Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Die Totenbücher / Sterbebücher von Auschwitz

Richtig falsche Zahlen

BEHAUPTUNG:

Beweisen die Totenbücher/Sterbebücher von Auschwitz, dass dort sehr viel weniger Menschen umgekommen sind, als man gemeinhin glaubt?

FAKT / WIDERLEGUNG:

Das trifft nicht zu. Die Sterbebücher/Totenbücher erfassen nur die registrierten Toten. Die Opfer der Gaskammern waren keine registrierten Häftlinge. Sie wurden an der Rampe einer Selektion unterworfen und sofort in Gaskammern ermordet. Da sie nie im Lager registriert wurden, können sie nicht in den Sterbebüchern erscheinen.

In den Sterbebüchern des Lagers Auschwitz sind über 70.000 verstorbene Häftlinge erfasst, kein Einziger davon als Opfer der Gaskammern. Die Holocaustleugner stellen diese Zahl als einzig richtige, amtlich dokumentierte Zahl dar und bewerten sie als Beweis dafür, dass in Auschwitz niemand in Gaskammern ermordet worden sei, und dass die Zahl der Toten erheblich unter der in historischen Werken verbreiteten Zahl von etwa einer Million Opfern liege.

Diese Argumentationsweise verzerrt die Realität. Der Lagerkomplex Auschwitz war zugleich Vernichtungslager, Arbeitslager und Straflager. In den Sterbebüchern wurden nur die Insassen des Lagers registriert.

Wenn Transporte mit Juden in Auschwitz eintrafen, gab es an der Rampe eine sogenannte „Selektion“. Arbeitsfähige Juden wurden registriert und als Zwangsarbeiter im Lager untergebracht, nicht arbeitsfähige Menschen wurden direkt in den Gaskammern ermordet. Sie galten nicht als Insassen des Lagers und tauchen deshalb auch nicht in den Akten des Lagers auf.

Achtzehn Thumbnails in drei Reihen zu je sechs Grafiken: zuerst der grüne Einband, dann zwei vergilbte Dokumente, anschließend mehrere schwarzweiße Dokumente mit den eigentlichen Daten.

Arolsen Archives: Screenshot der Sterbebücher

Inzwischen können die Faksimiles der Totenbücher bei den Arolsen Archives online eingesehen werden; auch das Auschwitz Memorial hat dazu eine Website. Die überlieferten Dokumente decken nur die Zeit vom 29. Juli 1941 bis zum 31.12.1943 ab, also nicht einmal die volle Zeit, die das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Betrieb war.

Ausnahmen von der Vernichtung

Das NS-System sah immer wieder Gründe, privilegierte und/oder prominente Häftlinge von der Vernichtung auszunehmen. Die Tatsache, dass es (zum Teil auch arbeitsunfähige) Häftlinge gab, von denen einige sogar überlebt haben, kann jedoch nicht die Tatsache widerlegen, dass die Massenmorde in den Gaskammern geschehen sind.

Im Oktober 1943, gegen Ende der sogenannten Aktion Reinhardt, beklagte sich Heinrich Himmler sogar, es gebe seiner Ansicht nach viel zu viele solcher Ausnahmen.

Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. (…) Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude.

Heinrich Himmler, Rede in Posen, 4. Oktober 1943

Die Schonung bestimmter Menschengruppen hatte nichts mit den erwähnten „Selektionen“ zu tun, sodass mitunter auch ältere, schwache und kranke Menschen nicht sofort vergast wurden, sondern eine Zeitlang als Häftlinge im Lager festgehalten wurden. An anderen Stellen machte Heinrich Himmler deutlich, dass die Ermordung von Kindern nicht die Ausnahme, sondern die Regel war [vgl. Himmler-Reden in Posen und Sonthofen].

Schützenhilfe für Geschichtsfälscher

Auch der ehemals angesehene Historiker Joachim Hoffmann bezog sich auf die Sterbebücher:

74 000 Todesopfer, wohlgemerkt nur unter den ‚arbeitsfähigen Deportierten‘, sind aus den Registern der in sowjetischen Archiven freigegebenen ‚Sterbebücher‘ (Totenbücher) zu bestätigen. [S. 182]

Daß die dokumentarisch verbürgte Zahl von 74 000 nur einen Teil der tatsächlichen Verluste umfassen kann, dürfte im übrigen nicht zu bezweifeln sein. [S. 327]

Joachim Hoffmann, Stalins Vernichtungskrieg

Man sieht förmlich den Haken, den Hoffmann kurz vor offener Holocaustleugnung gerade noch schlägt.

Die Formulierung, die Sterbebücher umfassten „nur einen Teil der tatsächlichen Verluste“ ist nicht fahrlässig beschönigend, sondern vorsätzliche Beihilfe zur Holocaustleugnung. Es waren keine „Verluste“, sondern Opfer eines Massenmordes, und der „Teil“, den Hoffman hier einräumt, berücksichtigt grob gerechnet nur ein Fünfzehntel der tatsächlichen Opferzahl.

Als Hoffmann später wohlwollendes Gutachten zu Germar Rudolfs Wissenschaftlichkeit verfasste, ging er noch erheblich weiter.

Quellen und Verweise

Siehe auch