Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Jo Conrad Zusammenhänge

Falsche Schublade, schlechtes Karma

In seinem Buch Entwirrungen (1996) erklärt Jo Conrad den Lesern, wie Karma funktioniert:

Wenn man weiß, dass es ein Gesetz ist, dass alles, was man tut, in irgendeiner Form zu einem zurückkommt, dann ist es einleuchtend, dass man eher Liebe und Gutes verbreiten sollte, wenn man Hass und Gewalt aus seinem Leben verbannen will.

Jo Conrad, Entwirrungen, S. 37

Anscheinend hatte er das 1998, als er Zusammenhänge in erster Auflage verbreitete, schon wieder vergessen, oder er ist der Ansicht, in Bezug auf Juden und Nationalsozialismus dürfe man das auch mal etwas großzügiger sehen.

Kein Rechtsextremismus nirgendwo, ganz ehrlich

Jo Conrad beklagt sich darüber, zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt zu werden. Eine Überschrift seines Buchs lautet: „Alles was recht(s) ist – Warum kommen einige Fragen in die Schublade „rechtsextrem"?“

Die Formulierung stimmt nicht. Die Fragen, die Conrad meint, kommen aus der „Schublade rechtsextrem“, und zu dem Kram, der in dieser Schublade auf das vierte Reich wartet, gehören auch einige antisemitische Zitate.

Schon am 24. März 1933 hatte der „Daily Express" auf der Titelseite die jüdische Kriegserklärung gegen Deutschland abgedruckt: „Judea declares war on Germany".

Conrad, Zusammenhänge, S. 132–133

Es gibt kaum ein Buch von Holocaustleugnern, das auf die antisemitische Legende von den angeblichen jüdischen Kriegserklärungen verzichtet.

Wenige Seiten später schreibt Conrad: „(…) und der Amerikaner Kaufmann entwarf in seinem Buch „Germany must perish" den Plan, alle deutschen Männer zu sterilisieren und berechnete, wie lange das mit 8000 Ärzten dauern würde“ (S. 137). Der sogenannte „Kaufman-Plan“ beruht auf dem 1941 erschienenen, kaum beachteten Buch eines Einzelgängers, der die Deutschen aufgrund des Krieges hasste.

Das garstige Buch wäre weitgehend ignoriert worden, hätte es die Goebbels’sche Propaganda nicht in Deutschland bekannt gemacht, um den „Volkszorn“ der Menschen gegen die Juden zu entfachen. Ohne diese publizistische Hilfe des NS-Systems hätte Conrad das Buch nie aus seiner Schublade hervorholen können.

Zwischendurch bringt Conrad schnell noch die angebliche Finanzierung Hitlers durch ein jüdisches Bankhaus ins Spiel:

Dies geht aus einem im Jahre 1933 erschienenen Buch „De Geldbronnen von het National-Socialisme" von einem Sidney Warburg hervor, den es angeblich gar nicht gab, allerdings gab es eine einflußreiche Bankiersfamilie mit dem Namen Warburg. Auch aus dem sogenannten Abbegg-Archiv lassen sich diese Finanzierungen des Nationalsozialismus durch jüdische Banken ablesen, nur wird behauptet, daß diese Unterlagen gefälscht seien – nachdem alle Beteiligten tot sind, ist das schwer zu widerlegen.

Conrad, Zusammenhänge, S. 134

Sidney Warburg gab es tatsächlich genauso wenig wie die Finanzierung durch die Warburg-Familie. Das von Conrad erwähnte Buch ist eine Fälschung [vgl. Warburg-Bericht]. Aus dem Abegg-Archiv lässt sich nichts ablesen, weil es ebenfalls eine Fälschung ist. Dies ist nicht etwa schwer, sondern sehr leicht zu belegen. Beide Fälschungen werden von NS-Apologeten benutzt, die die deutsche Kriegsschuld in der Schublade verstecken und Schuldzuweisungen an Juden herausholen möchten.

Conrad bemüht auch Woltersdorf, der in der Division „Das Reich“ der Waffen-SS diente, um Auskunft „über die Ziele des Zweiten Weltkrieges“ zu bekommen. (S. 136). Man ahnt, worauf das hinausläuft: Churchill war schuld, Stalin wollte auch irgendetwas, und die Hitler-Schublade machen wir gar nicht erst auf.

Ein paar Seiten später wird Conrad so deutlich, wie es ihm die strafrechtliche Landschaft erlaubt:

Leider ist das Hinterfragen der offiziellen Geschichtsschreibung manchmal sogar äußerst ungesund. Und ich muß sogar ein Wort aus dem folgenden Text weglassen, um nicht selber durch das Zitat in Gefahr zu kommen.

„Sehr geehrter Herr Honsik! Sie richten an mich die Frage, ob ich Ihr Unterfangen, ein Buch zu schreiben (…)

Conrad, Zusammenhänge, S. 139

Das Zitat stammt aus dem Buch Freispruch für Hitler? des österreichischen Neonazis Gerd Honsik. Für jemanden, der mit Nazis angeblich nichts zu tun hat, kennt Conrad die einschlägigen Schubladen recht gut. Dieses Buch bekommt man nicht im Kiosk an der Ecke; man muss schon sehr genau wissen, wo man es finden und bestellen kann, und sich aktiv darum bemühen.

Es ist jedenfalls befremdend, daß offenbar in Deutschland immer mehr Menschen wegen Meinungen, also ohne je irgendeine Gewalttat begangen zu haben, verfolgt und bestraft werden. Und daß diese Meinungen nicht vielfältiger Natur sind, sondern immer mit Juden zu tun haben.

Conrad, Zusammenhänge, S. 154

Conrad hat es vermutlich anders gemeint, aber er hat die Schublade, aus der er seine Bücher holt, recht gut beschrieben.

Conrads Karma

Was Conrad über das Karma denkt, wurde ja oben schon zitiert. Wie das Karma über das denkt, was Conrad über Religion geschrieben hat, wird sich zeigen; aber man möchte nicht in seiner Haut stecken. Es gebe da nämlich gewisse Unterschiede, behauptet Conrad:

Es ist daher wichtig, zwischen dem Gott, der im Alten Testament beschrieben ist, und einem liebevollen Schöpfer des Universums zu unterscheiden.

Conrad, Zusammenhänge, S. 28

Das ist ein interessanter Gedanke. War denn der Gott des Alten Testaments ein ganz anderer Gott? Und falls das zutrifft, wer hat dann diese Sache mit Adam und Eva angeleiert? Und wo ist der alte Gott jetzt? Hat der neue ihn rausgeworfen? Ich vermute, Religionswissenschaftler könnten noch ganz andere und viel klügere Fragen stellen, aber schon ich als theologischer Laienbruder bemerke, dass da etwas nicht stimmt.

Was auf einer ganz anderen Ebene als der theologischen nicht stimmt, ist dies: Es gebe, sagt Conrad hier recht offen, einen alten jüdischen Gott, den er als grausam und bösartig beschreibt, und einen freundlichen, liebevollen Gott des Christentums. So schmäht man Juden, ohne strafrechtlich nachteilige Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Danach zieht er zahlreiche Zitate aus der Schublade, die genau das belegen sollen, was ich hier kurz umrissen habe: Judengott JHWH böse, christlicher Jesus gut. Ein paar Talmudzitate, die zu überprüfen ich mir geschenkt habe, streut Conrad auch noch ein.

Schließlich (S. 98) folgt auch noch die Idee, es sei im Grunde egal, ob die „Protokolle der Weisen von Zion“ echt seien oder nicht, aber sie würden auf jeden Fall angewendet. Diesen antisemitischen Gedanken hat Conrad wahrscheinlich aus Johannes Rothkranz' Schublade gestohlen, ohne die Quelle zu nennen [vgl Antisemitismus]. Wie auch immer, wir seien gewissermaßen „auf dem Weg zur Weltherrschaft nach der Maßgabe JHWHs“ (S. 107). Dieser Jahwe ist aber der alttestamentarische Gott der Juden. Die Leser verstehen die antisemitischen Untertöne vermutlich sofort; Conrad muss gar nicht explizit benennen, wen er da in welche Schublade steckt.

Auch die Anspielung auf die Zahl des Tiers 666 ist bei Rothkranz ohne Beleg entlehnt, ebenso wie die Idee, uns sollten demnächst Mikrotransponder unter die Haut gespritzt werden, und wir sollten Lasertätowierungen bekommen. Ich weiß nicht, ob der Gott des Schubladendiebstahls karmisch denkt, aber falls er das tut, hat Conrad ein Problem.

Zwischendurch beteuert Conrad dann:

Also, ich hege keinerlei Sympathien für Nazis oder Rechtsradikale. Ich habe Zivildienst bei Behinderten abgeleistet, nachdem ich zwei Gewissensprüfungen überstanden hatte. Auch habe ich keineswegs etwas gegen irgendeinen Juden. Die Weltverschwörung hat nichts mit Juden zu tun.

Conrad, Zusammenhänge, S. 121

Und dann zitiert er völlig unkritisch den Antisemiten und Altnazi Helmut Sündermann (S. 129). Sündermann war Stabsleiter der NSDAP-Reichspressechefs, SS-Obersturmbannführer und ab 1942 stellvertretender Pressechef der Reichsregierung und Hauptdienstleiter der NSDAP. Er veröffentlichte antisemitische Schriften und gründete nach dem Krieg den rechtsextremen Druffel-Verlag.

Ganz vorne hat Jo Conrad in sein Buch Zusammenhänge eine aufschlussreiche Bemerkung geschrieben:

Über kosmische Gesetzmäßigkeiten und warum sie uns vorenthalten werden.
Die Wahrheit zu sagen ist ein Akt der Liebe, der nur dem Ganzen dienen kann.
Leider ist heute meistens das Gegenteil wahr.

Jo Conrad, Vorspann von Entwirrungen

Wenn er Glück hat, kann das Karma nicht lesen.

Verweise