Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Leserbriefe von interessierter Seite

„Mal eine Frage bezüglich ihrer Homepage …“

Ich weiß nicht, was Max Reger heute angesichts der elektronischen Kommunikation sagen würde. Damals soll er gesagt haben: „Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses. Ich habe Ihre Kritik vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben.“

Eine junge Frau mit Trachtenhut liest lächelnd einen Brief. Sie hat einen Federkiel in der Hand, vor ihr auf dem Tisch steht ein Tintenfass. Links der Text „… mal eine Frage bezüglich Ihrer Homepage“ in Schreibschrift.

Rudolf Epp, Der Liebesbrief.

Die Schreiber (hier wäre gendern übrigens in den allermeisten Fällen völlig falsch und unangebracht; die einzige Dame in dieser Sammlung hat auf den Anrufbeantworter gesprochen) zeigen sich oft fest davon überzeugt, dass sie mich vor furchtbaren Irrtümern bewahren müssen, sind dann aber ein bisschen wie der Brechtsche Herr Keuner, der viel Mühe hat und am Ende doch nur seinen nächsten Irrtum vorbereitet.

Neben handverlesenen Beschimpfungen, die unter dem Titel Ermutigungen größtenteils auf einer eigenen Seite dokumentiert werden, gehen manchmal auch mehr oder weniger scheinheilige Fragen ein, die nicht auf Erkenntnisgewinn zielen, sondern vielmehr zeigen, wie erkenntnisrenitent „Revisionisten“ sind.

Nicht selten zielen die Fragen auch auf meine vermeintliche Konfession.

Dahinter verbirgt sich das alte antisemitische Vorurteil, Juden seien Betrüger und Lügner, und man könne ihnen grundsätzlich nicht trauen. Dieses „Hintergrundwissen“ über die vermeintliche Verworfenheit des Judentums ist gesetzt, und da ich historische Details beschreibe, die ihrem Weltbild widersprechen, müsse ich Jude sein.

Wirklich überprüfbar ist es sowieso nicht, aber würde es denn etwas ändern, wenn ich öffentlich erkläre, ich sei protestantisch getauft und gerade eben zum Shintoismus übergetreten? Natürlich nicht. Sie würden immer noch behaupten, ich sei „in Wirklichkeit“ Jude, und man dürfe mir kein Wort glauben [vgl. jüdische Vorfahren und Namen].

Wenn die Zuschriften interessant genug sind, bekommen die Fragesteller manchmal auch das, was sie eigentlich überhaupt nicht haben wollten: Fakten, Zahlen, Daten, Antworten und einen Platz im Kuriositätenkabinett.

Die Namen wurden geändert, die Rechtschreibfehler nicht.