Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

„Revisionismus“ Auschwitzleugner? Gibt's hier nicht.

Wenn Leugner leugnen, dass sie leugnen

Den empörten Satz, der im Titel erscheint, hört man gelegentlich, wenn man mit Holocaustleugnern diskutiert. Die verfolgte Unschuld ist eine ihrer Lieblingsrollen.

Nicht selten sekundieren ihnen heimliche oder unheimliche Helfer, die sofort einstimmen und den Vorwurf erheben, man dürfe noch nicht gleich bei jeder Gelegenheit das PC- und das Auschwitzknüppelchen aus der Tasche holen.

Und überhaupt, fahren sie dann fort, der arme, zu Unrecht denunzierte und verdächtigte Diskussionsteilnehmer, um den es da geht – der leugne doch gar nicht den ganzen Judenmord. Er habe doch sogar ausdrücklich erklärt, er wolle eine gewisse Zahl von Morden an Juden einräumen. Zwar nicht so viele, wie in den Geschichtsbüchern steht, aber man dürfe ja wohl noch zweifeln und fragen, ohne gleich als Holocaustleugner diffamiert zu werden, oder?

Hier ein Beispiel für diese Art der Argumentation.

Sie wissen ganz genau, dass ich zwar nicht von 6 Millionen getoeteten Juden ausgehe, aber sehr wohl von vielen getoeteten Juden. Als sehr ungefaehre Groeßenordnung sehe ich 500.000. Und das IST viel. Es IST ein Holocaust (auch wenn man es anders nennen sollte). Es ist KEINE Holocaustleugnung, denn diese hat den Glauben als Basis, dass praktisch keine Juden umkamen.

„Normarz“, 01 Oct 2001, de.alt.soc.verschwoerung, Subject: Re: Toulouse: Doch ein Anschlag?, Message-ID: 8A7q2gNEfDB@ nm01.vision.in-berlin.de

Dies ist wie so vieles, was die Geschichtsfälscher von sich geben, unehrlich und bei näherem Hinsehen nicht haltbar.

In der Praxis zeigt sich nämlich immer wieder, dass die meisten Holocaustleugner keinen einzigen konkreten Beweis für konkrete Mordaktionen akzeptieren, was in der Summe eben doch auf die Leugnung des gesamten Judenmordes hinausläuft.

Ausweichen, abbiegen, wegducken

So diskutieren Leugner: Gaskammern? Nein, die gab es nicht – und schon fallen drei Millionen Morde weg. Die Mordaktionen mit Hilfe von Gaswagen? Nein, das ist nicht gut genug bewiesen. Und die Massenerschießungen wie z.B. in Babi Jar? Das können wir nicht akzeptieren, weil es keine überzeugenden Spuren und Dokumente gibt.

Was bleibt vom Judenmord, wenn man Gaskammern, Gaswagen und Massenerschießungen abzieht? Nichts.

Würden die Holocaustleugner es damit ehrlich meinen, dass sie eine gewisse Zahl von Morden an Juden als historische Wahrheit akzeptieren, dann müsste es eine Schnittmenge geben. Irgendwann müsste der Punkt kommen, an dem sie sagen: Jawohl, diese konkreten Beweise für diese Mordaktionen an diesem oder jenem Ort akzeptiere ich.

Doch dieser Punkt wird nie erreicht, weil im Konkreten beharrlich bestritten wird, was theoretisch – und scheinheilig – eingeräumt wird. Die Holocaustleugner stellen damit eine aus ihrer Sicht sehr angenehme Situation her. Sie können sich bequem zurücklehnen und einen angebotenen Beweis nach dem anderen wegdiskutieren, ohne sich offen als Holocaustleugner zu zeigen, immer gedeckt durch ihre pauschale Behauptung, sie würden ja einen Teil der Morde akzeptieren.

Nur welche konkreten Morde an welchem Ort und zu welcher Zeit sie für bewiesen halten und welche Qualität ein Beweis haben muss, damit sie ihn akzeptieren – das verraten sie nicht.

Ermüdende Methoden

Manchmal lassen sich andere Diskussionsteilnehmer im guten Glauben auf diese unredliche Scharade ein und bieten immer neue Beweise auf, lesen Quellen, bringen Zeugenaussagen und Dokumente bei – aber alles, alles wird abgelehnt.

Nach einer Weile – eine aus der Sicht der Auschwitzleugner durchaus willkommene Begleiterscheinung – sind die Gesprächspartner, die anfänglich noch an die Aufrichtigkeit der Realitätsverweigerer geglaubt haben, völlig entnervt, sprechen das Wort „Holocaustleugner“ aus, das längst überdeutlich im Raum steht, und schon schnappt die Falle zu, und es folgt eine rührende Darbietung: Aber nein, du tust mir Unrecht, ich bin doch gar kein Holocaustleugner, du denunzierst, du diffamierst, du willst vom Thema ablenken.

Die Situation lässt sich zum Glück leicht auflösen, sobald man sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Gegenstrategie

Wenn ein Holocaustleugner behauptet, er wolle eine gewisse Zahl von Morden an Juden einräumen, dann gilt für ihn zunächst genau das Gleiche wie für die Historiker und Gerichte – und vor allem auch das, was die „Revisionisten“ selbst verlangen. Wer behauptet, es habe Morde gegeben, muss erklären und beweisen können, wann und wo und von wem, unter welchen Begleitumständen und mit welchen Mitteln welche Menschen ermordet worden sind.

Ein Diskussionsteilnehmer, der die historisch gesicherte Zahl von sechs Millionen Juden angreift, die von Historikern ermittelt wurde, muss für diejenigen Morde, die er für bewiesen hält, sogar bessere Beweise als die Historiker vorlegen können, weil er die Beweise der Historiker ja als unzureichend verwirft. Er muss sagen können: Seht her, das hier sind wirklich überzeugende Beweise, so müssen Beweise aussehen. Meine Beweise sind besser und überzeugender als die meisten Daten der Geschichtswissenschaft. Nach diesen hervorragenden Beweisen muss man fragen dürfen, denn die Holocaustleugner sind ja gerade mit der Behauptung angetreten, sie könnten viele Dinge besser erklären als die Historiker.

Auf die Frage nach konkreten Beweisen für die konkreten Mordaktionen, die er einzuräumen bereit ist, lässt sich allerdings kein Holocaustleugner ein, denn sobald er sich in dieser Weise festlegt, definiert er gleichzeitig, welche Qualität für ihn ein Beweis haben muss, damit er ihn akzeptiert.

In diesem Augenblick müsste er aber sofort damit rechnen, dass er mit ebenso konkreten Beweisen für viele andere Mordaktionen konfrontiert wird, die von ähnlich guter Qualität sind und die insgesamt eine viel höhere Zahl ergeben, als er der Geschichtswissenschaft zugestehen will. Die meisten Auschwitzleugner erkennen diese Zwickmühle und behandeln entsprechende Fragen mit genau der „revisionistischen“ Methodik, die sich auch bei historischen Fakten immer wieder bewährt: Sie drücken auf die Löschtaste.

Die Tatsachen

Die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden ist keine unüberschaubare Masse, aus der man ohne nähere Begründung einfach ein paar Millionen herausnehmen und wegdiskutieren kann. Wenn wir vom Holocaust oder vom Judenmord sprechen, dann meinen wir damit ein sehr komplexes Gesamtbild, das sich aus unzähligen Einzelereignissen zusammensetzt.

An einem Ort sind Erschießungen von einigen Dutzend Opfern dokumentiert, für einen bestimmten Täterkreis ist eine Vergasungsaktion mit einigen tausend Opfern vor einem deutschen Gericht nachgewiesen worden, an einem dritten Ort haben die „Einsatzgruppen“ Tausende von Juden mit Gaswagen ermordet, ein Mordkommando verfasst eine „Erfolgsmeldung“, in der von mehr als 360 000 ermordeten Juden die Rede ist. Es gibt unzählige Beweise für viele einzelne Mordaktionen, die wie Mosaiksteinchen zusammengesetzt werden können, bis unser Gesamtbild vom Holocaust entsteht [vgl. auch Alexandermosaik in Pseudowissenschaft Revisionismus].

Wenn man ein paar Millionen jüdische Opfer einfach abzieht, dann zieht man nicht nur eine anonyme Zahl ab, sondern man bestreitet ganz konkrete Mordaktionen mit ganz bestimmten Tätern und Opfern an ganz bestimmten Orten. Gibt es einen Grund, die Erschießungen in Ostgalizien am 14.09.1942 zu akzeptieren, die Umsiedlung in Rawa-Ruska am 31.08.1942 jedoch zu verwerfen? Natürlich nicht. Die Ereignisse sind in etwa gleich gut bewiesen.

Sieht man die Massenerschießungen an einem Ort als bewiesen an, dann muss man zwangsläufig auch die gleich gut bewiesenen Erschießungen an vielen anderen Orten akzeptieren. Räumt man ein, dass es in Treblinka eine Gaskammer gab, wird man die Gaskammern in Auschwitz nicht mehr bestreiten können, weil auch hier die Beweise mehr oder weniger gleich gut sind.

Sobald ein Auschwitzleugner auch nur eine einzige Mordaktion an einem konkreten Ort als historische Tatsache einräumt, muss er etwas befürchten, das er aus seiner Sicht nur als Dammbruch beschreiben könnte. Er würde mit unzähligen detaillierten Beweisen für viele Mordaktionen an vielen verschiedenen Orten förmlich überflutet und müsste schließlich akzeptieren, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, aus einer Fülle von mehr oder weniger gleich gut dokumentierten einzelnen Ereignissen willkürlich das eine zu akzeptieren und das andere nicht.

Die meisten Holocaustleugner erkennen diese Gefahr und weigern sich strikt, für die Morde, die sie angeblich für wahr halten, konkrete Beweise vorzulegen.

Solange sie dies nicht tun, bleibt aber die Behauptung, sie würden nicht den ganzen Judenmord bestreiten, ein bloßes Lippenbekenntnis, und solange dies so ist, darf man ihnen auch genau dies vorhalten: Es gibt offenbar keinen einzigen Mord auch nur an einem Juden, den sie für so gut bewiesen halten, dass sie die Beweise für das Verbrechen auf den Tisch legen und dazu stehen können.

Sie suchen nicht die Wahrheit. Sie leugnen die Realität.

„Revisionismus“