Adolf Hitler Der „Nero-Befehl“
Verbrannte Erde
Am 19.3.1945 erteilte Hitler den sogenannten „Nero-Befehl“. Seine Truppen sollten die deutsche Infrastruktur zerstören, damit diese nicht den Feinden in die Hände fiel und womöglich von diesen benutzt wurde:
Alle militärischen, Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind für die Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören.
Bundesarchiv: Adolf Hitler, Nero-Befehl
Originaldokument: Nero-Befehl vom 19. März 1945
Es scheint so, als hätten einige Offiziere den „Nero-Befehl“ umgesetzt, während sich andere Kommandeure sträubten. Albert Speer versuchte offenbar, das Schlimmste zu verhindern und die Durchführung des Befehls zu unterlaufen.
In Goebbels' Tagebüchern findet sich zudem der Hinweis, die Ausführung des Befehls sei teilweise bereits illusorisch gewesen:
Gestern: (…) Der Führer beharrt auf seinem Befehl der totalen Räumung der vom Feind bedrohten Westgebiete und der totalen Zerstörung unserer Industrie. Dieser Befehl kann nach einstimmiger Aussage aller westlichen Gauleiter praktisch gar nicht durchgeführt werden.
Joseph Goebbels, Tagebücher, 28.03.1945
Die Kommentatoren sind sich darin einig, dass sich der Befehl gegen Deutschland gerichtet hat, so etwa Jacques Schuster in seiner Besprechung von Ian Kershaws Buch Das Ende:
Hitler wollte vernichten – nicht allein sich und sein Regime; gezielt tat er seit dem Sommer 1944 alles, um das Reich in den Abgrund zu stoßen.
Jacques Schuster, Der Volksverräter, Die WELT, 05.11.2011
Hitlers Parole war offensichtlich: Durchhalten um jeden Preis, siegen oder sterben. Am 29. März 1945 versuchte Speer noch einmal, Hitler umzustimmen.
Sie machten mir jedoch am Abend Ausführungen, aus denen – wenn ich Sie nicht mißverstanden habe – klar und eindeutig hervorging: Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Dieses Schicksal ist unabwendbar. Es sei nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil sei es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hätte sich als das schwächere erwiesen und dem stärkeren Ostvolk gehöre dann ausschließlich die Zukunft. Was nach dem Kampf übrigbliebe, seien ohnehin nur die Minderwertigen; denn die Guten seien gefallen.
Speers Antwort an Hitler nach dem Nero-Befehl, 29.03.1945
Speer paraphrasiert hier Hitlers sozialdarwinistische Haltung, die besagte: Wenn das deutsche Volk nicht siegt, dann sei es schwach und dürfe auch nicht weiterleben. So riss Hitler das ganze Volk, das ihm angeblich so wichtig war, mit in den Untergang. Es hätte in seiner Hand gelegen, mit einer erheblich früheren Kapitulation unter erheblich besseren Bedingungen sehr viel Schaden von Deutschland abzuwenden.
Die Praxis der „verbrannten Erde“, die Hitler in seinem Erlass explizit den Alliierten unterstellte, machte er sich zueigen.
Der Zerstörungsbefehl Hitlers vom 19.03.1945 stand vor allem auch im Zusammenhang mit den imaginären, auch mythisch und historisch verklärten Vorstellungen von einem finalen „Endkampf“, wie er in Teilen des NS-Führerkorps, der Waffen-SS und Wehrmacht verbreitet war.
Ralf Blank, Nerobefehl
Quellen und Verweise
- Ralf Blank, Nerobefehl; dort Verweise auf weitere Quellen
- Jacques Schuster, Der Volksverräter, Die WELT, 05.11.2011
- Hitlers Nero-Befehl und Speers Antwort am 29.03.1945