Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Claus Nordbruch

Dr. Claus Nordbruch wurde 1961 geboren. Er diente als Leutnant in der Bundeswehr, musste die Truppe jedoch vor Ablauf der zwölfjährigen Verpflichtung verlassen.

Ablösungsgrund war der Vorwurf, in der Nacht vom 29. auf den 30. August 1985 bei einer Feier mit anderen Soldaten Schallplatten mit Reden von Hitler, Göring und Goebbels sowie mit Märschen und Marschliedern aus dem Dritten Reich gespielt und dazu gesungen zu haben. Ferner sollen Gespräche mit rassistischen und obszönen Inhalten bezüglich jüdischer Frauen geführt worden und „Sieg Heil“-Rufe erfolgt sein.

NSU-Untersuchungsausschuss, S. 247

Anschließend wanderte Nordbruch nach Südafrika aus, pflegte rege Kontakte zu Rechtsextremisten und anderen Holocaustleugnern und veröffentlichte Artikel und Bücher in rechtsextremen Verlagen.

Nordbruch war zwischenzeitlich immer wieder in Deutschland; so referierte er 1999 vor dem „Thüringer Heimatschutz“ [NSU, S. 246], dem auch die NSU-Terroristen angehörten [vgl. NSU-Untersuchungsausschuss, S. 247]. Eine im Bericht nicht identifizierte Quelle habe zudem angegeben, dass er gefragt wurde, ob er möglicherweise den NSU-Terroristen einen Unterschlupf bieten könne. Diese Frage kann man Nordbruch selbst nicht anlasten, aber man darf annehmen, dass er in diesen Kreisen genügend Vertrauen genoss, um überhaupt gefragt zu werden.

Ein namentlich genannter Zeuge ergänzte:

Und dann hieß es also, die wollen versuchen, die ins Ausland zu bringen. Klar, weil der Fahndungsdruck sehr stark wurde, mussten sie also irgendwie raus, und wir wussten, dass dieser Dr. Nordbruch eine Farm hatte in Südafrika, und wir wussten auch – das war aber dann schon Ende 98 –, dass Kapke dort auch gewesen ist. Kapke ist auf der Farm gewesen einige Wochen, ist dann zurückgekommen (…)

NSU-Untersuchungsausschuss, S. 399

André Kapke war offenbar ein leitender Mitarbeiter des „Thüringer Heimatschutzes“. Nordbruchs Farm in Südafrika scheint ein beliebter Rückzugsort für Rechtsextremisten zu sein; auch Kapke hielt sich zeitweise dort auf. Die drei NSU-Angehörigen (das „Trio“) waren zu diesem Zeitpunkt in Deutschland untergetaucht.

Auf den Weg nach Südafrika machten sich damals allerdings ein paar Freunde des Trios: André Kapke, einer der Hauptakteure des Thüringer Heimatschutzes und seit Februar 2013 Beschuldigter im laufenden NSU-Prozess und Mario Brehme. Die Beiden wollen zur Farm des deutsch-österreichischen Rechtsradikalen und Apartheidsbefürworters Claus Nordbruch.

NSU-Untersuchungsausschuss, S. 399

Schon 1999 hatte eine Neonazi-Reisegruppe Südafrika besucht [vgl. Rechts.Geschehen 12, S. 22]. Reiseleiter war Peter Dehoust, Teilnehmer der Reisegruppe waren u.a. Mitglieder der NPD und des Thüringer Heimatschutzes, darunter auch Tino Brandt. In der ausgebrannten letzten Wohnung des NSU-„Trios“ in Zwickau hatten die Ermittler eine Visitenkarte und ein Buch von Nordbruch gefunden.

Die Reisegruppe besuchte auch Nordbruch. Der verkündete 2000, Gesinnungsgenossen könnten bei ihm Schießübungen machen. Tatsächlich veröffentlichte die rechtsextreme Zeitschrift Zuerst! im September 2014 Fotos, auf denen mehrere Personen besagter Neonazi-Gruppe beim Schießtraining zu sehen sind [vgl. Rechts.Geschehen 12, S. 22].

Angesichts der Kontakte zur rechtsterroristischen Szene mutet es beinahe wie eine Marginalie an, dass Nordbruch für die Gesellschaft für freie Publizistik als Referent auftrat. Interessant ist aber der Blick in die andere Richtung. Der NSU-Ausschussbericht wurde am 22.08.2013 veröffentlicht. Gerd Schultze-Rhonhof ließ sich 2014 von der GfP mit dem Hutten-Preis ehren und hatte anscheinend keinerlei Probleme mit dem Umfeld, in das er sich dort begab.

Neben der GfP selbst wird auch Claus Nordbruch vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg unter „Rechtsextremismus“ namentlich genannt. Explizit erwähnt wird in der Publikation

das 2003 im Hohenrain-Verlag veröffentlichte Buch „Der Angriff. Eine Staats- und Gesellschaftskritik an der ‚Berliner Republik‘“ von Dr. Claus NORDBRUCH, das offen die Beseitigung der derzeitigen politischen Ordnung Deutschlands propagiert

LfV Baden-Württemberg, Verfassungsschutzbericht 2003, S. 182–183

Die Beseitigung der politischen Ordnung klingt nach einem Wunsch, der mit den Beweggründen der NSU-Terroristen mindestens teilweise deckungsgleich sein könnte.

Auf seiner eigenen Website veröffentlichte Nordbruch Texte, die offen den Holocaust leugnen. Dabei bediente er sich durchaus „revisionistischer“ Methoden – was nichts anderes heißt, als dass er längst widerlegte Argumentationsmuster und Tricks wiederholt.

Unnötig zu betonen, dass Claus Nordbruch wie alle Holocaustleugner manchmal den Eindruck erweckt, dass er Juden und das Judentum nicht mag [vgl. Antisemitismus].

Siehe auch