Rezeption
Was Geschichte ist, bestimmen wir
Ein schwieriger Begriff, der in der Geschichtswissenschaft sehr wichtig ist. Der Vergleich mit der Empfangstheke eines Hotels funktioniert nicht auf jeder Ebene, ist aber eine gute Krücke für das Verständnis.
Vor der Theke stehen alle Autoren, die zum jeweiligen Thema etwas geschrieben haben. Der Empfangschef darf keinen übersehen oder ignorieren, und er muss alle überprüfen.
Zu der Überprüfung gehört zum Beispiel die Frage: Hat der Gast, der gerade vor der Theke steht, brauchbare und verlässliche Informationen? Kann er also, anders gesagt, in der richtigen Währung genügend bezahlen?
Oder ist das ein „fauler Kunde“, der früher schon mal betrogen hat? Müssen wir damit rechnen, dass er uns noch einmal Falschgeld andreht?
Es gibt auch Gäste, die zwar echtes Geld haben, aber nicht genug davon. Deshalb kommt es vor, dass ein Historiker (oder Empfangschef) mehrere Autoren (Gäste) zusammenlegt. Jeder steuert einen Teil bei, und alle zusammen können sich dann ein Zimmer leisten.
Aktiv nachschauen
Ein guter Historiker vergewissert sich aktiv, ob er niemanden vergessen hat, und schaut vor der Tür nach, ob da nicht jemand im Regen steht. Manchmal bleiben schüchterne historische Dokumente lange Zeit unbeachtet, bis endlich jemand, der genau nachprüft, ihren Wert erkennt.
Und da die historische Forschung nicht aufhört, kommen immer wieder neue Gäste zur Tür herein und wollen berücksichtigt werden.
Was ich mag
Ein Historiker darf nicht sagen: Den da mag ich nicht, den lasse ich nicht rein. Wenn jemand in ungefälschter Währung bezahlt, muss er berücksichtigt werden.
Es gibt hier einen großen und wichtigen Unterschied zwischen dem, was der Historiker mag oder nicht mag, und den historischen Tatsachen, die ein Gast mitbringt. Manchmal bringt ein Gast sogar unwiderlegbare Fakten mit, die dem Historiker überhaupt nicht passen.
Dann kann es Streit über die Frage geben, wie wichtig die verschiedenen Dokumente und Tatsachen sind. Das ist eine Frage der Bewertung. Es wird aber unter Historikern, die ihr Handwerk beherrschen, praktisch nie einen Streit darüber geben, ob die Tatsachen überhaupt Tatsachen sind.
Wenn der Rezeptionist seine Arbeit ordentlich macht, dann beachtet er alle, die vor der Theke stehen, und weist ihnen ihre Zimmer zu. Er wird sogar jene, die unangenehme Fakten mitbringen, mit besonders großer Aufmerksamkeit behandeln. Ignorieren darf er sie nicht; dann wäre er nicht besser als die faulen Kunden, die mit Falschgeld bezahlen. Er muss ehrlich sein und alle aufnehmen, die er sieht.
Und dann singen sie zusammen. Wenn alle, die in Zimmer eingezogen sind, Tatsachen geliefert und nichts gefälscht haben, entsteht ein Lied, das man hören und verstehen kann.
Wenn es schiefe Töne gibt, dann stimmt etwas nicht. Entweder, ein Betrüger hat sich eingeschlichen, oder es fehlt noch eine Stimme. Manchmal müssen Historiker zugeben, dass sie etwas noch nicht völlig durchschaut und erforscht haben. Dann bleiben Zimmer leer, die irgendwann hoffentlich besetzt werden, damit der Chor vollständig ist. Auch das geben ehrliche Historiker offen zu.
Vernachlässigte „Revisionisten“
Die sogenannten „Revisionisten“ beklagen sich, die Geschichtswissenschaft würde sie nicht wahrnehmen. Das ist halb wahr und halb unwahr. Sie werden durchaus wahrgenommen (oder rezipiert), und das Ergebnis ist katastrophal [vgl. David L. Hoggan, Der erzwungene Krieg].
Wenn aber jemand einmal mit Falschgeld bezahlt hat, kann es passieren, dass er beim zweiten Mal an der Theke abgewiesen wird. Ein Irrtum oder Fehler ist unschön, aber verzeihlich. Falschgeld ist Betrug.
Was tun die „Revisionisten“?
Sie lassen nur Leute in die Zimmer, die bestätigen, was sie beweisen möchten. Alle anderen müssen draußen bleiben. Vor den Empfangstheken der „Revisionisten“ ist eine riesige Schlange von historischen Fakten, die dazugehören und trotzdem nicht akzeptiert werden.
Gegenläufige Quellen, also die Gäste mit den unangenehmen Fakten, die nicht gut zu passen scheinen, erwähnen sie meist gar nicht. Sie sind nicht ehrlich und tun ihren Lesern gegenüber so, als existierten diese Gäste mit den unbequemen Fakten überhaupt nicht.
Besonders deutlich wird dies da, wo Gäste kritisch beäugt oder abgelehnt werden, nur weil sie Juden sind. Schreibt ein jüdischer Autor nur deshalb Unsinn, weil er Jude ist? Manche „Revisionisten“ scheinen das zu glauben.
Es kommt allerdings nicht auf das an, was jemand (angeblich oder wirklich) ist, sondern nur auf das, was jemand sagt und tut. Das kann man aber nur beurteilen, wenn man die Bücher gewissenhaft überprüft.
Die „Revisionisten“ schenken sich das oft; auf ihren Büchern steht das, was man im Dritten Reich an vielen Stellen sah: Zutritt für Juden verboten.
Unter anderem deshalb ist der „Revisionismus“ keine Wissenschaft und erst recht keine Alternative zur Geschichtswissenschaft. Er ist als Wissenschaft getarnter Antisemitismus.
„Revisionismus“
- Übersicht: „Revisionismus“ ist Holocaustleugnung
- Ein schwieriges Wort für eine einfache Sache, an der Leugner scheitern: Rezeption
- „Revisionismus“ ist Pseudowissenschaft
- Leugnung-Leugnung: Auschwitzleugner? Gibt's hier nicht
- NS-Verharmlosung
- Das Usenet: Der Wilde Westen der Holocaustleugnung
- Die Angst vor den Quellen: Waschbären! Überall Waschbären!