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Germar Rudolf

Vorlesungen zur Zeitgeschichte

Auch hier sollen einige besonders markante Textstellen in exemplarischer Weise aufzeigen, dass Germar Rudolf in seinem Werk Vorlesungen zur Zeitgeschichte die üblichen Methoden der "revisionistischen Wahrheitssuche" benutzt: Fälschung, Lüge und Verdrehung.

Im zweiten Kapitel behandelt Germar Rudolf das von Wolfgang Benz herausgegebene Buch Legenden, Lügen Vorurteile und kritisiert die Angaben zur Bombardierung der Stadt Dresden durch die Alliierten:

Da ist zunächst die Untertreibung der Opfer des alliierten Bombenkrieges. Der Angriff auf Dresden soll nach diesem Buch lediglich rund 35.000 Opfer gekostet haben.

G. Rudolf, Vorlesungen

Als Beleg für erheblich höhere Opferzahlen in der Größenordnung von 200.000 bis 300.000 beruft Germar Rudolf sich ausgerechnet auf David Irvings Buch Der Untergang Dresdens. Germar Rudolf zitiert die Ausgabe von 1964. Zwei Jahre nach Erscheinen seines Buches hat David Irving jedoch in einem Leserbrief an die Londoner Times erklärt, dass die Zahlen viel zu hoch seien. Er habe absolut glaubwürdige Dokumente gesehen, aus denen hervorgehe, dass eine Zahl von etwa 25.000 Opfern richtig sei. Diese Größenordnung entspricht auch heute noch dem Stand der Wissenschaft, und eine vergleichbare Zahl wird auf den Web-Seiten der Stadt Dresden selbst genannt. [vgl. auch Luftkrieg, Dresden]

Als "Beweis" für die falschen, viel zu hohen Zahlen nennt Germar Rudolf also noch im Jahre 1993 ein Buch, dessen Daten bereits 1966 vom Verfasser selbst zurückgezogen worden sind. Das Bild eines wahrhaft Ewiggestrigen drängt sich auf.

Kurz darauf schreibt Germar Rudolf:

Das Buch suggeriert, daß im Konzentrationslager Dachau Gaskammern in Betrieb gewesen sein sollen, obwohl M. Broszat, nachmaliger Leiter des offiziellen Institutes für Zeitgeschichte, schon 1960 feststellte, daß es in den Lagern des Altreiches keine Vergasungen gegeben hat

Germar Rudolf, Vorlesungen

Dieser Satz enthält gleich zwei Lügen. Die erste ist die Behauptung, Benz hätte "suggeriert, daß im Konzentrationslager Dachau Gaskammern in Betrieb gewesen sein sollen".

Benz hat nichts dergleichen suggeriert. Barbara Distel (Benz war nur Herausgeber und hat nicht alle Beiträge selbst geschrieben) erklärt in "Legenden, Lügen, Vorurteile" im Abschnitt über Dachau:

Die bis jetzt ungeklärte Frage der Benutzung der Gaskammer im Krematorium des Konzentrationslagers Dachau muß weiterhin Gegenstand zeitgeschichtlicher Nachforschungen bleiben.

Benz (Hrsg.), Legenden, S. 51

Distel schreibt, die Benutzung der Gaskammern Dachau sei nicht geklärt und man müsse weiter forschen, und Germar Rudolf unterstellt, hier wäre die Benutzung von Gaskammern suggeriert worden.

Die zweite Lüge ist die Behauptung, dass "M. Broszat, nachmaliger Leiter des offiziellen Institutes für Zeitgeschichte, schon 1960 feststellte, daß es in den Lagern des Altreiches keine Vergasungen gegeben hat".

Dies bezieht sich auf einen Leserbrief, den Broszat an DIE ZEIT geschickt hat.

Broszat hat darin aber keineswegs gesagt, dass im "Altreich" keine Vergasungen stattgefunden hätten. Als Historiker weiß Broszat, dass es bereits im Rahmen der sogenannten "Euthanasie" die ersten Vergasungen im "Altreich" gab. [vgl. auch Euthanasie]

Broszat hat lediglich erklärt, was längst bekannt ist: Die Massenvernichtung der Juden durch Vergasung hat im Osten, aber nicht im Altreich stattgefunden. Dies schließt keineswegs aus, dass im "Altreich" Nichtjuden in Gaskammern ermordet worden sind.

Bezeichnend für die intellektuellen Fähigkeiten der Auschwitzleugner ist hier übrigens, dass sie den Beweis dafür, dass es im "Altreich" keine Gaskammern gegeben hätte, ausgerechnet mit einem Text zu führen versuchen, aus dem hervorgeht, dass im Osten Massenmorde in Gaskammern stattgefunden haben.

Anschließend schreibt Germar Rudolf:

Die Lüge von den Lampenschirmen aus Menschenhaut wird ebenso bemüht ...

Germar Rudolf, Vorlesungen

Mitnichten. Hellmuth Auerbach, der diesen Beitrag geschrieben hat, äußert sich zu diesem Punkt vorsichtig und zurückhaltend. Er sagt, die Amerikaner hätten einen Lampenschirm aus Menschenhaut gefunden. Die Vorwürfe gegen Ilse Koch, sie habe tätowierte Hautstücke ausgesucht und gerben lassen, seien jedoch in Prozessen gegen die Frau des Lagerkommandanten von Buchenwald nicht bewiesen worden.

Nicht mehr ganz so vorsichtig schreibt Auerbach dann über tätowierte und gegerbte Stücke Menschenhaut, denn solche Stücke existieren und können im Museum der Gedenkstätte Buchenwald besichtigt werden.

Über den Einsatz der "Legion Condor" im spanischen Bürgerkrieg schreibt Germar Rudolf gleich darauf:

Hinter dem Stichwort "Guernica" verbirgt sich eine baskische Stadt, die durch deutsche Bomber im spanischen Bürgerkrieg restlos zerstört worden sein soll. Dies soll angeblich erfolgt sein, um damit die neue Kriegstechnik des "totalen Krieges" zu erproben, indem man 'Terrorangriffe auf ungeschützte Zivilisten' fliegt.

Germar Rudolf, Vorlesungen

Entweder der Herr ist über die Quellenlage nicht im Bilde oder er lügt - oder beides, wie es bei "Revisionisten" nicht eben selten vorkommt. Dass Guernica eine Generalprobe für seine "junge Luftwaffe" war, hat Göring später zugegeben, und die Formulierung "Terrorangriff auf ungeschützte Zivilisten" ist angesichts der Tatsache, dass Mädchen von Brandbomben getroffen wurden, nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Brandbomben werden typischerweise gegen Menschen und Wohngebiete eingesetzt. Zur Zerstörung der Brücke vor der Stadt - angeblich das Ziel der Luftangriffe auf Guernica - waren sie denkbar ungeeignet, denn die Brücke besteht aus Stein. [vgl. auch Luftkrieg, Guernica]

In der 6. Vorlesung bespricht Germar Rudolf schließlich noch einige "revisionistische" Werke. Da seine Wertungen Auskunft über seine Vorstellungen von brauchbarer Literatur geben, sollen hier einige Beispiele erwähnt werden.

Wenige Jahre danach erschien Mitte der siebziger Jahre das Buch Hexen-Einmal-Eins einer Lüge von E. Aretz. Dieses Buch erreichte eine verhältnismäßig weite Verbreitung und stellt erstmals einen seriösen und fundierten, wenn auch noch nicht umfassenden Überblick zum Thema dar. Dem an der Geschichte des Revisionismus interessierten Leser sei dieses Buch empfohlen.

Vorlesungen

Das Buch ist eine Sammlung klassischer Argumentationsfiguren der "Revisionisten". Überprüfbare und vor allem glaubwürdige Fakten sucht man dort vergeblich. [vgl. Hexeneinmaleins]

Die nächste Empfehlung ist von ähnlich fragwürdiger Qualität:

Ein Donnerhall ging 1979 durch Deutschland, als der pensionierte Richter Dr. W. Stäglich in seinem Buch "Der Auschwitz-Mythos" der Beweisgrundlage der Geschichten über den Holocaust nachging und zu dem Ergebnis kam, daß nichts bewiesen, vielmehr alles zweifelhaft sei. Diese 'Bibel der Revisionisten' mußte konsequenterweise verboten werden, da sie nach offizieller Meinung staatsgefährdend wirkte.

Wenn man das Buch liest, merkt man schnell, dass es wohl eher ein Theaterdonner war: "Viel Lärm um nichts" hieß offenbar das Stück auf Stäglichs Spielplan. [vgl. Auschwitz-Mythos]

Und schließlich wird noch Jürgen Graf lobend erwähnt:

Ende 1992 erschien in der Schweiz ein Buch, das sich direkt dem Holocaust aus revisionistischer Perspektive widmete: Der Holocaust auf dem Prüfstand von J. Graf, einem Lehrer im besten Alter. Es stellt die prägnantesten Zeugenaussagen den Ergebnissen der in letzter Zeit entstandenen technischen und naturwissenschaftlichen Gutachten auf leicht verständliche Weise gegenüber. Dieses Buch eignet sich daher sehr gut als eine Einführung.

Das "sehr gut als eine Einführung" geeignete Buch ist eine Sammlung genau jener "revisionistischen" Lügen, Fälschungen und Verdrehungen, die bereits hinlänglich besprochen wurden.

Wie nicht anders zu erwarten, taucht dort Broszats Brief als "Beweis" dafür auf, dass es im "Altreich" keine Gaskammern gegeben hätte, und natürlich darf auch die (unwahre) Behauptung nicht fehlen, Rudolf Höß, der Kommandant von Auschwitz wäre durch Folter seinem Geständnis gezwungen worden. [vgl. Wurde Höß gefoltert?]

Inhaltlich unterscheidet sich "Der Holocaust auf dem Prüfstand" nicht wesentlich von Grafs Buch Der Holocaust im Klassenzimmer.





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© Jürgen Langowski 2017