Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Johannes Rothkranz Wussten Sie schon ...?

Es handelt sich hier um eine kleine Broschüre von nur 32 Seiten Umfang, in der Rothkranz unter der Überschrift Wussten Sie schon ...? zu verschiedenen Punkten „außerordentlich wichtige, aber so gut wie unbekannte zeitgeschichtlich-politische Tatsachen“ (so der Klappentext) verbreitet.

Weiß auf schwarzem Untergrund der Titel der Broschüre.

Johannes Rothkranz, Wussten Sie schon

Rothkranz behauptet dort über sich selbst: „Wegen der ungeheuren Brisanz dieser verschwiegenen Tatsachen hat der Autor mit äußerster Sorgfalt aus über jeden Zweifel erhabenen Quellen geschöpft.“

Wie es um die Qualität dieser Quellen und die Sorgfalt des Autors tatsächlich bestellt ist, werden wir gleich sehen.

Die Zwischenüberschriften sind unter Bezugnahme auf den Titel als Fragen formuliert und lauten beispielsweise:

  • ... welche Kreise insbesondere nach der Weltherrschaft streben?
  • ... daß einige amerikanische Präsidenten unseres Jahrhunderts dem auserwählten Volk abstammen?
  • ... wer die russische Oktoberrevolution von 1917 ins Werk setzte?
  • ... welcher Herkunft die Sowjetführer von Lenin bis Andropow waren?

Rothkranz, Wussten Sie schon ...?

Die Antworten auf diese Fragen sind auf den betreffenden Seiten als Zitate mit Quellenangaben aufgeführt, und wenn man den Zitaten glauben kann, dann sind die Juden verantwortlich für alles Übel dieser Welt. Die bekannte Wertung des Nazi-Hetzblatts Der Stürmer„Die Juden sind unser Unglück“ – hätte Rothkranz vermutlich sofort unterschrieben.

Rothkranz zeigt sich geradezu besessen vom Judentum. Durchgängig schildert er immer wieder, welche schlimmen Dinge Juden gesagt und getan hätten, hinter welchen finsteren Machenschaften angeblich Juden stecken, und welche Verbrecher „in Wirklichkeit“ Juden gewesen seien. So schreibt er etwa: „Stalin (…) war nicht, wie man glaubt, ein Georgier, sondern ein Jude aus Georgien“ [vgl. jüdische Vorfahren].

Selbstverständlich kann jemand zugleich Jude und Russe sein. Das Wort „sondern“, das Rothkranz hier einsetzt, stellt einen Gegensatz her, der nur nachvollziehbar ist, wenn man Juden nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als Rasse betrachtet. Genau das war die Unterstellung der Nationalsozialisten, als sie schrieben: „Ein Jude kann nicht Reichsbürger sein“ und „Kein Jude kann daher Volksgenosse sein“ [vgl. Nürnberger Gesetze, NSDAP-Parteiprogramm].

Auf Seite 7 kann man beobachten, wie die „stille Post“ der Leugner funktioniert. Rothkranz liest offenbar die rechtsextreme Zeitschrift CODE (erschien im Diagnosen Verlag von Ekkehard Franke-Gricksch, der wiederum den gefälschten Warburg-Bericht verbreitete). Der Herausgeber räumt dem Holocaustleugner David Irving in CODE 1989/11 zwei Seiten Platz ein, auf denen dieser seinerseits vorgeben kann, den Historiker Arno Mayer zu zitieren. Die folgenden fünf Seiten in der betreffenden Ausgabe von CODE sind übrigens dem Holocaustleugner Robert Faurisson vorbehalten.

Es wird eine etwas ausufernde Schnitzeljagd, aber es lohnt sich durchaus, dies einmal gründlich und der Reihe nach durchzuarbeiten. Irving behauptet in CODE:

Neuerdings stützt sich der jüdische Princeton-Professor Arno Mayer gleichsam auf meine Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit meiner Hitler-Biographie. (…) Speziell in Auschwitz seien mehr Juden eines natürlichen als eines unnatürlichen Todes gestorben. Professor Mayer hat sich also meinen Ansichten genähert.

David Irving, „Lügner und Feiglinge“, in: CODE 1989/11, S. 53

Arno Mayer erwähnt Irving in Why Did the Heavens not Darken (so der englische Titel) tatsächlich in seinem Text. Allerdings nur ein einziges Mal in der Bibliografie, und dort bezieht Mayer sich nicht auf Irving direkt, sondern auf Martin Broszats Aufsatz über die „Genesis der Endlösung“ und Irvings Thesen. In diesem Text von Broszat wiederum wird Irvings Vorgehensweise aus guten Gründen scharf kritisiert. Broszat attestiert Irving unter anderem eine „einseitige Voreingenommenheit“ zugunsten Hitlers.

Die Frage, ob Franke-Gricksch dies überprüft und ignoriert hat, oder ob es ihn einfach nicht interessiert hat, ist müßig. Fest steht hingegen, dass die Kritik an Irving unter den Tisch fällt, und dass Rothkranz die verfälschende Passage ungeprüft übernommen hat.

Mayer hat einige Bewertungen vorgenommen, die heute als überholt und sogar als widerlegt gelten und einige unzutreffende Dinge gesagt, doch man kann sein Buch nicht als Beleg dafür benutzen, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe. Auch Mayer zweifelt natürlich nicht an der Existenz von Gaskammern und der Realität der Massenvernichtung.

Rothkranz' häufige Rückgriffe auf rassistisch-antisemitische und den Holocaust leugnende Schriften erwecken immer wieder den Eindruck, dass es bei ihm eine gewisse Schnittmenge mit der antijüdischen NS-Ideologie und eine starke Neigung gibt, die Verbrechen des NS-Systems zu bestreiten.

Auf Seite 2 beruft er sich etwa auf Ulrich Fleischhauer, Die echten Protokolle der Weisen von Zion. Dieses antisemitische Pamphlet, ursprünglich ein Gutachten für einen Prozess in Bern, wurde unter der Aufsicht des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels weiter verbreitet.

Als besonders markante Stelle sei die Seite 7 genannt, wo Rothkranz unverhohlene Auschwitzleugnerei betreibt. Er zitiert aus Starben wirklich sechs Millionen? von Richard Harwood. Hier kommt auch der „Jude“ Dr. Listojewski zu Wort, der bereits 1952 die sechs Millionen jüdischen Opfer der Nazis als „infame Lüge“ bezeichnet habe.

Gleich anschließend wird das Institute for Historical Review als amerikanisches „Geschichtsforschungsinstitut“ gewürdigt, an anderen Stellen benutzt Rothkranz weitere rechtsextremistische Quellen.

Auf Seite 8 zitiert der Autor ein Flugblatt des Institute for Historical Review in Kalifornien, das sich mit Hitler-Apologetik und der Leugnung des Holocaust befasst.

Schließlich beruft Rothkranz sich noch auf den britischen Faschisten und Antisemiten Arnold Leese.

Um das Bild vom bösen Juden abzurunden, mussten natürlich auch noch einige fragwürdige Zitate aus dem Talmud mit hinein (S. 4).

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