Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Holocaustleugner-Konferenz 2006 in Teheran Fredrick Töben: 40 Days in Teheran

Es gibt zweifellos so etwas wie Konferenztourismus. Und es gibt Wissenschaftler, die ihr Fachgebiet sehr ernst nehmen und mit hohen Erwartungen zu Konferenzen reisen.

Manchmal werden die Erwartungen erfüllt, und die Vorträge auf einer Konferenz geben neue Impulse für die betreffende Disziplin. 2006 fand eine Konferenz der „Revisionisten“ statt, wie sich die Leugner des Holocaust gern nennen.

Bahnbrechende Erkenntnisse?

Meine Befürchtung war: Es gibt da womöglich neue Gesichtspunkte, die mir Arbeit machen könnten, vielleicht muss ich mir neue Quellen erschließen, vielleicht sogar Texte umschreiben und mühsam neue Widerlegungen erarbeiten.

Das Schicksal war mir gnädig.

Fredrick Töben (geb. Gerold Friedrich Töben), ehemals Leiter der Leugner-Firma „Adelaide Institute“, verfasste den Bericht über die Konferenz unter dem Titel Forty Days in Teheran (Der gebürtige Deutsche schreibt sich manchmal „Töben“ mit Umlaut, manchmal „Toben“ ohne Umlaut, manchmal „Frederick“ und manchmal „Fredrick“.)

Illustre Gesellschaft

Am Anfang des Berichts stehen natürlich die Grußworte. Prominent und ganz vorne: Der damalige iranische Präsident Ahmadinedschad, der sich sehr für die Freiheit der „Revisionisten“ und nicht ganz so sehr für die Freiheit seines eigenen Volkes eingesetzt hat. Letzteres tat aber der gemeinsamen Feindschaft gegen Juden keinen Abbruch.

Ahmadinedschad winkt mit erhobener rechter Hand freundlich lächelnd in die Kamera. Er trägt einen Sakko und ein weißes Hemd.

Freundliche Grüße vom Autokraten

Auf Seite 4 (technisch S. 10) der 126seitigen Broschüre findet man die Liste der Teilnehmer, darunter viele bekannte Namen: der Leugner-Altmeister Robert Faurisson, der Ex-Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, Christian Lindner (Dänemark), Michele Renouf, Richard Krege, Peter Töpfer, Bradley R Smith, Bernard Schaub, Herbert Schaller, Wolfgang Fröhlich, Serge Thion.

In einer Fußnote zur Liste heißt es, David Irving habe nicht teilnehmen können, weil er in Österreich eine Gefängnisstrafe verbüßte.

Etwas später liest man eine Danksagung an Ahmadinedschad und darunter einen Abschnitt, den man für zynisch halten könnte. Er ist jedoch offenbar ernst gemeint. Töben schreibt:

Ich danke dem iranischen Volk dafür, dass es einen Anführer hervorbrachte, der den jüdischen Druck nicht fürchtet, einen Anführer, der sich entschlossen für grundlegende menschliche Werte einsetzt, die im größten Teil der „demokratischen und freien Welt“ verloren sind […]

Fredrick Töben, 40 Days in Teheran, Adelaide, 29.07.2007, S. 19

Verhinderte Leidensgenossen

Kurz danach (S. 19) folgen unter dem Titel „Danksagung“ Solidaritätsbekundungen mit weiteren Kämpfern für die Freiheit der Lüge, die strafrechtlich verhindert waren: Germar Rudolf, Jürgen Graf, Siegfried Verbeke, Ernst-Günter Kögel, Horst Mahler, Ernst Zündel. Außerdem heißt es da, Udo Walendy und Günter Deckert ließen schön grüßen.

Was auf den Seiten bis hierher geschehen ist, lässt sich etwa folgendermaßen zusammenfassen: ein ganzseitiges Foto von Töben, eine weitere Einführung von Töben, ein Vorwort des antisemitischen Verschwörungserfinders Michael Collins Piper, Presseberichte über Verurteilungen von Holocaustleugnern, Presseberichte über die Konferenz, auf Seite 12 ein Foto des Bodenradar-„Revisionisten“ Richard Krege, der vor einem Pappmodell am Boden hockt und freundlich in die Kamera schaut [vgl. Jürgen Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner, S. 55]. Man könnte meinen, da spielt ein jung gebliebener Mann mit seiner Eisenbahn, wäre es nicht ein Modell von Auschwitz. Erstaunlich, dass Töben selbst das Wort „Beweis“ in der Bildlegende in Anführungszeichen gesetzt hat.

Bekannte Größen

Auf der gleichen Seite folgt die „Einleitung“, die ausführlich Dinge wiederholt, die jeder anständige Leugner sowieso schon weiß. Töben erwähnt hier auch Fred Leuchter, der die Massenmorde in den Gaskammern weitgehend widerlegt habe. Was Töben nicht wissen konnte: 2017 gab Germar Rudolf eine überarbeitete Version des Leuchter-Reports heraus, weil die alte Fassung nicht mal nach „revisionistischen“ Standards haltbar war.

Auf den folgenden Seiten sieht man weitere Modellbau-Aktivitäten.

Fredrick Töben mit Zeigestab vor einem Auschwitz-Modell. Er trägt Anzug und Krawatte. Links eine Filmkamera, die seine Demonstration aufzeichnet.

„Revisionistischer“ Modellbau

Auch der zu diesem Zeitpunkt schon ein Jahrzehnt alte sogenannte Rudolf-Report nimmt in diesem Abschnitt viel Raum ein. In einer Fußnote dazu schreibt Töben: „Professor Robert Faurissons Aussage ‚Keine Löcher, kein Holocaust‘ ist immer noch wahr.“

Dies bezieht sich auf die Behauptung, in den Trümmern der gesprengten Gaskammern seien keine Einwurföffnungen für Zyklon B zu finden, und daher könne der Holocaust nicht stattgefunden haben. Töben schrieb diesen Konferenzbericht 2007. Bereits 2004 war allerdings bei Oxford University Press ein Aufsatz erschienen, der die Existenz der Einwurflöcher nachgewiesen hatte. Selbst wenn Töben meint, der Beweis sei nicht gelungen, wäre es sinnvoll gewesen, wenigstens auf diese Arbeit hinzuweisen und sie zu widerlegen.

Alte Bekannte, neue Nicht-Publikation

Auf Seite 27 sieht man eine weitere „revisionistische“ Glanzleistung: Die vier Millionen von Auschwitz. Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Konferenz von vornherein nicht das Ziel hatte, neue Erkenntnisse vorzulegen. Oder vielleicht hatte sie das Ziel, aber es gab einfach keine.

Im Anschluss erfährt man seitenlang nichts Neues über das Vernichtungslager Treblinka, und dann kommt doch noch etwas Überraschendes:

4.6 Richard Krege’s Research—as yet unpublished
[Richard Kreges Forschungen – bislang unveröffentlicht]

Fredrick Töben, 40 Days in Teheran, S. 31

Also endlich doch neue Erkenntnisse der Leugner, aber leider, leider noch nicht veröffentlicht. In der Broschüre, an verschiedenen Stellen verteilt, erfährt man aus zweiter Hand, was Krege für den „Revisionismus“ geleistet habe. Krege hatte mit einem Bodenradar das ehemalige Vernichtungslager Treblinka aufgesucht und wunschgemäß nichts Belastendes gefunden. Der Boden sei völlig unberührt, es gebe keine Massengräber und überhaupt keine Spuren.

Die Leugner bestreiten nicht die Existenz des Lagers Treblinka, sondern nur dessen Zweck. Die Konstruktion und der Betrieb eines Lagers müssen Spuren hinterlassen. Wenn Krege nicht einmal die gefunden hat, dann hat er sein Gerät nicht richtig eingesetzt.

Das ist noch nicht alles. Mehrere Experten und auch die Website des Herstellers weisen darauf hin, dass Kreges Bilder tatsächlich Spuren von Massengräbern zeigen. Er hatte die Aufnahmen falsch interpretiert. Inzwischen gab es weitere Untersuchungen, die ebenfalls die Existenz von Massengräbern beweisen. Und schließlich darf der Hinweis nicht fehlen, dass der „Revisionist“ Carlo Mattogno zwar weiterhin den Massenmord leugnet, aber die Existenz von Massengräbern in Treblinka akzeptiert. Kreges Bodenradar-Untersuchung wurde bis heute (2026) nicht veröffentlicht [vgl. J. Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner, S. 55-59].

Fotos mit Modell-Dampflok

Auf Seite 38 beginnt ein geradezu atemberaubender „Foto-Aufsatz“ über Treblinka. Er sieht aus wie eine bösartige Fälschung von Leuten, die „Revisionisten“ mit absurden Erfindungen diskreditieren wollen.

Zwei Bilder zeigen eine Modell-Dampflok mit Tender und Waggons vor Modellbauten, die Treblinka darstellen sollen. Bildüberschriften: 1. Du kommst in Treblinka an. 2. Es gibt zwei oder drei Züge am Tag. Sechzig Viehwaggons befördern im Durchschnitt 16.000 Personen.

Treblinka mit Modellbahn

Wie Töben berichtet (S. 34), wurden die Modelle später an das Asra International Institute (asraco.com) übergeben. Für 2006 hat die WaybackMachine keine aussagekräftigen Snapshots. 2008 hatte die Domain offenbar den Besitzer gewechselt und sich in ein afghanisches Kleinanzeigen-Portal verwandelt. Ob auch die Modelle den Besitzer gewechselt haben und im Ramschladen gelandet sind, ließ sich nicht ermitteln. 2019 gehörte die Website anscheinend der „Philippine Amusement and Gaming Corporation“. 2026 steht die Domain zum Verkauf.

Screenshot der WaybackMachine mit dem Menü eines Kleinanzeigenportals

Afghanische Kleinanzeigen

Zwischengeschobenes Nachwort

Kurz danach erwartet den Leser eine weitere Überraschung. In Großbuchstaben liest man dort:

NACHWORT

WAS FÜR EIN ERLEBNIS!

Fredrick Töben, 40 Days in Teheran, S. 42

Ein Nachwort schon auf Seite 42 in einer Broschüre mit 126 Seiten? Man könnte denken, das müsse aber ein gewichtiges Nachwort sein. Es ist jedoch nur ein paar Seiten lang und kommt obendrein völlig ohne Modellbau aus. Auf Seite 46, nach dem Nachwort, liest man dann einen Beitrag von Michael Collins Piper mit dem Titel: „Was wirklich im Iran geschah …“ Dies bezieht sich allerdings nicht auf die gesellschaftliche Situation und die Unterdrückung der Menschen, sondern auf die Konferenz. Leider gibt es kein Pappmodell, das erklären könnte, warum Töben das Nachwort mitten in der Broschüre platzierte.

Wesentliche Neuigkeiten zum Gewerbe der Holocaustleugner findet man im Nachwort und in den Worten nach dem Nachwort allerdings nicht; es geht dort häufig um „Revisionisten“, die mit den Gesetzen verschiedener Länder in Konflikt gekommen waren.

Danach folgt ein wenig Antisemitismus und wieder nichts Neues über den Holocaust, und auf Seite 61 werden dann Ehrengäste vorgestellt: Eine Abordnung der extremistischen jüdischen Splittergruppe Neturei Karta hatte an der Konferenz teilgenommen.

Noch später nach dem Nachwort liest man eine Rede von Ahmadinedschad an die USA, weiteren Antisemitismus und erneute Solidaritätsbekundungen mit inhaftierten Holocaustleugnern.

Längen

Ich muss gestehen, dass ich den endlos langen Abschnitt nach dem Nachwort zunehmend ermüdend fand und nur noch flüchtig geblättert habe, um vielleicht doch noch etwas Sachliches (und sei es noch so falsch) über den Holocaust zu finden. Leider vergeblich; ich konnte nicht einmal mehr Fotos von Modellen entdecken.

Auf der allerletzten Seite steht dann gewissermaßen ein Nach-Nachwort, das aber mit „Eine persönliche Mitteilung von Dr. Fredrick Töben“ betitelt ist. Der erste Absatz lautet:

Am 11. und 12. Dezember 2006 sahen sich die meisten Anführer der westlichen Demokratien gezwungen, ihr eigenes, ach so gefeiertes Wertesystem zu hinterfragen, weil ein politisches Erdbeben ihre Weltsicht vernichtet hatte. Der iranische Präsident Dr. Mahmoud Ahmadinedschad hatte eine erfolgreiche internationale Konferenz abgehalten, auf der Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammelt waren, um das historische Ereignis, das man den "Holocaust" nennt, neu zu bewerten.

Fredrick Töben, 40 Days in Teheran, S. 120 (technisch 126)

Ich versuche gerade, mir vorzustellen, wie US-Präsident George W. Bush die Pappmodelle sah, sich vom Erdbeben erschüttert noch einmal an einer Brezel verschluckte und wiederbelebt werden musste.