Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Das Massaker von Oradour-sur-Glane

Krieg gegen die Zivilbevölkerung

BEHAUPTUNG:

Trifft es zu, dass das Massaker von Oradour-sur-Glane ein berechtigter Militäreinsatz gegen einen Partisanen-Stützpunkt war?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das trifft nicht zu. Dem Massaker in Oradour fielen unschuldige Zivilisten zum Opfer, die bereits überwältigt waren und danach ermordet wurden.

Am 10. Juni 1944 besetzten deutsche Truppen, die der SS-Panzer-Division „Das Reich“ angehörten, den kleinen Ort Oradour-sur-Glane in der Nähe von Limoges in Frankreich. Die Einwohner wurden zusammengetrieben, Männer und Frauen wurden voneinander getrennt. Die Männer wurden in Scheunen erschossen, die Scheunen wurden danach niedergebrannt. Frauen und Kinder wurden in der Kirche eingesperrt. Auch dieses Gebäude zündeten die SS-Soldaten an. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen.

Anschließend zogen die SS-Soldaten plündernd durch den Ort und brannten alle Gebäude nieder. Bei diesem Massaker fanden 642 Menschen den Tod, nur 36 konnten entkommen. In der deutschen Propaganda hieß es, man habe Partisanen bekämpfen wollen.

Die Ruinen des Ortes blieben als Mahnmal erhalten, der Ort selbst wurde in der Nähe wiederaufgebaut. Der Name des Ortes gilt als Symbol für die Brutalität, mit der die NS-Truppen in Frankreich vorgingen.

Die Ruine der Kirche in Oradour, in der die Opfer verbrannten.

Die Trümmer blieben stehen, das Dorf wurde etwas entfernt neu aufgebaut.

Die damalige offizielle Version ging dahin, dass sich im Ort Partisanen verschanzt hätten, sodass der brutale Militäreinsatz gerechtfertigt gewesen sei. Diese nachweislich unwahren Behauptungen übernehmen und verbreiten rechtsextremistische Autoren bis heute [vgl. Jürgen Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner, S. 256–258].

Stellvertretend für viele sei hier die Deutsche Militärzeitschrift genannt, die 2007 eine Sonderausgabe zur Waffen-SS veröffentlichte. Das Blatt verteidigte die Ausschreitungen in Oradour und warb für ein Buch, das angeblich die Wahrheit über Oradour verkündete. Autor des Buchs war der Holocaustleugner Vincent Reynouard, Chefredakteur der Zeitschrift war der Rechtsextremist und Holocaustleugner Manuel Ochsenreiter. Prominent auf der Titelseite der Ausgabe war ein Foto des Altnazis, Netzwerkers und Ritterkreuzträgers Otto Skorzeny zu sehen.

Altnazi Skorzeny auf der Titelseite der DMZ

Ein unkritisches Heft berichtet über die vermeintlichen „Heldentaten“ der SS.

Manchmal lassen NS-Apologeten durchblicken, was sie wirklich denken. In einer Diskussion über die israelische Armee, die sich mehrfach gegen zahlenmäßig überlegene Truppen arabischer Länder durchgesetzt hatte, meinte jemand:

Zahlen spielen keine Rolle. Material spielt eine Rolle. Schicke mal 2 Divisionen der Waffen SS, die Division „LAH“ und die Division „Das Reich“ oder „Goetz von Berlichingen“ hin mit der gleichen Ausruestung, dann wollen wir mal sehen.

„Hotte“, 04.07.1996, de.soc.politik, Message-ID: 31dc3ad9.2571134@news.annap.infi.net

Anscheinend war „Hotte“ der Ansicht, die SS-Truppen, die in Oradour rein gar nichts getan hätten, würde sich gegen Israel (gemeint: gegen Juden) ganz anders verhalten. Wenn Juden ins Spiel kommen, hört die Verharmlosung mancher NS-Anhänger mitunter auf, und der Vernichtungswille macht sich bemerkbar.

Quellen und Verweise

Krieg in Frankreich