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Talmudfälschungen

Ein Beitrag von Rainer Grieben

Der folgende Text wurde im April 2004 in der Usenet-Gruppe de.alt.soc.verschwoerung als Antwort auf antisemitische Zitatfälschungen veröffentlicht. Er wird hier, nur geringfügig redaktionell überarbeitet, in voller Länge dokumentiert.




Ein gewisser "Fred Molnar" belästigt in redundanten Zeitabständen die Leser diverser Foren mit gar erschröcklichen Zitaten aus dem Talmud und rät den seiner Zitate Überdrüssigen, selbst mal einen "... Blick in die erste unzensierte Übersetzung des Babylonischen Talmud ins Deutsche von Lazarus Goldschmidt..." zu werfen, um sich vom "volksverhetzenden" Inhalt dieser Schrift zu überzeugen.

Er verkündet: "Alle zitierten Passagen finden Sie hier: Der Babylonische Talmud, erste zensurfreie Übertragung ins Deutsche von Lazarus Goldschmidt, zwölf Bände, 9.554 Seiten, Erstpublikation im Jüdischen Verlag Berlin 1930-36 ..."

Also vergleichen wir mal.

Molnars Zitat 1:

Die Güter der Nichtjuden gleichen der Wüste, sie sind ein herrenloses Gut und jeder, der zuerst von ihnen Besitz nimmt, erwirbt sie. (Choschen hamischpath 156, Choschen hamischpath 271, Baba bathra 54b)

In der von "Fred Molnar" genannten Ausgabe von Lazarus Goldschmidts Talmudübersetzung gibt es keinen Traktat "Choschen hamischpath". "Choschen haMischpath", richtig geschrieben, ist einer von vier Teilen des Schulchan Aruch, des "Gedeckten Tischs", einer Gesetzessammlung.

In der Talmud- Übersetzung von Goldschmidt gibt es an genannter Stelle im Traktat Baba Bathra auch keinen Hinweis auf den Schulchan Aruch.

Die Quellenangabe "Choschen Hamischpath" mit den Nummern 156 und 271, wie von "Molnar" zitiert, ist jedoch in folgendem Buch, genau wie von "Molnar" zitiert, enthalten: "Der Talmud in nichtjüdischer Beleuchtung", geschrieben von dem ungarischen Antisemiten Baron A. Luzsenszky, herausgegeben in Budapest 1931. "Fred Molnar" verwendete ein Zitat des 5. Heftes, S. 23, 2. Absatz von unten.

Molnars Zitat Nr. 2:

"Dem Juden ist es erlaubt zum Nichtjuden zu gehen, diesen zu täuschen und mit ihm Handel zu treiben, ihn zu hintergehen und sein Geld zu nehmen. Denn das Vermögen des Nichtjuden ist als Gemeineigentum anzusehen und es gehört dem ersten [Juden], der es sich sichern kann (Baba kamma 113)"

Das Zitat ist im von "Fred Molnar" angegebenen Traktat Baba Qamma, Fol 113b der Talmud-Übersetzung von Lazarus Goldschmidt, überhaupt nicht enthalten. Nachprüfbar in Band 7, Seiten 391-396, Traktat Baba Qamma, Fol. 113a und b.

Molnars Zitat Nr. 3:

"Die Beraubung eines Jisraéliten ist nicht erlaubt, die Beraubung eines Nichtjuden ist erlaubt, denn es steht geschrieben (Lev 19,13): "Du sollst deinem Bruder nicht Unrecht tun. Aber diese Worte, sagt Jehuda, haben auf den Goj keinen Bezug, indem er nicht dein Bruder ist. (Baba mezia 61a)"

Dieses Zitat ist in Goldschmidts Übersetzung bei Baba Mezia, Fol. 61a nicht enthalten. Der gesamte Traktat Baba Mezia (bei Goldschmidt übrigens "Mecia" geschrieben) ist in Band 7, S. 643-645 nachzulesen und umfasst 433 Seiten.

"Fred Molnar" hat hier incl. der Schreibweise "Baba Mezia" nahezu wörtlich übernommen aus "Der Talmud in nichtjüdischer Beleuchtung", Br. A. Luzsenszky, Budapest 1931, 5. Heft, S. 10, 3. Absatz von oben. L. hat im übrigen genau dieselbe (falsche) Stelle im Talmud angegeben.

Molnars Zitat 4:

"Ihr aber seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, Menschen seid ihr, ihr heißt Menschen, nicht aber heißen die weltlichen [nichtjüdischen] Völker Menschen, sondern Vieh. (Baba mezia 114b)"

Dieses Zitat findet sich tatsächlich sehr ähnlich bei Goldschmidt. Sehen wir mal, was "Fred" daraus macht- bei Goldschmidt heißt es in Bd. 7, S. 845-846, Traktat Baba Mecia, Fol. 114b:

"Es wird gelehrt: R. Schimon b. Johaj sagte: Die Gräber der Nichtjuden sind nicht (levitisch) verunreinigend, denn es heißt (Ezech. 34,31.): Ihr aber seid meine Schafe, die Schafe meiner Weide, Menschen seid ihr; ihr heißt Menschen, nicht aber heißen die weltlichen Völker Menschen, (sondern Vieh) 444.

Der Textabschnitt bei Goldschmidt endet also mit den in Klammern gesetzten Worten "sondern Vieh" und der Fußnote "444". Die Erläuterung der Fußnote 444 weist auf die historischen Gegebenheiten zur Zeit der Entstehung des Talmuds hin. Es heißt da nämlich auf S. 845, unten: "(444) Die eingeklammerten Worte sind eine Glosse, die in den Parallelstellen (Jab 61.a u.Ker.6 b ) fehlen, in Handschriften auch an dieser Stelle. Der Hass R.S. gegen die römische Regierung ist erklärlich durch die Verfolgung, die er zu erdulden hatte, cf. Sab. Fol. 33b."

Folgt man nun dem angegebenen Traktat Schabath, Fol.33b, zu finden in Goldschmidts Talmud-Übersetzung, Band 1, S. 532 und 533, werden die Gründe für den Hass R. Schimons gegenüber den Römern benannt: R. Schimon sollte auf Beschluß der römischen Verwaltung hingerichtet werden, nachdem er die Errungenschaften der Besatzer kritisierte: "...Alles was sie errichtet haben, geschah nur in eigenem Interesse. Sie haben Strassen angelegt, um da Huren zu setzen, Bäder errichtet zu ihrem Behagen, Brücken gebaut, um Zoll zu erheben." Weiter zu erfahren ist, dass R. Schimon daraufhin mit seinem Sohn vor den Häschern floh und sich in der Folge mehr als 12 Jahre bei Wasser und Brot vor den Römern in einer Höhle verstecken mußte ...

All diese Zusammenhänge blendet Herr "Molnar" elegant aus, durch Weglassung von Fußnoten und Verweisen. Damit bleibt jeglicher im Ausgangstraktat enthaltene Zusammenhang unverständlich, nicht nachvollziehbar.

Das Zitat findet sich übrigens – wir ahnten es längst - natürlich auf Punkt und Komma genau wie von "Fred Molnar" zitiert bei Baron Luzsenszky, im 5. Heft, S. 19, 3. Abschnitt v.o. Der benötigte in seinen Zitaten zwar dieselben willkürlichen Auslassungen, hatte sich aber immerhin noch Platz für einen halbseitigen Auszug aus dem Traktat Babia Mecia, Fol. 114b gegönnt.

Der selbsternannte Talmud-Kenner "Fred Molnar" begnügt sich 70 Jahre später mit einem einzigen Satz, um den böse- bösen Charakter der Juden als solchen zu belegen ...

Molnars Zitat 5:

"Der Samen der Nichtjuden ist Viehsamen. (Jabmuth 94 b)"

Dieser Satz kommt bei Lazarus Goldschmidt im Traktat Jabmuth, Fol. 94 b, "Von der Schwagerehe", Bd. 4, S. 648-649, definitiv nicht vor.

Allerdings genau dieselbe Stelle, wie "Fred Molnar" sie angibt, findet sich in "Der Talmud in nichtjüdischer Beleuchtung" von Br. A. Luzsenszky, Budapest 1931. Nachzulesen im 4. Heft, S. 6, 2. Absatz v.o.

Molnars Zitat 6:

Der Beischlaf der Nichtjuden ist wie Beischlaf der Viecher. (Synhedrin 74 b)

Bei Goldschmidt, Bd. 8, Traktat Synhedrin, Fol. 74b ist auf den Seiten 760-761 kein auch nur annähernd vergleichbares Zitat zu finden. Wie auch, geht es doch inhaltlich um völlig Anderes. Fündig wird man allerdings wiederum in "Der Talmud in nichtjüdischer Beleuchtung" von Baron Luzsenszky, und zwar im 4. Heft, S. 6, 2. Absatz v.o. Luzs. gibt exakt dieselbe falsche Stelle im Talmud an wie "Molnar".

Molnars Zitat 7:

Wer die Gräber der Gojim [Nichtjuden] sieht, spreche: Beschämt ist eure Mutter, zu Schande die euch geboren hat. (Berakhoth, 58b, Orach chajjim 224, 5)

Wiederum ein bei Baron Luzsenszky wörtlich und buchstabengetreu abgekupfertes Zitat, enthalten im 1.Heft, S.17, 2. Absatz v.o.

In Goldschmidts Talmudübersetzung, in der sich alle Zitate befinden, wie Herr "Molnar" behauptet, sieht die angegebene Stelle dagegen anders aus.

In Band 1, S. 261, Traktat Berakhoth, Fol. 58 heißt es wörtlich: "Die Rabbanan lehrten: Wer Gräber von Jisraeliten sieht, spreche: 'Gepriesen sei, der euch nach Recht erschaffen, euch nach Recht ernährt, euch nach Recht versorgt und euch nach Recht versammelt hat; er wird euch auch dereinst nach Recht auferstehen lassen. Mar, der Sohn Rabinas, beendete noch im Namen R. Nahmans: 'Er kennt die Zahl von euch allen, und er wird euch dereinst beleben und auferstehen lassen. Gepriesen sei er, der die Toten belebt'. Wer Gräber der weltlichen Völker (sieht), spreche: (213, Jes. 50, 12) beschämt ist eure Mutter, zu Schanden, die euch geboren hat ..."

Einen Traktat "Orach chajjim" gibt es in den 12 Bänden von Goldschmidt ebenfalls nicht, auch keinen Verweis von Goldschmidt darauf im Berakhot 58 b.

Gemeint ist vermutlich der "Orakh cHajim", dieser aber ist einer der 4 Teile des Scholchan Aruch ... Das Zitat, wie von Fred Molnar benutzt, findet sich aber wiederum – wie kann es anders sein - in Heft 1 des Luzsenszky- Pamphlets auf Seite 17, 2. Absatz von oben. Also auch hier verwendet "Fred Molnar" dieselbe Quelle: Ein antisemitisches Machwerk, und nicht, wie er behauptet, die Talmudübersetzung von Goldschmidt.

Fazit

7 Beispiele, 7 Pleiten.

Und nach so was heuchelt Fredi unverfroren: "Die meisten Menschen reagieren auf diese Talmud-Zitate mit Fassungslosigkeit und Entsetzen ..."

Mein lieber "Fred Molnar", fassungslos macht Ihre Frechheit, aus bekannten antisemitischen Vorlagen wie der vom ominösen Baron Luzsenszky abzuschreiben und die Quelle nicht anzugeben! Sich scheinheilig auf die Goldschmidtsche Talmudübersetzung zu berufen (was übrigens auch der Lügenbaron schon tat), schlägt dem Faß den Boden ins Gesicht und ist entweder Ursache einer grenzenlosen Borniertheit oder aber Ihrer Dummheit zuzuschreiben, anzunehmen, die Fälschung bliebe unentdeckt.

Halten wir also fest: "Fred Molnar" hat nicht aus der mehrfach von ihm als Quelle seiner Zitate genannten Talmudübersetzung Lazarus Goldschmidts zitiert.

Seine Zitate stammen nahezu wörtlich aus einem antisemitischen Machwerk von 1931 des Barons A. Luzsenszky, bei dem sich auch schon andere Antisemiten bedienten, wie Erich Glagau, Jan van Helsing, Norbert Steinbach, Nolde und ... ein gewisser Hans Scharfenberg.

Mit der permanenten kritiklosen Verwendung von aus dem Zusammenhang gerissenen und - wie nachgewiesen- verfälschten Zitaten aus einem antisemitischen Machwerk stellt sich "Fred Molnar" selbst in die Reihe der antisemitischen Hetzer.





Siehe auch:

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© Jürgen Langowski 2014