Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Adolf Hitler Die bedenklichen Seiten der Friedenspropaganda

Die ewiggestrigen Anhänger Hitlers verweisen mitunter auf die sogenannten „Friedensreden“ des Diktators: Hitler habe doch immer nur den Frieden gewollt, er habe sich versöhnlich und entgegenkommend gezeigt und sei keineswegs der kriegslüsterne Diktator gewesen, als der er gewöhnlich dargestellt wird.

Eine Collage von vier Schwarzweißbildern. Hitler in Schlips und Kragen zeigt erregt mit ausgestrecktem Arm nach unten, hebt beide Fäste, spricht etwas ruhiger mit gesenktem Kopf und schräg nach oben gerichtetem Blick, und zeigt mit ausgestrecktem nach oben.

Hitler probt eine Rede, Bundesarchiv, Bild 102-10460 / Hoffmann, Heinrich / CC BY-SA 3.0 de

So kann man freilich nur argumentieren, wenn man Hitlers „Friedensreden“ wörtlich nimmt und völlig außer Acht lässt, welche aggressive Politik der Diktator – diesen Reden zum Trotz – insgeheim verfolgt hat [vgl. auch NS-Verharmlosung].

Wie falsch es wäre, so oberflächlich vorzugehen, kann man auch anhand einer Geheimrede beurteilen, die Hitler am 10. November 1938 vor Chefredakteuren der Inlandspresse hielt:

Die Umstände haben mich gezwungen, jahrzehntelang fast nur vom Frieden zu reden. Nur unter der fortgesetzten Betonung des deutschen Friedenswillens und der Friedensabsichten war es mir möglich, dem deutschen Volk Stück für Stück die Freiheit zu erringen und ihm die Rüstung zu geben, die immer wieder für den nächsten Schritt als Voraussetzung notwendig war. Es ist selbstverständlich, dass eine solche jahrzehntelang betriebene Friedenspropaganda auch ihre bedenklichen Seiten hat; denn es kann nur zu leicht dahin führen, dass sich in den Gehirnen vieler Menschen die Auffassung festsetzt, dass das heutige Regime an sich identisch sei mit dem Entschluss und dem Willen, einen Frieden unter allen Umständen zu bewahren.

Das würde aber nicht nur zu einer falschen Beurteilung der Zielsetzung dieses Systems führen, sondern es würde vor allem auch dahin führen, dass die deutsche Nation (…) mit einem Geist erfüllt wird, der auf die Dauer als Defaitismus gerade die Erfolge des heutigen Regimes wegnehmen würde und wegnehmen müsste.

Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete. Es war nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch allmählich umzustellen und ihm langsam klarzumachen, dass es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden, mit den Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden müssen (…)

Diese Arbeit hat Monate erfordert; sie wurde planmässig begonnen, fortgeführt, verstärkt.

Adolf Hitler, Geheimrede vor der Inlandspresse, 10.11.1938; zitiert nach J. Fest, Adolf Hitler, S. 738ff; Volltext in: Wilhelm Treue, „Rede vor der deutschen Presse“, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 1958/2.

Vom Frieden reden, auf Krieg setzen

Die oben zitierte Rede hielt Hitler am 10.11.1938, nur wenige Wochen nach der Konferenz von München und dem Anschluss der sudetendeutschen Gebiete. Die gewaltlos durchgesetzte Vergrößerung seines Herrschaftsgebietes hat Hitler jedoch nicht gereicht. Am 15.3.1939 brach Hitler endgültig das Münchner Abkommen und ließ deutsche Truppen in Böhmen und Mähren einmarschieren [vgl. „Die Erledigung der Rest-Tschechei“].

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler noch behaupten können, er habe nur die Deutschen jenseits der Grenzen „heim ins Reich“ holen wollen, und er habe dem Reich nur Gebiete einverleibt, in denen Deutsche lebten. Tatsächlich hatte er noch am 26.09.1938 versichert: „Wir wollen gar keine Tschechen“.

Die Annektierung der Tschechei war in dieser Hinsicht eine neue Qualität, denn Hitler begann in diesem Augenblick, sogenannte „fremdvölkische“ Menschen in seine Gewalt zu bringen. Die Unterwerfung der „Fremdvölker“, besonders der als minderwertig betrachteten Bewohner Polens und der Sowjetunion, schlug sich in deutlich verschärfter Form auch im Generalplan Ost nieder [vgl. etwa auch Heinrich Himmler über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten].

Obwohl die Tschechei durch Verträge mit anderen Ländern geschützt war, blieb auch dieser Gewaltakt des Diktators ohne Folgen. England und Frankreich ließen ihm auch weiterhin praktisch freie Hand. 1939 kommentierte er diese zögerliche Haltung zynisch: „Unsere Gegner sind kleine Würmchen. Ich sah sie in München“ [vgl. Ansprache Adolf Hitlers vor den Oberbefehlshabern auf dem Obersalzberg, 22.08.1939]. Die Appeasement-Politik ermutigte Hitler vermutlich, wenige Tage später auch seine Angriffspläne gegen Polen in die Tat umzusetzen.

Die Kontinuität der Eroberungspläne

Zahlreiche Dokumente belegen, dass Hitler in dieser Rede seine Vorgehensweise ungeschminkt beschrieben hat. Die frühesten Hinweise findet man in Mein Kampf, wo er über die Gewinnung von „Lebensraum“ im Osten durch die Gewalt des „siegreichen Schwerts“ schrieb. Die Lebensraum-Idee zieht sich wie ein roter Faden durch sein Denken und Handeln.

Ein Markstein der Kriegspolitik war der Vierjahresplan (1936), der mit den Worten schließt:

Ich stelle damit folgende Aufgabe:

I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.

II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.

Wilhelm Treue, Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan

Weitere wichtige Dokumente, die in die gleiche Richtung weisen, sind beispielsweise die Hoßbach-Niederschrift und das Schmundt-Protokoll

Geschichtsrevisionisten möchten diese und viele weitere klare Hinweise auf Hitlers Kriegspolitik vom Tisch wischen. Diese Versuche sind durchweg nicht überzeugend, wie sich am Beispiel des Buchs Der Krieg, der viele Väter hatte von Gerd Schultze Rhonhof leicht nachweisen lässt.

Quellen und Dokumente

Siehe auch