„Revisionismus“ Die verhinderte Wissenschaft
Unschöne Schnittmengen
Kann der Revisionismus unser Bild vom Holocaust verändern?
Die NS-Massenmorde sind tausendfach bewiesen. Die „Revisionisten“ verdienen ihre Anführungszeichen, weil sie nicht wissenschaftliche Erkenntnisse revidieren, sondern fälschen und manipulieren.
„Revisionismus“ ist ein wissenschaftlich klingender Begriff für die Holocaustleugnung, die eine Form des Antisemitismus ist. Das Ziel ist nicht Erkenntnis und Wissen, sondern die Rehabilitierung des NS-Regimes.
Man kann die Leugnung der NS-Massenmorde als Schnittmenge dreier anderer unschöner Erscheinungen verorten.
Holocaustleugnung als Schnittmenge von Antisemitismus, Rechtsextremismus und Geschichtsrevisionismus.
Nicht jeder Antisemit leugnet den Holocaust, aber so gut wie alle Holocaustleugner verbreiten antisemitische Ideen. Nicht jeder Rechtsextremist leugnet den Holocaust, aber alle Holocaustleugner (bis auf sehr wenige Ausnahmen) stehen politisch sehr weit rechts.
Der Antisemitismus und „Revisionismus“ islamischer Länder bleibt hier unberücksichtigt. Die Betrachtung dieser Strömungen, die oft fanatisch-religiös motiviert sind, würde den Rahmen dieser Webseiten sprengen.
Schließlich sind die Leugner auch eine Untermenge des Geschichtsrevisionismus, der beispielsweise die Präventivkriegsthese vertritt und die Kriegsschuldfrage mit fragwürdigen Methoden zugunsten Deutschlands entscheiden möchte [vgl. auch NS-Verharmlosung]. Nicht alle Geschichtsrevisionisten leugnen den Holocaust – als prominentes Beispiel sei Gerd Schultze-Rhonhof genannt –, aber alle Holocaustleugner vertreten auch geschichtsrevisionistische Positionen.
Wenn auf diesen Webseiten von Antisemiten, Rechtsextremisten und Geschichtsfälschern die Rede ist, dann sind als Untermenge immer die Holocaustleugner mit gemeint.
Man könnte das Diagramm dreidimensional darstellen und eine vierte Blase(!) hinzunehmen. Holocaustleugnung ist aus einem bestimmten Blickwinkel auch eine antisemitische Verschwörungserzählung.
Die Produzenten
Germar Rudolf verfasste ein Gutachten, um die Morde in Gaskammern zu widerlegen. Er schrieb und verlegte mehr als 50 Bücher, die den Holocaust in Zweifel ziehen sollen. Ernst Zündel vertrieb ähnliche Dinge in seinem eigenen Verlag. Udo Walendy gab eine Zeitschriftenreihe mit dem Titel Historische Tatsachen heraus, in denen man manchmal keine findet, und Ursula Haverbeck hatte ein Problem.
Die Rezeption: Was uns nicht passt, muss draußen bleiben
Der Begriff der Rezeption ist in der Geschichtswissenschaft sehr wichtig. Er bedeutet: Man muss ehrlich und vollständig alles berücksichtigen, was zum Thema vorhanden ist. Die „Revisionisten“ verhalten sich hier wie sehr eigenwillige Hotelportiers. In ihren Laden darf nur rein, wer die richtige Einstellung mitbringt. Unerwünschte Fakten müssen draußen bleiben.
Pseudowissenschaft
Es ist nicht diffamierend, sondern Tatsache, wenn man den „Revisionismus“ als Pseudowissenschaft beschreibt.
Dieses Urteil beruht nicht darauf, dass die Leugner zu „unerwünschten“ Ergebnissen kommen. Vielmehr sind ihre Ergebnisse zu unbrauchbar, weil ihre Methoden unwissenschaftlich sind. Sie haben (meist antisemitisch unterlegte) Vorurteile und behandeln die Geschichtswissenschaft wie einen Wühltisch. Was passt, zitieren sie, was nicht passt, wird durch Manipulation oder Fälschung passend gemacht oder ignoriert.
Deshalb werden sie mit Recht von der Geschichtswissenschaft ignoriert. Wer das Handwerk nicht beherrscht, kann nicht mitreden, wenn sich die Meister unterhalten. Ab und zu kommt es durchaus vor, dass Historiker sich die Werke von „Revisionisten“ vorknöpfen – und das Ergebnis ist in aller Regel katastrophal [vgl. David L. Hoggan, Der erzwungene Krieg].
Verrenkungen
So verrückt es klingen mag: Manchmal leugnen die Leugner sogar, dass sie leugnen [vgl. Auschwitzleugner? Gibt's hier nicht], und manchmal stellen sie die Pappdrachen, die sie erlegen wollen, eigens zu diesem Zweck selbst in die Landschaft.
Die Flucht vor der historischen Wirklichkeit nimmt manchmal so skurrile Züge an, dass man nur noch satirisch darauf reagieren kann [vgl. Waschbären! Überall Waschbären!].
Seltene Ehrlichkeit
Die mitunter sehr hilflose Argumentation der Leugner erweckt manchmal den Verdacht, dass das Bestreiten der Massenmorde strategisch motiviert und nicht wirklich ernst gemeint ist. In Wirklichkeit denken anscheinend einige Neonazis, die Massenmorde seien berechtigt gewesen. Auf meinen Hinweis, dass die Massenmorde Realität seien, antwortete ein Teilnehmer auf X, die NS-Verbrecher hätten doch recht gehabt:
Ein Holocaustleugner rechtfertigt den Judenmord
Auch der US-Neonazi Harold Covington bestätigte schon vor vielen Jahren, dass das Leugnen des Judenmords lediglich eine Strategie sei, um die Ideologie des Nationalsozialismus wieder salonfähig zu machen.
Usenet: Der Wilde Westen
Heute sind soziale Netzwerke mehr oder weniger stark reglementiert. Früher gab es moderierte Diskussionsforen, noch früher gab es das Usenet. Dort waren nur sehr wenige Gruppen moderiert. Der Normalfall war, dass jemand, der den Holocaust leugnen wollte, entsprechende Textbausteine eingestellt hat, die binnen Sekunden weltweit für alle Abonnenten der Gruppe sichtbar waren.
Quellen und Verweise
- Bundeszentrale für politische Bildung: „Revisionismus“: eine Form des Antisemitismus
- Ausgewählte Literatur zu Nationalsozialismus und Holocaustleugnung
- Jürgen Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner
„Revisionismus“
- Übersicht: „Revisionismus“ ist Holocaustleugnung
- Ein schwieriges Wort für eine einfache Sache, an der Leugner scheitern: Rezeption
- „Revisionismus“ ist Pseudowissenschaft
- Leugnung-Leugnung: Auschwitzleugner? Gibt's hier nicht
- NS-Verharmlosung
- Das Usenet: Der Wilde Westen der Holocaustleugnung
- Die Angst vor den Quellen: Waschbären! Überall Waschbären!