Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Arno Mayer Der Krieg als Kreuzzug

Was im Buch steht, bestimmen wir!

BEHAUPTUNG:

Kann man mit Arno Mayers Buch Der Krieg als Kreuzzug beweisen, dass der Holocaust nicht passiert ist?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das genannte Buch enthält gravierende Fehler, die von Historikern benannt und kritisiert werden. Mayer sagt allerdings unmissverständlich, dass der Massenmord in Gaskammern eine historische Realität ist.

Arno Mayers Buch Der Krieg als Kreuzzug (engl. Why did the heavens not darken?) enthält mehrere grobe Fehler und unzutreffende Einschätzungen. Andere Historiker haben dies scharf kritisiert, so etwa Robert Jan van Pelt in seinem Gutachten für den Irving-Lipstadt-Prozess.

Holocaustleugner nutzen Mayers Fehler für ihre Zwecke und spielen das alte Spiel vom „guten“ und vom „bösen“ Juden. Die „guten“ Juden sind diejenigen, die ihnen absichtlich, aufgrund von Fehlleistungen oder dank böswilligem „Missverständnis“ auf irgendeine Weise beim Leugnen behilflich scheinen. Denen dürfe man vorbehaltlos glauben, selbstverständlich auch dort, wo es keinerlei Belege gibt.

Die „bösen Juden“ sind dagegen diejenigen, die korrekte Angaben zum Holocaust machen. Dort müssen es „forensische Beweise“ sein, die seltsamerweise niemals gut genug sind, um akzeptiert zu werden.

Jürgen Graf „zitiert“

Jürgen Graf bemüht in seinem Text Holocaust or Hoax das genannte Buch von Arno Mayer und behauptet auf Seite 44 mit Fußnote (eigene Übersetzung):

Kein Jude wurde jemals in ein Lager geschickt, nur weil er Jude war. Wenn Juden in Lager eingewiesen wurden, dann wegen militanter politischer Aktivitäten oder wegen gewöhnlicher Verbrechen.(2)

(2) Die Tatsache, dass in den Anfangsjahren des NS-Regimes kein Jude in ein Konzentrationslager deportiert wurde, wird durch eine über jeden Zweifel erhabene Quelle bestätigt, nämlich vom jüdischen Professor Arno Mayer (Der Krieg als Kreuzzug, Rowohlt, 1989, S. 200)

Jürgen Graf, Holocaust or Hoax, S. 44

Graf unterwirft hier die deutsche Ausgabe des Buchs seiner besonderen Form der Wahrheitsfindung. Bei Mayer sieht der Abschnitt folgendermaßen aus:

Zu den in «Schutzhaft» Genommenen gehörten prominente Persönlichkeiten des kulturellen Lebens wie Egon Erwin Kisch, Erich Mühsam, Carl von Ossietzky und Ludwig Renn. Es gab verhältnismässig wenige Juden unter diesen frühen Gefangenen des «Dritten Reichs», und wenn, dann waren sie in ihrer Eigenschaft als linke Politiker, Anwälte oder Literaten verhaftet worden.

Arno Mayer, Der Krieg as Kreuzzug, S. 200

Erstens fehlt hier der sonst gern von „Revisionisten“ erhobene Vorwurf, Mayers Ausführungen seien nicht durch „Sachbeweise“ abgesichert. Mayer nennt hier überhaupt keine Quelle, aber da Graf ihn höchstpersönlich als ganz und gar völlig unanfechtbare Autorität geadelt hat, dürfen die Angaben wohl entfallen; Grafs Fürsprache ist ja Beweis genug.

Zweitens hat Graf hier gleich zweimal „Wahrheitsfindung“ betrieben. Es waren nicht etwa gar keine, sondern nach Mayer, den Graf zu zitieren vorgibt, „verhältnismässig wenige Juden“, und zweitens waren die Personen, die Mayer nennt, weder militant noch gewöhnliche Verbrecher, sondern Politiker, Anwälte oder Schriftsteller.

Man darf sich aber über Jürgen Graf nicht aufregen. Er war Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher „Revisionist“ und hat keine Mühen gescheut, wenn es darum ging, den vermeintlichen Feinden der Wahrheit auf die Finger oder auf andere Körperteile zu schauen.

Zwei Fehlleistungen

In der englischen Ausgabe des Buchs liest man und erschrickt:

Besides, from 1942 to 1945, certainly at Auschwitz, but probably overall, more Jews were killed by so-called „natural“ causes than by „unnatural“ ones.

Arno Mayer, Why did the heavens not darken?, S. 365

Die etwas abweichende deutsche Version, möglicherweise nach einer anderen Ausgabe übersetzt, klingt so:

Tatsache ist jedenfalls, dass in Auschwitz, wahrscheinlich aber auch in allen anderen Lagern, mehr Juden durch einen mittelbaren Tod (durch Überarbeitung, Hunger, Krankheit, Kälte, Seuchen und seelische Verzweiflung) als durch einen unmittelbaren Tod (durch Erschiessen, Erhängen, Phenolinjektionen, Schläge und Gas) umgebracht wurden.

Arno Mayer, Der Krieg als Kreuzzug, S. 545

Mayer differenziert hier – unverständlicherweise – nicht zwischen den registrierten Lagerhäftlingen und den unregistrierten Opfern der Gaskammern.

Das zweite Zitat, das Holocaustleugner heranziehen, hier aus gutem Grund mit etwas mehr Kontext:

Die Quellen, die für die Erforschung der Gaskammern zur Verfügung stehen, sind rar und unzuverlässig. Während Hitler und die Nationalsozialisten aus ihrem Krieg gegen die Juden kein Geheimnis machten, be-seitigten die SS-Schergen getreulich alle Spuren ihrer Morde und Mordinstrumente. Bis heute sind schriftliche Befehle zur Vergasung nicht aufgetaucht. Die SS vernichtete nicht nur die meisten KZ-Verwaltungsakten, die ohnehin unvollständig waren, sie zerstörte auch rechtzeitig vor Ankunft der sowjetischen Truppen fast alle Tötungs- und Verbrennungsinstallationen. Ebenso wurde großer Wert auf die gründliche Beseitigung der Knochen und der Asche der Opfer gelegt.

Arno Mayer, Der Krieg als Kreuzzug, S. 541

Die englische Version, ebenfalls mit mehr Kontext und ohne „revisionistische“ Auslassungen:

Sources for the study of the gas chambers are at once rare and unreliable. Even though Hitler and the Nazis made no secret of their war on the Jews, the SS operatives dutifully eliminated all traces of their murderous activities and instruments. No written orders for gassing have turned up thus far. The SS not only destroyed most camp records, which were in any case incomplete, but also razed nearly all killing and cremating installations well before the arrival of Soviet troops. Likewise, care was taken to dispose of the bones and ashes of the victims.

Arno Mayer, Why did the heavens not darken?, S. 362

Ein weiterer weniger bedeutender Fehler ist Mayers Behauptung, in den Gaskammern von Treblinka seien Dieselabgase benutzt worden. Dies ist ein verzeihlicher Irrtum, weil 1988, als Mayer das Buch schrieb, viele Quellen noch nicht bekannt waren. Inzwischen ist klar, dass die Massenmorde in Treblinka mit den Auspuffgasen von Benzinmotoren durchgeführt wurden.

Etwas, das den Leugnern nicht sehr gut ins Konzept passt, sagt Arno Mayer völlig unmissverständlich an dieser Stelle:

Einstweilen lassen sich die vielen Widersprüche, Vieldeutigkeiten und Fehler in den vorhandenen Quellen nicht abstreiten. Wenn man dies auch nicht ignorieren kann, so muß man doch hervorheben, daß diese Mängel keineswegs ein zureichendes Argument sind, den Einsatz der Gaskammern für den Massenmord an den Juden in Auschwitz in Frage zu stellen.

Arno Mayer, Der Krieg als Kreuzzug, S. 542

Diese klare Stellungnahme kommt bei Holocaustleugnern nicht vor. Schlagartig ist Arno Mayer dann doch keine „über jeden Zweifel erhabene Quelle“ von Jürgen Grafs Gnaden mehr. Ein Schelm, wer hier an „Revisionismus“ denkt.

Quellen und Verweise