Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Germar Rudolf Der Rudolf-Report

Schützenhilfe für einen Altnazi

BEHAUPTUNG:

Hat Germar Rudolf mit seinem Report den wissenschaftlichen Beweis erbracht, dass es keine Massenmorde in Gaskammern gab?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das trifft nicht zu. Germar Rudolf hat methodische Fehler gemacht und räumte schließlich ein, dass die Chemie keine Grundlage bietet, um die geschichtliche Gewissheit der Massenmorde zu erschüttern – ein Eingeständnis, das seine eigenen Anhänger bis heute geflissentlich ignorieren.

Im Jahre 1991 verfasste Germar Rudolf für den Altnazi Otto Ernst Remer ein Gutachten über die Chemie der Gaskammern von Auschwitz. Das Gutachten sollte in einem Gerichtsverfahren gegen Remer zu dessen Entlastung eingereicht werden.

Remer ist nicht irgendwer. Er war am 20. Juli 1944 als Offizier maßgeblich an der Niederschlagung des Putsches gegen Hitler beteiligt. Es handelt sich beim Rudolf-Gutachten also keineswegs um ein völlig unabhängiges Werk, sondern um eine Auftragsarbeit von interessierter Seite, die klare Intentionen verfolgte.

Rudolfs eigener Antisemitismus, der in vielen seiner Texte durchscheint, widerlegt die Behauptung, er habe völlig neutral und rein wissenschaftlich geforscht. Remers Szene-Anwalt Hajo Herrmann (Ex-Pilot in der NS-Luftwaffe) musste Rudolf nicht dazu drängen, voreingenommen zu arbeiten; Rudolf war aufgrund seiner eigenen Einstellung ohnehin der richtige Kandidat, der das gewünschte Ergebnis liefern konnte. Die Quintessenz des „Gutachtens“:

Aus chemisch-physikalischen Gründen können die bezeugten Massenvergasungen mit Blausäure in den angeblichen „Gaskammern“ in Auschwitz nicht stattgefunden haben.

Rudolf, Das Rudolf-Gutachten (Fassung 2001), S. 181

Ganz so eindeutig ist dies inzwischen auch nach Germar Rudolfs Ansicht nicht mehr, wie wir gleich noch sehen werden.

Mehrere Jahre ging die Auseinandersetzung zwischen Germar Rudolf auf der einen und Richard Green und Jamie McCarthy auf der anderen Seite hin und her; wissenschaftlich begründete Einwände gegen den Rudolf-Report und Germar Rudolfs Erwiderungen wurden im Web dokumentiert.

Die Diskussion, oft konzentriert auf fachspezifische Details, die ein Laie kaum nachvollziehen kann, bekam im August 1998 durch Germar Rudolfs überraschenden Rückwärtssalto eine ganz neue Wendung:

Weiterhin bin ich überzeugt, dass die Chemie nicht die Wissenschaft ist, die Aussagen über den Holocaust absolut zweifelsfei beweisen oder widerlegen kann. Es gibt verschiedene Indizienbeweise, die vor allem gemeinsam mit allen anderen Beweisen den Schluss erlauben, dass die Massenmorde durch Vergasungen, wie sie von den Augenzeugen geschildert werden, nicht stattgefunden haben können. Aber mit den Argumenten der Chemie kann man keine absolute Gewissheit begründen.

Germar Rudolf, zit. n. Dr. Richard Green / Jamie McCarthy, Chemistry is Not the Science: Rudolf, Rhetoric, and Reduction; alle Übersetzungen von mir / JL.

Der verlinkte Text (E) sowie The Chemistry of Auschwitz widerlegen den Rudolf-Report aus wissenschaftlicher Sicht.

Verblüffend an Rudolfs Eingeständnis ist, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Beweisführung durch chemische Analyse als das Nonplusultra der Auschwitzleugnerei galt. Wo die Wissenschaft exakte Ergebnisse vorlegen könne, müssten die Berichte beliebig vieler Augenzeugen zurücktreten; wenn naturwissenschaftlich bewiesen sei, dass bestimmte Ereignisse stattgefunden oder nicht stattgefunden hätten, dann könnten auch die besten Zeugen daran nichts ändern; die objektive Wissenschaft habe stets Vorrang vor den Aussagen von Menschen, die sich irren können – auf diese oder ähnliche Weise meldeten sich immer wieder Holocaustleugner zu Wort, die der Naturwissenschaft den Vorzug vor allen anderen Beweisen geben wollten.

Rudolfs Rückzieher hat sich bei vielen Holocaustleugnern noch nicht herumgesprochen; vielfach behaupten sie immer noch, Rudolfs fehlerhafte Chemie habe wissenschaftlich akkurate Beweise geliefert, und reagieren entsetzt, wenn man sie mit dieser Aussage ihres Chemie-Gurus konfrontiert.

Auch David Irving vertrat diese Ansicht. Schon 1988 schrieb er ins Vorwort des Leuchter-Reports, der als Vorläufer des Rudolf-Reports gelten kann:

Die forensische Chemie ist, ich sage es noch einmal, eine exakte Wissenschaft.

zit. n. Green/McCarthy, Chemistry

Inzwischen scheint es nicht mehr ausgeschlossen, erläutern Green und McCarthy in Chemistry, dass Germar Rudolf von der einst vermeintlich exakten Chemie abrückt und mehr und mehr dazu übergeht, die klassischen Argumentationsfiguren der anderen Holocaustleugner zu übernehmen:

Vielleicht wird er die alte Behauptung wieder aufgreifen, seine ursprüngliche Arbeit beweise, dass Vergasungen nicht stattgefunden haben können, vielleicht wird er es auch für gewinnbringender halten, mit anderen Holocaustleugnern zusammenzuarbeiten und ihre Argumente zu wiederholen. Die Zeit wird es zeigen.

Green/McCarthy, Chemistry

Der bislang letzte Beitrag in diesem Disput ist eine Erwiderung von Green/McCarthy auf einen Text von Germar Rudolf, in dem dieser kaum noch wissenschaftlich argumentiert, sondern sich unter anderem über einen vermeintlichen Rufmord durch Green/McCarthy beklagt.

Germar Rudolf hat tatsächlich für seine Publikationen verschiedene Pseudonyme erfunden, mit Doktortiteln versehen und benutzt, um seinen eigenen Texten mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen [vgl. Germar Rudolf]. Der Hinweis darauf, dass Germar Rudolf dies getan hat – so Green/McCarthy – sei kein Rufmord.

(…) wir weisen vielmehr darauf hin, dass Rudolf seinen Ruf und seine Glaubwürdigkeit selbst zerstört hat. Es ist dies ein Fall von Selbstmord an der eigenen Reputation.

Richard Green, Postscript to Chemistry is not the Science: Rudolf's Character Suicide

Wer sich für die fachbezogenen Details der Kritik am Rudolf-Report interessiert, mag die unten aufgeführten Beiträge (alle in englischer Sprache) nachlesen. Da Germar Rudolf sich in seiner letzten Erwiderung kaum noch zu technischen Fragen geäußert hat, stehen die wissenschaftlichen Kritikpunkte von Green/McCarthy weitgehend unwidersprochen im Raum.

Widerlegung des Rudolf-Gutachtens

Texte zu Germar Rudolf und seinen Aktivitäten