Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Johannes Rothkranz 666 – Die Zahl des Tiers

In diesem Werk vertritt Rothkranz, angelehnt an die Offenbarung der Bibel, die These, die Zahl 666 werde als „Satanssymbol“ mit mehr oder weniger subtilen Tricks propagiert. Diese Zahl sei das

Kennzeichen des kommenden Weltherrschers von Satans Gnaden, des Antichristen. So jedenfalls ist es seit mehr als 1900 Jahren prophezeit, im letzten Buch der Bibel, der Apokalypse oder Geheimen Offenbarung.

J. Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 5
(Hervorh. i. Orig.)

Der Antichrist versuche seine Herrschaft zu festigen, indem er die Menschen zwingt, „seine“ Zahl „als Malzeichen auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn zu tragen.“ Rothkranz fährt fort:

Wenn also exakt diese Zahl nun plötzlich überall gezielt ins Blickfeld gerückt wird, ist mit dem baldigen Auftritt dieses „Tieres“, d.h. des satanistischen Weltherrschers, zu rechnen.

Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 5

Es gebe, behauptet Rothkranz,

eine machtvolle Organisation, die seit Jahrhunderten mit ungeheurer Zähigkeit und Zielstrebigkeit an der Erringung der politischen wie religiösen Weltherrschaft unter antichristlichen Vorzeichen arbeitet.

Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 6

Und selbstverständlich kann Rothkranz auch benennen, wer diese finsteren Gestalten sind:

Die Rede ist vom religiös/politisch organisierten Judentum und seinen zahlreichen geheimbündlerischen Front- bzw. Hilfsorganisationen, als deren bedeutendste die 1717 offiziell gegründete Freimaurerei zu gelten hat.

Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 5

Man habe es hier, fasst Rothkranz zusammen, mit der „Synagoge Satans“ zu tun, und diese teuflische Organisation habe nichts anderes im Sinn, als „ihre“ Zahl 666 zu verbreiten, um die Menschheit zu unterjochen.

Als Beleg für die angeblich zunehmende Verbreitung der „Zahl des Tiers“ bildet Rothkranz zahlreiche Werbezettel ab, auf denen die Zahl 6 eine Rolle spielt: 6 Urlaubsreisen, 66 Design-Uhren und 666 T-Shirts wurden in Preisausschreiben angeboten, was Rothkranz als Beleg dafür auffasst, wie weit der „sanfte Zwang zur 666“ (S. 22) schon gediehen sei.

Wesentlicher Bestandteil des teuflischen Unterwerfungsprogramms durch die Zahl 666 sei auch die Einführung von Chipkarten und Kreditkarten, auf denen diese Zahl in verschiedenen Kombinationen offen oder codiert verbreitet werde.

„Wer steckt hinter der 666-Chipkarte?“ fragt Rothkranz schließlich auf Seite 38 und gibt sich gleich selbst die Antwort: „Offenbar die – im wesentlichen in jüdischer Hand befindliche – internationale Hochfinanz (…)“

Das Ziel der 666-Verschwörung sei letzten Endes die umfassende Kontrolle jedes Einzelnen. Auch auf den Strichcodes unserer Gebrauchsgüter hätte diese Zahl schon Einzug gehalten, und dies alles solle schließlich die „geplante antichristliche Weltregierung“ (S. 53) herbeiführen.

Auch vor modernen Medien, so behauptet Rothkranz, macht diese Welteroberung nicht Halt:

Dem Buchstaben „w“ entspricht nämlich im hebräischen Alphabet der Buchstabe Vav (…) Dieser Buchstabe ist nicht bloß der sechste des hebräischen Alphabets, sondern steht zugleich offiziell als Zeichen für die Zahl sechs! (…) Das „www“ im Vorspann einer jeden Internet-Adresse ist folglich im kabbalistischen Verständnis identisch mit der Satanszahl „666“.

Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 107
(Hervorh. i. Orig.)

Am Ende, so erläutert Rothkranz, würden auch die Menschen selbst mit Codierungen versehen und einer totalen Überwachung unterworfen. „Implantable Transponder“ würden den Menschen bald eingepflanzt (womöglich hatte Rothkranz irgendwo etwas über gechippte Haustiere gelesen und die Idee einfach übertragen), und wir bekämen vielleicht sogar mit Laserstrahlen „Die Satanszahl auf Hand oder Stirn?“ (S. 65) gebrannt. Die Stadt Singapur habe bereits einen Feldversuch durchgeführt. Eine Zeitschrift habe mitgeteilt,

dass diese Millionenstadt den Ersatz von Kreditkarten durch einen individuellen, laser-lesbaren Strich-Code ausprobieren wollte. Der Code wurde zur Hälfte auf dem Handgelenk und zur Hälfte auf der Stirn angebracht.

Rothkranz, 666 – Die Zahl des Tiers, S. 72
(Hervorh. i. Orig.)

Ich hätte vieles gern nachgelesen, aber leider verrät Rothkranz häufig nicht, woher er das bezieht, was ihm ohne Verstoß gegen seine Gebote zu sagen erlaubt ist.

Machen wir mal das, was man auf Neudeutsch einen Reality-Check nennt. Ein Gang durch einen Supermarkt (und davon gibt es viele) zeigt, dass die „99“ viel präsenter ist; vor allem hinter dem Komma. Ich ahne aber, was Rothkranziologen sagen würden: Das sei die Zahl der Ränge in der Hochgradfreimaurerei, und die Freimaurer seien doch erstens ebenfalls extrem gefährlich und zweitens sowieso Juden, also ganz besonders extrem gefährlich.

Die Behauptung, Jahwe, der Gott der jüdischen Religion, sei in Wahrheit Satan oder der Antichrist, und die Juden hätten sich unter seiner Führung verschworen, die Welt zu unterjochen, trifft bei Neonazis auf begeisterte Zustimmung. Manchmal als Zitat und unter Nennung des Urhebers, manchmal auch nur dem Sinngehalt nach und als eigene Schöpfung ausgegeben, tauchen Rothkranz' Gedankengänge in zahlreichen rechtsextremistischen Pamphleten auf.

Einige dieser Ideen hat auch Jan van Helsing leicht abgewandelt in seine Geheimgesellschaften übernommen, ohne die Quelle zu nennen. So hat van Helsing beispielsweise den angeblichen Feldversuch für die Lasertätowierung ins Disneyland verlagert, also in ein durchaus passendes Fantasy-Ambiente.

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