Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Der „Bromberger Blutsonntag“

Ein „revisionistischer“ Beitrag zur Entlastung des NS-Regimes

BEHAUPTUNG:

Trifft es zu, dass beim sogenannten „Bromberger Blutsonntag“ weit über 50.000 Deutsche umgebracht wurden?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das trifft nicht zu. Diese falsche Zahl zu den Ausschreitungen am 03.09.1939 stammt aus dem Propagandaapparat des NS-Regimes und ist extrem überhöht; außerdem fehlt Kontext. Die Morde sind nicht entschuldbar, waren aber eine Reaktion auf den Überfall des NS-Regimes auf Polen.

Mitunter behaupten Hitler-Apologeten, das Hitler-Regime sei durch fortgesetzte polnische Provokationen zu einer Strafaktion gegen das Nachbarland geradezu gezwungen worden. In diesem Zusammenhang wird gelegentlich der so genannte „Bromberger Blutsonntag“ erwähnt. Zur Zahl der deutschen Opfer gibt es unterschiedliche Angaben, das Reichsaußenministerium nannte im November 1939 eine Gesamtzahl von 5437 getöteten Deutschen. Heutiger Stand der Forschung ist in etwa, dass in Bromberg und Umgebung maximal 1000 Menschen getötet wurden, in ganz Polen etwa 5000-6000.

Die NS-Propaganda erhöhte damals die Zahl auf 58.000 Opfer, und das Reichsaußenministerium erließ die Anweisung, nur noch diese überhöhte Zahl zu nennen [vgl. Wolfgang Benz u.a., Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 404; Markus Krzoska, Der Bromberger Blutsonntag 1939].

Zwei Sepia-Fotos: Eine Alte Frau scheint aus einem Bild auf eine Reihe von Leichen auf dem zweiten Bild herabzublicken.

NS-Propaganda zum „Bromberger Blutsonntag“, Überhöhung der Opferzahlen

„Revisionisten“ betrachten häufig Quellen isoliert, bestreiten den historischen Kontext, in dem sie stehen, oder ignorieren ihn sogar völlig. Was ihnen sonst so schwer fällt, gelingt ihnen in diesem Fall mühelos. Sie stellen die Ausschreitungen in Bromberg in einen Zusammenhang mit anderen Übergriffen gegen Deutsche und deren Benachteiligung in Polen. So beschwören sie eine ungebrochene Serie von Angriffen auf Deutsche herauf, bis Hitler schließlich gar nichts anderes mehr übrig geblieben sei, als den drangsalierten Deutschen in Polen zu Hilfe zu kommen.

Dies sagte Hitler sinngemäß auch in seiner Rede am 1. September 1939 vor dem Reichstag. Diese Rede war jedoch eine öffentliche, überwiegend auch an das Ausland gerichtete Rechtfertigung für den Angriff auf Polen [vgl. Erklärung der Reichsregierung].

Ehe man dies wörtlich nimmt, sollte man allerdings berücksichtigen, dass der Diktator in internen Ansprachen vor seinen Generälen ganz andere Gründe für den schon lange geplanten Angriff auf Polen nannte.

Einige Schlüsseldokumente zu Hitlers Kriegsplanungen:

5.11.1937: Die Hossbach-Niederschrift
Dieses Dokument dreht sich um militärische Planungen, auch Angriffsplanungen, deutsche Minderheiten werden nicht erwähnt. Zitat: „Wenn Deutschland diesen Krieg zur Erledigung der tschechischen und österreichischen Frage ausnutze (…)“
08.03.1939: Wilhelm Keppler und Generaldirektor Vogl über Hitlers Rede
Auch hier spricht Hitler über Kriegsplanungen, die mit in Polen lebenden Deutschen nichts zu tun hatten. Zitat: „Deutsche Herrschaft über Polen ist notwendig, um polnische Lieferung landwirtschaftlicher Produkte und Kohle für Deutschland zu sichern.“
23.5.1939: „Schmundt-Mitschrift“
Hitler sah sich als Angreifer und Akteur und nicht als jemand, der sich gezwungen sah, irgendjemandem zu Hilfe zu kommen. Zitat: „Es entfällt also die Frage Polen zu schonen und bleibt der Entschluß, bei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen.“
22.08.1939: Tagebuch Halder, Ansprache Adolf Hitlers vor den Oberbefehlshabern, Obersalzberg
„2.) Ziel: Vernichtung Polens – Beseitigung seiner lebendigen Kraft.“ Ebenfalls militärische Angriffsplanungen, aber nichts über deutsche Minderheiten.

Es gibt noch einige weitere Quellen, aus denen Ähnliches hervorgeht. Als Hitler seinen Generälen seine Pläne erläuterte, sprach er immer wieder über politische und militärische Aspekte, aber nicht über die Volksdeutschen in Polen.

All diese Quellen werden von Revisionisten aus verschiedenen Gründen – die bei näherer Betrachtung gar keine sind – als irrelevant betrachtet, denn sie wollen „beweisen“, dass das NS-Regime vor allem Opfer und niemals Täter gewesen sei.

Ungefähr 58000 Deutsche, so heißt es in der Propaganda der Rechtsextremisten, seien in der Stadt Bromberg vor dem Krieg auf bestialische Weise ermordet worden. Diese Geschichtslüge findet sich beispielsweise auch in Jan van Helsings Geheimgesellschaften 2 auf Seite 92f.

Der „Bromberger Blutsonntag“ war allerdings erst am 3. September 1939, also zwei Tage nach Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939. Aus diesem Grund kann dieses Ereignis keine Provokation gewesen sein, die den Krieg ausgelöst hat.

Wolfgang Benz schreibt, nach dem deutschen Angriff auf Polen

zogen sich bespannte Einheiten der polnischen Armee durch Bromberg zurück, zwischen ihnen immer wieder polnische Zivilisten, die vor dem Kriege flohen. Gleichzeitig lief das Gerücht um, die deutschen Truppen stünden unmittelbar vor der Einnahme der Stadt.

Wolfgang Benz, Legenden, Lügen, Vorurteile, S. 47

Als jedoch klar geworden war, dass die deutschen Truppen noch nicht vor Bromberg standen, gingen die Soldaten

in kleinen Gruppen auf eigene Faust vor gegen […] Häuser und ihre Bewohner, die überwiegend der deutschen Minderheit angehörten.

Benz, Legenden, S. 47

Major Albrycht, der polnische Befehlshaber, zog seine Soldaten am Abend ab; allerdings hatte er

vorher noch eine Bürgerwehr zur Aufrechterhaltung der Ordnung ins Leben gerufen und bewaffnet. Es war eine vom militärischen und zivilen Standpunkt aus unsinnige, ja unglaublich leichtfertige Maßnahme

[…]

Doch nun ging die Bürgerwehr zusammen mit neuangekommenen Soldaten gegen angebliche Diversanten vor (…) Wer verdächtig erschien, wurde auf der Stelle erschossen. Häuser wurden geplündert, eine Kirche wurde in Brand gesetzt.

Benz, Legenden, S. 47/48

Ereignisse wie dieses spielen in der Argumentation der Hitler-Apologeten und Holocaustleugner eine nicht unbedeutende Rolle. Bemerkenswert ist, wie leichtfertig sie in Zusammenhang mit dem „Bromberger Blutsonntag“ verschiedene schlecht oder gar nicht belegte Zahlen verbreiten, solange sie nur hoch genug sind, während sie andererseits für die in Gaskammern ermordeten Juden „forensische Beweise“ einfordern.

Ein wahrer Kern (hier die Gewalttaten gegenüber Deutschen) wird herangezogen, übersteigert und instrumentalisiert, um die Grausamkeiten des nationalsozialistischen Regimes zu relativieren und die Hauptschuld am Krieg auf andere zu verlagern.

Quellen und Verweise