Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Johannes Paul II. Henkelmanns heller Wahnsinn

BEHAUPTUNG:

Geht aus einem Pressebericht hervor, dass Papst Johannes Paul II. gar kein Katholik, sondern in Wirklichkeit Jude war?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Nein, das trifft nicht zu. Der Pressebericht, aus dem dies hervorgehen soll, wurde (vermutlich sogar absichtlich) völlig falsch aufgefasst.

Jemand, der sich „Henkelmann“ nannte, zitierte und kommentierte im Jahr 2000 im Usenet einen Text des rechtsextremistischen Pressedienstes PHI folgendermaßen:

Papst Johann Paul, II. ist Jude.

Das schreibt die Jüdin Mira /Avrech/, Reporterin des STERN, unter Berufung auf den anerkannten jüdischen Historiker Martin /Gilbert/. Die jüdischen Eltern des Papstes sind in einem KZ der Nationalsozialisten verschwunden. Den damals 2-jährigen Sohn hatten sie bei einer katholischen Nachbarin versteckt, als im Jahr 1942 alle Juden im polnischen Krakau abgeholt wurden. Nach Kriegsende wären die Eltern nicht erschienen um das Kind wieder zu holen. Die Geschichte wird durch einen Krakauer Geistlichen bestätigt, der es 1945 *ablehnte* den kleinen Karol zu *taufen*, weil seine leiblichen Eltern dies wahrscheinlich nicht gewünscht hätten.

[_Quelle_: /PHI/ Nr. D21/2000]

Wenn das wahr wäre – der helle Wahnsinn: der Papst nicht getauft!

„Henkelmann“, 21.05.2000 in de.soc.politik, Subject: Ist Papst Johann Paul, II. ein Selbsterwählter?, Message-ID 392731AA.35C7A405@ knuut.de

Ein hier anonymisierter Diskussionsteilnehmer hat sich die Mühe gemacht, die Sache zu überprüfen. Hier soll seine (leicht gekürzte) Erwiderung dokumentiert werden, die exemplarisch zeigt, wie Rechtsextremisten mit Quellen und Zitaten umgehen.

Hi,

Wenn der Artikel im STERN genauer zitiert worden wäre, dann wäre deutlich daraus hervorgegangen, dass der Geistliche und nicht das Kind KAREL WOITILA war.

ciao, Matt

Zitat: „Johannes Paul ist ganz anders“, sagt Israels oberster Rabbi, Israel Lau. Bei seiner ersten Begegnung mit dem jetzigen Papst erzählte Lau eine Geschichte, die er in einem Buch des Historikers Martin Gilbert entdeckt hatte. Danach brachte ein jüdisches Paar 1942 im polnischen Krakau seinen zweijährigen Sohn zu einer katholischen Nachbarin. „Wir werden in ein Konzentrationslager geschafft. Wenn wir zurückkommen, holen wir ihn wieder ab“, versprachen sie.

DIE BEIDEN KEHRTEN NIE ZURÜCK. Nach dem Krieg bat die Frau einen Priester in Krakau, den Jungen zu taufen. Der Geistliche fragte, wie dessen Eltern darauf reagiert haben würden, und die Frau erinnerte sich an die Worte seiner Mutter: „Sollten wir nicht wieder kommen, erzählen Sie dem Jungen bitte, wer er wirklich ist.“ Der Priester erwiderte: „Dann werde ich ihn nicht taufen.“ Er hieß Karol Wojtila und ist heute Papst in Rom. (STERN)

Hier die Reaktion des STERN auf Nachfrage:

----- Original Message -----


From: "Ressort Ausland" <Ausland@ stern.de>
To: *@*
Sent: Wednesday, May 24, 2000 1:04 PM
Subject: Messe am Sabbat

Sehr geehrter Herr Sch*,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Offenbar haben Sie den Satz „Der Priester erwiderte: ‚Dann werde ich ihn nicht taufen‘. Er hieß Karol Wojtila und ist heute Papst in Rom.“ leider gründlich missverstanden. Natürlich ist nicht das damals ungetaufte Kind heute Papst in Rom, sondern der junge Priester, der das Kind nicht zwangsweise per Taufe zum Christen machen wollte. Über diese Begebenheit hat nach dem STERN übrigens auch das Fernsehen berichtet.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und freuen uns, wenn wir etwaige Zweifel an unserer Berichterstattung zerstreuen konnten.

Mit freundlichen Grüßen


Gisela Krohn, STERN-Ausland

(…)

Matt Sch*, 24.05.2000, Subject: Re: Ist Papst Johann Paul, II. ein Selbsterwählter?, de.soc.politik,Message-ID: 8ggqk6$19lks$1@ fu-berlin.de

Eigentlich wäre ein Nachweis wie dieser, dass der PHI unzuverlässig berichtet, Grund genug, den Meldungen des PHI zu misstrauen. Der „Henkelmann“ hat jedoch auf die oben zitierte Richtigstellung nicht reagiert, sondern vielmehr ungerührt zahlreiche weitere Meldungen dieses Dienstes in seinen eigenen Beiträgen verbreitet. Offenbar sieht sich der „Henkelmann“ nicht weiter beeinträchtigt, wenn bei ihm ob solcher Falschmeldungen der helle Wahnsinn ausbricht.