Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942

„Es wurde von Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen“

Am 30. Januar 1939 hatte der Diktator im Reichstag gedroht, das Judentum zu vernichten, falls Deutschland in einen Weltkrieg verwickelt würde. Nach dem Angriff der verbündeten Japaner auf Pearl Harbor erklärte Deutschland am 11.12.1941 den USA den Krieg.

Nun war es endgültig ein Weltkrieg, und die Drohung sollte wahr werden. Am 12.12.1941 bekräftigte Hitler im kleinen Kreis der Gauleiter seinen Entschluss zur Auslöschung des Judentums in Europa [vgl. Christian Gerlach, Die Wannsee-Konferenz […]].

Am 20. Januar 1942 trafen sich Vertreter verschiedener Ministerien und Dienststellen, um die Durchführung eines Beschlusses zu besprechen, den Hitler Laufe des Jahres 1941 gefasst hatte. Schon vorher hatte es Massenmorde gegeben. Mithilfe der Wannsee-Konferenz sollten die Morde nun zentral und besser koordiniert und in industriellem Maßstab durchgeführt werden.

Die Oberaufsicht hatte Heinrich Himmler, dem das Reichssicherheitshauptamt unterstand. Chef des RSHA war Reinhard Heydrich, der auch die Wannsee-Konferenz leitete. Sein direkter Untergebener Adolf Eichmann führte das Protokoll.

Reinhard Heydrich, Chef des RSHA und Vorgesetzter von Adolf Eichmann

Reinhard Heydrich, Chef des RSHA und Vorgesetzter von Adolf Eichmann

Die Wannsee-Konferenz und die Geschichtsfälscher

Da dieses Treffen ein wichtiger Schritt für die Organisation der Massenvernichtung war, greifen Holocaustleugner das Ereignis selbst und das Protokoll der Wannsee-Konferenz ebenso heftig wie vergeblich an.

Unter dem Titel Anatomie einer Fälschung versuchte beispielsweise Johannes Peter Ney, den Nachweis zu führen, das Protokoll der Sitzung sei kein historisches Dokument. Gleich zu Anfang seines Textes lässt sich der Autor zu einer erstaunlichen Behauptung hinreißen:

Bei versuchter Prüfung der Holocaust-Dokumente fällt eine solche Untersuchung allerdings bisher aus, da in den wenigen Fällen, in denen Originale bekannt sind, diese von den Archiven eifersüchtig gehütet werden und jeder Vorstoß zu einer solchen naturwissenschaftlich-technischen Untersuchung im Keim erstickt wird.

Johannes Peter Ney, „Anatomie einer Fälschung“ in: Ernst Gauss (d.i. Germar Rudolf), Grundlagen zur Zeitgeschichte

Man muss das zweimal lesen, um wirklich zu begreifen, was der Mann hier sagt. Er spricht nicht allein über die Dokumente des Wannsee-Protokolls, sondern die Formulierung bezieht sich erkennbar auf die Gesamtheit der Holocaust-Dokumente, und damit sagt er nichts anderes als dies: Kein einziges Dokument in Zusammenhang mit dem Holocaust sei jemals von irgendeinem Historiker wirklich auf seine Echtheit überprüft worden.

Das ist kein verhandlungsfähiges Argument, sondern eine völlig indiskutable Frechheit; und dass Ney so etwas in einem Buch des Holocaust-Leugners Germar Rudolf erscheinen lässt, ist schon nicht mehr sonderlich überraschend.

Im Abschnitt „Sachwidriger Inhalt“ behauptet Ney, das Wannsee-Protokoll enthalte sachliche Fehler, die als Beleg dafür gelten könnten, dass es nicht echt sei. Ney zitiert und schreibt:

„Im Zuge dieser Endlösung [...] kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht.“ Selbst die herrschende Meinung geht davon aus, daß niemals mehr als 7 Mio. Juden im Zugriffsbereich Hitlers waren. Tatsächlich waren es sogar nur etwa 2,5 Millionen. [7] – [11], [19]

Johannes Peter Ney, Anatomie einer Fälschung, S. 265

Die Fußnoten „[7] – [11], [19]“ beziehen sich ausschließlich auf geschichtsrevisionistische Werke. Wo man die „herrschende Meinung“ nachlesen kann, die zu kritisieren er vorgibt, erklärt er nicht.

1943 wurde auf Himmlers Veranlassung eine Statistik über „Die Endlösung der europäischen Judenfrage“ verfasst, die unter dem Namen Korherr-Bericht bekannt geworden ist. Wie der Name schon andeutet, war der Korherr-Bericht gewissermaßen die in Zahlen gefasste Vollzugsmeldung für die Umsetzung der Maßnahnen, die auf der Wannsee-Konferenz besprochen worden waren. Vergleichbare Zahlen für die europäischen Juden hatte Viktor Brack bei seinen Überlegungen zur Röntgenkastration und -sterilisation schon im März 1941 genannt.

Von der Gesamtzahl aller Juden auf der Welt, so heißt es dort, „leben um 1937 etwa 10,3 Millionen (60 vH) in Europa“. Die Zahlen des 1943 verfassten Korherr-Berichts decken sich insofern recht gut mit den 1942 am Wannsee zugrunde gelegten Daten.

Außerdem hat Herr Ney sich hier in „revisionistischer Wahrheitssuche“ geübt, was nichts anderes heißt als: Er hat unredlich zitiert.

Ney nennt die erwähnten 10 bis 11 Millionen Juden und wendet ein, dass „niemals mehr als 7 Mio. Juden im Zugriffsbereich Hitlers waren“. Dabei verschweigt er, dass im Wannsee-Protokoll direkt nach der erwähnten Zahl von elf Millionen Juden die europäischen Länder aufgelistet werden, in denen diese Juden damals gelebt haben. Neben den tatsächlich eroberten Gebieten wird beispielsweise das nie von den Nazis besetzte England mit 330 000 ansässigen Juden eingerechnet, außerdem die UdSSR mit insgesamt fünf Millionen Juden, die niemals völlig in den Machtbereich der Nazis geraten sind. Auch Spanien, die Türkei und das nicht besetzte Gebiet Frankreichs werden erwähnt.

Die Nazis haben an dieser Stelle nicht nur die Juden in den besetzten Gebieten, sondern alle europäischen Juden zusammengerechnet, ob die betreffenden Gebiete zu diesem Zeitpunkt nun schon erobert waren oder nicht. Dahinter steckte offenbar die Überlegung: Ganz egal, wo die Juden heute in Europa sind, wir werden sie noch in unsere Gewalt bekommen. Soweit die nicht besetzten Gebiete mitgezählt worden sind, muss man das Wannsee-Protokoll offenbar als Absichtserklärung verstehen.

Die Tatsache, dass manche Länder dann doch nicht erobert wurden, so dass die dort lebenden Juden dem Zugriff der Nazis entzogen blieben, spricht natürlich keineswegs gegen die Echtheit des Wannsee-Protokolls. Das Wannsee-Protokoll ist genauso echt wie Neys Absicht, die Leser hinters Licht zu führen; aber bei dem dankbaren Publikum, das Ney und Rudolf bedienen, ist die Gefahr, dass jemand sich ernsthaft um die Quellen bemüht, ohnehin nicht sehr groß.

Keine Entscheidung, sondern Organisation des Massenmordes

Ein Stück weiter erklärt Ney, es hätten nur Leute von vergleichsweise niedrigem Rang an der Konferenz teilgenommen, und fragt:

Ist es denkbar, daß untergeordnete Leute den Völkermord beschließen?

Johannes Peter Ney, „Anatomie einer Fälschung“, S. 265

Dies ist genau das, was Yehuda Bauer als alberne Geschichte vom Wannsee bezeichnete.

Die Teilnehmer der Konferenz haben keinen Beschluss gefasst. Die Entscheidung zum Judenmord hatte Hitler vorher getroffen. Auf der Sitzung höherer Ministerialbeamter in der Villa am Großen Wannsee in Berlin wurde am 20. Januar 1942 lediglich die organisatorische Durchführung und Koordination der „Endlösung“ besprochen, und die Ministerialbürokratie wurde auf den längst von Hitler beschlossenen Kurs eingeschworen.

Ney hat hier eine nicht unbekannte „revisionistische“ Turnübung absolviert: Er hat eine Behauptung „widerlegt“, die er den Historikern eigens zu diesem Zweck selbst untergeschoben hat.

Adolf Eichmann, der Bürokrat der Massenvernichtung

Adolf Eichmann, der Bürokrat der Massenvernichtung

Der Protokollführer Eichmann

Adolf Eichmann führte das Protokoll, was Ney jedoch ohne gute Gründe als nicht bewiesen darstellt; immerhin erwähnt Ney aber Eichmanns Prozess in Jerusalem, bei dem das Protokoll erwähnt worden sei.

Nur über das, was Eichmann dazu ausgesagt hat, schweigt Ney sich wieder aus. Das ist kein Wunder, denn viele Marginalien, die Ney als Beweis für die vermeintliche Fälschung erwähnt, erledigen sich von selbst, wenn man sich ansieht, was Eichmann in Jerusalem sagte: Er habe das Protokoll auf Heydrichs Geheiß nachträglich redaktionell überarbeitet. Darüber wird gleich noch zu sprechen sein.

Ein weiterer Kritikpunkt, der manchmal von Holocaustleugnern vorgebracht wird, ist die Tatsache, dass im Protokoll der Sitzung das Wort „Massenmord“ nicht explizit vorkommt. Daher unterstellen Holocaust-Leugner, mit dem erwähnten Begriff der „Endlösung“ sei etwas vergleichsweise Harmloses gemeint gewesen [vgl. Tarnbegriffe]. Das klang im Usenet beispielsweise so:

Ach bitte – wo genau steht da, daß jemand gesagt hat, „Endlösung“ bedeute ab jetzt „Massenmord“? Ich kann diese Stelle nicht finden.

„Hajott“, 18 Mar 1999, de.soc.politik, Subject: Re: Holocaust nicht einmalig, Message-ID: 37034ccf.2131406@ news.nzwide.ihug.co.nz

Es wundert mich nicht, dass „Hajott“ genau wie alle anderen Auschwitzleugner im Text des Wannseeprotokolls nicht zu erkennen vermag, dass dort die systematische Ermordung von mehreren Millionen Menschen behandelt wurde.

Es wundert mich auch nicht, dass dieser germanischste aller Germanisten, der sonst so großen Wert auf Kontext legt, in diesem Fall nicht zu erkennen vermag, was das Wannseeprotokoll im Kontext des Naziregimes zu bedeuten hat.

Im Kontext eines anderen Systems könnte man möglicherweise behaupten, die Aussage des Wannseeprotokolls sei nicht eindeutig. Im Kontext des Naziregimes wäre es höchst erstaunlich, wenn irgendetwas anderes als systematischer Massenmord gemeint gewesen wäre.

Wie der Begriff „Endlösung“ zu verstehen ist, geht beispielsweise aus einem Erlass hervor, den Göring im Frühsommer 1941 in Zusammenhang mit „Umsiedlungsangelegenheiten“ von Juden herausgab.

Damit besaß Eichmann auch das rechtliche Instrument, alle Einmischungen anderer Behörden in seine Maßnahmen auszuschalten. In diesem Erlass kommt das Wort „Endlösung“ vor. Der Madagaskar-Plan lief unter diesem Stichwort, erst später hat der Begriff „Endlösung“ eine völlig andere Bedeutung bekommen und wurde als Tarnwort für die biologische Vernichtung des europäischen Judentums von Himmler und Eichmann benutzt. Dies wurde von Eichmann bewusst gemacht, um andere Behörden, die in die Umsiedlungspläne eingeweiht waren, mit der Anwendung des für die Umsiedlungsaktion bisher gebrauchten Kennwortes zu täuschen.

Der Eichmann-Mitarbeiter Wisliceny
zit. n. P. Longerich
Die Ermordung der europäischen Juden, S. 94; vgl. auch Volltext der Aussage Wislicenys in Bratislava

Die Nazis hatten ein Problem: Um das Vernichtungsprogramm effizient durchführen zu können, waren sie auf die Mitwirkung zahlreicher ziviler Behörden angewiesen (z.B. Reichsbahn usw.). Diesen Leuten konnten die Nazis aber schlecht den Befehl erteilen, sich an der geplanten Massenvernichtung aktiv zu beteiligen. Also gab man den Mitarbeitern die Möglichkeit, so zu tun, als hätten sie von nichts gewusst. Daher die Tarnsprache. [vgl. Tarnbegriffe der Nazis]

Natürlich wussten die Mittäter Bescheid, mindestens in den oberen Etagen, aber sie hatten dank der Sprachregelung die Möglichkeit, die Augen zu schließen und genau das zu sagen, was „Hajott“ hier vorführt: „Wieso Mord? Da war doch bloß von Umsiedlung und Endlösung die Rede. Ich habe von nichts gewusst.“

Dass mit „Endlösung“ aber tatsächlich Massenmord gemeint war, konnte neben Wisliceny auch Eichmann selbst bestätigen.

Prozeßvernehmung Eichmanns zur "Wannsee-Konferenz", 24.7.1961:

F[rage] Jetzt wegen des Wannseeprotokolls – wegen der Wannseetagung – haben Sie meinem Kollegen, dem Richter Raven, geantwortet, daß in dem Teil, der nicht im Protokoll erwähnt ist – über Tötungsmethoden gesprochen wurde.

A[ntwort] Jawohl.

F. Wer hat über dieses Thema gesprochen? Da?

A. Im einzelnen ist mir diese Sache heute nicht mehr gegenwärtig, Herr Präsident, aber ich weiß, daß die Herren beisammen gespannt und beisammen gesessen sind und da haben sie eben in sehr unverblümten Worten – nicht in den Worten, wie ich sie dann ins Protokoll geben mußte, sondern in sehr unverblümten Worten die Sache genannt – ohne sie zu kleiden. Ich könnte mich dessen auch bestimmt nicht mehr erinnern, wenn ich nicht wüßte, daß ich mir damals gesagt hätte: schau, schau der Stuckart, den man immer als einen sehr genauen und sehr heiklen Gesetzesonkel betrachtete und da hier wars eben der Ton und die ganzen Formulierungen waren hier sehr unparagraphenmäßig gewesen. Das einzige, möchte ich sagen, das mir noch effektiv dieserhalb im Gedächtnis haften geblieben ist.

Vorsitzender: Was hat er über dieses Thema gesagt?

A. Im einzelnen, Herr Präsident, möchte ich ...

F. Nicht im einzelnen – im allgemeinen!

A. Es wurde von Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen. Ich selber hatte ja meine Vorbereitungen zu machen für die Protokollangelegenheit – ich konnte nicht dastehen und einfach zuhorchen – aber die Worte drangen eben zu mir herein – zu mir ran, denn das Zimmer war ja nicht zu groß gewesen, als daß man in dem Wortschwall nicht einzelne Worte hätte aufgeschnappt ...

Vorsitzender: Ich dachte, das war im offiziellen Teil der Tagung?

A. Der offizielle Teil – der hat nicht sehr lange gedauert, das war der ...

F. War das in dem offiziellen Teil oder nicht – ich dachte mir, das war in dem offiziellen Teil, weil das im Protokoll erscheint und ...

A. Es war auch im offiziellen Teil, Herr Präsident, aber der offizielle Teil, wenn man so will, der setzte sich wieder aus zwei Teilen zusammen – nämlich der Anfang – wo alles ruhig gewesen ist und zu gehorchen hat und dann gegen das Ende zu, wo die Sache durcheinandergesprochen wurde und wo die Ordonnanzen überreichten die ganze Zeit Cognac oder andere Getränke und es ist nicht, daß etwa eine alkoholische Wirkung zustandegekommen wäre – ich will damit nur sagen, es war eine offizielle Angelegenheit – aber doch wieder keine chefoffizielle Angelegenheit, wo jeder ruhig war und jeder jeden ruhig aussprechen ließ, sondern wo am Ende alles durcheinander gesprochen wurde.

Vorsitzender: Aber auch diese Sachen wurden von den Stenographen oder der Stenographin aufgenommen?

Angeklagter: Von den Stenographen. Jawohl.

Vorsitzender: Und Sie haben anscheinend dann den Auftrag bekommen, das nicht in das offizielle Protokoll hineinzuschreiben.

Angeklagter: Jawohl, das war so gewesen. Die Stenotypistin saß neben mir und ich hatte dafür zu sorgen, daß das alles aufgenommen wird. Und nachher hatte dann die Stenotypistin das abgeschrieben und Heydrich hat dann bestimmt, was in das Protokoll hineinkommen soll und was nicht. Und dann hatte er es gewissermaßen noch abgeschliffen und damit war die Sache fertig.

Vorsitzender: Und was über dieses wichtige Thema gesprochen wurde, daran erinnern Sie sich überhaupt nicht.

Angeklagter: Herr Präsident, wenn ich das wüßte, was das Wichtigste ist...

Vorsitzender: Entschuldigen Sie, ich habe nicht gesagt das Wichtigste, ich sagte 'ein wichtiges Thema', so wichtig, daß man es ...... kann [sic].

Angeklagter: Nein, im Gegenteil, Herr Präsident, das Wesentliche wollte Heydrich in das Protokoll verankert wissen, weil er die Staatssekretäre 'annageln' wollte und im Protokoll verhaften wollte. Wie soll ich das nennen, gerade um Hitler, das Wesentliche ist im Protokoll drin und das Unwesentliche das hat er ausgelassen, weil er sich hier gewissermaßen die – wie soll ich das sagen – eine Art Rückversicherung geschaffen hat, indem er die Staatssekretäre einzeln festgenagelt hat.

zit. n. Ermordung, S. 92ff

Ich habe das bewusst so ausführlich zitiert, weil hier die Doppelzüngigkeit der Nationalsozialisten sehr schön zum Ausdruck kommt. Die Staatssekretäre wurden „festgenagelt“ auf einen Text, den Heydrich anschließend auch noch redigierte. Die Massenvernichtung wird im Text nicht explizit erwähnt, sodass die Herren sich darauf zurückziehen konnten, von nichts gewusst zu haben.

Einladung für Ausreden

Das gab diesen führenden Beamten die Möglichkeit, ihren Untergebenen gegenüber auf die Buchstaben des Protokolls zu pochen und zu sagen: Nun spielt aber auch schön mit, Leute. Es gibt keinen Grund, hier irgendwelche Einwände zu erheben, alles ist in bester Ordnung, wir bringen niemanden um.

Dennoch waren sich diese leitenden Beamten, wie Eichmanns Aussage zeigt, völlig darüber im Klaren, was mit der Wannsee-Besprechung beabsichtigt war, denn sie haben „in sehr unverblümten Worten – nicht in den Worten, wie ich sie dann ins Protokoll geben mußte“ von „Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen“.

Dies übrigens in Anwesenheit von Heydrich, der doch sicherlich eingeschritten wäre, wenn er den Eindruck gehabt hätte, dass die Staatssekretäre ihn missverstehen und auf einmal von „Mord“ reden, wo er etwas ganz anderes gemeint hat.

Aber dazu gab es keinen Grund, denn sie hatten ihn ja völlig richtig verstanden:

„Der Führer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen.“

Diesen Satz sagte er mir. Und als ob er jetzt nun die Wirkung seiner Worte prüfen wollte, machte er, ganz gegen seine Gewohnheit, eine lange Pause.

Adolf Eichmann über ein Gespräch mit Reinhard Heydrich, zit. n. Ermordung, S. 81

Die Wannsee-Besprechung diente der organisatorischen Umsetzung einer Entscheidung, die längst auf höchster Ebene gefallen war. In der Villa am Großen Wannsee wurden nur noch die leitenden Mitarbeiter einiger Ministerien instruiert, um den Beamtenapparat „auf Linie“ zu bringen.

Aber so ein differenziertes Bild muss natürlich jeden rechtsextremistischen Hitler-Apologeten gnadenlos überfordern: Im Wannsee-Protokoll steht nicht ausdrücklich drin, dass die Nazis die Juden ermorden wollten – also haben sie es auch nicht getan.

So einfach kann die Welt sein, wenn man „revisionistisch“ glaubt, statt geschichtswissenschaftlich zu denken.

Quellen und Verweise