Jo Conrad Entwirrungen
Ein anspruchsvoller Buchtitel.
Jo Conrad befindet sich an einer Schnittstelle zwischen Esoterik, unpolitischen Verschwörungsgläubigen und Rechtsextremismus.
Wie Jan van Helsing würzt er seine spirituellen Einsichten mit NS-nahen bzw. NS-apologetischen Einsprengseln.
Dies sind keine „Ausreißer“; die Offenheit für solche Ideen ist immer wieder in seinen Büchern und Texten sowie in seinem Forum festzustellen.
Jo Conrad, Verschwörungserzähler am rechten Rand
Jo Conrad, Entwirrungen (1996)
Der Autor hat das PDF für Entwirrungen nach eigenen Angaben vermutlich auf Grundlage der Printausgabe selbst „gesetzt“. Leider wollten sich die Seitenzahlen der Satztechnik nicht fügen, sondern sind unter den Tisch gefallen, sodass die hier angegebenen Seitenzahlen der technischen Unterteilung im PDF folgen müssen und vermutlich vom Buch abweichen.
Auf Seite 13 schreibt der Autor etwas sehr Kluges: „Glauben heißt nicht wissen“
. Daran werden wir zu gegebener Zeit erinnern.
Conrad ist der Ansicht, die Bücher Jan van Helsings „können jedem nur wärmstens ans Herz gelegt werden“
(S. 48). Anscheinend übersieht er – hier durchaus doppeldeutig gemeint – die vielen antisemitischen Ausfälle und Fälschungen in diesen Büchern; stellenweise lässt sich sogar nachweisen, dass van Helsing seinen Lesern die Propaganda aus Goebbels' Ministerium als historische Wahrheit verkaufen möchte.
Conrad stimmt den „Protokollen der Weisen von Zion“ inhaltlich und hinsichtlich einer jüdischen Weltverschwörung zu, zitiert ausgiebig aus diesem antisemitischen Text und nennt als Quelle Hans Werner Woltersdorf, der seinerzeit offenbar historischen Einblick aus erster Hand hatte [zu den Protokollen vgl. Antisemitismus].
NS-Devotionalienhandel: H.W. Woltersdorf, SS-Division „Das Reich“.
Woltersdorf war Soldat bei der SS-Division „Das Reich“, die das Massaker in Oradour verübte. Nach eigenen Angaben war er an dem „Vorfall in Oradour“
(so seine Wortwahl) nicht beteiligt, weil er im Krankenhaus gelegen habe [vgl. Woltersdorf, Picknick zwischen Biarritz und Shitomir, S. 222]. Inwieweit die erwähnte Freiluft-Lustbarkeit wirklich ohne ihn stattgefunden hat, lässt sich momentan nicht klären, aber wie man an diesem Screenshot aus einem einschlägigen Online-Shop sieht, hat er durchaus einen Fanclub. Offenbar sind seine Nachkriegs-Autogrammkarten recht gefragt und daher manchmal ausverkauft [03.01.2026].
Als sei die Bezugnahme auf einen Altnazi nicht genug, bemüht Conrad auch noch Die zionistischen Protokolle direkt – und zwar in der Ausgabe von 1931 des Leipziger Hammer Verlags (S. 51, 69ff und zahlreiche weitere Stellen). Gründer und Besitzer des Hammer Verlages war Theodor Fritsch, der Autor zahlreicher antisemitischer Traktate [vgl. DHM, Fritsch]; seine Bücher fanden auch im NS-Regime Anklang. Anscheinend glaubt Conrad, in solchen Texten brauchbare Sachinformationen zu finden.
Conrad glaubt, Beiträge des rechtsextremen PHI seien „sehr erhellend“ (S. 55), obwohl dort früher mal die Behauptung verbreitet wurde, der verstorbene Papst Johannes Paul sei Jude gewesen.
Und dann spricht Conrad auch noch vom „Einfluss der Juden auf ihre Wirtsländer“ (S. 60). Ich glaube, das klingt nach Goebbels, aber Conrad glaubt wohl, das sei die Wahrheit.
Nicht fehlen darf die bei Antisemiten beliebte Behauptung, die meisten Juden seien keine Semiten (S. 60), weshalb Conrand glaubt, der Begriff des Antisemitismus dürfe nicht benutzt werden.
Auch die unwahre Behauptung, Hitler sei durch jüdische Finanziers an die Macht gekommen, glaubt Conrad als brauchbare Information ins Buch aufnehmen zu müssen (S. 63).
Conrand meint oder glaubt, viele Aussagen bei den Nürnberger Prozessen seien „aufgrund von Misshandlungen und Falschaussagen von Zeugen zustande gekommen“ (S. 63). Diese widerlegte Behauptung verbreiten Rechtsextremisten vor allem in Zusammenhang mit Rudolf Höß, dem Kommandanten von Auschwitz.
Der Autor bezeichnet das Tagebuch der Anne Frank indirekt als Fälschung und glaubt, als Beleg köonne ausgerechnet ein Text aus dem rechtsextremen Lühe-Verlag dienen (S. 63).
Schließlich bezieht sich Conrad unkritisch-gutgläubig auf den Text Paradoxie der Geschichte von B. Uschkujnik (Lühe-Verlag), in dem der Holocaust bestritten wird (S. 71).
Auf S. 96 bezeichnet Conrad die „reptilienartigen Draco“ als eine von mehreren Alien-Rassen, die angeblich die Erde heimsuchen. Die Ankläge an den „Verschwörungs-Echsperten“ (so ein online-Fund) David Icke sind unübersehbar, auch wenn Conrad glaubt, er müsse die Quelle nicht nennen.
In seinem Quellenverzeichnis taucht der Text Verdammter Antisemitismus von Harold C. Robinson auf; in diesem Buch wird, genau wie bei van Helsing, neben anderen antisemitischen Ausfällen auch das Märchen von den jüdischen Kriegserklärungen an Deutschland verbreitet.
Und dann ist da noch dieses aufschlussreiche Detail:
Bei uns ist es verboten zu bezweifeln, dass es den Holocaust in diesem Ausmaß gegeben hat. Das soll hier natürlich nicht geschehen, aber man muss sich fragen, warum Zweifel an etwas verboten sind, das jederzeit beweisbar wäre.
Jo Conrad, Entwirrungen, S. 64
Das kleine Wort „wäre“ lässt vermuten, dass die Beweise nach Conrads Ansicht anscheinend noch gar nicht vorliegen. Die völlig unbegründeten Zweifel der Revisionisten richten sich allerdings gegen eine historische Tatsache, die tausendfach bewiesen worden ist.
Freigeistforum (2006)
Am 22.07.2006 veröffentlichte Conrad im „Freigeistforum“ einen offenen Brief an den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Darin erklärt er, dass er und viele Mitglieder des Forums „oftmals zu anderen Erkenntnisse kommen als die Medien und offizielle Politik, Medizin oder Religionen“
. Weiter heißt es:
Wir gehen davon aus, daß ein Dritter Weltkrieg geplant ist, der zwischen der arabischen und der zionistischen Welt entstehen soll.
Freigeistforum, Offener Brief (nicht mehr online)
Conrads offener Brief, so las man im Forum, sei „ein vorsichtig und allgemein formulierter Brief“
– und natürlich ist Conrad viel zu höflich, auch nur mit einer Silbe Kritik daran zu üben, dass Ahmadinedschad nicht lange vorher zu einer Konferenz der Holocaust-Leugner nach Teheran eingeladen hatte, die am 11. und 12. Dezember 2006 stattfand.
Man darf annehmen, dass die Weltanschauungen der Herren Ahmadinedschad und Conrad, was den Holocaust und den Hass auf die Juden angeht, recht gut miteinander harmonieren.
In diesem Forum wurden auch Briefe des inhaftierten Auschwitzleugners Germar Rudolf veröffentlicht. Ein Teilnehmer äußerte die Befürchtung, Jo Conrad könne dadurch Ärger bekommen, und fährt dann fort:
jeder kann sich selber informieren im inetz wenn er das will, links kann mach auch www punkt abbc2 punkt com schreiben
Freigeistforum, anonymer Teilnehmer, 2006
Die Website www.abbc2.com trägt den Titel Radio Islam und gehört dem Holocaustleugner Ahmed Rami, der dort zahlreiche antisemitische und den Holocaust leugnende Texte verbreitet. Gegen diese Veröffentlichung in seinem Forum hatte Jo Conrad offenbar nichts einzuwenden.
Am 04.10.2006 wurde im Forum ein Hinweis auf „sehr informative und zugleich unschöne Seiten über Verbrechen an der Deutschen ZIVIL Bevölkerung“
veröffentlicht. Die verlinkte Seite (nicht mehr online) fragte, wer den Zweiten Weltkrieg wirklich begonnen habe, und gibt vor, über Hitlers Gründe zur Invasion Polens zu informieren.
Überprüfbare Quellen fehlten dort ebenso wie jeglicher Hinweis auf Hitlers schon lange vorher geäußerte Kriegsabsichten gegen Polen. Hitler hat sich bereits im März 1939 auf die Besetzung der Tschechoslowakei bezogen und gesagt: „Polen wird folgen“.
Am 24.09.2006 beklagte sich ein Teilnehmer über „die ewige hetze gegen das Großdeutsche Reich von 33–45“
. Es war – wen wundert's – derselbe Teilnehmer, der den Forumtsteilnehmern www.abbc2.com empfohlen hatte.
Da überrascht es schon nicht mehr, dass Conrad auf seinen eigenen Webseiten den Buchversand von Dieter Rueggeberg empfiehlt, für den die historisch gesicherte Darstellung des Judenmordes „sehr ins Wanken geraten“ ist.
Jo Conrad pflegt in seinem Forum offenbar genau den Umgang, der seinen eigenen politischen Präferenzen entspricht, und wie es aussieht, hat sich seine Haltung zwischen 1996 (Veröffentlichung von Entwirrungen) und 2006 (Brief an Ahmadinedschad und Forumsbeiträge) nicht verändert.
So entsteht das Bild eines äußerst gläubigen Menschen, der vor allem glaubt, er sei auf historische Fakten nicht angewiesen.
1996-2021: Rechtsextremisten, Reichsbürger, Impfkritik und Corona
Im Laufe von mehr als zwei Jahrzehnten hat sich Conrads Position offenbar nicht wesentlich geändert, wie einige weitere Beispiele schlaglichtartig belegen sollen.
CD Jo Conrad und Jan van Helsing
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1996 lud Conrad den Verleger Harm Menkens in seine Radiosendung im Offenen Kanal in Bremen ein. Menkens' Lühe-Verlag ist dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen. Dort erschien u.a. das Buch Wahrheit sagen – Teufel jagen des Holocaustleugners Gerard Menuhin.
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2006 erschien eine gemeinsame Doppel-CD von Jo Conrad und Jan van Helsing, weil man wohl nicht nur eine, sondern gleich zwei Scheiben brauchte, um zu bestreiten, dass die Erde eine Kugel ist.
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2009 war Conrad maßgeblich an der Gründung des „Fürstentum Germania“ beteiligt.
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Im Juni 2009 nahm Jo Conrad als Redner an der vierten AZK-Konferenz des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek teil. Bei den Konferenzen traten immer wieder auch Rechtsextremisten und Holocaustleugner auf, im Oktober 2009 beispielsweise Bernhard Schaub. Conrad behauptete in seinem Vortrag, die Mondlandung der Amerikaner habe nicht stattgefunden. Zwei Jahre später trat dort der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof auf.
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Im Juli 2011 veröffentlichte Conrad ein Interview mit dem Holocaustleugner Dirk Zimmermann, in dem er die Ansicht vertrat, der Holocaustleugner und Antisemit Horst Mahler sei lediglich wegen einer „falschen Meinung“ verurteilt worden.
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Mindestens seit 2020 agitiert Conrad generell gegen Impfungen und benutzt dabei die Behauptung religiöser Fundamentalisten, die Impfstoffe würden aus abgetriebenen Föten hergestellt. Tatsächlich wurden die betreffenden Zellen nur einmal den (nicht aus diesem Grund abgetriebenen) Föten entnommen und danach im Labor vermehrt. Im Übrigen äußerte sich sogar Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., positiv zum Nutzen dieser Impfstoffe.
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In seinem Video „Bewußt aktuell 96“ behauptete Conrad 2020, die Politiker wollten eine Diktatur einrichten. Menschen, die sich an die Schutzmaßnahmen hielten, belegte er mit abwertenden Formulierungen. Außerdem bezweifelte er grundsätzlich, ob Viren überhaupt Krankheiten auslösen können. Andererseits meint er anscheinend, Bill Gates habe das Virus absichtlich entwickeln lassen, um mithilfe von Zwangsimpfungen den Menschen Chips zu implantieren; eine Idee, die an Johannes Rothkranz erinnert. Masken und Abstandsregeln hält er für Unsinn.
Siehe auch
- Jo Conrad, Zusammenhänge: Schlechtes Karma
- Johannes Rothkranz: Antisemitischer Sektierer und Verschwörungsgläubiger
- Jan van Helsing: Esoterisch-verschwörungsfantastischer Bestsellerautor mit Naziquellen