Heinrich Himmler Reden in Posen und Sonthofen
„Beweise, Langowski, Beweise!“ Diese Aufforderung bekam ich einmal von einem Holocaust-Leugner in einer Diskussion zu hören. Er wollte damit seine Überzeugung zum Ausdruck bringen, es gebe für die Massenvernichtungen der Nazis keine überzeugenden Beweise.
Heinrich Himmler, Reichsführer SS und politisch oberster Verantwortlicher für die im Reichssicherheitshauptamt unter Reinhard Heydrich organisierte Judenvernichtung.
Grundlage dieser Behauptung ist allerdings nicht die Realität, sondern das Weltbild der Auschwitzleugner. Denn ganz egal, was man ihnen vorlegt, die Beweise fallen grundsätzlich in eine der folgenden Kategorien:
- die Zeugen haben gelogen
- die Geständnisse wurden durch Folter erpresst
- die Beweise sind erst nach dem Krieg durch Fälschung entstanden
- „Unsinn, absoluter!“
In einer Diskussion im Usenet klang das beispielsweise so:
Ich habe die Existenz von Gaskammern zur systematischen-industriellen Vernichtung von Juden u.a. bestritten weil bisher nicht ein einziger glaubwuerdiger Beweis vorgelegt wurde, ganz zu schweigen von einer forensischen Untersuchung durch eine absolut neutrale Untersuchungskommission. „Beweise“ wie „Sch(w)indlers Liste“ , „Shoah“ oder „Holocaust“ oder Geschmiere dubioeser „Zeugen“ sowie durch Folterung erpresste Gestaendnisse sind zum Beweis der Existenz von Gaskammern nicht geeignet und allenfalls nur dienlich um leicht beeinflussbare junge Menschen von den Luegen der Holocauster zu ueberzeugen.
„Hotte“, Wed, 04 Feb 1998, de.soc.politik, Subject: Re: Antisemitismus faellt nicht unter Meinungsfreiheit, Message-ID: 34d7c0ea.13057503@news.crosslink.net
Bücher mit Quellen. Bücher von Historikern. Ist es seltsam, oder ist es bezeichnend, dass „Hotte“ ausgerechnet das Medium nicht erwähnt, das in der Geschichtswissenschaft die größte Rolle spielt?
Aber dem Manne kann auch ohne Bücher geholfen werden, deren Seiten sich schauderhafterweise beharrlich dagegen wehren, mit dem Daumen ins Verdrängte weggewischt zu werden.
Leider habe ich es damals in der Diskussion versäumt, ihn sofort mit den Himmler-Reden in Posen und Sonthofen zu konfrontieren, die nicht nur als Texte, sondern auch als Audiodateien vorliegen. Seine Antwort auf die Frage, wer denn Himmler durch Folter zu diesen Aussagen gezwungen habe, wäre sicher sehr interessant gewesen.
Manfred Köhler (d.i. Germar Rudolf) hat in seinem Text Prof. Dr. Ernst Nolte: Auch Holocaust-Lügen haben kurze Beine zu diesem Thema einige interessante Ideen fabriziert.
Abgesehen davon, daß es nach herrschender Meinung sachlich falsch ist, Anfang Oktober 1943 von der Judenausrottung im Perfekt zu sprechen – sie soll noch bis Ende 1944 weitergegangen sein […]
Germar Rudolf, „Nolte“ (HTML, keine Seitenzahlen)
Es ist ja unhöflich, jemandem ins Wort zu fallen, aber hier ist es nötig. In der Rede vom 4. Oktober sprach Himmler im Präsens: „Wir haben das moralische Recht, wir haben die Pflicht unserem Volk gegenüber, das zu tun, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen“
(siehe unten).
Wenn man den Kontext kennt, versteht man außerdem sofort, was Himmler meinte, als er an anderer Stelle in der Vergangenheitsform sprach. Ende 1943 wurde die sogenannte „Aktion Reinhardt“ abgeschlossen (benannt nach Reinhard Heydrich), die einen nicht unwesentlichen Teil des Vernichtungsprogramms bildete.
Kurz nach Himmlers Rede wurde als Letztes das Vernichtungslager Treblinka eingeebnet, und zur Tarnung wurde dort ein Bauernhof errichtet. Zwischenfrage an die „Revisionisten“: Warum tarnt man ein angeblich harmloses „Durchgangslager“ mit einem Bauernhof? Aber weiter:
[…] sollte folgender Umstand Anlaß für intensiveres Nachdenken geben: Diese Geheimrede Himmlers liegt als Schallplatte mit äußerst schlechter Tonqualität vor, die eine Stimmanalyse unmöglich macht. Folgende logische Fragen ergeben sich: Wer nimmt eine Geheimrede auf einem damals noch tischgroßen, also für jeden Teilnehmer bemerkbaren Tonbandgerät auf? Wer käme auf die idiotische Idee, von einem Tonband in einem damals sehr aufwendigen und teuren Verfahren eine metallene Mutterplatte herzustellen, um davon lediglich eine Schallplatte zu erstellen? Wer veranlaßt, daß von dieser Tonbandaufnahme einer Geheimrede über das angeblich geheimste Geheimnis des Dritten Reiches in einem der staatlich kontrollierten Plattenfirmen in einem damals recht aufwendigen Verfahren ein Tonträger erstellt wird, der dann tausendfach kopiert werden kann? Noch deutlicher: Welches Interesse hatte Himmler an einer tausendfachen Verbreitung seiner "Geheimrede"? Wo ist das Originaltonband, wo die metallene Mutterplatte, wo die anderen Schallplatten?
Germar Rudolf, „Nolte“ (HTML, keine Seitenzahlen)
Wenn man weiß, was geschehen ist, dann ist die Antwort ganz leicht. Himmler selbst hat wie in anderen Fällen auch die Aufnahmen angeordnet. Zusätzlich wurden die Reden auf Papier transkribiert. Die Aufnahmen wurden nicht mit einem Tonbandgerät angefertigt, sondern mit Wachsplatten. Diese Aufnahmetechnik war damals sehr verbreitet und transportabel. Erst nach dem Krieg wurden Sicherungskopien auf Tonbändern erstellt. Keine Plattenfirma war beteiligt, es gab keine metallene Masterplatte [vgl. Bradley F. Smith, Heinrich Himmler: Geheimreden, S. 252].
Germar Rudolf erwähnt in seinem Text die Schriftenreihe Historische Tatsachen des Holocaustleugners Udo Walendy. Im Heft 45, das Rudolf als Quelle nennt, hat Walendy ebenfalls Himmlers Reden in Posen behandelt. Und in Fußnote 20 lässt Walendy durchblicken, dass er zumindest mal ein seriöses Buch in der Hand hatte.
Fußnote Walendy: Bradley F. Smith
Walendy bezieht sich exakt auf die beiden Seiten, die beschreiben, was ich weiter oben in Bezug auf die Aufnahmetechnik zusammengefasst habe. Germar Rudolf konnte diesen Unsinn nur formulieren, weil er entweder Walendy blind vertraut und nicht im Original nachgeschaut hat, oder weil er nachgeschaut und die Tatsachen „revisionistisch“ behandelt hat. Kurz danach bringt Rudolf dann auch noch Stimmimitatoren ins Spiel, die Himmlers Reden gefälscht hätten. Man hört im Hintergrund förmlich den anderen, unerhört wissenschaftlichen Germar Rudolf aufgebracht rufen: „Aber wo sind die forensischen Beweise für die Existenz der Imitatoren?“
Heinrich Himmler am 4. und 6. Oktober 1943 in Posen und am 21.6.1944 in Sonthofen
Sehen wir uns die Reden an, die Heinrich Himmler Anfang Oktober 1943 in Posen und im Sommer 1944 in Sonthofen gehalten hat. Am 4.10.1943 sagte er: „Ich meine die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes.“
Und dann noch einmal sehr drastisch:
Wir haben das moralische Recht, wir haben die Pflicht unserem Volk gegenüber, das zu tun, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.
Zwei Tage später, ebenfalls in Posen, ebenfalls völlig unmissverständlich:
Es trat an uns die Frage heran: Wie ist es mit den Frauen und Kindern? – Ich habe mich entschlossen, auch hier eine ganz klare Lösung zu finden. Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten – sprich also, umzubringen [!] oder umbringen zu lassen – und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es musste der schwere Entschluß gefaßt werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.
Himmler in Posen, 6.10.1943; zitiert nach Smith, Heinrich Himmler: Geheimreden, S. 169
In ähnlicher Weise äußerte sich Himmler in einer Ansprache vor Generälen in Sonthofen am 21.06.1944:
Es ist gut, dass wir die Härte hatten, die Juden in unserem Bereich auszurotten (…) Ja wissen Sie, dass Sie die erwachsenen Juden umbringen, das verstehe ich völlig. Aber wie können Sie Frauen und Kinder (…)
Smith, Heinrich Himmler: Geheimreden, S. 203
Die Himmler-Reden in Posen und Sonthofen sind aus der Sicht der Holocaust-Leugner besonders unangenehme Beweismittel, weil es in diesem Fall nicht nur schriftliche, sondern auch akustische Aufzeichnungen gibt.
Die Ausschnitte aus den drei Reden sind jeweils durch kurze Pausen voneinander abgesetzt.
In diesem Fall tritt bei den Holocaustleugnern, wie oben schon beschrieben, „Plan F“ wie „Fälschung“ in Kraft, ergänzt durch „Plan S“ wie „Stimmimitator“. Beweise dafür haben sie natürlich nicht.
Quellen und Verweise
- Bradley F. Smith, Heinrich Himmler: Geheimreden
- 1000 Dokumente, Himmler in Posen, 4.10.1943