Die „revisionistischen“ Pappdrachentöter
Wie man Behauptungen widerlegt, die niemand aufgestellt hat
Eine beliebte Übung der „Revisionisten“ geht so: Sie behaupten, die „Systempresse“ (eine Chiffre für das „jüdische Medienmonopol“) verbreite groteske Lügen über den Holocaust, und da diese Lügen verbreitet und von „Revisionisten“ widerlegt worden seien, hätte man damit auch die Aussagen der Geschichtswissenschaft zum Judenmord widerlegt.
Der siegreiche „revisionistische“ Held. Bildquelle: H-F. Blunck, Deutsche Heldensagen, S. 17
Das ist ein erstaunlicher Gedankengang. Dadurch, dass irgendjemand irgendwo mal etwas Falsches über den Judenmord gesagt haben soll, würden automatisch auch alle richtigen Erkenntnisse der gesamten Geschichtswissenschaft über dieses Ereignis ungültig?
Die „Logik“ ist atemberaubend.
Doch damit nicht genug. Manchmal kann man sogar nachweisen, dass die sogenannten „Falschmeldungen“ von den Auschwitzleugnern selbst erfunden oder durch manipulierte Zitate konstruiert worden sind.
Die Situation, die dadurch entsteht, entbehrt nicht einer gewissen Komik: Die „revisionistischen“ Nummerngirls erlegen unter tosendem Beifall des „revisionistischen“ Publikums eine abendfüllende Serie von Pappdrachen, die sie kurz vorher eigens zu diesem Zweck selbst aufgestellt haben.
Sehen wir also einem ehrfurchtgebietenden Pappdrachen, der vor Jahren im Usenet präsentiert wurde, unter die Schuppen:
Langowski und seine „Shabbes-goys“ haben bis jetz noch nicht erstellt, was man unter „Holocaust“ verstehen soll. Um den Holocaust zu leugnen, muß erst einmal festgelegt werden, was damit gemeint ist, und nicht einfach das Wort in den Raum stellen und behaupten, es ist gerichtsnotorisch belegt und jeglicher Zweifel daran ist strafbar.
Revisionisten BESTREITEN ja nur die Behauptungen, die als Basis zu diesem Holocaust benutzt werden. Das ist kein LEUGNEN, sondern BESTREITEN.Bestritten wurden bis jetzt:
1) Lampenschirme aus Judenhaut.
2) Seife aus Judenfett.
3) Lichtschalter aus gedörrte Judendaumen.
4) Teppiche aus Judenhaare.
5) Ausgestellte Gaskammern als Mordwerkzeug.
6) Tötung von Juden in elektrischen Kammern
7) Tötung von Juden in Dampfkammern.
8) 4 Mill. „Opfer“ in Auschwitz
9) Gaskammern im Deutschen Reich überhaupt.Die Liste kann beliebig verlängert werden, aber diese neun, und mehr, Punkte wurden bisher von den Revisionisten >bestritten< und auch widerlegt. Das soll der Holocaust sein? Man kann doch nicht leugnen was nicht da oder wahr ist.
„Manni“, 21 Nov 1996, de.soc.politik, Subject: Re: Purimfest, Message-ID: 3290aef8.7723718@ netnews.worldnet.att.net
Manchmal gibt es zu diesem Ungetüm noch folgendes Hinterteil:
10) 208 000 „vergaste“ Opfer in Dachau. (Wo ist das dokumentiert?)
11) 26 Millionen Nazi K-Z Opfer (Wo ist das dokumentiert?)
12) 13 Millionen Dachau-Opfer (Wo ist das dokumentiert?)
13) Die wandlungsfähige Gaskammer in Mauthausen
14) Der „6 Mill. Holocaust“ im Ersten Weltkrieg (Wo ist das dokumentiert?)
15) Eine Million Neger von Nazis „vergast“. (Wo ist das dokumentiert?)
Manni, 30 Jan 1997, de.soc.politik, Message-ID: 32eff955.905987@ netnews.worldnet.att.net
Also gut, dann gehen wir das der Reihe nach durch.
„Lampenschirme aus Judenhaut“
Ob es Lampenschirme aus der Haut von jüdischen Gefangenen gab, ist meines Wissens nicht gesichert. Hellmuth Auerbach erwähnt in Legenden, Lügen, Vorurteile (S. 137f), dass die Amerikaner einen Lampenschirm aus gegerbter und tätowierter Menschenhaut gefunden hätten, er macht aber keine Angaben zur Herkunft und zeigt sich in diesem Punkt kritisch und vorsichtig.
PS-3420, Tätowierte Hautstücke
Ilse Koch, die Frau des Kommandanten von Buchenwald, hat nach Veröffentlichungen der amerikanischen und deutschen Presse angeblich tätowierte Hautstücke von Häftlingen ausgesucht und gerben lassen. In den Prozessen gegen Ilse Koch ist dies jedoch nicht nachgewiesen worden (vgl. Legenden, S. 138). Aus der übrigen Literatur sind mir Hinweise auf Lampenschirme aus Menschenhaut nicht bekannt.
Doch auch wenn keine juristisch überzeugende Verbindung zu Ilse Koch bestanden hat, ist erwiesen, dass die Nazis tätowierte Hautstücke von Toten abgelöst und gegerbt haben. Zwei Exemplare sind auf der Abbildung zu sehen.
In der historischen Beweisaufnahme für die Realität des Holocaust (des Judenmordes) haben diese Details allerdings keine große Rolle gespielt. Die millionenfachen Morde der Nazis sind durch andere Quellen hinreichend dokumentiert, und die Geschichtsforschung ist im Gegensatz zu den Auschwitzleugnern an makabren Details wie diesen hier nur marginal interessiert.
„Seife aus Judenfett“
Die Behauptung, bis in die jüngste Zeit sei noch die „Seifenlüge“ propagandistisch verbreitet worden, taucht auch in dem Text Die Zeit lügt auf, den Germar Rudolf zusammen mit dem Altnazi Remer veröffentlicht hat.
Der russische Anklagevertreter hat tatsächlich während der Nürnberger Prozesse Zeugenaussagen und ein angeblich echtes Rezept zur Produktion von Seife aus menschlichen Fettresten vorgelegt und behauptet, im Anatomischen Institut der Medizinischen Akademie in Danzig sei aus Leichen von KZ-Häftlingen Seife hergestellt worden. Allerdings war den Aussagen zu entnehmen, dass es sich nicht – wie von den „Revisionisten“ unterstellt – um die Leichen von Juden, sondern
um die Leichen von Hingerichteten aus Gefängnissen handelte, die damals regelmäßig zu Lehrzwecken in der Anatomie benutzt wurden. Der Alliierte Gerichtshof ist weder bei den Verhandlungen noch im Urteil auf die russische Behauptung zurückgekommen.
[…]
Die auf den während des Krieges ausgegebenen Stücken der Einheitsseife eingeprägten Buchstaben RIF oder RJF bedeuten nicht, wie manchmal behauptet wurde, „Reines Judenfett“, sondern standen für „Reichsstelle für Industrielle Fette und Waschmittel“.
Legenden, Lügen, Vorurteile, S. 185f
Auch dieser Punkt ist entgegen den Behauptungen der Auschwitzleugner nie „als Basis zu diesem Holocaust benutzt“ worden. Kein Kriegsverbrecher oder KZ-Aufseher ist verurteilt worden, weil er aus den Leichen jüdischer Opfer Seife hergestellt hätte. Die Täter sind vielmehr zur Rechenschaft gezogen worden, weil sie Menschen ermordet haben.
„Lichtschalter aus gedörrte[!] Judendaumen.“
Möglicherweise ist in der New York Times ein Artikel erschienen, in dem von tätowierter Menschenhaut und den Lichtschalter-Daumen die Rede war. Ich sage „möglicherweise“, weil mir bis heute nur eine einzige Quelle dafür bekannt ist: Eben jener „Manni“, der diesen fünfzehnköpfigen Pappdrachen höchstpersönlich aufgezäumt hat.
Doch selbst wenn dieser Artikel wirklich erschienen ist, bleibt festzuhalten, dass die Vorwürfe in den Verfahren gegen Ilse Koch keine Rolle gespielt haben. General Clay, der später das Strafmaß für Ilse Koch reduziert hat, meinte zu den Vorwürfen gegen die Frau des Lagerkommandanten:
Ein unternehmungslustiger Reporter, der zuerst ihr Haus betreten hatte, hatte ihr den schönen Namen „Die Hexe von Buchenwald“ (The Bitch of Buchenwald) gegeben; außerdem hatte er einige weiße Lampenschirme gefunden, über die er schrieb, sie seien aus Menschenhaut gemacht. Dieser Reporter wurde ihr zum Verhängnis.
A. Smith, Die Hexe von Buchenwald, S. 227
Von einem „Lichtschalter aus gedörrte Judendaumen“ ist da weit und breit nichts zu sehen, und in Bezug auf die historische Realität des Judenmordes spielt dieser Sachverhalt ohnehin keine Rolle. Im übrigen sieht man hier sogar, dass die Frau des Lagerkommandanten Koch durch Erkenntnisse der etablierten Geschichtsforschung entlastet wird.
„Teppiche aus Judenhaare“
Auch für diese Behauptung nennen die „Revisionisten“ – wahrscheinlich aus gutem Grund – keine Quelle. Mir ist nichts dergleichen bekannt, und auch dieser Aspekt hat wie die vorigen keine besondere Rolle in der Geschichtsschreibung gespielt.
Allerdings gab es eine Anweisung von einem hohen Nazi-Funktionär, die sich auf einen ähnlichen Punkt bezogen hat:
Der Chef des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, SS-Obergruppenführer Pohl, hat auf Vortrag angeordnet, daß das in allen KL anfallende Menschenschnitthaar der Verwertung zugeführt wird. Menschenhaare werden zu Industriefilzen verarbeitet und zu Garn versponnen. Aus ausgekämmten und abgeschnittenen Frauenhaaren werden Haargarnfüßlinge für U-Bootsbesatzungen und Haarfilzstrümpfe für die Reichsbahn angefertigt.
„Ausgestellte Gaskammern als Mordwerkzeug“
Dunkel ist der Rede Sinn. Möglicherweise sind hier die Gaskammern in Auschwitz gemeint. Hin und wieder erheben „Revisionisten“ den Vorwurf, die heute in Auschwitz zu besichtigenden Gaskammer sei Fälschung, da sie nie für Vergasungen benutzt worden sei.
Wie alle Verbrecher haben auch die NS-Täter versucht, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. So hat Himmler am 25. November 1944 den Befehl erteilt, die Vernichtungsanlagen und besonders die Gaskammern in Auschwitz zu zerstören. In anderen Lagern war das bereits geschehen, stellenweise hatte man sogar die Leichen der Opfer wieder ausgegraben und nachträglich verbrannt. Auschwitz war das letzte noch arbeitende Vernichtungslager. Kurz bevor die Sowjets das Lager erreichten, wurden die Gaskammern gesprengt, und die Russen fanden nur noch ein Trümmerfeld vor.
Später wurde dann auf dem Gelände das Museum Auschwitz eingerichtet, und um den Besuchern vor Augen zu führen, wie die Massenmorde vor sich gegangen sind, wurde eine Gaskammer rekonstruiert. In dieser rekonstruierten Gaskammer wurde selbstverständlich niemand umgebracht.
Offenbar ist es den „Revisionisten“ in diesem Fall erneut gelungen, eine Behauptung zu widerlegen, die niemand aufgestellt hat.
„Tötung von Juden in elektrischen Kammern.“
Niemand gesteht gern Bildungslücken ein, aber an diesem Punkt habe ich eine. Mir ist nicht bekannt, wann und wo dieser Vorwurf jemals gegen die nationalsozialistischen Massenmörder erhoben worden wäre. In der gesamten historischen Literatur, die ich kenne, habe ich diesen Vorwurf noch nie gesehen, und meines Wissens ist kein einziger Angeklagter – weder in Nürnberg noch in späteren Prozessen – verurteilt worden, weil er Menschen in „elektrischen Kammern“ ermordet hätte. Es bleibt den „Revisionisten“ überlassen, zu belegen, wann und wo dieser Vorwurf überhaupt einmal eine Rolle gespielt haben soll. In Dokument 3311-PS ist von Tötungen durch elektrischen Strom die Rede, aber nicht von Kammern.
Wie die Holocaustleugner die historische Literatur mit etwas widerlegen wollen, das dort nicht vorkommt, ist mir schleierhaft.
„Tötung von Juden in Dampfkammern“
Damit ist vermutlich das Lager Treblinka gemeint. Es gibt in der Tat eine Zeugenaussage, in der es heißt, in die Gaskammern von Treblinka sei „Dampf“ eingeleitet worden. Versteht man dies als „Wasserdampf“, dann ist die Aussage falsch.
In Treblinka wurden die Vergasungen mit Motorabgasen durchgeführt. Wenn man viele Menschen in einen engen Raum pfercht, wird es warm und feucht. Beim Öffnen der Gaskammern ist die Luft zusammen mit den Motorabgasen entwichen und brachte einige Zeugen möglicherweise auf die Idee, sie hätten „Dampf“ gesehen.
Meines Wissens hat sich kein Historiker die Behauptung, es sei Dampf gewesen, zu eigen gemacht. Andererseits haben eine ganze Reihe von Zeugen ganz richtig bestätigt, dass dort Menschen mit Gas getötet wurden.
Die Website Holocaustcontroversies hat die absurde Dampf-Geschichte sehr gründlich untersucht: The Revisionist Fabrication of the Myth of an Original Treblinka Steam Narrative (3 Teile)
Die Zeugen, die glaubwürdige Aussagen gemacht haben, können nicht mit der Begründung für unglaubwürdig erklärt werden, es habe irgendwo einen weniger zuverlässigen Zeugen geben – es sei denn, man unterstellt, dass der ganze Holocaust eine abgekartete Sache gewesen sei, und dass die meisten Zeugenaussagen und Beweise unwahr und gefälscht seien.
Genau das behaupten Holocaustleugner mitunter.
Allerdings erhebt sich dann sofort die Frage, wie die Widersprüche in dieses Bild passen. Wenn man schon davon ausgeht, dass der ganze Judenmord ein Schwindel und das Produkt einer riesigen Verschwörung war, warum tauchen dann überhaupt fragwürdige Aussagen auf? Wenn alles nur eine Erfindung ist, warum hat man dann überhaupt diese widersprüchlichen oder ungenauen Aussagen erfunden? Warum hat man nicht gleich von vornherein dafür gesorgt, dass jeder einzelne Beweis hundertprozentig zu allen anderen passt?
Die Tatsache, dass es hier und dort Widersprüche und Unklarheiten in Details gibt und dass solche Details in der Literatur frei zugänglich sind, ist ganz im Gegenteil ein Indiz dafür, dass die Aussagen nicht manipuliert worden sind. Es ist die Aufgabe der Geschichtswissenschaft, diese Widersprüche zu klären, wo es möglich und nötig ist, und festzustellen, welche Aussagen glaubwürdig sind und welche nicht. Das ist geschehen, und das Ergebnis war, trotz mancher Widersprüche im Detail, eine bemerkenswert konsistente Beschreibung der Vorgänge in den nationalsozialistischen Mordfabriken.
„4 Mill. ‚Opfer‘ in Auschwitz“
Das ist kein Pappdrachen, sondern eine dicke, bunte „revisionistische“ Ente. Es gibt schon seit längerer Zeit eine eigene Seite dazu [vgl. 4 Millionen].
„Gaskammern im Deutschen Reich überhaupt“
Das bezieht sich auf eine Äußerung des Historikers Broszat, die am 19.8.1960 in DIE WELT abgedruckt wurde.
Der Trick, der sich auf die Gaskammern im Altreich bezieht, ist längst widerlegt [vgl. Broszat.] Broszat sagte zutreffend, die Massenvernichtung der Juden habe nicht im Altreich stattgefunden, sondern im besetzten Polen. Das schließt Vergasungen im Altreich keineswegs aus. Auch im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ wurden Menschen in Gaskammern ermordet. Einige Mitarbeiter, die auf diese Weise Erfahrungen gesammelt hatten, wurden später in die Vernichtungslager im Osten versetzt.
„208 000 ‚vergaste‘ Opfer in Dachau. (Wo ist das dokumentiert?)“
„Jahrzehntelang“ sei ihm dies erzählt worden, meinte „Manni“ an anderer Stelle. Irgendwo nennt er auch die Quelle – („Lørdag, 1. oktober 1994 MORGENAVISEN JYLLANDS-POSTEN“
) – und zitiert einen Zeitungsartikel, in dem von einem Martin Zaidenstadt die Rede ist, der für das KZ Dachau eine Zahl von 206.000 Opfern genannt habe.
Ich finde das erstaunlich. Sollte „Manni“ tatsächlich eine dänische Tageszeitung bezogen, im Original gelesen und dann auch noch übersetzt haben?
Natürlich nicht. „Manni“ hat das von einer „revisionistischen“ Webseite abkopiert. Wenn man den Text aufmerksam liest, stellt man außerdem fest, dass die Aussage noch nicht einmal von Zaidenstadt selbst stammt, sondern aus dem Artikel entnommen ist, den ein Journalist über diesen Mann geschrieben hat. Die Zahl ist, wie man an „Mannis“ eigenem Beitrag sieht, kein Zitat von Zaidenstadt, sondern ein Einschub des Zeitungsschreibers:
Sein Schicksal ist mit der grausamen Geschichte dieser Stadt verknüpft. Das ist der Grund, warum er mit den Politikern Probleme hat. Für alle Zeiten wird der Name Dachau mit dem KZ-Lager verbunden sein, das sich während der Nazi-Zeit hier befand. 206.000 Menschen wurden im Lager ermordet. Als Gefangener überlebte Martin Zaidenstadt 3 Jahre in diesem Grauen.
Die Absprache mit den anderen
„Wir haben uns so abgesprochen, daß der Überlebende dafür sorgen solle, daß die Erinnerung an Dachau am Leben erhalten werde“, erzählt der alte Mann.
National Journal, zit. n. „Manni“, 26 Feb 1997, de.soc.politik, Subject: Re: Das „revisionistische Schlachtfest“, Message-ID: 3313868e.90900@ netnews.worldnet.att.net
Also ein alter Mann, der möglicherweise etwas Falsches gesagt hat, und eine dänische Zeitung, die möglicherweise etwas Falsches geschrieben hat, und man muss sich Mühe geben, um die Zitate überhaupt irgendwo zu finden. Mit solchen „Argumenten“ möchte „Manni“ die seriöse Geschichtsschreibung ins Wanken bringen?
Die Hervorhebung der Zwischenüberschrift oben ist übrigens von mir. „Manni“ hat beim Anfertigen dieses Textbausteins vergessen, die Formatierung der Web-Seite bzw. des Artikels zu berücksichtigen.
„26 Millionen Nazi K-Z Opfer (Wo ist das dokumentiert?)“
Das ist vor allem auf den Webseiten von Auschwitzleugnern „dokumentiert“. In der Geschichtsschreibung hat diese Zahl nämlich keine Rolle gespielt. Der nächste Punkt kann mit diesem hier zusammengefasst werden, denn die 26 Millionen und die Zahl von 13 Millionen, die im nächsten Abschnitt besprochen wird, gehen auf die gleiche Falschmeldung zurück.
„13 Millionen Dachau-Opfer (Wo ist das dokumentiert?)“
Kann man eine Falschmeldung fälschen, bis sie stimmt? Die „Revisionisten“ haben es versucht. In der Tat, es gab im Jahre 1945 eine Falschmeldung der Berner Tagwacht, in der von 26 Millionen Opfern der Nazis die Rede war. Diese Zahl hat aber in der Presse nie wieder eine Rolle gespielt, von der Geschichtswissenschaft ganz zu schweigen.
Nur den „Revisionisten“ scheint die falsche Zahl ungeheuer wichtig zu sein – und weil die Sache noch nicht absurd genug war, haben sie in die Falschmeldung eine Zeile hineinfabriziert, die dort überhaupt nicht stand. Der Auschwitzleugner, der diese Fälschung der Falschmeldung verbreitet hat, war der oben bereits zitierte „Manni“. Auf die Zitatfälschung angesprochen, meinte er, die eingefügte Zahl von 13 Millionen sei doch rechnerisch richtig.
Offenbar ist den „revisionistischen Wahrheitssuchern“ der Unterschied zwischen richtig rechnen und richtig zitieren nicht geläufig. Auch dieses „Argument“, oder besser, dieser Textbaustein, ist beim National Journal zu finden.
„Die wandlungsfähige Gaskammer in Mauthausen“
In einem seiner Usenet-Artikel nennt „Manni“ tatsächlich mehrere unterschiedliche Größenangaben für die Gaskammer in Mauthausen. Leider hat er „vergessen“ zu erklären, woher die Angaben stammen. Sie sind nicht überprüfbar, weil man nicht sehen kann, welchen Quellen er sie entnommen hat.
Was nicht nicht überprüfbar ist, ist auch nicht widerlegbar. Wie praktisch.
„Der ‚6 Mill. Holocaust‘ im Ersten Weltkrieg (Wo ist das dokumentiert?)“
Unter anderem in einer Sammlung mit „1001“ angeblichen Zitaten, die allesamt dazu gedacht sind, Juden in einem möglichst schlechten Licht erscheinen zu lassen. In der Zeitschrift des Institute for Historical Review wurde ebenfalls ein entsprechender Text abgedruckt – für jeden Auschwitzleugner also eine erstklassige Adresse.
Dies bezieht sich auf einen Artikel im American Hebrew von 1919.
Auch hier stellt sich sofort wieder die Frage, wie man mit einem Text von 1919 Ausagen über den Holocaust widerlegen kann, der noch gar nicht geschehen war.
Ernst Zündel meint in seinem Text Holocaust 101:
Manche erinnern sich sogar an die unglaublichen, hysterischen Behauptungen des damaligen Gouverneurs des Staates New York in den Jahren 1917-18 (!), daß die Deutschen „Millionen von Juden umgebracht“ hätten.
Noch bezeichnender war die Behauptung über die „...sechs Millionen“ ! (Glynn, Martin, „The Crucifixion of the Jews Must Stop“, The American Hebrew, October 31, 1920.)
Wenn man sich den Artikel anschaut, erkennt man, dass dort von einem Mord an Millionen Juden nicht die Rede ist, und schon gar nicht davon, dass die Deutschen diese Menschen umgebracht hätten. Es geht in dem Artikel vielmehr darum, dass womöglich sechs Millionen Menschen verhungern könnten.
Von der Tyrannei des Krieges ist dort die Rede und von einer fanatischen Lust, jüdisches Blut zu vergießen. Im Wesentlichen ist der Text ein Aufruf, die hungernden Menschen nicht im Stich zu lassen. Wer dort angeblich jüdisches Blut vergießen will, wird nicht gesagt, und was eine Meldung aus dem Jahre 1919 mit der Realität des Judenmordes unter Hitler zu tun hat, bleibt ohnehin der Phantasie der „revisionistischen“ Pappdrachentöter überlassen.
"Eine Million Neger von Nazis "vergast". (Wo ist das dokumentiert?)"
Angeblich stand das mal in einer amerikanischen Zeitung. „Manni“ hat jedenfalls an anderer Stelle einen entsprechenden Hinweis gegeben:
DAILY NEWS Brooklyn Sunday, November 5, 1985
````````````````````````````````````````````````````
College students here sometimes ask what happened to due process of law when her father was arrested. "I tell them father was arrested with a state policy. They find it hard to grasp," she said. Catholic students are amazed when she explains the scope of Nazi extermination plans, telling her they had been unaware of the fact that anti-Nazi-Catholics and some 3.000 priests were killed in concentration camps, she said. In Harlem schools, Feldman was impressed by the fact that many black youngsters knew that the Nazis also murdered more than a million blacks as part of their "racial prurification" program.
Daily News, zit. n. „Manni“, Mon, 20 Jan 1997, de.soc.politik, Subject: Re: Die sogenannten „jüdischen Kriegserklärungen“, Message-ID: 32e3d316.8083147@ netnews.worldnet.att.net
„Manni“ wohnt freilich nicht in New York, wo man die Stadtteile Brooklyn und Harlem findet, sondern in Los Angeles. Er wird dort wohl kaum eine Zeitung mit einem New Yorker Lokalteil abonniert haben.
Woher hat er's also?
Er hat es vom inzwischen sattsam bekannten National Journal, woher sonst. „Manni“ hat beim Abkopieren der hier nicht dargestellten Übersetzung aus dem National Journal auch gleich die Amerikanismen mit übernommen, die in der deutschen Version dieses Textes beim NJ auftauchen.
Außerdem hat er das Datum falsch abgeschrieben, denn beim NJ lautet die Titelzeile: „Daily News Brooklyn 6. Nov. 1988“
Das ist schon interessant: Da soll also am 6. November 1988 jemand in Harlem etwas Falsches über den Holocaust gesagt haben. Vielleicht war es aber auch am 5. November 1985, als das gesagt wurde, so genau weiß man das nicht. Auf jeden Fall soll aber das, was 1988 oder vielleicht auch 1985 gesagt worden sei, Zweifel an den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft begründen.
Noch einmal ganz langsam: Irgendjemand in Harlem – noch nicht einmal ein Historiker – sagt etwas Falsches, und schon sind alle Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft über den Judenmord hinfällig?
In der Tat, so stellen sich die Herren „Revisionisten“ das vor.
Die gerade abgehandelten fünfzehn Punkte sind durchaus repräsentativ für die Qualität der Argumente, mit denen die Auschwitzleugner die Geschichtswissenschaft oder doch mindestens ein paar Pappdrachen ins Wanken wollen.
Kein einziger dieser Punkte hat für die Erforschung des Judenmordes eine wesentliche Rolle gespielt, wie es im Zitat oben behauptet wird; im Fall der Ilse Koch werden die Vorwürfe sogar von der Geschichtswissenschaft entkräftet. Die übrigen Punkte in der oben zitierten Liste sind teils unbelegt und entziehen sich der Überprüfung, oder sie sind schlicht absurd und lächerlich oder beruhen auf Verdrehungen und Fälschungen.
Theaterdonner und der Kampf mit Pappdrachen, das ist es offenbar, was die „revisionistische Wahrheitssuche“ ausmacht. Mit der realen Welt und vor allem mit der historischen Realität hat dieses Kasperletheater nichts zu tun.