Winston Smith (Harold Covington) Eine Zigarre für die Dame
Was wollen Auschwitzleugner wirklich?
Man würde zu kurz greifen, wollte man annehmen, dass die Holocaust-Leugner die Existenz der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie einfach nur deshalb leugnen, weil sie ihr Idol Adolf Hitler in Schutz nehmen wollen.
US-Neonazi Harold Covington aka Winston Smith
Dies mag zwar durchaus ein Aspekt sein, doch wenn man sieht, dass sie Juden als „Parasiten“ und „Schädlinge“ bezeichnen, drängt sich ein ganz anderer Verdacht auf.
Es ist gut möglich, dass sie in Wirklichkeit denken: Wir haben uns doch damals nur gewehrt, und die Juden haben verdient, was „unser Adolf“ mit ihnen gemacht hat; schade, dass wir nicht alle erwischt haben. Der Ex-AfD Mitarbeiter Marcel G., seinerzeit im Landtag Baden-Württemberg bei der jetzigen AfD-Bundestagsabgeordneten Christina Baum beschäftigt, ließ etwas durchblicken, das in diese Richtung zu weisen scheint:
„Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“
Marcel G. zitiert nach Monitor, 18.02.2021
Die Wendung „mal wieder“ ist aufschlussreich – man könnte meinen, seiner Ansicht nach habe sich auch der Holocaust des NS-Regimes „gelohnt“. Gewaltfantasien sind unter Rechtsextremen nicht selten.
Aber die Zeiten kommen wieder, wo das Ungeziefer einfach verbrannt wird.
Nikolaos Boutakoglou laut Monitor, 18.02.2021; das Magazin berichtet, Boutakoglou habe die Äußerung dementiert.
Ein Usenet-Teilnehmer richtete diese gewalttätigen Fantasien direkt gegen Juden und meinte, die SS-Division „Das Reich“, die das Massaker in Oradour verübte, sollte man in den Nahen Osten (gegen Israel) ins Feld schicken, und „dann wollen wir mal sehen“.
Die meisten Kandidaten in dieser Ecke trauen sich (noch) nicht, so unverblümt zu reden, und so dient ihnen die Leugnung des Holocaust als Mittel zum Zweck, um den Nationalsozialismus als politisch sinnvolle Alternative wieder ins Spiel bringen zu können: Wenn man das Naziregime vom Vorwurf des Völkermordes befreien könnte, dann würde es einen erheblichen Teil seines Schreckens verlieren.
Das Leugnen des Holocaust wäre demnach nicht das Primäre; das primäre Ziel könnte es vielmehr sein, den Nationalsozialismus wieder salonfähig zu machen. Dies geht jedenfalls aus der folgenden Äußerung deutlich hervor:
I recall seeing a television program on revisionism a few years ago which closed with Deborah Lipstadt making some statement to the effect that: „the real purpose of Holocaust revisionism is to make National Socialism an acceptable political alternative again“. I normally don't agree with anything a Jew says, but I recall exclaiming, „Bingo! Got it in one! Give that lady a cigar!“
[Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren eine Fernsehsendung gesehen habe, die damit schloss, dass Deborah Lipstadt sinngemäß folgendes gesagt hat: „Der wirkliche Zweck des Holocaust-Revisionismus besteht darin, den Nationalsozialismus wieder zu einer akzeptablen politischen Alternative zu machen.“ Normalerweise stimme ich mit dem, was Juden sagen, nicht überein, aber ich weiß noch, wie ich rief: „Jawohl! Das hat sie gut auf den Punkt gebracht! Gebt der Dame eine Zigarre!“ – eigene Übersetzung, JL]
Harold Covington, NSNet Bulletin #5
Der Mann, der dies gesagt hat, ist nicht irgendwer. Es handelt sich hier um ein Zitat von Harold Covington (aka „Winston Smith“, Hauptfigur aus 1984). Covington war seinerzeit Generalsekretär der National Socialist White Peoples Party, die früher als American Nazi Party firmierte. Das Zitat stammt aus dem NSNet Bulletin #5, das in voller Länge bei Nizkor dokumentiert war (nicht mehr online).
Möglicherweise ist die oben formulierte Hypothese, dass viele Auschwitzleugner den Völkermord für eine gerechtfertigte Maßnahme des Hitler-Regimes oder gar für Notwehr halten (vgl. etwa die "jüdischen Kriegserklärungen"), eine Erklärung für die Schwäche ihrer Argumentation.
Das Leugnen des Holocaust verfolgen sie möglicherweise gerade deshalb nur halbherzig und mit unzulänglichen Argumenten, weil sie ihn auch selbst für eine historische Realität halten und unwissentlich oder gar wissentlich auf ein System hinarbeiten, das eine Wiederholung bzw. Vollendung des Völkermordes ermöglichen soll. Ein ausnehmend aggressiver Hass auf Juden, verbunden mit Gewaltfantasien, ist bei Holocaustleugnern jedenfalls nicht selten zu beobachten.
„Freisprüche“
Das Reinwaschen des Nationalsozialismus findet nicht selten ganz offen unter Buchtiteln wie Freispruch für (…)“ statt.
- Robert L. Brock, Freispruch für Deutschland
- Gerd Honsik, Freispruch für Hitler ...?
- Heinrich Härtle, Freispruch für Deutschland