Institute for Historical Review
Zurück zum Kerngeschäft
Das 1978 gegründete „Institute for Historical Review“ war viele Jahre lang die führende Denkfabrik der US-amerikanischen Holocaustleugner. Wie das Portal redok berichtete, änderte der IHR-Direktor Mark Weber 2009 die Ausrichtung der Organisation [vgl. redok (archiviert), Auschwitz-Leugner zurück zum Kerngeschäft]
Es sei nicht mehr zielführend und erfolgversprechend, sich auf Holocaustleugnung zu konzentrieren. Viel wichtiger sei es, der „jüdisch-zionistischen Macht“ entgegenzutreten, die eine Realität sei [vgl. auch Zionismus].
Antisemitische Gesinnungsgenossen fand Weber in Teheran. 2005 veröffentlichte er einen Beitrag bei der iranischen Nachrichtenagentur Mehr und in der Teheran Times mit dem Titel „Das Gedenken an den Holocaust stärkt die jüdisch-zionistische Macht“ [vgl. redok (archiviert), Die Realität steht nicht zur Debatte] 2006 nahm Weber an der Holocaustleugner-Konferenz in Teheran teil.
Weber sei, so berichtete redok weiter, in den 1970er Jahren Mitglied der „NSDAP Aufbau- und Auslandsorganisation“ (NSDAP/AO) gewesen.
Anscheinend fand irgendwann eine Art Absprache statt, und die Organisation CODOH übernahm die harte Holocaustleugnung, während sich das IHR eine äußerlich gemäßigte Fassade zulegte.
Modernes Gewand, alte Klamotten
Heute präsentiert sich die Website des IHR, immer noch unter Leitung von Mark Weber, wie ein modernes Nachrichtenportal. Allerdings ist die vermeintliche Seriosität nur geliehen. Auf der Homepage findet man Anreißer für Artikel zu allgemeinpolitischen Themen. Die Links führen jedoch nicht zu eigenen Unterseiten, sondern häufig zu durchaus seriösen Portalen wie AXIOS, Associated Press, Reuters und BBC-Journalisten.
Eingebettet in dieses hochwertige Umfeld findet man dann allerdings Beiträge des IHR-Chefs Mark Weber, die nicht mehr mit offener Holocaustleugnung, aber immer noch offen geschichtsrevisionistisch der Entlastung des NS-Regimes dienen. So wird etwa Roosevelt als Lügner und Fälscher dargestellt, Stalin wird (mit Recht) als Massenmörder beschrieben, doch nirgends erwähnt Weber die Verbrechen des NS-Regimes.
Vielmehr stellt der Autor den Weltkrieg als Folge der britischen und französischen Politik dar, die aus einer geografisch begrenzten, zwei Tage alten Konfrontation zwischen Deutschland und Polen einen kontinentalen, europaweiten Konflikt gemacht hätte [vgl Mark Weber, „The ‚Good War‘ Myth of World War Two“, IHR, o.J.].
Weber verliert kein Wort über Hitlers Lebensraum-Vorstellungen, die das zentrale Motiv hinter Hitlers Eroberungsplänen im Osten waren.
An anderer Stelle singt Weber ein Loblied auf Hitlers Wirtschaftspolitik, tut die Kriegswirtschaft des Diktators mit einer lässigen Geste als bloße Behauptung ab und erwähnt nicht Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan, wo der Diktator 1936 ausdrücklich festlegte:Ich stelle damit folgende Aufgabe:
I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.
II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.
Wilhelm Treue, Adolf Hitler: Denkschrift zum Vierjahresplan
Viele eigene Beiträge haben eine mehr oder weniger deutlich erkennbaren antisemitische Tendenz; häufig sind allerdings die Vokabeln modernisiert, und anstelle der Juden dienen jetzt die Zionisten als Platzhalter für die vermeintlichen Schurken, die alle möglichen Schandtaten auf dem Gewissen hätten.
Leugner-Altlasten
Das „Institut for Historical Review“ gab über viele Jahre hinweg bis 2002 das Journal of Historical Review heraus, das man getrost als Holocaustleugner-Postille bezeichnen kann. Und selbstverständlich ist alles noch da. Die Suchmaske erlaubt den Zugriff auf alte Ausgaben der Zeitschrift und damit auf die Hardcore-Holocaustleugnung früherer Jahrzehnte.
Unter den als Lese-Empfehlung verlinkten Webseiten findet man die oben bereits erwähnte offene Leugner-Fraktion CODOH und die Unz Review des Holocaustleugners Ron Unz, der seinerseits Hunderte Seiten von CODOH gespiegelt hat; auf die Unz Review verlinkte seinerzeit auch Hans-Georg Maaßen.
Durch Tarnung wie im Falle des IHR und durch Verlinkung von Texten, die ins Weltbild passen, geraten extreme antisemitische Positionen plötzlich in die Mitte der Gesellschaft. Weist man darauf hin und fordert man Klärung, dann setzt mitunter heftiges Händewedeln ein: Dies sei Diffamierung, und dies sei „Kontaktschuld“ – als könne man rein gar nichts dafür, dass jemand, dem man Beachtung und womöglich sogar Reichweite schenkt, nebenbei auch gegen Juden hetzt.
Geschichte der Geschichtsfälscher
Das IHR führte mehrere Tagungen durch, an denen verschiedene bekannte Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugner teilnahmen. Hier eine unvollständige Liste:
- Austin J. App
- Einer der frühesten „Revisionisten“. App veröffentlichte bereits in den 1960er und 1970er Jahren Schriften, in denen er das NS-Regime entlasten und den Holocaust leugnen wollte.
- Arthur R. Butz
- Auch Butz verfasste ein frühes Werk der Holocaustleugnung. Sein Buch Der Jahrhundertbetrug erschien bereits 1977, übersetzt und unter Verantwortung von Udo Walendy (engl. Titel The Hoax of the Twentieth Century.)
- Léon Degrelle
- Ein hitlertreuer Ritterkreuzträger: Léon Degrelle
- Robert Faurisson
- Der „revisionistische“ Autor schrieb u.a. das Vorwort zu Germar Rudolfs Buch Grundlagen zur Zeitgeschichte
- Georg Franz-Willing
- Ein bekannter Name des deutschen Geschichtsrevisionismus. Franz-Willing war beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt beschäftigt und veröffentlichte schon in dieser Zeit zweifelhafte Texte in ebenso zweifelhaften Publikationen.
- Jürgen Graf
- Ein vielseitiger Holocaustleugner, der zahlreiche Texte übersetzt und selbst verfasst hat, darunter Der Holocaust im Klassenzimmer.
- David Irving
- Irving dürfte der bekannteste Holocaustleugner sein. In Bezug auf die alliierten Luftangriffe auf Dresden hielt er lange an einem gefälschten Dokument fest.
- David L. Hoggan
- Fazit seines Buchs Der erzwungene Krieg, das Historiker als handwerklich mangelhaft bewerteten: Alle schuldig, Hitler unschuldig.
- Fred Leuchter
- Der „Gaskammerexperte“ war ein Schwindler, er log unter Eid und verfasste den Leuchter-Report über die Gaskammern von Auschwitz, der Ernst Zündel entlasten sollte.
- Otto Ernst Remer
- Ein Altnazi leugnet den Holocaust und wirft anderen Leuten vor, sie würden lügen: Die ZEIT lügt
- Walter N. Sanning
- Der Autor wollte die Juden nachträglich wegrechnen, damit die Nationalsozialisten sie nicht hätten ermorden können. Sein Buch Die Auflösung des osteuropäischen Judentums gilt als „revisionistisches“ Standardwerk, was bedeutet, dass es eklatante Mängel aufweist.
- Bradley Smith
- Der Leiter des mit dem IHR manchmal zerstrittenen und manchmal befreundeten Leugner-Portals CODOH.
- Wilhelm Stäglich
- Stäglichs Buch Der Auschwitz-Mythos ist ebenfalls ein früher Klassiker der Holocaustleugnung. Man darf nicht alles glauben, was drinsteht.
- Udo Walendy
- Udo Walendy bearbeitet Edwin Black, und das Buch kann sich nicht wehren.
- Ingrid Weckert
- Ingrid Weckert schrieb Feuerzeichen – Jüdische Kriegserklärungen. Überzeugend ist es nicht.
- Ernst Zündel
- Ernst Zündel fasste in Holocaust 101 sehr übersichtlich zusammen, wie man den Holocaust nicht widerlegen kann.
Auf der Website des IHR war zu lesen, man wolle historische „Forschung“ betreiben. Was seit 1978 noch nicht erforscht wurde, betrifft eine sehr einfache Frage: Wenn die Juden angeblich nicht ermordet wurden, was haben die Nazis dann stattdessen mit ihnen getan? Wo sind sie geblieben?
Keine Wissenschaft weit und breit
Deutsche „Revisionisten“ wollen uns einreden, die deutschen Gesetze stünden der objektiven Forschung im Weg, und der große Durchbruch werde kommen, sobald man die Geschichte der Judenvernichtung frei von Zwängen untersuchen dürfe. Sie übersehen dabei, dass die Holocaustleugnung in den USA nicht strafbar ist. Seit seiner Gründung darf das IHR frei forschen. Herausgekommen ist nichts.
Es war wohl auch kein ehrlich gemeintes Angebot, als das IHR 50.000 Dollar demjenigen versprach, der nachweisen konnte, dass in Auschwitz Vergasungen stattgefunden haben.
Mel Mermelstein, ein Auschwitz-Überlebender und damit ein Augenzeuge, meldete sich daraufhin. Das IHR weigerte sich zu zahlen. Mel Mermelstein reichte eine Klage ein, und das Gericht gab ihm Recht. Das IHR wurde zur Zahlung von 90.000 Dollar (die ausgelobte Summe plus 40.000 Dollar Schmerzensgeld) verurteilt und musste eine Entschuldigung veröffentlichen.
Es gab später weitere Verfahren, in denen Mermelstein zum Teil unterlag. Diese Verfahren drehten sich jedoch nicht mehr um die erwähnte Substanz, um die Realität des Holocaust. Das oben genannte Urteil wurde nicht mehr angetastet; für das Gericht war und blieb der Holocaust eine erwiesene Tatsache [vgl. Jürgen Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner, S. 179].
Quellen und Literatur
- redok, Auschwitz-Leugner zurück zum Kerngeschäft
- redok, Die Realität steht nicht zur Debatte
- Wilhelm Treue, Adolf Hitler: Denkschrift zum Vierjahresplan
- Lipstadt, Deborah, Betrifft: Leugnen des Holocaust
- Benz, Wolfgang (Hrsg.), Rechtsextremismus in Deutschland
- Bastian, Till, Auschwitz und die „Auschwitz-Lüge“
- Bailer-Galanda, Benz u.a. (Hrsg.), Wahrheit und „Auschwitzlüge“
Weitere Links zum IHR und zu Mel Mermelstein
- United States Holocaust Memorial Museum: Oral history interview with Mel Mermelstein
- Eliott Neaman, Uncovering Mark Weber and the Institute for Historical Review
- Southern Poverty Law Center: Institute for Historical Review