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Roger Garaudy

Die Gründungsmythen der israelischen Politik

Roger Garaudy
Roger Garaudy

Garaudy bedient in seinem Text eine ganze Reihe jener Erwartungen, die ein Auschwitzleugner hegen mag, wenn und falls überhaupt er ein Buch zur Hand nimmt und nach Bestätigung für seine historischen Phantasien sucht.

So erwähnt er beispielsweise die Resolution der UN von 1975, die den Zionismus als eine Form des Rassismus verurteilte. Nur auf amerikanischen Druck, so Garaudy, sei die Resolution nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zurückgenommen worden:

Neben vielen anderen internationalen Schurkereien erreichten sie die Rücknahme der berechtigten Resolution von 1975 (...)

Garaudy, Founding Myths ...
[eigene Übersetzung]
Gründungsmythen
'Gründungsmythen'

Garaudy bezeichnet die Resolution als gerecht und die Rücknahme als "international banditry", als internationale Schurkerei. Er bleibt den Nachweis schuldig, dass dies auf Druck der USA geschehen sei, und die Tatsache, dass der Generalsekretär der Vereinten Nationen die Resolution von 1975 später noch einmal ausdrücklich als bedauerlichen Fehler und als Tiefpunkt der Beziehungen bezeichnet hat, verschweigt Garaudy seinen Lesern.

Ein beliebtes Element brauner Demagogie ist die Behauptung, die Juden hätten Deutschland den Krieg erklärt. Auf die "Kriegserklärung" im Londoner Daily Express verzichtet Garaudy zwar, aber dafür zieht er die Solidaritätsadresse aus dem Ärmel, die Chaim Weizmann am 29. August 1939 an den britischen Premier Neville Chamberlain geschickt hat. Zusammen mit Chamberlains Antwort wurde der Brief am 6. September 1939 in der Times veröffentlicht.

Chaim Weizmann konnte in seinem Brief an Chamberlain natürlich nur im Namen der Organisation sprechen, die er vertrat. Die Zionistische Weltorganisation umfasste im Jahre 1939 etwas über eine Million Juden (nur wenig mehr als 6 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung auf der Welt) und nur einen Bruchteil der damals noch in Deutschland lebenden Glaubensjuden. Es ist also absurd zu behaupten, die Juden hätten Hitler 1939 den Krieg erklärt (...) Eine "Kriegserklärung" kann auch nur die Regierung eines Staates abgeben und nicht eine privatrechtliche Organisation.

H. Auerbach in
Benz, Legenden, Lügen Vorurteile, S. 124

Wenn überhaupt, so erläutert Auerbach, dann könne man Hitlers Reden, in denen er die "Vernichtung der jüdischen Rasse" angekündigt hat, als Kriegserklärung an die Juden betrachten und nicht umgekehrt.

Garaudy sieht das weniger differenziert. Für ihn ist die Sache klar. Dieser Brief, schreibt er,

... war eine echte Kriegserklärung des jüdischen Volkes gegen Deutschland, die das Problem aufwarf, alle Juden in Deutschland als "Bürger einer mit Deutschland im Kriegszustand befindlichen Nation" in Konzentrationslagern zu internieren.

Vergleichbare Überlegungen tauchen übrigens auch bei Ernst Nolte auf, der in manchen Texten ebenfalls eine bedenkliche Offenheit für rechtsextremistische Argumentationsmuster zeigt.

Der Versuch, die Juden als Schurken darzustellen, die Deutschland vernichten wollten, ist ein fester Bestandteil der braunen Agitation. Ein Beispiel sind die erwähnten "Kriegserklärungen" der Juden, ein weiteres ist Theodore Kaufmans Text "Germany must perish", in dem er die Sterilisation der Deutschen fordert.

Kaufman war ein Sonderling, der in der amerikanischen Politik keine Rolle gespielt hat und dessen Ideen nicht verwirklicht wurden - ganz im Gegensatz zu den zwangsweisen Sterilisationen und Kastrationen, die von den Nazis tatsächlich durchgeführt worden sind.

Diese Einseitigkeit ist bezeichnend für Garaudys antisemitische Denkweise. Wenn der Jude Kaufman darüber nachdenkt, die Deutschen zu sterilisieren, wird dies groß herausgestellt; dass die Deutschen Millionen Juden in Gaskammern ermordet haben, wird von Garaudy hingegen bestritten, wie wir gleich noch sehen werden.

Auch die unwahre, aber bei Hitler-Apologeten beliebte Behauptung, die Angeklagten in Nürnberg (namentlich Höß, der Kommandant des Lagers Auschwitz) wären durch Folter zu Geständnissen gezwungen worden, macht Garaudy sich zu eigen.

Auf geradezu klassische "revisionistische" Weise behandelt Garaudy eine Rede, die Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 vor höheren NS-Funktionären in Posen gehalten hat. Garaudy zitiert Himmler folgendermaßen (die falsche Schreibweise wurde hier nicht korrigiert):

"Ich meine jetzt die Judenevakuirung, die Ausrottung des judischen Volkes ... Das judische Volk wird ausgerotten[!], etc... "

Im Anschluss daran erläutert Garaudy, dass mit "Ausrottung" nicht die Ermordung der Juden, sondern lediglich ihre Vertreibung oder Umsiedlung oder etwas Ähnliches gemeint gewesen sei.

Das ist falsch. Nur zwei oder drei Minuten nach dieser Bemerkung sagte Himmler:

Wir haben das moralische Recht, wir haben die Pflicht unserem Volk gegenüber, das zu tun, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.

Ein Ausschnitt dieser Rede, der die hier zitierten Textteile enthält, steht als Real-Audio-Datei zur Verfügung. Am 6.10.1943 hielt Himmler eine weitere Rede in Posen, in der er noch einmal erklärte, was man sich vorzustellen hatte, wenn von der Ausrottung der Juden die Rede war:

Es trat an uns die Frage heran: Wie ist es mit den Frauen und Kindern? - Ich habe mich entschlossen, auch hier eine ganz klare Lösung zu finden. Ich hielt mich nämlich nicht für berechtigt, die Männer auszurotten - sprich also, umzubringen [!] oder umbringen zu lassen - und die Rächer in Gestalt der Kinder für unsere Söhne und Enkel groß werden zu lassen. Es musste der schwere Entschluß gefaßt werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.

Heinrich Himmler am 6.10.1943 vor
Reichs- und Gauleitern in Posen.
zit. n. H. Graml, Reichskristallnacht, S. 264.

Wenn man schon so weit geht, Himmlers Worte auf diese Weise umzudeuten, dann fällt der nächste Schritt sehr leicht: Massenmorde in Gaskammern, so meint Garaudy, hat es natürlich auch nicht gegeben. Als Zeugen hierfür benennt er ausgerechnet den unsäglichen Fred Leuchter, der im Auftrag des Holocaust-Leugners Ernst Zündel in Auschwitz genau das herausfand, was er herausfinden sollte. Garaudy schreibt:

Das "Shoah-Business" benutzt nur "Augenzeugenberichte", in denen auf verschiedene Weise vom "Vergasen" der Opfer die Rede ist, ohne dass auch nur ein einziges Mal die Funktionsweise einer Gaskammer gezeigt werden konnte (deren physikalische und chemische Unmöglichkeit Leuchter nachgewiesen hat), und Gleiches gilt für die zahllosen Lastwagen, die mit ihren Dieselabgasen angeblich als "fahrbare Gaskammern" gedient haben (...)

Einige weitere Taschenspielertricks und Verdrehungen, die Garaudy aufbietet, tauchen auch bei anderen "Revisionisten" auf und sollen, da sie anderswo ausführlich behandelt werden, hier nur kurz erwähnt werden:

Schließlich bezeichnet Garaudy die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden als "Dogma", also als einen Glaubenssatz, der keinen Bezug zur Realität habe. Dies deckt sich weitgehend mit der Sprachregelung, die man auch bei anderen Holocaust-Leugnern findet. Ben Weintraub lässt diese Unterstellung sogar im Titel seines Textes "The Holocaust-Dogma" aufscheinen.

Garaudy schließt sein Buch mit den Worten:

Es gibt keine wirkungsvollere Anklage gegen Hitlers Regime als das Beharren auf der historischen Wahrheit. Zu dieser Wahrheit wollten wir mit diesem Werk beitragen.

Er meinte wohl eher die "revisionistische Wahrheitssuche", und die ist ihm in vollem Umfang gelungen. Die amerikanische Ausgabe seines Buchs ist denn auch bei Noontide Press erschienen, dem Verlag der antisemitischen und rassistischen "Liberty Lobby".

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© Jürgen Langowski 2016