Jean-Claude Pressac Die Krematorien von Auschwitz
Der Holocaustleugner Jean-Claude Pressac wollte sich Gewissheit verschaffen und untersuchte eine Vielzahl von Belegen und Beweismitteln. Danach war er kein Leugner mehr, sondern stellte in seinem Buch Die Krematorien von Auschwitz fest, dass es in Auschwitz einen Massenmord in Gaskammern mit hunderttausenden Opfern gegeben hatte.
Ein Vorläufer dieser Buchveröffentlichung erschien 1989 mit Unterstützung der Beate Klarsfeld Foundation. Unter dem Titel Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers ist der englische Volltext mit Screenshots der Buchseiten abrufbar. Dies war eher eine Dokumentensammlung und eine rein technische Schilderung ohne umfassende geschichtswissenschaftliche Erörterungen.
Fachliche Kritik an Pressacs Buch
Das Buch Die Krematorien von Auschwitz wurde von der Geschichtswissenschaft zwiespältig aufgenommen. Einerseits konnte Pressac viele neue Quellen erschließen und zahlreiche wichtige Hinweise geben, andererseits machte er methodische Fehler, kam teilweise zu unzutreffenden Ergebnissen und wird nicht vorbehaltlos als Quelle akzeptiert.
So schrieb etwa Michael Thad Allen:
Siehe die Anmerkungen in: Schulte, Zwangsarbeit und Vernichtung, S. 64, Anm. 120 und 121, wo er der Chronologie von Pressac den Vorzug gibt, obwohl er einräumt, „[Pressac] liefert jedoch keine Belege" (…)
Michael Thad Allen, Anfänge der Menschenvernichtung in Auschwitz, Oktober 1941, S. 570
Die Aussage „liefert keine Belege“
ist unter staubtrocken und nüchtern argumentierenden Historikern ein vernichtendes Urteil, das in diesem Fall nicht nur Pressac, sondern auch den trifft, der sich hier auf ihn verlässt.
Der oben genannte Autor schrieb außerdem eine Rezension zu Pressacs Buch, in der er ebenfalls nicht mit Kritik sparte.
Pressac ist und bleibt jedoch ein Amateurhistoriker.
Michael Allen, Rezension
In einigen Punkten bezüglich des Dritten Reichs sei Pressac schlecht informiert, einige seiner Behauptungen seien schlicht falsch. Unbeachtlich dieser Vorbehalte seien Pressacs technische Darstellungen jedoch wertvoll und einwandfrei.
Der Historiker Eberhard Jäckel äußerte sich ähnlich kritisch.
Unter den zahlreichen Büchern über Auschwitz im engeren und im weiteren Sinne ist dies das skurrilste, ärgerlich und wichtig zugleich.
(…)
Geradezu manisch bleibt er auf seine Krematorien fixiert. Auch die Führungsentscheidungen interessieren ihn nicht. Er erwähnt zwar die Besuche Himmlers in Auschwitz (…) Doch die ganze Genesis der „Endlösung“, über die bereits so viel geschrieben worden ist, beschäftigt ihn nicht. Das Buch von Philippe Burrin („Hitler und die Juden“) scheint er nicht einmal zu kennen, und so entgeht ihm der größere Zusammenhang. Auch seine Angaben über die Zahl der Opfer verdienen lebhaftes Mißtrauen. Ein richtiger Historiker ist er in den zehn Jahren seiner Forschungen nicht geworden. Sein Buch ist durch und durch technisch, auf einen Aspekt begrenzt, man könnte auch sagen: borniert.
Eberhard Jäckel, Die Maschinerie des Massenmords
Gerade diese „Borniertheit“ ist andererseits die Stärke des Buchs, denn die technischen Beschreibungen sind zuverlässig.
Rezeption – oder auch nicht
Der Umgang der Historiker mit Pressacs Buch bietet einen wertvollen Vergleichswert, wenn man den Umgang der „Revisionisten“ mit den Werken ihrer Kollegen betrachtet.
In Bezug auf die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden beispielsweise sind beliebige Zahlen jederzeit willkommen, solange sie nur groß genug sind. Eine kritische Auseinandersetzung und gar eine vergleichende Untersuchung, welche Zahlen denn nun aufgrund welcher Beweise eigentlich gelten sollen, sucht man dort vergeblich – ganz zu schweigen von den „forensischen“ Beweisen, deren angebliches Fehlen Germar Rudolf in Bezug auf die Gaskammern ebenso penetrant wie wahrheitswidrig immer wieder bemängelt.
Nachdem Pressac mit seinem Buch aus Sicht der Leugner gewissermaßen zum „Überläufer“ geworden war – also zu jemandem, der bereit war, Fakten zu akzeptieren –, griffen ihn auch die „Revisionisten“ immer wieder an, wenngleich nicht mit der oben dargestellten Sorgfalt.
Ein Holocaustleugner kritisiert Pressac
Die folgende Abbildung aus Pressacs Buch Die Krematorien von Auschwitz hat ein Holocaustleugner in einem Usenet-Artikel kritisiert, weil sie seiner Meinung nach in einigen Details nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
„HelmutF“ schrieb:
Neues von _Jean-Claude Pressac:_ Dokument 32 in „Die Krematorien von Auschwitz“ zeigt fragwürdige Unstimmigkeiten.
1. Die Gaskammertür zeigt die Merkmale einer Tresortür mit einem Gehänge ähnlich dem für landwirtschaftliche Abstellschuppen. Gasdichte Türen bestanden jedoch aus 5 mm Stahlblech mit Dichtungskragen und 2 Vorreibern, logisch; denn es sollte doch nicht eingebrochen werden.
„HelmutF“, 01 Aug 1998, de.soc.politik.deutschland, Subject: Radio Eriwan berichtet, Message-ID: 6z1vnZo22ZB@hfupoint.ius.gun.de
Der kalte Zynismus, den HelmutF hier zeigt, passt hervorragend zu der Gesellschaft, in der er damals aktiv war. Er war Mitglied der Unabhängigen Freundeskreise / Freundeskreis Freiheit für Deutschland und wirkte beim Nazi-Blatt Unabhängige Nachrichten mit. Einer seiner Gesinnungsgenossen war der Rechtsterrorist Ekkehard Weil, der eine Reihe von Anschlägen verübte.
Das bezieht sich auf diese Abbildung in Pressacs Buch:
Zeichnung aus Pressac, Krematorien von Auschwitz: Kremierung der Toten
Diese Unstimmigkeiten macht „HelmutF“ Pressac zum Vorwurf.
Zunächst einmal ist dies kein Foto, sondern eine Zeichnung, die kein statisches Bild, sondern Bewegungen zeigt. Der Zeichner hat sie erst nach der Beobachtung angefertigt. Gewisse Ungenauigkeiten sind unvermeidlich, wenn man kein fotografisches Gedächtnis hat und vielleicht nicht einmal sehr präzise zeichnen kann.
Zweitens verschweigt „HelmutF“, dass Pressac selbst in der Bildlegende 32 auf eine viel gravierendere Unstimmigkeit hinweist. Dort heißt es:
(der Dreimuffelofen, der im Hintergrund teilweise zu erkennen ist, befand sich in Wirklichkeit im Erdgeschoss).
Pressac, Krematorien von Auschwitz, Bildlegende Dokument 32
„HelmutF“ hat Pressacs Kritik an der Zeichnung unterschlagen, um ihm die Ungenauigkeit der Zeichnung vorwerfen zu können.
Ein derartiger manipulativer Umgang mit Quellen ist typisch für die „revisionistische Wahrheitssuche“ der Auschwitzleugner. Sie haben keine tragfähigen Argumente und müssen daher zu Verzerrungen und Fälschungen greifen. Man möchte beinahe sagen: Sie müssen das tun. Sie haben ja sonst nichts.
Siehe auch
- Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers
- Ein Holocaustleugner verlangt Fotobeweise: Vorsicht, Kamera!
- Germar Rudolf, gesammelte Werke