Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Manfred Adler Die Söhne der Finsternis

Antisemitismus in drei Bänden

Buchcover Manfred Adler, Die Söhne der Finsternis

Manfred Adler, Die Söhne der Finsternis

Der ehemalige katholische Religionslehrer Manfred Adler (1928–2005) war ein recht krasses Beispiel für den Antisemitismus, der auch heute noch in manchen Kreisen christlicher Kirchen anzutreffen ist. Adler sah im Zionismus „mit seiner brutalen und rücksichtslosen Machtpolitik und dem damit verbundenen erbarmungslosen Terror“ eine Gefahr, über die niemand wirklich im Bilde sei und über die auch nicht offen diskutiert werden dürfe, da „die Medien der Kommunikation in unserer Welt vorwiegend von Freimaurern und Zionisten beherrscht werden“ (S. 8).

Eine Argumentation wie diese nahm bereits in den 1970er Jahren vorweg, was heute nicht selten zu beobachten ist: Die vermeintlich nur politische Kritik am Zionismus ist nicht selten ein Platzhalter für altbekannte antisemitische Diffamierungen. Gleich am Anfang seines Buchs kommt Adler auf den für ihn wesentlichsten Punkt zu sprechen: Es geht ihm darum, eine vermeintliche Verschwörung der Zionisten und ihrer Helfer aufzudecken. Anklänge an die angebliche jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung aus der Propagandawerkstatt der Nazis sind, wie sich noch zeigen wird, kein Zufall.

Die Söhne der Finsternis, Band 1

Auf Seite 11 im ersten Band dieser Reihe (Untertitel: „Die geplante Weltregierung“) greift Adler tief ins Repertoire brauner Verschwörungsphantasien und beruft sich auf die „berüchtigten und umstrittenen Protokolle der Weisen von Zion“, ein antisemitisches Pamphlet, das nicht etwa jüdische Pläne zur Erringung der Weltherrschaft, sondern vielmehr den Antisemitismus seiner Verfasser beschreibt.

Nachdem er die unwahre Behauptung kolportiert hat, die jüdische karitative Organisation B'nai Brith sei ein Freimaurer-Orden, beschäftigt er sich mit dem antisemitischen Standardargument, Juden hätten schon längst die Regierung der USA unterwandert. Unter die unvermeidliche Aufzählung angeblich einflussreicher Juden in Regierungskreisen schreibt er die Bemerkung:

Diese Liste kann noch mit Hunderten von Namen in den Verwaltungsämtern der riesigen Bundesbürokratie fortgesetzt werden.

Adler, Söhne, S. 17

Interessant ist die Quelle, auf der die Liste und die zitierte Behauptung beruhen. Adler nennt hier die Europakorrespondenz – ein Blatt, in dem der Judenmord geleugnet wird. Schriftleiter und Herausgeber war nach dem Krieg Wilhelm Landig, ein österreichischer Altnazi, der nach dem gescheiterten Putsch von 1934 aus Österreich floh und der Waffen-SS beitrat.

Es ist kein Einzelfall und auch kein Versehen, dass Adler sich aus rechtsextremistischen Quellen bedient. Auch auf Seite 50 taucht bei ihm ein Zitat auf, dem man in der rechtsextremistischen Literatur häufig begegnet. Es handelt sich dabei angeblich um die Aussage eines jüdischen Juristen und Statistikers [vgl. Listojewski], aus der hervorgehen soll, dass die Nazis keineswegs so viele Juden ermordet hätten, wie man in Geschichtsbüchern nachlesen kann. Adler zitiert:

Wenn wir Juden behaupten, es wären 6 Millionen gewesen, so ist das eine Lüge.

Adler, Söhne, S. 50

Hier nennt Adler als Quelle eine Ausgabe der Zeitschrift Unabhängige Nachrichten. Dieses Blatt wurde von einem rechtsextremistischen Zirkel herausgegeben, in dem auch der verurteilte Bombenleger Ekkehard Weil mitgewirkt hat.

Auf den folgenden Seiten, die im Grunde nichts weiter darstellen als eine gegen Juden gerichtete Schmähschrift, zitiert Adler mehrfach J. G. Burg, der in seinen Büchern ebenfalls antisemitisch agitiert und den Judenmord leugnet [vgl. Zionnazi-Zensur].

Auf Seite 66 bemüht Adler schließlich auch noch die angebliche jüdische Kriegserklärung vom 24.3.1933 im Londoner Daily Express und den Text Germany Must Perish von Theodore N. Kaufman. Letzteren weiß er mit erprobter antisemitischer Treffsicherheit exakt so einzuordnen, wie es sich die Goebbels’sche Propaganda vorgestellt hat.

Die Söhne der Finsternis, Band 2

Der zweite Band (Untertitel: „Weltmacht Zionismus“) unterscheidet sich nicht wesentlich vom ersten. Als glaubwürdiger Zeuge – jedenfalls aus Adlers Sicht – kommt nun auch noch der Holocaustleugner J. G. Burg hinzu, der schon im Buchtitel Täter-Opfer-Umkehr betreibt [vgl. J. G. Burg, Zionnazi-Zensur in der BRD]. Adler greift durchgängig immer wieder auf Burg zurück, ohne sich von dessen Holocaustleugnung zu distanzieren.

Auf Seite 9 benutzt Adler einen altbekannten Trick der Antisemiten, mit dem diese Menschenfeinde ihren Kritikern die passende Vokabel wegnehmen wollen: Eigentlich sei „Antisemitismus“ das falsche Wort, weil auch Araber Semiten seien. Die NS-Propaganda lässt grüßen.

Adler verbreitet zudem die unsinnige Behauptung, nur 3% der US-Bevölkerung (er meint damit Juden) übten einen unerhört großen Einfluss auf das Land und dessen Politik aus (S. 12–13). Als Beleg nennt er in der Fußnote abermals die bereits erwähnte Neonazi-Publikation Unabhängige Nachrichten.

Auf Seite 20 nimmt er in dem 1975 Buch den Gedanken vorweg, der in den 2020er Jahren unter dem Slogan „From the river to the sea“ aufgegriffen wurde: Der Staat Israel habe kein Existenzrecht. Immerhin räumt Adler aber ein, dass jeder individuelle Jude trotzdem irgendwie weiterleben dürfe.

Auf Seite 27 zitiert Adler den angeblich bekannten „Gnosiologen“ Hans Baum. In einer „prophetologischen Studie“ habe Baum demnach den Zionismus als jüdischen Rassismus verurteilt [vgl. UN-Resolution: Zionismus sei Rassismus]. Adler nennt weder einen Titel noch eine Seitenzahl, sodass die Angabe nicht überprüfbar ist.

Das angebliche Streben der Juden nach der Weltherrschaft darf auch hier nicht fehlen.

Das große Ziel, dem alle Zionisten zustreben, ihr messianisches Endziel, ist die Herrschaft über „alles Menschenvolk", das heißt mit anderen Worten: die Weltherrschaft.

Manfred Adler, Die Söhne der Finsternis, Band 2, S. 46

Die Ähnlichkeit mit den „Protokollen der Weisen von Zion“ ist unverkennbar. Tatsächlich weist Adler selbst darauf hin, dass die angeblichen zionistischen Ideen – oder das, was Adler verfälschend so nennt – große Gemeinsamkeiten mit den „Protokollen“ (S. 52) aufwiesen. Am Ende ist es dann wohl doch wieder nur das alte Märchen von der „jüdischen Weltverschwörung“.

In diesem Buch scheint Adler überraschenderweise den Massenmord an den Juden als Realität zu betrachten (S. 53), behauptet aber sofort im Anschluss, es hätte nicht zu diesen Verbrechen kommen müssen, und Zionisten trügen die Schuld daran, dass sie dennoch geschehen seien [vgl. auch Hennecke Kardel, Adolf Hitler: Begründer Israels]. Die Nazis, so behauptet Adler, hätten auch mit der Wannseekonferenz die Auswanderung der Juden und nicht etwa deren Vernichtung organisieren wollen, und Juden, die er Zionisten nennt, hätten dies hintertrieben.

In dieses apologetische Strickmuster gehören selbstverständlich die sogenannten jüdischen Kriegserklärungen, die Adler auch hier wieder auf zwei Seiten behandelt (S. 66–67). Zwischen den Zeilen klingt immer wieder Adlers Fazit an, die Juden seien doch selbst daran schuld gewesen, dass Hitler sie schließlich umbringen musste, obwohl er es eigentlich gar nicht gewollt habe.

Fazit: Finsternis mag existieren, aber sie ist nicht da, wo Adler sie vermutet.

Die Söhne der Finsternis, Band 3

Der dritte Band der Buchreihe behandelt vor allem theologische Themen, die im hier besprochenen Kontext nicht relevant sind.

Rezeption

In der Argumentation der Holocaustleugner spielt Manfred Adler keine sehr große Rolle; er wird aber gelegentlich von rechtsextremen Esoterikern und religiösen Fundamentalisten herangezogen. Einige Fundstellen hierzu:

Siehe auch