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Jan van Helsing (Jan Udo Holey)

Geheimgesellschaften 2

Im zweiten Band von "Geheimgesellschaften" setzt van Helsing nahtlos fort, was im ersten Band begonnen hat. Auch hier sollen wieder einige besonders markante Beispiele belegen, dass van Helsings Behauptung, er sei kein Antisemit und kein Rechtsextremist, nicht der Wahrheit entspricht.

Rassismus

Auf Seite 43 schreibt van Helsing über Logen, die

... aus der rein jüdischen B'nai B'rith Loge hervorgegangen sind, der wiederum nur reinrassige Juden angehören

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 43

Die Nazis haben die Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft als Rasse betrachtet und ermordet. Van Helsing stellt sich in die geistige Tradition des Nationalsozialismus, wenn er das Judentum ebenfalls als Rasse betrachtet - denn es gibt so wenig eine jüdische Rasse, wie es eine katholische oder protestantische Rasse gibt.

In diese Rassenlehre gehört auch die Überzeugung, dass ein Jude ein Jude bleibt, selbst wenn er die Religion wechselt. Und wenn ein Jude das Glaubensbekenntnis wechselt, dann tut er dies natürlich nicht aus innerer Überzeugung oder aus den Zwängen, aus denen andere Menschen zu solchen Entscheidungen kommen. Wenn ein Jude den Glauben wechselt, dann kann dies nur irgendwelchen finsteren Zielen dienen, denn

ein geheimer Jude ist ein Jude, der im Auftrag der Rabbiner zur Tarnung eine andere Religion annimmt.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 168

Diffamierung

Auf Seite 87ff greift van Helsing einige bei Rechtsextremisten sehr beliebte Argumentationmuster auf. Er macht sich die Behauptung zu eigen, das Judentum hätte Deutschland den Krieg erklärt und es sei die erklärte Absicht der Kriegsgegner gewesen, alle Deutschen auszurotten. Auch der so genannte "Kaufman-Plan" (Germany Must Perish") taucht unweigerlich in diesem Kontext auf.

Interessant ist hier die Quelle, die van Helsing für diese historischen Falschmeldungen nennt: Carlos Baagoe, Geburtswehen einer neuen Welt, Samisdat-Verlag, Toronto. Der Samisdat-Verlag gehört dem Holocaust-Leugner Ernst Zündel.

In diesem Band rückt van Helsing von der im ersten Buch formulierten Behauptung ab, der jüdische Gott Jahwe sei eine Verkörperung Satans, was die Juden zwangsläufig zu Teufelsanbetern macht. Jetzt heißt es, eine außerirdische Zivilisation habe auf der Erde ein Volk gesucht, das den eigenen (natürlich nicht gerade freundlichen) Absichten am besten entsprochen hätte.

Nachdem die Marcabianer sahen, dass die Menschen gefügig geworden waren, schloss man mit ihnen einen Vertrag, indem man anbot, dass das kontaktierte Volk zum herrschenden Volk auf Erden werden würde, falls es den Marcabianern zu ihren Zielen verhelfe.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 75
Nach dieser mehr als deutlichen Anspielung auf den Glaubenssatz, die Juden seien das auserwählte Volk, fordert van Helsing seine Leser auf, doch mal zu raten, "wer denn die Gruppe war, mit der die Marcabianer den Vertrag geschlossen hatten?" Und dann gibt er gleich selbst die Antwort:

Bingo - die Hebräer.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 75

Im Rückgriff auf diese Stelle setzt van Helsing dann auf Seite 196 noch einige wahrscheinlich gefälschte Zitate ein, die angeblich aus dem Talmud stammen und aus denen hervorgeht, dass den Juden tatsächlich die Weltherrschaft versprochen worden sei.

Das Judentum verrät die Menschheit an Außerirdische und will sich zum Weltherrscher aufschwingen? Das ist eine Hightech-Variante klassischer antisemitischer Feindbilder. Die Anklänge an die angeblichen jüdischen Pläne zur Erringung der Weltherrschaft, die schon in den Protokollen beschrieben wurden, sind nicht zu übersehen.

Und auch auf die schon im ersten Band erwähnten Protokolle geht van Helsing noch einmal ein. Er widerspricht dem Einwand, dieser Text sei eine antisemitische Fälschung. Ob gefälscht oder nicht, ob von diesem oder jenem verfasst, das sei völlig egal. Wichtig sei nur, dass die Protokolle zur Erlangung der Weltherrschaft "angewendet" würden, und wie immer ist ihm völlig klar, wer hier die Übeltäter sind:

Die Zionisten wenden sie jedenfalls an, vielleicht aber auch noch jemand anderes?

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 124

Kriegsschuld

Die Kriegsschuldfrage ist ein wichtiges Thema für Revanchisten und "Revisionisten", wie sich die Holocaust-Leugner und Hitler-Apologeten manchmal nennen. Auch van Helsing widmet diesem Thema einige Seiten.

Er greift dabei zu einem Werk, das in R. Bohlingers "Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur" erschienen ist. Diese "Selbstzeugnisse polnischen Eroberungswillens", so der Titel, seien erstmals 1930 erschienen. Der Text soll aufzeigen, dass nicht Deutschland, sondern Polen die Schuld am Krieg getragen hätte. Im gleichen Atemzug wird dann auch noch David L. Hoggans "revisionistisches" Standardwerk "Der erzwungene Krieg" genannt (Geheimgesellschaften 2, S. 91).

Aber selbst der entschlossenste "Revisionist" kann aus dem deutschen Überfall auf Polen keinen polnischen Angriff auf Deutschland machen, also muss wenigstens eine Rechtfertigung für den Überfall her. Genau die liefert van Helsing auf den folgenden Seiten. Polen hätte schon vor Kriegsbeginn militärische Kriegshandlungen gegen Deutschland verübt:

In Bromberg, Pless und Stopnika kam es bereits im August 1939 zu Massenabschlachtungen deutscher Zivilisten durch polnische Soldaten (...) Es wurden allein im Bereich dieser Ortschaften 56.000 Deutsche auf bestialische Weise niedergemetzelt (...) Und dann erst ist Hitler in Polen einmarschiert!!!

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 93
(Hervorh. van Helsing)

Nicht ganz. Der sogenannte Bromberger Blutsonntag, den van Helsing meint, war nicht im August, sondern im September 1939 - also nach dem deutschen Überfall auf Polen.

Außerdem hat van Helsing eine um das Zehnfache überhöhte Zahl für die Opfer genannt, aber dieser Fehler wird erklärlich, wenn man van Helsings Quelle anschaut. Er nennt das Deutsche Weißbuch Nr. 3 von 1940. Die überhöhte Zahl stammt direkt aus Goebbels' Propagandaministerium.

Beteuerungen

Auch in diesem Band versichert van Helsing seinen Lesern, er sei kein Rechter, er hätte alle möglichen Freunde, aber ganz sicher keine unter den Neonazis, und überhaupt würde die deutsche Neonaziszene größtenteils vom israelischen Geheimdienst Mossad finanziert. Für diese verblüffende Behauptung fehlt jeglicher Beleg, aber Belege sind wohl nicht so wichtig. Hauptsache, die Juden stehen wieder einmal als üble Drahtzieher da (Geheimgesellschaften 2, S. 99).

Auch die Behauptung, er sei von Neonazis für bestimmte Veröffentlichungen bezahlt worden, sei aus mehreren Gründen abwegig, erklärt van Helsing. Denn wenn überhaupt irgendjemand irgendjemanden besticht, dann sind es wie immer die Juden.

Und die einzigen, die in den genannten Kreisen Bestechungsgelder austeilen, sind fast ausschließlich Beschnittene. Ich habe noch nie gehört, dass ein Neonazi jemand bestochen hat, nicht einmal in meinen Punk-Tagen. Im Gegensatz dazu steht die Tatsache, die u.a. in dem im VAWS-Verlag erschienenen Buch "Unter falscher Flagge" sehr ausführlich belegt ist, dass sog. Neonazis bezahlt werden, um gewisse "Schandtaten" auszuführen.

van Helsing, Geheimgesellschaften 2, S. 99

Dieses Mal gibt es zwar einen Beleg, aber er taugt nichts. Der VAWS-Verlag gehört dem Rechtsextremisten Werner Symanek. Der Beleg dafür, dass Rechtsextremisten vom Mossad angestiftet und bezahlt würden und dafür, dass es eigentlich überhaupt keine Rechtsextremisten gebe, kommt - von einem Rechtsextremisten.

Auch die Beteuerung, er sei kein Antisemit, darf in diesem Buch nicht fehlen (S. 101ff). Dabei argumentiert van Helsing auf genau die unredliche Art und Weise, die man bei Rechtsextremisten häufig beobachten kann. Letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die Antisemiten ihren Kritikern die Vokabel wegnehmen wollen, die ihr eigenes Verhalten treffend beschreibt.

Helmut Kohl

Van Helsing beruft sich auf Jakov Linds Buch Der Erfinder und behauptet, der Autor hätte Belege dafür geliefert, dass Helmut Kohls Vorfahren khasarische Juden gewesen wären, die "unter dem Namen Kohn in Buczaz in Südpolen/Galizien" gelebt hätten (S. 125).

Doch es ist nicht Jakov Lind, der dies sagt, sondern Jakov Lind lässt dies in seinem Roman eine fiktive Person sagen und erhebt natürlich keinerlei Anspruch darauf, dass diese Behauptung auch der Wahrheit entspricht. Ganz im Gegenteil: das Buch ist eine amüsante und ganz offensichtlich rein fiktive Geschichte. Hauptperson ist ein gewisser Emmanuel Borovsky, der schon als Schuljunge die Luft erfunden hätte und jetzt Sponsoren für sein bedeutendstes Werk sucht: die Erlösungsmaschine.

Van Helsing unterschlägt den ironischen Charakter des Buchs und nimmt die Aussage einer fiktiven Person in einem Roman für bare Münze, weil dies gut in den Kontext des folgenden Abschnitts passte. Ein gewisser T. Rudolph habe Helmut Kohl, damals noch Bundeskanzler, des Hochverrats bezichtigt, weil Kohl Hochgradfreimaurer und damit nicht an seinen Amtseid gebunden sei. Außerdem sei Kohl Mitglied der "ausschließlich jüdischen Freimaurer-Loge 'B'nai B'rith", die man als "Generalstab des Weltjudentums bei allen Aktionen"auffassen müsse.

Auch hier ist einiges anzumerken. B'nai B'rith ist eine jüdische karitative Organisation und keine Freimaurerloge, und der erwähnte T. Rudolph hat für den "Gaskammerexperten" Fred Leuchter übersetzt, als dieser im Auftrag des Holocaust-Leugners Ernst Zündel an dem "Nachweis" gearbeitet hat, dass in Auschwitz niemand vergast worden wäre.

Die Quellen

Wie schon im ersten Band tauchen auch in Geheimgesellschaften 2 zahlreiche rechtsextremistische Quellen auf. Neben den oben bereits erwähnten Werken sollen die folgenden Publikationen, Verlage und Autoren als Beispiele dienen:





Siehe auch:

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© Jürgen Langowski 2014