Johannes Rothkranz
Christlicher Antisemitismus
Rothkranz studierte zunächst Theologie und bereitete sich in Regensburg auf das Priesteramt vor, jedoch wurde ihm aufgrund seiner theologischen Positionen 1985 die Priesterweihe verweigert. Rothkranz wandte sich dem Sedisvakantismus zu, der davon ausgeht, der Heilige Stuhl sei überhaupt nicht oder vom jeweiligen Amtsinhaber nicht rechtmäßig besetzt
Er war sogar der extremen Piusbruderschaft zu renitent, und sie warf ihn hinaus [vgl. L. Teidelbaum, Die christliche Rechte in Deutschland, S. 25]. Beim intern noch halbwegs gehorsamen Bischof Williamson, der ebenfalls den Holocaust geleugnet hatte, dauerte der Trennungsprozess, nebenbei bemerkt, erheblich länger.
Wie andere christliche Fundamentalisten glaubt auch Rothkranz an eine jüdische bzw. zionistische und/oder freimaurerische Weltverschwörung [zum Fundamentalismus vgl. Lutz Lemhöfer, Merkt euch ihre Namen]. In seinen Schriften, die z.T. im Anton Schmid Verlag („pro fide catholica“) erscheinen, greift Rothkranz vielfach auf rechtsextremistische Quellen zurück, in denen der Holocaust geleugnet wird. Die Behauptung, der Judenmord sei nicht passiert, fügt sich offenbar harmonisch in seine häufig antisemitisch gefärbten Verschwörungsfantasien ein.
Rothkranz veröffentlichte eine deutsche Übersetzung von Who controls American media news and entertainment?. Dieses Buch erschien ursprünglich bei National Vanguard Books und wurde von William L. Pierce herausgegeben. Pierce gehörte der American Nazi Party an und veröffentlichte unter Pseudonym die Turner Diaries. Man ahnt, welcher Konfession Die öffentlichen Meinungsmacher (so der deutsche Titel) nach Ansicht des Autors und des Übersetzers Rothkranz angehören: Es seien angeblich Juden, die die Medien dominieren.
In seinem Werk Freimaurersignale in der Presse: Wie man sie erkennt und was sie bedeuten „beweist“ Rothkranz sogar, dass er eine Brillengriff-Verschwörung aufgedeckt habe: Angeblich kommunizierten Freimaurer in aller Öffentlichkeit, auch in der Presse, über geheime Gesten.
In einer fünfbändigen(!) Buchreihe greift Rothkranz ein altes antisemitisches Märchen auf, modernisiert es und behauptet, die Protokolle der Weisen von Zion seien längst verwirklicht.
Bei rechtsextremen Verschwörungserzählern gilt Rothkranz als verlässlicher Autor. Mit seinem christlichen Antisemitismus, seiner Holocaustleugnung und seinen ewigen Feindbilden, den Freimaurern und Zionisten, bildet Rothkranz eine Art Scharnier zwischen Verschwörungsfantasten, politischem Rechtsextremismus und christlichem Antisemitismus und macht für alle die jeweils anderen Vorurteile konsumierbar.
Rothkranz liefert in paranoider Stupidität eine Addition von kruden Schmähungen und Zwangsvorstellungen, die kapitelweise unter Rubriken wie „Auserwähltheit als Religionsersatz“, „Kryptojudentum“, „die Synagoge des Satans“, „Antisemitismus ein Phantom?“ abgehandelt werden.
Wolfgang Benz, Die „Alternative für Deutschland“ und der Antisemitismus
Dies schrieb Benz in einem Artikel über das damalige AfD-Mitglied Wolfgang Gedeon, der sich antisemitische Legenden wie die Protokolle der Weisen von Zion zu eigen gemacht hatte. An diesem Beispiel sieht man, dass Rothkranz bis in eine Partei hineinwirkt, die einen erheblichen Anteil an Wählerstimmen binden kann.
Wer Rothkranz liest und mag
Der Stichwortgeber für Verschwörungserzähler und Antisemiten wird häufig zitiert:
- Carl Friedrich Berg
- Der rechtsextreme Autor empfiehlt Rothkranz in seinem Buch Wolfsgesellschaft unter dem Titel „Verzeichnis ausgewählter Literatur“.
- Wolfgang Eggert
- Der Verschwörungserzähler gibt in Geheimvatikan, Bände 2 und 3; Rothkranz als Quelle an.
- Jürgen Graf
- Der Holocaustleugner und Antisemit empfiehlt und benutzt an verschiedenen Stellen mehrere Bücher von Rothkranz. Für Graf ist der Autor
„Der hervorragende katholische Schriftsteller Johannes Rothkranz“
(vgl. etwa Todesursache Zeitgeschichtsforschung, S. 224), der angeblich„Licht ins Dunkel“
bringt (S. 226) - Jan van Helsing
- Der Verschwörungsfantasy-Bestsellerautor bemüht Rothkranz in Geheimgesellschaften 2 und weiteren Büchern und empfiehlt völlig unkritisch das Pamphlet Wussten Sie schon
- Hans Jaus / Freiheitliche Autorengemeinschaft
- Das Antifa-Handbuch verweist auf Rothkranz als Quelle.
- Germar Rudolf
- In Dissecting the Holocaust und weiteren Werken glaubt der Chemiker mit angeblich wissenschaftlichem Ansatz offenbar, antisemitische Texte wie die von Rothkranz dienten der Wahrheitsfindung.
- Dieter Rüggeberg
- In seiner Buchreihe Geheimpolitik bremst sich der Verschwörungserzähler mit antisemitischen Untertönen mitunter knapp vor offener Holocaustleugnung. Der Sektierer Rothkranz ist für ihn wohl ein Bruder im Ungeist.
- Detlef Winter
- Der Autor verfasste den Text Imperialismus und Weltherrschaft: Jüdisch-freimaurerische Verschwörung, Mythos oder Realität?; der Buchtitel deutet bereits an, dass sich Rothkranz' antisemitische Texte hervorragend in die „Beweisführung“ einfügen.
Siehe auch
- Christlicher Antisemitismus: Manfred Adler
- Johannes Rothkranz: Wussten Sie schon (…)
- Johannes Rothkranz: Die Zahl des Tiers