Manfred Adler
Christlicher Antisemitismus
Antisemitisches Buchcover: Manfred Adler, Söhne der Finsternis 1 – Die geplante Weltregierung
Der katholische Ordenspriester und Religionslehrer Manfred Adler (1928–2005) war ein äußerst unschönes Beispiel für den Antisemitismus, der auch heute noch in manchen Kreisen christlicher Kirchen anzutreffen ist [vgl. auch „Feindbild“ Zionismus]. Was Adler schrieb und verbreitete, ging der katholischen Kirche dann aber doch zu weit, denn der Autor und Lehrer wurde 1978 von der Diözese Speyer wegen seiner dreibändigen Publikation Die Söhne der Finsternis (1975–1976) suspendiert.
Das war ein richtiger und wichtiger Schritt, aber man muss schon fragen, wie es um die interne Hygiene der Kirche bestellt ist, wenn jemand mit einer derart deutlichen antisemitischen Einstellung überhaupt Ordenspriester und Religionslehrer werden und bleiben konnte und damit direkten Zugang zu beeinflussbaren Kindern und Jugendlichen bekam. Anscheinend war der Schulbehörde nicht bewusst, was ihr Oberstudienrat trieb, denn man behauptete dort, man habe von Adlers Aktiviten „nie was gehört“ [vgl. SPIEGEL, 16/1978, Gigantisches Netz].
Adler verfasste eine Reihe von judenfeindlichen Schriften, in denen das Klischee von der jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung bedient wird. Häufig betonte er, es gebe geheime Pläne, eine Weltregierung einzurichten. So nahm er in seinen Texten schon in den 1970er Jahren vorweg, was moderne Verschwörungserzähler heute unter dem Begriff „Globalisten“ verstehen.
Antisemitisches Buchcover: Manfred Adler, Söhne der Finsternis 2 – Weltmacht Zionismus
Adlers Texte erschienen zunächst im Miriam-Verlag, später im Verlag Anton Schmid. Dort wurden in der Reihe pro fide catholica auch Schriften von Johannes Rothkranz veröffentlicht.
Die Kraft im Hintergrund der Verschwörung war nach Ansicht des Ordenspriesters stets die „Weltmacht Zionismus“, wie Adler einen seiner Texte nannte. Bei der Konstruktion dieser Verschwörungsfantasien benutzte Adler, genau wie andere christliche Fundamentalisten, durchaus auch klassische antisemitische Vorlagen.
Darüber hinaus schreckte Adler auch nicht davor zurück, gelegentlich die Bücher von Holocaustleugnern und Rechtsextremisten heranzuziehen. Lutz Lemhöfer warnte vor solchen Grenzüberschreitungen und erwähnte in Merkt euch ihre Namen beispielhaft einige ältere Quellen, die belegen, dass religiöser Antisemitismus keine Ausnahmeerscheinung neuerer Zeiten ist.
Im April 2005 veröffentlichte die sedisvakantistische Publikation Einsicht den folgenden Nachruf:
Am Montag, dem 7. März 2005, ist P. Manfred Adler im Alter von 76 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Auch wenn er nicht in allen Punkten unsere theologische Position teilte, so hatte sich der Buchautor Adler einen Namen als Bekämpfer der Freimaurerei gemacht. Wegen einer Pressekampagne, die deswegen gegen ihn gestartet wurde, wurde er als Religionslehrer vom nachmaligen Münchner 'Bischof' Wetter aus dem Schuldienst entlassen, weil er mit seinem Buch Söhne der Finsternis dessen „Versöhnungskurs“ mit den Logen durchkreuzte. R.i.p. E. Heller
Einsicht, nicht mehr online
Die bis heute erscheinende Einsicht wird von der „UNA VOCE-Gruppe Mana“ herausgegeben, als Redakteur zeichnet Dr. Eberhard Heller. Offenbar hatte die Redaktion keine Probleme damit, dass Manfred Adler in seiner Trilogie Söhne der Finsternis zahlreiche Rechtsextremisten und Holocaustleugner zitiert – ganz im Gegenteil.
Die Einsicht hatte sich auch 1978 schon für Adler stark gemacht. Unter der Überschrift Berufsverbot durch Rufmord erschien im Oktober 1978, nicht lange nach Adlers Suspendierung, eine leidenschaftliche Fürsprache für den Bruder im Geiste.
Kopfzeile der Zeitschrift Einsicht 3/1978, dort Stellungnahme für Manfred Adler.
BERUFSVERBOT DURCH RUFMORD
von
Manfred JacobsLt. dem deutschen Nachrichten-Magazin Der Spiegel vom 1. Mai 1978 (Nr.18/1978) [richtig: 16/1978, JL] hat das bischöfliche Ordinariat Speyer den Pater Manfred Adler aus dem Schuldienst entlassen (…) Dieser Artikel „Antisemitismus - gigantisches Netz“ ist ein ungeheuerlicher Rufmord an dem kath. Priester Pater Manfred Adler.
Einsicht 3/1978, München, S. 106
Im weiteren Verlauf des Beitrags verbreitet Manfred Jacobs dann eine Verschwörungserzählung und meint, die Entscheidung des bischöflichen Ordinariats Speyer, Manfred Adler zu suspendieren, sei überraschend schnell erfolgt, und dies lasse „auf eine Vorbereitung von langer Hand schließen“
[Einsicht 3/1978, S. 106].
Deshalb erstaunt sie [die Entscheidung des Ordinariats] auch denjenigen nicht, der weiß, daß der Europadirektor des jüdischen Freimaurerordens B'nai B'rith, Dr. Ernst Ludwig Ehrlich, Basel, vor mehr als einem Jahr die Abberufung Adlers gefordert hatte. Kaum war ein in diese Richtung zielender Schmähartikel Ehrlichs Anfang 1977 in der jüdischen Wochenzeitung gegen Adler und seine Schrift Weltmacht Zionismus erschienen, als auch schon die „katholischen“ Hiwis aus verschiedenen Organisationen in das gleiche Horn bliesen und ebenfalls die Entfernung des Paters forderten. Es liegt in der Natur der Sache, daß Pater Adler auch bei dem freimaurerfreundlichen Generalvikar von Speyer Diemer wegen der Schrift Die antichristliche Revolution der Freimaurerei in Ungnade fiel. Nun trat der Spiegel in Aktion und leitete die durch die o.a. Veröffentlichung vom 17.4.1978 ganz offensichtlich vorbereitete konzertierte und konzentrierte Kampagne mit dem für „die Söhne der Finsternis“ gewünschten Resultat ein. Der Fall Adler ist in zweifacher Hinsicht lehrreich: 1. er beweist die musterhafte ökumenische Zusammenarbeit zwischen Freimaurern, Zionisten und „kath.“ Progressisten, und 2. was noch wichtiger ist, erweist sich diese Zusammenarbeit als Kapitulation der christlichen Lakaien vor freimaurerischen und zionistischen Kräften, die ihre kapitulierenden „kath.“ Untertanen voll und ganz im Griff haben. Wer Manfred Adler und seine Schriften kennt, wird den Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn auf keinen Fall erheben können. [Hervorhebung von mir. JL]
Einsicht 3/1978, München, S. 106
Von der kirchlich-religiösen Position abgesehen, könnte dieser Text mit seinen kaum verhohlenen antisemitischen Anspielungen in sehr ähnlicher Form auch in einem beliebigen Neonazi-Blättchen auftauchen, ohne große Verwunderung oder Ablehnung hervorzurufen, und der von mir hervorgehobene Satz kommt einem Verstoß gegen eines der Gebote, die überzeugten Katholiken so wichtig sind, schon relativ nahe.
Auch bei kreuz.net gab es offenbar keine Berührungsängste mit einem Priester, der offen antisemitisch argumentierte. Dort war im Nachruf von einer „Pressekampagne“ die Rede, der Adler zum Opfer gefallen sei, woraufhin er aus dem Schuldienst entlassen worden sei. Kritische Anmerkungen zu Adlers Nähe zu Rechtsextremisten suchte man dort vergeblich [kreuz.net, „Zum Tode von Pater Manfred Adler“ (nicht mehr online)].
Manfred Adler steht exemplarisch für einen Antisemitismus, der sich in Teilen der katholischen Kirche bis heute hält; ganz ähnlich auch der Fall des Holocaustleugners Bischof Williamson.
Siehe auch:
- Manfred Adler: Söhne der Finsternis
- Johannes Rothkranz
- Deborah Lipstadts Brief an den Holocaustleugner Bischof Williamson
Weitere Informationen:
- Lutz Lemhöfer, Merkt euch ihre Namen
- SPIEGEL-Bericht über Manfred Adlers Suspendierung: Gigantisches Netz