Die Literatur der Auschwitzleugner

Germar Rudolf, gesammelte Werke

Germar Rudolf
Germar Rudolf, Polizeifoto 2020.

Doktorand beim Max-Planck-Institut in Stuttgart

Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre war Germar Rudolf bei der Max-Planck-Gesellschaft als Doktorand beschäftigt.

In dieser Zeit war der Altnazi Otto Ernst Remer wegen Holocaustleugnung angeklagt.

Otto Ernst Remer war in der NS-Zeit Kommandeur des Berliner Wachbataillons und wurde am 20. Juli 1944 von Hitler per Telefon persönlich beauftragt, den Putsch gegen den Diktator niederzuschlagen. Remer war damals und auch nach dem Krieg ein überzeugter Nazi und Hitler-Anhänger.

Remers Anwalt Hajo Herrmann beauftragte Germar Rudolf zur Entlastung seines Mandanten mit der Erstellung eines Gutachtens, das den Holocaust und vor allem die Massenmorde in Gaskammern bestreiten sollte.

Germar Rudolf verquickte diese private Tätigkeit offensichtlich mit seinen dienstlichen Aufgaben und wurde gekündigt. Die Max-Planck-Gesellschaft sah sich veranlasst, eine Presseerklärung herauszugeben, in der es unter anderem heißt:

Der Doktorvater wies darauf hin, dass es sich nicht um eine Arbeit des Instituts handle, und dass er sie nicht für publikationswürdig halte.

Germar Rudolf war nach Auschwitz gefahren, wo er ohne Erlaubnis Proben entnahm, um anschließend dem Institut Fresenius den Auftrag zu erteilen, die Proben auf Zyklon-B-Rückstände zu untersuchen. Dazu benutzte er offenbar Briefbögen seines Arbeitgebers. Die Zeitschrift Nature schrieb dazu:

It is said that Rudolf had misled the Fresenius Institute by implying that the samples were related to work at the Max Planck institute, because he had used institute notepaper.

[Es heißt, Rudolf habe das Fresenius-Institut getäuscht, da er Briefpapier des Max-Planck-Instituts benutzte und Fresenius damit zu verstehen gab, die Proben hätten mit der Arbeit am Max-Planck-Institut zu tun.]

Nature, 368, 7. April 1994, S. 483

Im November 1996 tauchte in einer Usenet-Diskussion ein Teilnehmer namens "Lennard Rose" auf, der, wie sich später herausstellte, Germar Rudolf selbst war. Er vertrat die Ansicht, ein Pfennigartikel wie ein Briefbogen sei doch kein Grund, jemandem zu kündigen:

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal Papier vom Arbeitgeber benutzt, einen Bleistift oder Radiergummi mit nach Hause genommen oder auch mal einen privaten Brief in der Firma geschrieben. All das ist nicht korrekt (kleines Dienstvergehen), stempelt einen Menschen aber nicht zu einem Verbrecher.

Lennard Rose (d.i. Germar Rudolf), 10.11.1996, Usenet-Artikel

Der springende Punkt war allerdings nicht das Briefpapier, sondern die Tatsache, dass Germar Rudolf auf diesem Briefpapier einen Auftrag erteilt hat. Fresenius musste daher glauben, dass es sich um einen offiziellen Auftrag des Max-Planck-Instituts handelte.

Und wenn Germar Rudolf Fresenius in dieser Hinsicht getäuscht hat, darf man natürlich auch fragen, an wen Fresenius nach Abwicklung des Auftrags wohl die Rechnung geschickt hätte.

Rudolf wurde offenbar wegen dieser Täuschung gekündigt, und nicht wegen eines Blatts Papier. Die Kündigung erfolgte fristlos, nach einer Klage von Rudolf einigte man sich auf dem Vergleichswege auf Kündigung "im gegenseitigen Einvernehmen". Rudolf erhielt keine Abfindung oder Entschädigung und ist damit womöglich noch sehr glimpflich davongekommen.

Rudolf hat betont, er habe rein privat gehandelt, und dies habe man im Institut auch gewusst. Das ist aus heutiger Sicht schwer zu widerlegen. Andererseits hätte eine von Fresenius an ihn privat ausgestellte Rechnung alle Zweifel aus der Welt schaffen können. Meines Wissens hat Rudolf eine solche Rechnung aber bis heute nicht veröffentlicht.

"Revisionistische" Arbeit

Germar Rudolf ist einer der produktivsten Autoren des "revisionistischen" Zitierkartells. Unter mindestens einem halben Dutzend Pseudonymen schreibt er und zitiert - am liebsten sich selbst.

Besonders skurril wird dies, wenn Ernst Gauss (Germar Rudolf) ein Buch mit einem Beitrag von Manfred Köhler (Germar Rudolf) herausgibt, der sich seinerseits in einer Fußnote artig bei Ernst Gauss (Germar Rudolf) für die Überlassung von Material bedankt, um ein paar Fußnoten später auf Germar Rudolf (Germar Rudolf) Bezug zu nehmen.

Ohne Unterscheidung zwischen Germar Rudolf und seinen literarischen "Ablegern" sollen hier die folgenden Werke behandelt werden:

  1. Der Rudolf-Report
  2. Grundlagen zur Zeitgeschichte
  3. Vorlesungen zur Zeitgeschichte
  4. Die ZEIT lügt

Erwähnenswert ist vielleicht noch Germar Rudolfs Begründung für die Entscheidung, den Text Die ZEIT lügt unter vier verschiedenen Pseudonymen zu schreiben:

My conclusions were that one obviously had to be at the same time an engineer, a chemist, a toxicologist, a historian and a perhaps even an barrister to be accepted as an expert witness at a German court. The legal process being so perverted in Germany, we decided to mock it by inventing a person with all these features, but then we realized that this would be a bit unrealistic, so we split that person into many.

[Ich zog daraus den Schluss, dass man offensichtlich gleichzeitig Ingenieur, Chemiker, Toxikologe, Historiker und vielleicht sogar zugelassener Anwalt sein muss, um von einem deutschen Gericht als Sachverständiger akzeptiert zu werden. Das pervertierte juristische Prozedere in Deutschland wollten wir verspotten, indem wir eine Person erfanden, die alle diese Qualitäten in sich vereinigt, doch dann wurde uns klar, wie unrealistisch dies wäre, so dass wir mehrere Personen einführten.]

Germar Rudolf in Postscript ...[1]
(Übersetzung JL)

"Anders ausgedrückt", so erklärt Richard Green auf der zitierten Web-Seite, "hat Rudolf eine Person mit falschen Referenzen erfunden, um seiner Argumentation Glaubwürdigkeit zu verleihen." Richard Green bewertet dies als "Beleg für intellektuelle Unredlichkeit der übelsten Sorte."

Man möchte ihm beinahe entgegenhalten, dass er wohl noch nicht viel aus Germar Rudolfs Feder gelesen hat. In den hier besprochenen Schriften finden sich noch einige weitere drastische Beispiele für die erwähnte Art von Unredlichkeit.

Quelle:

  1. Richard J. Green
    Postscript to Chemistry is not the Science: Rudolf's Character Suicide

Literatur:

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