„Revisionismus“ Verharmlosung des Nationalsozialismus
Adolf der Friedliebende
Damals erschienen unter Aufsicht des Propagandaministers Goebbels die sogenannten Weißbücher und andere Propagandaschriften, die das NS-Regime als unschuldiges Opfer ausländischer Attacken darstellen sollten. Heute noch greifen NS-Apologeten auf diese willkürlich ausgewählten oder gefälschten Dokumente zurück.
Nationalsozialistische Propaganda: Verlagerung der Kriegsschuld
Verharmlosung des Nationalsozialismus betreiben auch die sogenannten „Geschichtsrevisionisten“ und Anhänger der Präventivkriegsthese wie David Hoggan, Gerd Schultze-Rhonhof und Viktor Suworow.
Eine Sonderform des Geschichtsrevisionismus und ein besonders drastischer Versuch, das NS-Regime reinzuwaschen, ist die Holocaustleugnung [vgl. etwa Germar Rudolf]. Gewissermaßen eine Sonderform der Sonderform sind Leute wie der Neonazi Harold Covington, der meinte, das Leugnen des Holocaust diene im Grunde nur dazu, den Nationalsozialismus wieder salonfähig zu machen.
Hitler widerspricht seinen Apologeten
Die Versuche rechter bis rechtsextremer Politiker und Geschichtsrevisionisten, Hitlers Regime zu verharmlosen und den Diktator als Friedensstifter und Opfer feindlicher Machenschaften darzustellen, lassen sich leicht mit Hitlers eigenen Worten widerlegen. Eine kleine, keineswegs erschöpfende Auswahl entsprechender Zitate und Tatsachen soll dies belegen.
Durch Hitlers Denken zieht sich wie ein roter Faden die Vorstellung, Deutschland müsse nach Osteuropa vorstoßen und dort neue Siedlungsgebiete erobern, weil der vorhandene Lebensraum zu klein sei. Diesen Gedanken formulierte Hitler bereits in den 1920er Jahren in Mein Kampf und sagte, die Gewinnung neuen Lebensraums sei nur durch „die Gewalt eines siegreichen Schwertes“
möglich.
Am 03.02.1933 griff der Diktator diese Ideen in einer Ansprache vor den Befehlshabern des Heeres und der Marine wieder auf und bekräftigte, die „Eroberung neuen Lebensraumes im Osten u. dessen rücksichtslose Germanisierung“
seien notwendig.
1936 erließ Hitler eine „Denkschrift zum Vierjahresplan“, in der es heißt:
Ich stelle damit folgende Aufgabe:
I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.
II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.
Adolf Hitler, Denkschrift zum Vierjahresplan
Auch eine Bemerkung des NS-Außenministers von Ribbentrop gegenüber Winston Churchill im Jahr 1937 belegt, dass die Eroberung von Lebensraum in Osteuropa die erklärte und durchgängig verfolgte Politik des NS-Regimes war [vgl. Lebensraum].
Nicht um Lebensraum zu erobern, sondern um den Putsch des Faschistenführers Franco zu unterstützen, entsandte das NS-Regime 1937 die „Legion Condor“ der neu aufgebaute Luftwaffe nach Spanien [vgl. Luftkrieg – Guernica].
Kriegerische Worte und Taten, keine Rede von Frieden
Die „Erledigung der Rest-Tschechei“ war ein weiterer aggressiver Akt des NS-Regimes. Trotz aller Friedensbemühungen (die „Appeasement-Politik“) ausländischer Diplomaten versuchte Hitler gezielt, den Konflikt zu verschärfen. Am Ende der verhängnisvollen Entwicklung standen die Besetzung des Sudetenlandes und die Okkupation der gesamten Tschechoslowakei.
Anschließend notierte ein Offizier des Diktators: „Infolgedessen wären Befehle gegeben worden, dahingehend, daß innerhalb etlicher Tage, nicht später als am 15. März, die Tschechoslowakei militärisch zu besetzen sei. Polen wird folgen“
[vgl. Ansprache Hitlers vor Wirtschaftsvertretern, 8.3.1939]. Schon zu diesem Zeitpunkt (08.03.1939) war Hitler offenbar entschlossen, Polen anzugreifen.
Am 23.03.1939 besetzten deutsche Truppen das Memelland, das zu Litauen gehörte.
Im Mai 1939 bekräftigte Hitler seine kriegerischen Absichten in Bezug auf Polen:
Es entfällt also die Frage Polen zu schonen und bleibt der Entschluß, bei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen.
Adolf Hitler, Schmundt-Mitschrift
Im Sommer 1939 eskalierte der Konflikt mit Polen. Hitler steuerte gezielt eine bewaffnete Auseinandersetzung an und befürchtete sogar, im letzten Moment könne „ein Schweinehund“
einen Vermittlungsplan vorlegen und damit seine Kriegspläne unterlaufen.
Dem Überfall auf Polen gingen mehrere vom NS-Regime provozierte „Grenzzwischenfälle“ voraus, die als Vorwand dienen sollten. Zu diesen fingierten polnischen Übergriffen zählte auch der Überfall auf den Sender Gleiwitz, der in der NS-Propaganda letztlich allerdings keine große Rolle spielen sollte [vgl. auch Wolfgang Benz, Legenden].
Am 23.11.1939 sagte Hitler vor dem Hintergrund des geplanten Angriffs auf Frankreich: „Verletzung der Neutralität Belgiens und Hollands ist bedeutungslos.“
Am 14.05.1940 fand ein Luftangriff auf Rotterdam statt, der die Innenstadt weitgehend zerstörte.
Der Generalplan Ost sollte die schon früher von Hitler angesprochene Eroberung und „Germanisierung“ der eroberten sowjetischen Gebiete vollenden. Die deutschen Truppen waren weit in die Sowjetunion vorgestoßen, und zur Sicherung des Bodengewinns sollten vorgeschobene Siedlungen eingerichtet werden. Die Abwesenheit (sprich: Vertreibung oder Vernichtung) der dort bereits lebenden Menschen wurde dabei einfach vorausgesetzt.
Hitler-Apologeten ignorieren viele dieser Quellen oder stellen sie falsch dar, um Hitler als Friedensengel präsentieren zu können. Historiker kommentierten entsprechende Bemühungen beispielsweise von Gerd Schultze-Rhonhof unter den ironischen Titeln „Adolf der Vertragstreue“ und „Adolf der Friedliebende“.
„Adolf der Friedliebende“ – ein ironischer Kommentar zu NS-Apologeten (nicht mehr online)
Ein aufschlussreiches Dokument ist Hitlers Erklärung am 10. November 1938 vor Pressevertretern. Der Diktator erklärte dort ausdrücklich, seine sogenannten „Friedensreden“ seien lediglich ein taktisches Manöver gewesen, das der Verschleierung seiner wahren Absichten gedient habe.
Neuere Formen der NS-Verharmlosung
„Ökofaschisten“, „Klimafaschismus“, „Linksfaschismus“ – solche Begriffe hört man seit einiger Zeit häufig von rechtsaußen. Deutschland verwandle sich allmählich in eine „Meinungsdiktatur“ und unterdrücke alle, die abweichen. Manchmal hört man auch die Behauptung, Deutschland sei eine Art „DDR 2.0“, was auch wieder nur eine Verharmlosung eines totalitären Systems ist.
Die Verwässerung des Faschismusbegriffs hat Methode. Einerseits schmähen rechtsextreme Agitatoren auf diese Weise ihre Gegner, zugleich verharmlosen sie durch den inflationären Gebrauch des Worts „Faschismus“ aber auch den deutschen Faschismus und seine Verbrechen.
Letzteres liegt nahe, weil die weit rechts stehenden Teilnehmer in sozialen Netzwerken, die auf diese Weise argumentieren, dank ihres eigenen Nationalismus häufig eine sehr unschöne Nähe zu Positionen des Nationalsozialismus haben. Es scheint in vielen Fällen auch eine Art Schuldabwehr zu sein, wenn Rechtsextreme den Faschismusbegriff auf eher links stehende Personen anwenden und (wie es häufig geschieht) zugleich auch den Nationalsozialismus als angeblich linke Ideologie falsch einordnen.
Quellen
- Hitlers „Friedensreden“ – Die „bedenklichen Seiten“ der Friedenspropaganda
- Hitlers Ansprache vor Wirtschaftsvertretern, 8.3.1939.
- Ein scheinbar friedliches Beispiel: Deutsches Historisches Museum, Der Einmarsch ins Memelgebiet 1939.
- Was Hitler wirklich wollte: Schmundt-Mitschrift, 23.5.1939.
- Wolfgang Benz, Legenden Lügen Vorurteile, S. 91, und Heydrichs Meisterstück – Der Überfall auf den Sender Gleiwitz.
- Besprechung beim Führer, 789-PS.
Weitere Verweise
- Die Eroberung neuen Lebensraumes im Osten
- Wilhelm Treue, Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan 1936, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 1955/2.
- Übersicht: Der nationalsozialistische Vernichtungs- und Eroberungskrieg
- Übersicht: Der Luftkrieg von Guernica bis Dresden
Schönredner und Verharmloser
- Präventivkriegsthese
- Übersicht: Der sogenannte „Revisionismus“
- Geschichtsrevisonist mit zweifelhaften Quellen: Gerd Schultze-Rhonhof, Der Krieg, der viele Väter hatte
„Revisionismus“
- Übersicht: „Revisionismus“ ist Holocaustleugnung
- Ein schwieriges Wort für eine einfache Sache, an der Leugner scheitern: Rezeption
- „Revisionismus“ ist Pseudowissenschaft
- Leugnung-Leugnung: Auschwitzleugner? Gibt's hier nicht
- NS-Verharmlosung
- Das Usenet: Der Wilde Westen der Holocaustleugnung
- Die Angst vor den Quellen: Waschbären! Überall Waschbären!