Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Juden, überall Juden!

Ein antisemitisches Suchspiel

BEHAUPTUNG:

Kann die Suche nach familiären oder sozialen Kontakten zum Judentum Aufschluss darüber geben, ob ein Mensch negativ einzuschätzen ist?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Nein, solche Verbindungen sind nicht aufschlussreich. Es kommt nicht auf das an, was jemand tatsächlich ist oder angeblich sein soll (z.B. Jude oder Nichtjude), sondern immer nur auf das, was der Betreffende selbst sagt oder tut.

Die Argumentation der Holocaustleugner ist so gut wie immer antisemitisch gefärbt, und so verwenden manche dieser „Wahrheitssucher“ viel Zeit und Mühe darauf, möglichst alles, was als feindlich empfunden wird, mit dem Judentum in Verbindung zu bringen.

Bei einigen historischen Persönlichkeiten fällt es ihnen leicht, weil die betreffenden Menschen tatsächlich Juden waren; so etwa der russische Autor Ilja Ehrenburg. Bei anderen ist etwas mehr „Forschungsaufwand“ nötig. Wenn sich beim schlechtesten Willen keine jüdischen Vorfahren finden lassen, reicht zur Not auch ein zum einflussreichen Präsidentenberater hochstilisierter Sonderling wie Theodore „Nathan“ Kaufman, der von der NS-Propaganda den falschen Vornamen „Nathan“ bekam und angeblich Roosevelts Politik mitbestimmte. Der Hinweis auf die Religionszugehörigkeit unterbleibt dagegen beispielsweise beim protestantischen Roosevelt selbst. Nur bei seinen tatsächlich oder vermeintlich jüdischen Beratern wird die Konfession genannt.

Häufig geht die Etikettierung als (böser) Jude auch mit der Erwähnung eines angeblich „richtigen“, jüdisch klingenden Namens einher. Besonders auffällig ist dies etwa bei Karl „Mordechai“ Marx, „Hennoch Kohn“, Stalin und hohen Politfunktionären der Sowjetunion.

Die Suche nach jüdischen Vorfahren hat rassistische Untertöne. Es kommt den Antisemiten nicht auf das an, was jemand sagt oder tut, sondern nur auf das, was der Betreffende ihrer Ansicht nach ist, als prägte der jeweilige Genpool das Denken der Menschen. Ersetzt man den Genpool durch das Wort „Blut“, erkennt man sofort die Anleihe bei der rassistischen NS-Ideologie – denn es sind immer Juden, bei denen Antisemiten diese warnenden Hinweise für nötig halten.

Rechts drei Porträts von Personen mit angeblichen jüdischen Vorfahren: Hitler, Heydrich und Marx. Dazu die Beschriftung „Antisemitismus um die Ecke gedacht“.

Angebliche jüdische Vorfahren

Germar Rudolfs „jüdische Historiker“

Nicht einmal der „revisionistische“ Chemiker Germar Rudolf, der für sich in Anspruch nimmt, rein wissenschaftlich und objektiv zu urteilen, kann auf derartige Anspielungen verzichten. Eine kleine Auswahl aus einem seiner Bücher:

  • der britisch-jüdische Historiker Gerald Fleming (S. 112)
  • Rezensionen seiner jüdischen Glaubensgenossen (S. 114)
  • der britisch-jüdische Historiker Walter Laqueur (S. 116)
  • van Pelt zusammen mit seiner jüdischen Kollegin Deborah Dwork (S. 313)
  • den jüdisch-niederländischen Kulturhistoriker Robert Jan van Pelt (S. 364)
  • wurde eine Unzahl zumeist jüdischer Zeugen der Falschaussage und auch der boshaften Lügen überführt (S. 181-182)

Germar Rudolf, Auschwitzlügen

Dies kann man in vielen Büchern der „Revisionisten“ beobachten, wenn sie Historiker kritisieren, die den Holocaust als Tatsache betrachten. Offenbar halten sie Hinweise wie „jüdischer Historiker“ für wichtig, weil ihrer Ansicht nach jüdische Historiker prinzipiell nicht vertrauenswürdig seien. Hinweise wie „buddhistischer Autor“, „atheistische Verfasserin“ und „katholischer Historiker“ unterbleiben dagegen grundsätzlich. Die Konfession wird in jenen Kreisen nur dann interessant, wenn die Äußerungen der betreffenden Menschen nicht ins Weltbild passen.

Man ahnt, was die Wahrheitssucher darauf entgegnen könnten: Der Hinweis sei doch notwendig, weil Juden als Angehörige der Opfergruppe unbedingt voreingenommen seien. Führt man diesen Einwand aber konsequent weiter, dann müssten deutsche „Revisionisten“ – eingeschlossen Germar Rudolf – sofort jegliche Tätigkeit einstellen, da sie als Angehörige der Tätergruppe erst recht gute Gründe hätten, parteiisch zu schreiben.

Doch Rudolf, jederzeit der reinen Wissenschaft verpflichtet, hätte auch hierfür vermutlich schon das Gegenargument parat: Nur die Juden seien notorische Lügner, während deutsche Historiker niemals die Unwahrheit sagten, sofern sie nicht von Juden beeinflusst seien.

Wer meint, dies sei eine ungerechte oder gar diffamierende Beschreibung des Berufs-„Revisionisten“ Germar Rudolf, der möge noch einmal das letzte Zitat betrachten, das bewusst außerhalb der Nummerierung ans Ende gestellt wurde. Es fasst prägnant zusammen, was Leute wie Rudolf wirklich denken. Unfreiwillig liefern sie auf diese Weise immer wieder Belege dafür, dass Philipp Gessler mit seiner Einschätzung, dass Holocaustleugnung sekundärer Antisemitismus sei, völlig richtig liegt.

Nazis mit jüdischen Vorfahren?

In vielen Büchern und Diskussionen liest man die eigenartig anmutende Behauptung, führende Nazis wie Hitler selbst, aber auch Reinhard Heydrich und andere seien Juden gewesen oder hätten jüdische Vorfahren gehabt (was vom Standpunkt eines Rassisten aus ein eher unwesentlicher Unterschied ist).

Auf den ersten Blick möchte man vermuten, politische Gegner hätten dies den Nazis angedichtet: Nun habt ihr die Juden Europas als eure Feinde umgebracht und seid doch selbst Juden.

Eine recht abstruse Randgruppe unter den NS-Apologeten beharrt allerdings darauf, die Verfolgung der Juden (die natürlich trotzdem noch mindestens teilweise bestritten wird) sei Bestandteil eines großen Plans von Zionisten gewesen, um das Staatsvolk ins gelobte Land zu treiben, also gewissermaßen eine „innerjüdische“ Angelegenheit, die den armen, manipulierten deutschen Verbrechern nicht vorzuwerfen sei.

Der Holocaustleugner Hennecke Kardel verschiebt den Akzent noch etwas weiter und vertritt die Ansicht, Hitler habe die „hehre Idee“ des Nationalsozialismus verraten, was aus seiner Sicht auf Hitlers jüdisches Erbe zurückzuführen sei [vgl. Hennecke Kardel, Adolf Hitler, Begründer Israels, S. 16]. Bei den Schandtaten, soweit Kardel sie einräumt, hätten Hess, Göring, Strasser, Goebbels, Himmler, Ribbentrop, Globocznik, Jordan, Kube, Bach-Zelewski, Hanffstaengel und Haushofer geholfen, die allesamt ebenfalls jüdischer Abstammung gewesen seien. Offenbar ist Kardel der Ansicht, der Nationalsozialismus sei eine feine Sache, solange die Juden keinen Einfluss darauf nehmen.

Überschrift (übersetzt): Hitler hatte jüdische DNA. Links darunter ein Bild, das Hitler mit den langen Schläfenlocken orthodoxer Juden zeigt. Rechts daneben die Behauptung, Hitler habe im Auftrag von Bankiers andere Juden geopfert, um den Staat Israel gründen zu können.

Hitler als Jude: Screenshot Website Henry Makow, 2025-12-14

Kardel beruft sich, was die angeblich jüdischen Vorfahren der Nazis angeht, auf Dietrich Bronder, dessen Buch Bevor Hitler kam eine gewisse Nähe zu rechtsextremen Ideen nicht abzusprechen ist. Bronder bekommt seinerseits die Quittung vom US-Judenhasser und Verschwörungserzähler Henry Makow, auf dessen Website ein Gastautor meint, der Autor des Buchs sei „a German Jew named Dietrich Bronder“ (ein deutscher Jude namens Dietrich Bronder), obwohl Bronder ein freikirchlicher Funktionär war.

Quellen und Verweise

Angeblich jüdische Vorfahren