Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Das Warschauer Ghetto

Wo sind sie geblieben?

Die Argumentationsakrobatik, mit der die Holocaust-Leugner versuchen, den Judenmord wegzudiskutieren, wirft zahlreiche Fragen auf. Eine verblüffend einfache Frage ergibt sich aus dem im Folgenden beschriebenen Zusammenhang.

Mitte 1941 waren mehr als 450.000 Juden allein im Warschauer Ghetto eingepfercht. Die Juden waren Gefangene. Bis 1943 verringerte sich deren Zahl stetig.

Im Februar 1943 gab Himmler den Befehl, das Warschauer Ghetto mit den restlichen ca. 60.000 jüdischen Gefangenen endgültig aufzulösen. Im Mai 1943 formulierte SS-Generalmajor Jürgen Stroop die Vollzugsmeldung: „Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr“.

Ein kleiner Junge mit Schiebermütze, Mantel und nackten Beinen und Stiefeln hebt beide Hände. Links und hinten eine Gruppe von Menschen, rechts ein Uniformierter mit einem Gewehr an der Hüfte, das ungefähr auf den Jungen zeigt.

Warschauer Ghetto, 1943, Quelle: Poliakov/Wulf, Das Dritte Reich und die Juden

Das berühmte Foto des kleinen Jungen, der im Warschauer Ghetto die Hände hebt, stammt aus dem Stroop-Bericht, mit dem SS-Major Jürgen Stroop die Niederlegung des Ghettos und die Niederschlagung des Aufstands dokumentierte.

450.000 Juden verschwunden

Zwischen 1941 und Mai 1943 sind demnach mehr als 450.000 Juden aus dem Ghetto verschwunden. Da es den Bewohnern unter Androhung der Todesstrafe untersagt war, das Ghetto zu verlassen, können sie nur auf ausdrücklichen Befehl der Nazis herausgekommen sein.

Wo sind sie geblieben?

Die Antwort der etablierten Geschichtswissenschaft lautet, dass die Juden mit Zügen in die Vernichtungslager transportiert und getötet wurden, vor allem in Treblinka.

Schreibmaschinenschrift auf vergilbtem Papier, links oben der Absender: Ganzenmüller, Reichsbahndirektion. Rechts ein 
				„Geheim“-Stempel, links unten ein Behördenstempel mit Datum und Paraphen.

Fernschreiben Ganzenmüller: Züge mit Juden nach Treblinka. Quelle: Engwert/Kill, Sonderzüge in den Tod, S. 57

Transkription des Ganzenmüller-Fernschreibens (auszugsweise)

[…] Seit dem 22. 7. fährt täglich ein Zug mit je 5000 Juden von Warschau über Malkimia nach Treblinka, außerdem wöchentlich ein Zug mit 5.000 Juden von Przemysl nach Belzek(*). Gedob steht in ständiger Fühlung mit dem Sicherheitsdienst in Krakau. Dieser ist damit einverstanden, daß die Transporte von Warschau über Lublin anch Sobibor /Schreibung auf Seite gegenüber verdeutlicht/ (bei Lublin) solange ruhen, wie die Umbauarbeiten auf dieser Strecke, die Transporte unmöglich machen (ungefähr Oktober 1942).

Die Züge wurden mit dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement vereinbart. SS- und Polizeiführer des Distrikts Lublin, SS-Brigadeführer Globocnigg(**), ist verständigt.

* richtig: Belzec

** richtig: Globocnik

Bemerkenswert ist, dass es viele Fahrpläne und andere Beweise dafür gibt, dass Juden in großer Zahl in die Vernichtungsstätten deportiert wurden. Es gibt auch viele Belege für leer zurückkehrende Züge [vgl. etwa Heiner Lichtenstein, Mit der Reichsbahn in den Tod und Raul Hilberg, Sonderzüge nach Auschwitz].

Wir wissen, wie dies zu erklären ist: Die Ziele der Züge waren Vernichtungslager, in denen die Opfer getötet wurden.

Die vergebliche Suche nach „revisionistischen“ Erklärungen

Da die Holocaustleugner diese Erklärung verwerfen, müssen sie für den Verbleib dieser Menschen eine andere Erklärung finden.

Zwei derartige Versuche sollen hier erörtert werden. Der Erste stammt aus einer Usenet-Diskussion von „Normarz“. Er meinte, die Juden seien irgendwie an die Sowjets übergeben worden und hätten in der Sowjetunion überlebt.

Ein „Abkommen“ war nicht erforderlich und ist unwahrscheinlich. Die Deutschen schoben diese Juden einfach auf Sowjetgebiet und diese „eroberte“ sie dann und unterschlug sie.

„Normarz“, 26 Mar 1999, de.alt.paranormal,de.alt.ufo, Subject: Re: Wiederholung, Message-ID: 7Da5IiY5bXB @nm01.vision.IN-BRB.DE

Mit der Unterstellung, diese Menschen seien „unterschlagen“ worden, bezieht „Normarz“ sich auf ein Buch von Sonja Margolina. Die Autorin habe acht Millionen Juden erwähnt, die unlängst in der ehemaligen Sowjetunion aufgetaucht wären. Die naheliegende Schlussfolgerung, die jedem Auschwitzleugner das Herz höher schlagen lässt, lautet natürlich: Wenn in der Sowjetunion auf einmal acht Millionen Juden auftauchen, hat der Judenmord der Nazis nicht stattgefunden.

Diese Argumentationslinie entspricht allerdings nicht den Aussagen der Autorin, denn sie bezeichnete diese Menschen ausdrücklich als Nichtjuden.

Diese Konstruktion ist eines von vielen Beispielen für die Fälschungen und Tricks, mit denen die „Revisionisten“ die Realität des Judenmordes erschüttern wollen.

Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass Juden aus Warschau in die besetzten Gebiete der Sowjetunion transportiert und dort von den Russen „erobert“ worden wären.

Ein weiterer, nicht minder abenteuerlicher Erklärungsversuch zum Schicksal der Juden aus dem Warschauer Ghetto stammt von „Manni“:

Wer sagt denn, dass es diese Aussagen ueberhaupt gegeben hat? Wer sagt denn, dass es ueberhaupt „500 000 verschwunde Juden“ gab? (…) Die Deutschen karrten die Juden jedenfalls nicht hin- und her. Die ‚Verschwundenen‘ wurden von den Bolschewiken „befreit“ und erscheinen daher nicht auf den Retourlisten der dt. Reichsbahn. Was die Bolschewiken mit diesen Juden aus Polen machten, weiss kein Mensch, denn Stalin war ja auch kein Judenverehrer. Ich bin der Meinung, dass die meisten davon Amerikaner geworden sind und dicke Wiedergutmachungen einstreichen.

„Manni“, ca. März 2000, de.soc.politik.misc, Subject: Re: Herr Langowski und seine „Holocaust-Lügen“, Message-ID: 38d06e21.5108592 @netnews.worldnet.att.net [genaues Datum nicht rekonstruierbar]

Was sagt „Manni“ hier? Er sagt: Erstens stimme das mit den mehr als 450.000 Juden aus dem Warschauer Ghetto sowieso nicht. Das Dokument aus Himmlers Feder, das sogar als Faksimile vorliegt, sei kein Beweis. Ohne Beweise könne man das nicht glauben.

Schreibmaschinenschrift auf gealtertem grauem Papier mit handschriftlichen Korrekturen. Unten darunter steht: „gez. Himmler“

Heinrich Himmler: Wohnraum für 500.000 „Untermenschen“ soll verschwinden. Quelle: Poliakov/Wulf, Das Dritte Reich und die Juden, S. 171

Transkription des Himmler-Befehls (auszugsweise)

Aus Sicherheitsgründen ordne ich an, daß das Ghetto Warschau nach der Herausverlegung des Konzentrationslagers abzureißen ist […]

Für die Niederlegung des Ghettos ist mir ein Gesamtplan vorzulegen. Auf jeden Fall muß erreicht werden, das[!] der für 500.000 Untermenschen bisher vorhandene Wohnraum, der für Deutsche niemals geeignet ist, von der Bildfläche verschwindet […]

Weiter sagt er: Falls aber die Juden, die überhaupt nicht im Warschauer Ghetto waren, wider Erwarten dennoch dort waren, dann wurden sie jedenfalls nicht ermordet, sondern von den Sowjets befreit, und was dann mit ihnen passiert sei, das wisse niemand so genau. Außer, dass „Manni“ zu wissen glaubt, dass sie Amerikaner geworden seien.

So bastelt sich ein Auschwitzleugner, der über historische Ereignisse notorisch schlecht informiert ist, gleich mehrere Fallback-Positionen, auf die er sich bei nächster Gelegenheit zurückziehen kann, weil er eigentlich jetzt schon weiß, dass seine Behauptungen nicht stimmen und leicht widerlegbar sind.

Der erste Punkt wurde bereits angesprochen: Himmler selbst erwähnte „Wohnraum“ für 500.000 Juden im Warschauer Ghetto, der zu zerstören sei. Die anderen Beweise, die „Manni“ einfordert, sind überflüssig, solange niemand belegt, dass dieses Dokument gefälscht ist.

Der nächste Punkt – die Juden im Warschauer Ghetto seien von den Sowjets befreit worden und danach in die USA gekommen – wird ebenfalls durch ein Dokument der Nazis selbst widerlegt. Ich erinnere an den bereits erwähnten Stroop-Bericht von Ende Mai 1943: „Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr.“

Ende 1943 waren die Juden schon nicht mehr in Warschau, zu diesem Zeitpunkt waren die Sowjets aber noch nicht in der Stadt. Da die Juden nicht in die Hände der Sowjets gefallen sind, können sie auch nicht auf diesem Weg in die USA gekommen sein – ganz zu schweigen davon, dass die jüdische Bevölkerung der USA zwischen 1939 und 1948 nur um 350.000 zugenommen hat [vgl. Unity in Dispersion, Anhang].

Es gab nicht nur Warschau

In Polen gab es nicht nur die mehr als 450.000 im Warschauer Ghetto eingepferchten Juden, sondern nach Dokumenten der Nazis selbst zwischen zweieinhalb und drei Millionen jüdische Einwohner. Hitlers Generalgouverneur Hans Frank machte dazu eine ausgesprochen zynische Bemerkung: sie seien ausgewandert [vgl. Tarnbegriffe]. Die Zahl mag zu hoch sein, doch eines steht fest: Nach dem Krieg waren nur noch 90.000 Juden in Polen [vgl. Unity in Dispersion, Anhang].

Wie in Polen war in ganz Europa einschließlich des europäischen Teils der Sowjetunion nach dem Krieg eine drastische Dezimierung der jüdischen Bevölkerung festzustellen.

Ob im Einzelfall nun die Juden aus dem Warschauer Ghetto, die Juden aus dem Generalgouvernement oder die mehr als 400.000 ungarischen Juden zur Diskussion stehen, spielt keine Rolle, denn für fast alle Juden in fast allen Regionen Europas gilt: Vor dem Krieg haben sich diese Menschen noch in den betreffenden Ländern aufgehalten, nach der Besetzung durch die Nazis waren sie nicht mehr da.

Die Frage bleibt also immer die gleiche, solange Auschwitzleugner behaupten, es hätte keine Massenmorde an Juden gegeben:

Wo sind sie geblieben?

Quellen und Verweise