Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Jakov Lind Der Erfinder

Der Romanautor Jakov Lind hat sein Buch Der Erfinder als fiktiven Briefwechsel zwischen zwei Brüdern angelegt. Die Hauptfigur wird auf dem Bucheinband folgendermaßen charakterisiert:

Emmanuel Borowsky hat schon als Schuljunge die Luft erfunden. Jetzt sucht er Sponsoren für sein bedeutendstes Werk, die Erlösungsmaschine.

Jakov Lind, Der Erfinder

Brustbild des Autors. Blaues Hemd, Arme vor der Brust verschränkt. Der ältere Mann hat angegrautes Haar und einen ausladenden Schnurrbart und schaut dem Betrachter entgegen.

Jakov Lind, Autor von Der Erfinder

In den Briefen, so erfahren wir im Vorspann des Buches, berichtet Emmanuel seinem Bruder Boris von seinen Fortschritten, aber nichts ist in Ordnung, denn in diesem Roman ist die Welt ein Tollhaus voller Hochstapler und Verrückter, unter denen nicht einmal ein falscher Messias besonders auffällig wirkt.

Etwa in der Mitte des Buches stoßen wir auf eine Stelle, die bei Verschwörungsfantasten Anklang findet. Emmanuel Borovsky gibt einen Wortwechsel mit einem gewissen Elim wieder, der einerseits ein Agent provocateur sei und sich andererseits für eine Verkörperung des falschen Messias „Schabbtai Zwi“ halte. Dieser falsche Messias halte dauernd Monologe, berichtet Emmanuel seinem Bruder, um gleich darauf eine Kostprobe zu geben:

„(…) Der Urgroßvater des jetzigen deutschen Bundeskanzlers schrieb sich noch mit einem 'n' statt mit einem 'l', war ein Hausierer aus Buscacz. Ich habe Urkunden, Beweise. Eine ganze Bibliothek von Beweisen im Tresor der Nationalbank von Vaduz. Dass Alphonso in Argentinien sephardisch betet, ist kein Geheimnis. Aber wer kennt schon den wahren Namen von Mao Tse-tung?“

„Moshe Zung?“

„Sie wissen mir zu viel. Sie gehören in meine Organisation.“

„Würden Sie dann meine Messias-Maschine unterstützen?“

Lind, Der Erfinder, S. 80f.

Zitiert wird meist nur die Stelle, in der es um Helmut Kohl geht. Die folgenden Sätze, die unmissverständlich deutlich machen, dass es ein fiktiver und ironischer Text ist, fallen unter den Tisch, und das dergestalt verfälschte Zitat nehmen die getäuschten Leser häufig für bare Münze.

Denn wer kommt schon auf die Idee, bei Jakov Lind selbst nachzuschauen, wenn einem ein van Helsing diese Geschichte präsentiert, als handelte es sich nicht etwa um einen fiktiven Dialog, sondern um glaubwürdig berichtete Tatsachen?

Ein paar Absätze weiter, gegen Ende des Briefs an Emmanuels Bruder, wird deutlich, dass der Autor – der diesen Austausch ja nur seinen fiktiven Figuren in dem Mund gelegt hat – mit dem Stilmittel der ironischen Überspitzung auf das Märchen anspielt, es gäbe einen jüdischen Plan zur Erringung der Weltherrschaft:

Wie du dir denken kannst, lieber Boris, bin ich jetzt in eine Verschwörung verwickelt, die alle Aussicht hat, dass Elim und ich die Weltherrschaft an uns reißen werden. Falls etwas dazwischenkommt, was durchaus möglich ist, wartet Australia Mallone auf mich mit meiner Lieblingsspeise: pikantes Huhn in Schokoladensoße. Also mach dir um mich keine Sorgen.

Herzlichst
dein M.

Lind, Der Erfinder, S. 81

Zu denen, die van Helsing mit seiner irreführenden Darstellung zu Helmut Kohl an der Nase herumgeführt hat, gehörte „Normarz“, der Autor des Textes WAL. Auch das Spiel mit dem Namen Mao Tse-tungs hat er getreulich als gesicherte Tatsache in seinen eigenen Text übernommen.

Oben schwarz auf weiß Titel und Autor, darunter ein Bild: zwölf männliche Figuren im Smoking, hinten einige stehend, davor eine Reihe sitzend, anscheinend am feinen Esstisch mit Blumenschmuck, Weingläsern und Sektflöten. Die meisten Personen scheinen Masken zu tragen.

Buchcover Jakov Lind, Der Erfinder

Helmut Kohl wird bei van Helsing mit durchaus antisemitischem Zungenschlag als Jude, als Freimaurer und als Verräter an den Deutschen dargestellt; ein gewisser Tjudar Rudolph habe daher gegen Kohl Anzeige wegen Hochverrats erstattet. Van Helsing verschweigt seinen Lesern, dass Rudolph sich einschlägig rechtsextremistisch betätigt hat. Van Helsings Stellungnahme gegen Extremismus in jeder Form war offensichtlich ein Lippenbekenntnis.

Als klänge ihnen „Hennoch Kohl“ noch nicht jüdisch genug, verfremden einige Schreibe den Namen noch weiter zu „Hennoch Kohn“.

Scharfsichtiger als viele andere war ein Autor der rechtsextremen Staatsbriefe, der diesen Text eine „dreiste Übertreibung“ nannte. Man fragt sich allerdings, was er andererseits als den nicht übertriebenen wahren Kern bezeichnet hätte.

In den Büchern der bekannten „Revisionisten“ erscheint diese Satire nicht; anscheinend war ihnen klar, dass sie sich damit lächerlich machen würden. Die Zahl der Schreiber in Online-Foren, die dies nicht verstanden und für authentisch gehalten haben, geht dagegen in die Dutzende.

Zu angeblich jüdischen Namen siehe auch