Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Luftkrieg: Rotterdam

„Verletzung der Neutralität Belgiens und Hollands ist bedeutungslos“

Am 14. Mai 1940 führte das NS-Regime einen Luftangriff auf Rotterdam durch, bei dem die Altstadt weitgehend zerstört wurde. Hitler-Apologeten bezeichnen dieses Ereignis gelegentlich als bedauerlichen Zwischenfall, zu dem es nur aufgrund unglücklicher Umstände gekommen sei.

Ein Panoramablick über die Trümmerlandschaft, die ersten intakten Gebäude sind mehrere hundert Meter entfernt.

Zerstörte Innenstadt von Rotterdam, Mai 1940

Nachdem die Übergabe der Stadt an die deutschen Truppen vereinbart war, so lautet die Erklärung, sei sofort der Befehl an die Bomber gegeben worden, den Angriff abzubrechen, aber da die Flugzeuge bereits die Schleppantennen eingezogen hatten, habe man sie nicht mehr erreichen können. Auch Leuchtsignale, die vom Boden gegeben wurden, hätten nichts mehr ändern können.

Diese Darstellung ist zwar im Groben richtig, sie klammert aber wesentliche Gesichtspunkte aus, wie Annette Birschel schrieb:

Warum der Terror gegen die zivile Bevölkerung? Historiker sind davon überzeugt, dass es eine bewusste Entscheidung der NS-Führung, zumal des Chefs der Luftwaffe war. Hermann Göring wollte ein Exempel statuieren […]

Annette Birschel, Bombardierung Rotterdams war zynische Drohung

Zunächst einmal taten die Bomber genau das, was sie tun sollten: Sie bombardierten die Innenstadt, um die Kapitulation zu erzwingen. Etwa 900 Menschen starben, etwa 25.000 Häuser brannten aus, weit über 70.000 Menschen wurden obdachlos [vgl. DHM: Rotterdam].

Am verbrecherischen Charakter dieses Auftrags kann auch die Tatsache nichts ändern, dass die Flugzeuge beinahe noch zurückgerufen worden wären.

Die Maschinen sollten ja nicht etwa zurückgerufen werden, weil die NS-Führer auf einmal Gewissensbisse bekommen und beschlossen hätten, die Zivilbevölkerung zu schonen. Diese Absicht hatten die Nazis ganz sicher nicht, denn sie drohten nach dem Angriff auf Rotterdam damit, als Nächstes auch noch Utrecht zu bombardieren, und daraufhin kapitulierten die Niederlande am 15.05.1940 [vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 706]. Offenbar nahm das NS-Regime zivile Opfer bewusst in die Kalkulation mit auf.

Vordergrund: Trümmer an einem Kanal, im Hintergrund eine zerstörte Brücke

Das zerstörte Rotterdam, Quelle: NS-Kriegsberichterstatter Leo Leixner, Von Lemberg bis Bordeaux, S. 160

Ein legitimer Luftangriff?

Es gibt anscheinend Militärhistoriker und Luftkriegsexperten, die der Ansicht sind, dass es sich „bei Warschau und Rotterdam um legitime taktische Luftangriffe auf verteidigte Städte im Frontgebiet handelt“, so der durchaus renommierte Historiker Horst Boog in einem Beitrag für die rechtsextreme Junge Freiheit (Ausgabe 40/04, 24.09.2004).

Das ist eine verkürzte und unzutreffende Darstellung des Sachverhalts. Der Luftangriff auf Rotterdam wird nicht dadurch legitimiert, dass die Niederländer sich gegen den deutschen Überfall gewehrt haben. Was hatten denn die deutschen Truppen überhaupt in einer niederländischen Stadt zu suchen? War das legitim? Natürlich nicht, denn die Niederlande waren neutral. Wenn der Überfall auf das neutrale Nachbarland nicht legitim war, dann war es der Bombenangriff auf Rotterdam im Kontext dieses Überfalls natürlich auch nicht.

Hitler sagte schon lange vor dem Angriff, was er von der Neutralität der Nachbarländer hielt:

Mein Entschluss ist unabänderlich. Ich werde Frankreich und England angreifen zum günstigsten und schnellsten Zeitpunkt. Verletzung der Neutralität Belgiens und Hollands ist bedeutungslos.

Adolf Hitler am 23.11.1939
Besprechung mit den Oberbefehlshabern der Wehrmacht

Quellen und Verweise

Der Luftkrieg