Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Ursula Haverbeck Das größte Problem

Fragwürdige Behauptungen

Ursula Haverbeck (1928–2024) war bis an ihr Lebensende eine störrische Holocaustleugnerin und hielt trotz aller Widerlegungen an ihren einmal gefassten Vorurteilen fest.

Die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck

Ursula Haverbeck

2015 veröffentlichte Haverbeck ein 19 Minuten langes Video, in dem sie ihre Ansichten zum Holocaust zusammenfasst. Wie zu erwarten, „beweist“ sie dort, dass damals rein gar nichts passiert sei. Etwa bei 00:40 sagt sie:

[…] jedermann weiß doch, dass vor allem in Auschwitz sechs Millionen Juden vergast worden seien. Aber gerade in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren ist diese Behauptung immer fragwürdiger geworden.

Haverbeck, Video, ca. 19 Minuten, Das größte Problem, Eine notwendige, abermalige Begriffsbestimmung: Arbeitslager, Vernichtungslager – KZ.

Diese Darstellung ist irreführend. Die Geschichtswissenschaft behauptet nicht, vor allem in Auschwitz seien sechs Millionen Juden vergast worden. Der Wissensstand ist seit Jahrzehnten in etwa dieser: Mindestens drei Millionen Juden wurden in Vernichtungslagern ermordet, darunter mehr als eine Million in Auschwitz. Rund drei Millionen Juden starben außerhalb der Vernichtungslager: Hunger, Krankheiten, Seuchen, Misshandlungen, und schließlich die Massenerschießungen und Gaswagen der sogenannten "Einsatzgruppen".

Haverbeck greift einen Standpunkt an, den die Geschichtswissenschaft überhaupt nicht vertritt, ein beliebtes Strohmann-Manöver der Holocaustleugner.

Bei 00:56 erwähnt sie die „Reduzierung der Opferzahlen in Auschwitz selber“. Auch das ist ein längst widerlegter Trick der Auschwitzleugner. Bei 01:06 erklärt sie, was sie in diesem Fall damit meint:

(…) am 8. Oktober 1993 (…) die Tafel mit den vier Millionen Ermordeten heruntergenommen und ersetzt durch eine andere Tafel mit nur 1,5 Millionen

Ursula Haverbeck, Das größte Problem, 01:06.

Es dürfte sogar für „Revisionisten“ erstaunlich – wenn nicht gar peinlich – sein, dass Haverbeck immer noch auf diese Irreführung zurückgreift.

Bei 02:09 bezieht sie sich auf Fritjof Meyer und sagt: „In Auschwitz selber ist überhaupt niemand vergast worden“. Fritjof Meyer erklärt allerdings, dass seiner Ansicht nach 365.000 Juden außerhalb des Lagers Auschwitz in Bauernhäusern ermordet worden seien.

Fritjof Meyers Berechnungen und Überlegungen sind fehlerhaft und nicht haltbar – in Auschwitz wurden mehr als eine Million Menschen ermordet –, doch man muss sich fragen, warum Haverbeck den Holocaust ausgerechnet mit einem Text widerlegen will, aus dem zumindest hervorgeht, dass ein Massenmord stattgefunden hat.

Außerdem handelt sie sich mit Meyers Text noch ein weiteres Problem ein, denn Meyer schreibt ganz richtig, dass die Zahl von vier Millionen Auschwitz-Opfern ein Produkt der sowjetischen Propaganda war.

Bei 04:10 beruft sie sich auf die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegebenen Standort- und Kommandanturbefehle und meint:

[…] daraus wird eindeutig und unwiderlegbar ersichtlich, dass es sich in Auschwitz nicht um ein Vernichtungslager, sondern um ein Arbeitslager gehandelt habe, in dem die Menschen möglichst arbeitsfähig zu erhalten seien

Ursula Haverbeck, Das größte Problem, 04:10

Zunächst einmal ist dies eine vorsätzliche Täuschung. Auschwitz war beides, Arbeits- und Vernichtungslager.

Zu dem Komplex gehörten drei große Abteilungen: Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz II (Birkenau) und Auschwitz III (Monowitz). Im Stammlager fanden nur in der Anfangszeit Vergasungen statt, bei denen etwa 10.000 Häftlinge ermordet wurden. Der weitaus umfangreichere Massenmord geschah später in Birkenau. Monowitz war wiederum ein Zwangsarbeiterlager. Eingelieferte Juden wurden an der „Rampe“ selektiert. Die Arbeitsfähigen durften unter schrecklichen Bedingungen noch eine Weile leben. Wer zu krank, zu alt oder zu schwach war, wurde ermordet.

Zweitens gibt es ein Video von „3Sat Kulturzeit“, in dem Norbert Frei als Hauptverantwortlicher der Kommandanturbefehle deutlich widerspricht (6:08).

Die sind dafür natürlich kein Beweis, sondern ganz im Gegenteil, sie enthalten eine Fülle von mehr oder weniger verdeckten, aber leicht zu entschlüsselnden Hinweisen darauf, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eben aus dem Konzentrationslager Auschwitz oder aus diesem Auschwitz-Komplex eben auch das Vernichtungslager geworden ist. (…) Das sind Dokumente, die an eine ganz große Zahl, an einen sehr großen Verteiler gegangen sind, und da wird man natürlich nicht die Einzelheiten des Holocaust hinterlegen.

Norbert Frei in: 3Sat Kulturzeit

Etwa bei 08:10 wärmt Haverbeck das längst widerlegte Märchen auf, Rudolf Höß, der Kommandant von Auschwitz, sei mittels Folter zu seinem Geständnis gezwungen worden, erwähnt aber nicht, dass er in Nürnberg als Zeuge der Verteidigung aufgetreten ist.

Bei 09:26 kommt dann, wie bei Holocaustleugnern nicht anders zu erwarten, der verschwörungsfantastische Teil ihrer Ideenwelt zum Vorschein:

[…] dass der Holocaust die größte und nachhaltigste Lüge in der Geschichte ist. Es bedurfte ihrer, um endlich die seit Jahrhunderten angestrebte Weltherrschaft der Auserwählten zu vollenden […] Ob wir sie nun Zionisten, Chasaren, Oligarchen oder Globalisierer nennen, es sind immer dieselben.

Ursula Haverbeck, Das größte Problem, 09:26

Für manche Leute, allen voran Nationalsozialisten, sind die Juden (oder Zionisten) ganz einfach das Grundübel der Welt. Die Ritualmorde hat Haverbeck an dieser Stelle freundlicherweise ausgelassen [vgl. auch Antisemitismus].

Und da sie schon einmal dabei ist, antisemitische Propaganda zu verbreiten, darf die sogenannte jüdische Kriegserklärung vom 24.03.1933 nicht fehlen (12:44):

Nach der Haager Landkriegsordnung dürfen die Angehörigen einer feindlichen Nation interniert werden (…)

Ursula Haverbeck, Das größte Problem, 12:44

Das ist allerdings 1933 gar nicht passiert. Die massenhafte Deportation in „jüdische Wohnbezirke“ (sprich: in Ghettos) begann nach dem Überfall auf Polen Ende 1939 und war eine logistische Vorstufe der Vernichtung. Vielleicht denkt Haverbeck, sie hätte Hitler besser beraten als seine damaligen Mittäter.

Und welche feindliche Nation meint sie eigentlich? 1933 waren die Juden, die das NS-Regime hätte internieren können, bis auf wenige Ausnahmen deutsche Staatsbürger. Es sei denn, man nimmt sich das NSDAP-Parteiprogramm zu Herzen, macht die Nationalität vom „Blut“ abhängig und sieht das so: „Kein Jude kann daher Volksgenosse sein“ [vgl. NSDAP-Parteiprogramm]. Haverbeck hat offenbar ein sehr großes Herz für die NS-Ideologie.

Ursula Haverbeck galt als Ikone der rechtsextremen Szene. Das Collegium Humanum, dessen Vorsitz sie 1999 übernahm, war ein Knotenpunkt der rechtsextremen und neonazistischen Vernetzung. Auch im „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ war sie aktiv. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Robert Faurisson, Jürgen Graf, Gerd Honsik, Horst Mahler, Germar Rudolf, Wilhelm Stäglich und Ernst Zündel.

Auf Demonstrationen sieht man häufig Transparente mit der Aufschrift „Freiheit für Ursula“, was übersetzt wohl so viel bedeutet wie: „Wir würden jetzt gern den Holocaust leugnen, aber wir dürfen leider nicht.“

Auch David Icke und die Neonazi-Kleinpartei Der Dritte Weg äußerten sich mitfühlend über eine Haftstrafe der „Nazi-Oma“, wie eine britische Zeitung sie nannte.

Natürlich kann man darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Holocaustleugner einzusperren. Manche US-Amerikaner verabscheuen Leugner und bekämpfen aktiv deren Fälschungen, sind zugleich aber strikt dagegen, sie juristisch zu sanktionieren. Festzuhalten ist aber, dass es um den sogenannten „Revisionismus“ nicht gut bestellt sein kann, wenn jemand wie Haverbeck trotz der erwähnten fadenscheinigen Argumente so viel Zuspruch erhält.

Siehe auch