Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Der angebliche „Sozialismus der NSDAP“

Nun geh doch endlich da rüber, Volksgenosse!

BEHAUPTUNG:

War der Nationalsozialismus eine linke / sozialistische Bewegung?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das trifft nicht zu. Wer dies behauptet, hat politische Interessen und ignoriert die Geschichtswissenschaft.

Die Versuche, die NSDAP und Hitler auf die linke Seite des Spektrums zu verschieben, kommen so gut wie immer von rechts bis weit rechtsaußen.

Das ist keine polemische Überspitzung, sondern eine überprüfbare Tatsache. Das Motiv liegt im politischen Standort jener, die es versuchen. Der Nationalismus heutiger rechts stehender Politiker bildet eine große Schnittmenge mit dem NS-Regime, und hinzu kommt noch die historische Schuld der deutschen Rechten, als sie mit dem Ermächtigungsgesetz (am 23.03.1933 beschlossen, am 24.03.1933 verkündet) das Schicksal der Weimarer Republik besiegelt und die NS-Diktatur begründet haben.

Ihre eigenen nationalistisch-völkischen Positionen wollen sie nicht räumen, also rufen sie: „Du gehst jetzt sofort da rüber, Volksgenosse! Wer links ist, bestimme ich!“

Haltbar, belegbar und begründbar ist das nicht. Hier die Informationen und Widerlegungen zu einigen beliebten Argumenten:

Zur Einführung: Warum die Nationalsozialisten keine Sozialisten waren

August Bebel war sicherlich jemand, der wusste, was Sozialismus bedeutet. Ein einziger knapper Satz von ihm illustriert bereits sehr deutlich, warum der Nationalsozialismus keine linke Bewegung war.

Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn: Die wahre ideologische Heimat des Nationalsozialismus

Der rechtsgerichtete Autor versucht mit Tricks, Verfälschungen und Ignoranz, „den wahren Charakter des Nationalsozialismus“ zu beschreiben und gibt ungewollte Aufschlüsse über seinen eigenen.

Hitler war Sozialist. Es sei denn, er war es nicht.

Schon vor Jahrzehnten haben Rechtsextremisten im Usenet versucht, den Nationalsozialismus mit untauglichen Argumenten nach links zu schieben. Was damals nicht funktioniert hat, ist leider immer noch aktuell.

Wer über eine Aufmerksamkeitsspanne von bis zu 18 Minuten verfügt, kann eine etwas anderes aufgebaute Argumentation zum Thema im Videoformat aufrufen.

Youtube-Kanal Holocaust-Referenz

Zwei Videos (2x ca. 18 Minuten) widerlegen die Behauptung, das NS-System sei sozialistisch gewesen, und stellt einige Akteure dar, die dies trotz aller Belege behaupten.

Das erste Video (Warum die Nazis keine Sozialisten waren) behandelt unter anderem die folgenden Punkte:

  • fundamentale und unvereinbare Unterschiede zwischen Sozialismus und Nationalsozialismus: Rassenkampf vs. Klassenkampf
  • unterschiedliche Motive für Eingriffe in die Wirtschaft: Sozialismus verwirklichen vs. Kriegswirtschaft
  • das „sozialistische“ Parteiprogramm der NSDAP: Hitlers Einschränkung und die rassistische Komponente
  • Sebastian Haffners unbrauchbare Quelle
  • Pinochets „sozialistisches“ Konzentrationslager

Das zweite Video (Wer die Nazis aus welchen Gründen links einordnet) zeigt an einigen Beispielen, wer mit den „sozialistischen“ Nazis argumentiert, und widerlegt gängige Behauptungen:

  • Arnulf Baring behauptet in einer Talkshow, die Nazis seien Sozialisten gewesen. Seine geschichtswissenschaftliche „Beweisführung“ für diese Behauptung ist die Wiederholung der Behauptung.

  • Michael Klonovsky datiert eine Quelle falsch und interpretiert eine Hitler-Rede, wie es ihm gefällt.
  • Joachim C. Fest fährt in einem taz-Beitrag quellenlos über den Haufen, was er in Hitler akribisch dokumentiert hat.
  • Henryk M. Broder, Alice Weidel und die rechtsextremen und identitären „NS-Experten“ auf X haben wenig historische Belege, aber dafür viel Meinung und manchmal sogar ein Bildchen mit einem falschen Goebbels-Zitat.

„Appeal to Authority“

Wenn man sich, statt inhaltlich zu argumentieren, auf Autoritäten beruft, handelt man sich zu Recht den Vorwurf ein, man wolle die Auseinandersetzung allein durch das Nennen großer Namen für sich entscheiden. Es reicht nicht zu sagen: Die sind meiner Meinung, deshalb habe ich recht. Diesen Fehler machen viele, die sich beispielsweise auf Arnulf Baring und Joachim C. Fest als Zeugen dafür berufen, dass der Nationalsozialismus eine linke Bewegung gewesen sei, und auf inhaltliche Argumente verzichten. Tenor in etwa: Wenn so renommierte Leute wie Baring und Fest es sagen, dann müsse es doch stimmen.

Nachdem hier die inhaltliche Auseinandersetzung gut abgedeckt ist (siehe oben), kann es allerdings nicht schaden, den Stand der Wissenschaft zu beleuchten, die den Nationalsozialismus als faschistische und rechtsextreme Bewegung einordnet. Wer dies anders sieht, müsste sich abgesehen von den hier wiedergegebenen Argumenten zusätzlich noch mit einigen historisch fundierten Einschätzungen auseinandersetzen und auch dafür Widerlegungen präsentieren. In diesem Kontext ist der Faschismusbegriff übrigens definitiv kein inflationär benutztes Schimpfwort, sondern als nüchterne historische Einordnung zu verstehen.

Der angebliche „Sozialismus“ der NSDAP