J. G. Burg Zionnazi Zensur in der BRD
Josef G. Burg (d.i. Josef Ginsburg, 1908–1990) wurde wegen seiner antisemitischen, den Holocaust leugnenden Schriften 1979 aus der israelitischen Kultusgemeinde ausgeschlossen [vgl. J. G. Burg, Zionnazi Zensur in der BRD, S. 9, S. 63].
Das hier besprochene Buch ist austauschbar; was hierzu anzumerken ist, gilt weitgehend für alles, was Burg veröffentlicht hat.
Es ist anstrengend. Nicht so sehr, weil die Gedankengänge im Buch manchmal schwer nachvollziehbar sind, sondern weil es schwer ist, sie überhaupt erst einmal zu finden. Der Autor springt erratisch hin und her, und nach einer Weile fragt man sich: Worüber schreibt er denn nun eigentlich? Es dauert eine Weile, bis der Leser begreift, dass dies kein eigenes Unvermögen, sondern berechtigte Textkritik am Text ist.
Einige Themen ziehen sich allerdings wie rote Fäden durch Burgs Schriften, und einer davon heißt: Der Autor hatte etwas gegen Juden und besonders gegen Zionisten [vgl. Antisemitismus, Zionismus]. Seiner Ansicht nach waren nicht die Hitler-Faschisten, sondern Juden die wahren Nazis:
Zionismus, es ist längst schon bewiesen, ist der jüdische Faschismus-Nationalsozialismus übelster Sorte.
Burg, Zionnazi Zensur in der BRD, S. 9
Die Verschmelzung der Begriffe „Zionismus“ und „Nationalsozialismus“ taucht auch bei anderen Autoren auf, die das NS-System entlasten wollen; vgl. etwa Hennecke Kardel, Springers Nazionismus.
Wenn Burg sein Buch Zionnazi Zensur in der BRD nennt und dann erklärt, die Aussage, die eigentlich das Thema des Buchs sein sollte, sei anderswo „längst schon bewiesen“, ist das ein wenig unbefriedigend. Es wäre hilfreich gewesen, wenn er dieses „Anderswo“ näher beschrieben hätte.
Was dann im Buch folgt, ist chaotisch, anekdotisch und in geschichtswissenschaftlicher Hinsicht weitgehend unbrauchbar, aber dafür immerhin voller Vorurteile.
Mit unbelegten Behauptungen wie dieser ist Burg aber jedenfalls ausreichend qualifiziert, um in verschiedenen „revisionistischen“ Büchern als vertrauenswürdige Quelle genannt zu werden:
Nein, und nochmal nein, Massenvernichtungen gab es in keinem KZ.
Burg, Zionnazi, S. 94
Und was wir über den Holocaust zu wissen glauben, sei natürlich gefälscht, behaupten manche Wahrheitssucher unter Berufung auf Burg – und die Fälscher seien selbstverständlich Juden gewesen.
In meinen Gesprächen und Korrespondenzen mit unserem jüdischen Mitbürger _Josef G. Burg_ erfuhr ich von ihm, daß zwischen 1945 und 1948 die größte jüdische Foto- und Dokumentenfälscherzentrale der damaligen Zeit in Wolfratshausen südlich von München arbeitete. Danach wurde diese Zentrale aufgelöst; das meiste ging nach Washington und Tel Aviv.
(Diese Aussagen müssen ja nicht deshalb schon falsch sein, weil sie von einem Juden kommen).
Helmut F., de.soc.politik, 23.11.1996, Message-ID: 6LQkiZhn87B@hfupoint.ius.gun.de
Die Quelle für die oben zitierte Behauptung dürfte Udo Walendys „revisionistische“ Zeitschriftenreihe Historische Tatsachen sein:
Das jüdische DP-Lager Föhrenwald-Wolfratshausen, 20km von München entfernt gelegen, beherbergte die größten Dokumentenfälscher- und Fotomontage-Ateliers im besetzten Deutschland. Gegründet 1945 und aufgelöst 1948 ging ein Teil an die CIA in Deutschland, ein Teil wurde nach Washington geschickt und der größte Anteil ging nach Tel Aviv. 91)
[Fußnote 91:] J. G. Burg, „Sündenböcke“, München 1980, S. 155
Udo Walendy, Historische Tatsachen 1, Nachdruck 1994.
„Revisionisten“ unter sich: Walendy zitiert Burg (HT 1, hier Nachdruck 1994, PDF)
Walendys Quellenangabe scheint nicht zu stimmen; in Burgs Buch Sündenböcke kommen „Wolfratshausen“, „Föhrenwald“ und „Fotomontage“ nicht vor. Möglicherweise ist Schuld und Schicksal gemeint; in meiner PDF-Version ist die betreffende Passage auf S. 164 zu finden.
Eine Erklärung für die höhere Seitenzahl könnte die sein, dass ich eine erweiterte Neuauflage habe. Leider hat Burg die womöglich vermehrte Seitenzahl aber nicht genutzt, um irgendwo doch noch die Quellen für seine Behauptung unterzubringen. Was er schreibt, ist nirgends belegt und nicht überprüfbar, also aus historischer Sicht weitgehend wertlos und daher für den „Revisionisten“ Walendy unbedingt zitierfähig.
Was Walendy und andere da treiben, legt die Vermutung nahe, dass es für „Revisionisten“ zwei Arten von Juden gibt: die „guten“ und die „bösen“. Das Credo sieht anscheinend so aus:
a) Wenn ein Jude (wie Burg) sagt, der Holocaust sei nicht passiert, dann muss man ihm das glauben, denn er ist ja ein Jude.
b) Wenn ein Jude sagt, der Holocaust sei passiert, dann darf man ihm das nicht glauben, denn er ist ja ein Jude.
Man denkt hier unwillkürlich an Heinrich Himmlers Rede im Oktober 1943 in Posen:
Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – „Das jüdische Volk wird ausgerottet“, sagt ein jeder Parteigenosse, „ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.“ Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude.
[In der Audiodatei sind Sprechpausen leicht gekürzt]
Heinrich Himmler, Rede vor SS-Offizieren, 04.10.1943
Anscheinend haben Walendy & Co. hier in Himmlers Sinne ihren „anständigen“ Juden gefunden, der ihre unhaltbaren Ideen stützt.
Es scheint die Burg-Zitierer nicht einmal zu stören, dass der antisemitische Autor zeitweise für die „Gegenseite“ hinter dem „antifaschistischen Schutzwall“ tätig war, genauer gesagt, für die Stasi [vgl. Berliner Zeitung, DDR-Geschichte]. Das ist erstaunlich, weil in der Welt der Leugner der Ostblock als das von Juden beherrschte „Reich des Bösen“ gilt, und was von dort beeinflusst ist, darf prinzipiell nicht als vertrauenswürdig gelten. Es sei denn natürlich, es hilft beim Leugnen.
Germar Rudolf (als Ernst Gauss) findet zwar – durchaus verständlich – Burgs Schreibstil schwer verdaulich, sieht ihn aber trotzdem als „revisionistischen“ Kampfgefährten:
Auch in Deutschland gibt es eine gewisse revisionistische Tradition. Als erster trat der Jude J. Ginsburg unter dem Pseudonym J. G. Burg in Erscheinung. Seine Werke zeichnen sich durch einen stellenweise extrem polemischen Stil aus, wodurch sie für heutige Zeitgenossen kaum genießbar sind.
Germar Rudolf, Holocaust-Revisionismus, S. 274
Mit der Behauptung, der Holocaust habe nicht stattgefunden, hat sich Burg trotz – oder gerade wegen – seines konsequenten Verzichts auf historische Quellen als beliebter „revisionistischer“ Mitstreiter qualifiziert, und wie nicht anders zu erwarten, bedient Burg sich der üblichen „Argumente“, die man von diesen Leuten kennt.
So zitiert er etwa auf Seite 76 einen Leserbrief von Carl-Arthur Bühring an die Stuttgarter Nachrichten vom 10.02.1978, der auf knappem Raum einen guten Einblick in das Repertoire der Auschwitzleugner gibt und offenbar genau das enthält, was Burg mit eigenen Worten nicht besser hätte ausdrücken können. Einige Beispiele:
- Der Internationale Suchdienst in Arolsen hätte eine Gesamtzahl von etwa 350.000 Opfern genannt.
- Ein Statistiker namens Listojewski hätte die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auf maximal 500.000 geschätzt.
- Das „internationale Judentum“ hätte Deutschland den Krieg erklärt.
Auf Seite 108 bezieht Burg sich auf eine Äußerung des Historikers Broszat, die sich, angemessen entstellt, bei den Leugnern des Judenmordes großer Beliebtheit erfreut.
Auf Seite 210 erwähnt Burg den sogenannten „Kaufman-Plan“, der die Ausrottung aller Deutschen propagiert habe. Er sei, schreibt Burg, genau wie der Morgenthau-Plan nur deshalb aufgegeben worden, weil man sich „die verfluchten lieben Bundesdeutschen als Robotersklaven erhalten wollte“
, die „fleißig Reparationen“
zu zahlen hätten.
Auch die Behauptung, Rudolf Höß, der Kommandant von Auschwitz, habe seine Aussage unter Folter gemacht, darf in so einem Werk nicht fehlen.
So lesen sich denn auch Burgs Lesetipps wie ein „Who is Who“ der Auschwitzleugnerei. Er nennt unter anderem:
- Hennecke Kardel
- Paul Rassinier
- Thies Christophersen
- Unabhängige Nachrichten
- Spotlight (rechtsextreme Publiation; nicht zu verwechseln mit der anderen gleichnamigen Zeitschrift)
Auf Seite 212 setzt Burg ein Foto ein und schreibt darunter:
Jugendliche protestierten im Mai 1978 in Hamburg mit Eselsmasken und Plakaten (
„Ich Esel glaube noch, daß in deutschen KZ's[!] Juden vergast wurden“) gegen die antideutschen Greuellügen. Jugendliche, die den Mut haben öffentlich für die Wahrheit zu demonstieren[!] werden als Neonazistische[!] Häretiker abqualifiziert.
Burg, Zionnazi, S. 212
Einer dieser angeblich mutig für die Wahrheit demonstrierenden Jugendlichen trägt im Gegensatz zu seinen Kameraden keine Eselsmaske und ist deutlich zu erkennen. Es ist der Neonazi Michael Kühnen.
1988 trat Burg vor Gericht als Zeuge für Ernst Zündel auf.
J. G. Burg wird u.a. zitiert von:
- Willie Martin, 436 Quotes by and about Jews
- Walter Sanning, Die Auflösung des osteuropäischen Judentums
- Ernst Zündel, diverse Texte, z.B. Germania-Rundbriefe
- Jan van Helsing, Geheimgesellschaften 2
- Germar Rudolf, Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, außerdem zahlreiche weitere Texte, z.T. unter Pseudonymen
- Jürgen Graf, Der Holocaust im Klassenzimmer, auch: Holocaust auf dem Prüfstand
- Werner Kretschmer, Der mittelalterliche Hexenprozeß und seine Parallelen in unserer Zeit
- Franz J. Scheidl, Geschichte der Verfemung Deutschlands, Bd 4: Die Millionenvergasungen
- Gerd Honsik, Freispruch für Hitler?
- Herbert Tiedemann, „Babi Jar: Kritische Fragen und Anmerkungen“, in: Grundlagen zur Zeitgeschichte, Hrsg. Germar Rudolf
- Johannes Peter Ney, Das Wannsee-Protokoll: Anatomie einer Fälschung, in: Grundlagen zur Zeitgeschichte, Hrsg. Germar Rudolf
- Ahmed Rami, Ein moderner Hexenprozess
- Wilhelm Stäglich, Der Auschwitz-Mythos
- Helmut F., diverse Usenet-Beiträge