Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Ernst Zündel

Ernst Zündel (1939–2017) wanderte mit 19 Jahren aus Süddeutschland nach Kanada aus. Dort kam er in Kontakt mit Neonazis und schloss sich deren Ideologie an. Er gründete den Samisdat-Verlag und versorgte die treudeutsche Leserschaft mit holocaustleugnenden Schriften.

Ernst Zündel mit blauem Schutzhelm und Brille im Anzug, er trägt darunter ein weißes Hemd und eine dunkle Krawatte.

Ernst Zündel mit Schutzhelm.

Unter anderem verlegte er den Text Die Auschwitzlüge von Thies Christophersen in seiner eigenen englischen Übersetzung, aber auch Texte des Altnazis Carlos Baagoe und zahlreiche weitere Texte wie Starben wirklich sechs Millionen von Richard Harwood. Gelegentlich trat er auch unter dem Pseudonym Christof Friedrich in Erscheinung.

Der überaus findige Geschäftsmann bediente auch die Ufo-Szene und verbreitete die Idee, Hitler und seine letzten Getreuen seien in die Hohlerde geflohen.

Zündel und Leuchter

Zündels Aktivitäten stießen in Kanada zunehmend auf Ablehnung. Die kanadische Strafverfolgung erhob schließlich Anklage gegen ihn.

Seine Anwälte und Zündel selbst hatten allerdings eine gute Idee: Wie wäre es denn, wenn wir jemanden nach Auschwitz schicken, der den Beweis führt, dass es dort gar keine Massenmorde gab? Denn was nicht geschehen ist, das kann man auch nicht leugnen.

Dieser Jemand war Fred Leuchter. Der Mann, der sich Ingenieur nannte und später zugeben musste, dass er nie einer war, fuhr nach Auschwitz, sackte ohne Erlaubnis der polnischen Stellen Betonbrocken ein und lieferte den gewünschten „Beweis“. Sein Leuchter-Report, für dessen englische Ausgabe David Irving das Vorwort schrieb, wurde jedoch vom Gericht nicht als Beweismittel zugelassen.

Gleichgesinnte

Zündels letzte Frau Ingrid Rimland-Zündel leugnete ebenfalls den Holocaust. Sie verbreitete über eine Mailingliste seine Rundbriefe, die als „ZGram“ bezeichnet und auch ins Usenet weitergeleitet wurden. Unfreiwillig komisch wurde es, als sie einmal statt des aktuellen Rundbriefs die Teilnehmerliste in die Welt schickte. Angeblich hielten es damals zahlreiche Empfänger für sinnvoll, mit großer Eile ihre Mailadressen zu wechseln.

Im Jahr 2003 war Ernst Zündel neben Ursula Haverbeck und anderen bekannten Holocaustleugnern bei der Gründung des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ mit von der Partie.

Nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt in den USA wurde Zündel wieder nach Kanada abgeschoben und von dort aus nach Deutschland ausgeliefert, wo er, ebenfalls wegen Holocaustleugnung verurteilt, eine Haftstrafe absitzen musste. Eine Weile nach Verbüßung der Strafe starb er in seiner alten Heimatstadt Calmbach.

Einer seiner Texte trug die Überschrift Holocaust 101. Dort listete Zündel gewissenhaft alle Argumente auf, mit denen man die Realität des Holocaust nicht bestreiten kann. Sein blauer Schutzhelm war offenbar eine unidirektionale Wunderwaffe. Absurde Ideen kamen heraus, historisches Wissen blieb zuverlässig draußen.

Zensur

Zündel und Rimland beklagten sich gelegentlich über „Zensur“, weil in Deutschland und anderen Ländern Holocaustleugnung strafbar ist. Das hielt Zündel allerdings nicht davon ab, auf einem Flugblatt ein Verbot des Films Schindlers Liste zu fordern.

Ausschnitt aus einem eng beschriebenen Flugblatt von Zündel. Er fordert, den Film Schindlers Liste zu verbieten.

Ernst Zündel: Verbietet Schindlers Liste

Das Nizkor-Projekt veröffentlichte damals Zündels Flugblatt, schrieb andere „Revisionisten“ an und bat um eine Stellungnahme, ob man nun auch Ernst Zündel als „Zensor“ bezeichnen müsse. Die Resonanz war zurückhaltend. Es hatte damals den Anschein, als hielte man in jenen Kreisen Waschbären für extrem gefährlich.

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