Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

David Icke Verschwörungsfantasie im Krokomäntelchen

Antisemitische Fantasien über Echsen und die böse Welt

David Icke hat weiße Haare und trägt einen grünen Sweater. Mit leicht geschürzten Lippen schaut er nach skeptisch nach links aus dem Bild heraus.

David Icke, Steffano Maffei, CC BY 2.0

In seinen Büchern und Vorträgen greift der Verschwörungs-„Echsperte“ (Internet-Fundstück) David Icke auf zahlreiche absurde Ideen zurück, die man auch bei anderen Autoren findet, reichert sie jedoch durch einen ungewöhnlichen Aspekt an.

Einige Leute, sagt Icke, gäben sich zwar als Juden aus, seien aber in Wahrheit Mischwesen zwischen Reptilien und Menschen. Die Reptilien seien Außerirdische, die sich mit Menschen paaren könnten. Die jüdische Tora sei von diesen sogenannten Leviten-Reptilien verfasst worden, und überhaupt steckten diese Mischwesen oder ihre reinrassigen reptilischen Oberen hinter allen oder wenigstens doch den meisten Schandtaten in dieser Welt.

Somit sind die Gegner, die Icke attackiert, in seinen Augen keine richtigen Menschen. Die Entmenschlichung der Feinde oder Opfer ist nun aber wahrlich nichts Neues.

Die arme Oma Haverbeck

Immer wieder beteuert Icke, er sei kein Feind der Juden. Zweifel am Holocaust hat er aber offenbar trotzdem. So schreibt Icke etwa unter der Kapitelüberschrift „master races“ („Herrenrassen“) in einem Buch, heute würden

Menschen geschmäht und eingesperrt, weil sie einige offizielle Versionen des Holocaust in Nazideutschland in Frage stellen.

David Icke, … and the truth, S. 118 [eigene Übersetzung]

Das Buch erschien 2004. Anfang 2026 waren immer noch mitfühlende Worte für die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck auf David Ickes Website zu finden.

Schwarz auf beigem Untergrund David Ickes Klage über die Welt, die Haverbeck ins Gefängnis steckt.

David Icke: Mitfühlende Worte für Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck

Transkription: David Icke bedauert Ursula Haverbeck

[Schlagzeile:] Oma, 93, die floh, um 2018 einer Haftstrafe wegen ‚Holocaustleugnung‘ zu entgehen, wird ins Gefängnis gesteckt, weil sie ihre MEINUNGSÄUSSERUNG wiederholt hat. Die Welt ist zugleich wahnsinnig und schrecklich krank

Diese Meldung hat Ickes Website von anderen Medien übernommen, hier die Schlagzeile der Daily Mail

Schlagzeile der Daily Mail über die „Nazi-Oma“ Haverbeck, die wegen Holocaustleugnung erneut eingesperrt werden sollte.

Daily Mail: „Nazi-Oma“ Ursula Haverbeck

Transkription [eigene Übersetzung]

„Nazi-Oma“, die 2018 floh, um einer Gefängnisstrafe wegen Holocaustleugnung zu entgehen, wird ins Gefängnis gesteckt, weil sie Monate nach ihrer Entlassung die Straftat wiederholt hat.

Ursula Haverbeck, 93, behauptet, es hätte in Auschwitz keine Gaskammern gegeben.

Sie hat wegen Holocaustleugnung schon mehrere Gefängnisstrafen verbüßt – und will ihre Ansichten nicht ändern.

Im Alter von 89 Jahren weigerte sie sich, sich im Gefängnis zu melden, was eine wochenlange Polizeifahndung auslöste.

Haverbeck war seit 1970 mit dem SS-Mann Werner Georg Haverbeck verheiratet.

Jetzt ist Haverbeck wieder hinter Schloss und Riegel, nachdem das Gericht meinte, sie „verbreitet Gift“.

Die Meldung stammte anscheinend von AP, und einige Zeitungen griffen sie auf. Zwischen den noch im Internet sichtbaren Veröffentlichungen (wie hier exemplarisch die Daily Mail) und Ickes Darstellung gibt es kleine, feine Unterschiede.

Alle Zeitungen schrieben in Anführungszeichen „Nazi-Oma“ in der Überschift. Bei Icke fallen Anführungszeichen und „Nazi“ weg, obwohl im Text selbst (auch bei Icke) die Belege für dieses Attribut noch zu sehen sind. Zweitens schreiben alle Zeitungen das Wort „Holocaust denial“ (Holocaustleugnung) nicht in Anführungszeichen. Hier verändert Icke die sonst fast wörtlich übernommene Überschrift noch einmal und setzt das Wort in Anführungszeichen.

Drittens berichtet die Daily Mail, dass Haverbeck mehrfach straffällig geworden sei und Gift verbreitet habe. Möglicherweise bezog sich das Gericht auf die Tatsache, dass Holocaustleugnung als eine Form des Antisemitismus zu bewerten ist.

David Icke behauptet unter der fast wortgleich übernommenen Überschrift hingegegen, die Holocaustleugnerin Haverbeck sei wegen ihrer „Meinung“ belangt worden. Man mag darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Leute wie Haverbeck ins Gefängnis zu stecken, aber dies ist auf jeden Fall sachlich falsch, denn der Holocaust ist ganz sicher keine Meinungssache, sondern Tatsache.

Und schließlich kommentiert Ickes Website noch: „Die Welt ist zugleich wahnsinnig und sehr krank“ – womit er wohl die ganze Welt mit Ausnahme der Holocaustleugnerin Haverbeck meint.

Zweifel am Holocaust

Mit diesen Veränderungen gegenüber den Pressemeldungen umreißt Icke seine Position recht deutlich, und tatsächlich schreibt er im bereits erwähnten Buch:

Ob es den Leuten gefällt oder nicht, die offizielle Version des Holocaust wird sich nicht mehr lange vor einer echten Debatte drücken können.

[…]

Aus den Beweisen, auf die ich stieß, zog ich auch den Schluss, dass die offizielle Darstellung in vielfacher Hinsicht fragwürdig ist und viele dokumentierte Informationen zu erklären hat, ehe wir wirklich wissen, was geschehen ist. Wie ich schon sagte, nichts ist so, wie es scheint, ganz egal, was man uns erzählt.

David Icke, … and the truth, S. 119

Danach beruft er sich auf David Cole, einen Kronzeugen der „Revisionisten“, der sich für Ernst Zündel einsetzte und zusammen mit David Irving auftrat. Obendrein behauptet der Verschwörungsfantast:

Ich bin fest davon überzeugt, dass eine kleine jüdische Clique, die für das übrige Judentum Verachtung empfindet, mit Nichtjuden zusammengearbeitet hat, um den Ersten Weltkrieg, die Russische Revolution und den Zweiten Weltkrieg zu inszenieren

[…]

Dann dominierten sie die Friedenskonferenz von Versailles und erschufen die Umstände, die den Zweiten Weltkrieg unvermeidlich machten. 1933 brachten sie Hitler mit Geldzuwendungen an die Macht und verschafften ihm die Mittel für die Wiederbewaffnung. Ihre Vertreter in anderen Nationen manipulierten deren Regierungen, um es Hitler und den Nazis zu ermöglichen, die umliegenden Länder zu besetzen […]

David Icke, … and the truth shall set you free,, S. 120

Hitlers erfundene Finanzierung

Für die „Geldzuwendungen“ an Hitler gibt Icke wie so oft keine Quelle an; in seinen Literaturangaben findet sich allerdings Anthony C. Suttons Buch Wall Street And The Rise Of Hitler, das den gefälschten Warburg-Bericht als irgendwie doch glaubwürdiges Dokument herbeiverschwören möchte.

Seltsamerweise hat Icke an dieser Stelle ganz vergessen, darauf hinzuweisen, dass die angeblichen Anstifter gar keine Juden, sondern außerirdische Reptilien gewesen seien. Irgendwie ist er am Ende vielleicht doch nur ganz normaler antisemitischer Echsorzist.

Das Märchen, Hitler sei aus dem Ausland, genauer von Juden, finanziert worden, wird von einer ganz bestimmten Sekte von NS-Fundamentalisten verbreitet, die Hitler als Juden oder jüdischen Erfüllungsgehilfen darstellen und ihn gewissermaßen als Bauernopfer aufgeben, um die NS-Ideologie insgesamt zu retten [vgl. Kardel, Adolf Hitler: Begründer Israels und den sog. Warburg-Bericht].

Es ist sicher kein Zufall, dass in Ickes Quellenverzeichnissen (etwa in The Biggest Secret) neben der Zeitschrift Spotlight des Neonazis Willis Carto auch van Helsings Geheimgesellschaften erscheinen.

Die historische Fakultät der Kingston University (London) berichtet, David Icke habe sich auch an der britischen Verschwörungs-Autorin Nesta Webster orientiert.

Das Forum

2012 war eine Umfrage zu einem wenig überraschenden Ergebnis gekommen. Über 52% der Teilnehmer waren der Ansicht, der Holocaust habe nicht stattgefunden.

Umfrage im Forum: roter Balken für 274 Personen, die (=47,40%) sagen, der Holocaust sei Realität, blauer Balken für 304 Personen (=52,60%), die sagen, der Holocaust habe nicht stattgefunden. Darunter der englische Hinweis, dass ich nicht abstimmen durfte (nicht angemeldet).

Icke-Forum: Abstimmung über die Realität des Holocaust

David Ickes Forum schien und scheint eine Wellness-Oase für Holocaustleugner und Antisemiten zu sein. Eine Überprüfung Anfang 2026 ergab, dass die Teilnehmer dort eine ganze Reihe von Links auf „revisionistische“ Websites gepostet bzw. offen den Holocaust leugnende Texte eingestellt haben (Screenshots gesichert).

Trotz seiner Bekanntheit scheint Icke in gewisser Weise unter dem Radar zu bleiben. Informierende und aufklärende Seiten gibt es kaum; wenn man nach seinem Namen sucht, findet man dafür massenhaft Angebote, seine Bücher zu kaufen.

Quellen und Verweise