann gibt er gleich selbst die Antwort:

Bingo – die Hebräer.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 75

Auf den Seiten 111–115 fügt van Helsing einige gefälschte Zitate ein, die angeblich aus dem Talmud stammen und aus denen hervorgeht, dass den Juden tatsächlich die Weltherrschaft versprochen worden sei [vgl. Talmudfälschungen].

Das Judentum verrät die Menschheit an Außerirdische und will sich zum Weltherrscher aufschwingen? Das ist eine Hightech-Variante klassischer antisemitischer Feindbilder. Die Anklänge an die angeblichen jüdischen Pläne zur Erringung der Weltherrschaft, die schon in den „Protokollen“ beschrieben wurden, sind nicht zu übersehen.

Und auch auf die schon im ersten Band erwähnten Protokolle der Weisen von Zion geht van Helsing noch einmal ein. Er widerspricht dem Einwand, dieser Text sei eine antisemitische Fälschung. Ob gefälscht oder nicht, ob von diesem oder jenem verfasst, das sei völlig egal. Wichtig sei nur, dass die Protokolle zur Erlangung der Weltherrschaft „angewendet“ würden, und wie immer ist ihm völlig klar, wer hier die Übeltäter sind:

Die Zionisten wenden sie jedenfalls an, vielleicht aber auch noch jemand anderes?

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 124

Bereits in diesen inzwischen mehrere Jahrzehnte alten Büchern verwendet van Helsing – wie man es heute öfter sieht – den negativ besetzten Begriff Zionisten als Platzhalter für das gesamte Judentum.

Kriegsschuld

Die Kriegsschuldfrage ist ein wichtiges Thema für Revanchisten und „Revisionisten“, wie sich die Holocaustleugner und Hitler-Apologeten manchmal nennen. Auch van Helsing widmet diesem Thema einige Seiten.

Er greift dabei zu einem Werk, das in R. Bohlingers Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur erschienen ist. Diese „Selbstzeugnisse polnischen Eroberungswillens“, so der Titel, seien erstmals 1930 erschienen. Der Text soll aufzeigen, dass nicht Deutschland, sondern Polen die Schuld am Krieg getragen hätte. Im gleichen Atemzug wird dann auch noch David L. Hoggans „revisionistisches“ Standardwerk Der erzwungene Krieg genannt (Geheimgesellschaften 2, S. 91).

Aber selbst der entschlossenste „Revisionist“ kann aus dem deutschen Überfall auf Polen keinen polnischen Angriff auf Deutschland machen, also muss wenigstens eine Rechtfertigung für den Überfall her. Genau die liefert van Helsing auf den folgenden Seiten. Polen hätte schon vor Kriegsbeginn militärische Kriegshandlungen gegen Deutschland verübt:

In Bromberg, Pless und Stopnika kam es bereits im August 1939 zu Massenabschlachtungen deutscher Zivilisten durch polnische Soldaten (…) Es wurden allein im Bereich dieser Ortschaften 56.000 Deutsche auf bestialische Weise niedergemetzelt (…) Und dann erst ist Hitler in Polen einmarschiert!!!

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 93 (Hervorhebungen im Original)

Nicht ganz. Der sogenannte Bromberger Blutsonntag, den van Helsing meint, war nicht im August, sondern im September 1939 – also nach dem deutschen Überfall auf Polen.

Außerdem hat van Helsing eine um das Zehnfache überhöhte Zahl für die Opfer genannt, aber dieser Fehler wird erklärlich, wenn man van Helsings Quelle anschaut. Er nennt das Weißbuch Nr. 3 von 1940 [vgl. Weißbücher]. Die überhöhte Zahl stammt direkt aus Goebbels' Propagandaministerium. Es war allerdings nicht das Weißbuch Nr. 3, sondern die Publikation Dokumente polnischer Grausamkeit. Positiv anzumerken ist hier dreierlei: Das Erscheinungsjahr stimmt, van Helsing hat Goebbels' falsche Zahl richtig übernommen, und gegen seine Interpunktion ist an dieser Stelle nichts einzuwenden.

Beteuerungen

Auch in diesem Band versichert van Helsing seinen Lesern, er sei kein Rechter, er hätte alle möglichen Freunde, aber ganz sicher keine unter den Neonazis, und überhaupt würde die deutsche Neonaziszene größtenteils vom israelischen Geheimdienst Mossad finanziert. Für diese verblüffende Behauptung fehlt jeglicher Beleg, aber Belege sind wohl nicht so wichtig. Hauptsache, die Juden stehen wieder einmal als üble Drahtzieher da (Geheimgesellschaften 2, S. 99).

Auch die Behauptung, er sei von Neonazis für bestimmte Veröffentlichungen bezahlt worden, sei aus mehreren Gründen abwegig, erklärt van Helsing. Denn wenn überhaupt irgendjemand irgendjemanden besticht, dann seien es seiner Ansicht nach immer die Juden.

Und die einzigen, die in den genannten Kreisen Bestechungsgelder austeilen, sind fast ausschließlich Beschnittene. Ich habe noch nie gehört, dass ein Neonazi jemand bestochen hat, nicht einmal in meinen Punk-Tagen. Im Gegensatz dazu steht die Tatsache, die u.a. in dem im VAWS-Verlag erschienenen Buch Unter falscher Flagge sehr ausführlich belegt ist, dass sog. Neonazis bezahlt werden, um gewisse „Schandtaten“ auszuführen.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 99

Dieses Mal gibt es zwar einen Beleg, aber er taugt nichts. Der VAWS-Verlag gehört dem Rechtsextremisten Werner Symanek. Der Beleg dafür, dass Rechtsextremisten vom Mossad angestiftet und bezahlt würden und dafür, dass es eigentlich überhaupt keine Rechtsextremisten gebe, kommt demnach ausgerechnet – von einem Rechtsextremisten. Die Szene war vermutlich „not amused“.

Auch die Beteuerung, er sei kein Antisemit, darf in diesem Buch nicht fehlen (S. 101ff). Dabei argumentiert van Helsing auf genau die unredliche Art und Weise, die man bei Rechtsextremisten häufig beobachten kann. Letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die Antisemiten ihren Kritikern die Vokabel wegnehmen wollen, die ihr eigenes Verhalten treffend beschreibt.

Helmut Kohl

Van Helsing beruft sich auf Jakov Linds Buch Der Erfinder und behauptet, der Autor hätte Belege dafür geliefert, dass Helmut Kohls Vorfahren khasarische Juden gewesen seien, die „unter dem Namen Kohn in Buczaz in Südpolen/Galizien“ gelebt hätten (S. 125).

Doch es ist nicht Jakov Lind, der dies sagt, sondern Jakov Lind lässt dies in seinem Roman eine fiktive Person sagen und erhebt natürlich keinerlei Anspruch darauf, dass diese Behauptung auch der Wahrheit entspricht. Ganz im Gegenteil: Das Buch ist eine amüsante und ganz offensichtlich rein fiktive und vor allem satirische Geschichte. Hauptperson ist ein gewisser Emmanuel Borovsky, der schon als Schuljunge die Luft erfunden hätte und jetzt Sponsoren für sein bedeutendstes Werk sucht: die Erlösungsmaschine. Man möchte eine Anleihe bei Karl Kraus machen: Satire, die ein Rechtsextremist nicht versteht, ist wahrscheinlich gelungen.

Van Helsing nahm hier offenbar die Aussage einer fiktiven Person in einem Roman für bare Münze, weil dies gut in den Kontext des folgenden Abschnitts passte. Ein gewisser T. Rudolph, so berichtet van Helsing, habe den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl des Hochverrats bezichtigt, weil Kohl Hochgradfreimaurer und damit nicht an seinen Amtseid gebunden gewesen sei. Außerdem sei Kohl Mitglied der „ausschließlich jüdischen Freimaurer-Loge 'B'nai B'rith“ gewesen, die man „als Generalstab des Weltjudentums bei allen Aktionen“ auffassen müsse.

Auch hier ist einiges anzumerken. B'nai B'rith ist eine jüdische karitative Organisation und keine Freimaurerloge, und der erwähnte T. Rudolph hat für den „Gaskammerexperten“ Fred Leuchter übersetzt, als dieser im Auftrag des Holocaustleugners Ernst Zündel an dem „Nachweis“ gearbeitet hat, dass in Auschwitz niemand vergast worden sei.

Die Quellen

Wie schon im ersten Band tauchen auch in Geheimgesellschaften 2 zahlreiche rechtsextremistische Quellen auf. Im zweiten Band erschwert van Helsing allerdings die Überprüfung, weil er im Gegensatz zum ersten Band seine Quellen nicht mehr am Ende des Buchs auflistet, sondern nur noch im Fließtext nennt. Neben den oben bereits erwähnten Werken sollen die folgenden Publikationen, Verlage und Autoren als Beispiele dienen:

Quellen und Verweise