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Vorsicht, Kamera!

"Man wird doch hoffentlich Fotos gemacht haben von den Original-Gaskammern?"

Manchmal klammern die Auschwitzleugner ganze Klassen von Beweisen für den Judenmord ohne plausible Begründung aus und verlangen einen ganz bestimmten, konkreten Beweis, von dem sie aber schon vorher wissen, dass er nicht existiert oder nicht brauchbar ist.

Ein Beispiel für diese Technik ist die Frage nach einem schriftlichen Befehl Hitlers zur Judenvernichtung (den es nicht gab), ein anderer Anwendungsfall ist der Wunsch, Fotos einer "Originalgaskammer" zu sehen.

Im deutschsprachigen Usenet liest sich das beispielsweise so:

Ich habe den lieben Langowski schon seit 2+ Jahren gefragt, wo man noch eine 'echte' Gaskammer besichtigen kann. Gibt keine? Noe, aber wir haben Beweise, dass Zyklon B von der Degesch nach Auschwitz geliefert wurde!!!! Ich hatte Langowski auch gebeten, doch nur ein einziges Originalfoto einer Originalgaskammer als Beweis fuer die Existenz zu bringen.

Horst Kleinsorg[1]

Warum verlangt ein Auschwitzleugner Fotos von Gaskammern? Alle anderen Beweise hat Herr Kleinsorg als Fälschung bezeichnet und einfach weggewischt. Was steckt dahinter, wenn er auf einmal den Anschein erweckt, er würde ausgerechnet ein Foto als Beweis akzeptieren, nachdem er alle anderen Beweise ohne nähere Prüfung verworfen hat?

Dahinter steckt ganz einfach die "revisionistische Wahrheitssuche", wie die Auschwitzleugner die Haken nennen, die sie geflissentlich um die historischen Fakten herum schlagen.

In Raul Hilbergs Werk Die Vernichtung der europäischen Juden erfährt man auf Seite 1047ff, dass z.B. in Auschwitz die Gaskammern kurz vor Eintreffen der russischen Truppen gesprengt wurden, weil die Täter die Spuren ihrer Verbrechen verwischen wollten. Hilbergs Buch ist seit Anfang der sechziger Jahre auf dem Markt, und genauso lange ist diese Tatsache bekannt. Wer heute noch nach Fotos dieser Gaskammern fragt, obwohl seit vierzig Jahren bekannt ist, dass es höchstwahrscheinlich keine gibt, ist sicher ein ganz besonders tapferer "Wahrheitssucher".

Wer im Abstand von mehreren Monaten oder Jahren immer wieder nach Fotos fragt, obwohl er genau diese Antwort längst bekommen hat, ist ein ganz besonders dummer "Wahrheitssucher", denn er unterschätzt seine Leser.

Herr Kleinsorg verlangt aus drei Gründen Fotos von Gaskammern im Originalzustand: Erstens grenzt er damit das, was man ihm als Beweis vorlegen darf, willkürlich und ohne plausible Begründung sehr stark ein. Zweitens ist ihm durchaus bewusst, dass es aufgrund der oben beschriebenen Zerstörung der Gaskammern kaum brauchbare Fotos vom vorherigen Zustand geben kann. Drittens wäre es relativ leicht, ein Foto, falls dummerweise doch eines auftauchen sollte, als gefälscht oder unbrauchbar abzutun.

Herr Kleinsorg verlangt ein Foto als Beweis, weil er davon ausgeht, dass die Beweisführung auf diese Weise nicht möglich ist.

Gaskammer
Gaskammer in Majdanek

Aber was würde passieren, wenn man den Auschwitzleugnern tatsächlich ein Foto einer Gaskammer vorlegen würde? Wenn man darauf hinweist, dass es in Majdanek tatsächlich eine im Originalzustand erhaltene Gaskammer gibt? Wenn man sagen würde: Seht her, auf dieser Web-Seite hier findet ihr ein Foto einer im ursprünglichen Zustand erhaltenen Gaskammer?

Es ist nicht schwer auszurechnen, was passieren würde. Die Holocaust-Leugner würden sagen: Man sieht dort nichts weiter als einen leeren Raum, der keine Aufschlüsse über die in ihm begangenen Verbrechen gibt. Kein Beweis für Vergasungen.

Sie hätten sogar Recht damit. Das Foto ist für sich genommen kein überzeugender Beweis, da es tatsächlich nur einen leeren Raum zeigt. Man würde weitere Beweise benötigen, um zu belegen, dass dieses Foto eine Gaskammer zeigt, in der Massenmorde stattgefunden haben. Diese Beweise gibt es und sie sind für sich genommen schon so überzeugend, dass man ohne weiteres auf das Foto verzichten kann; höchstens zur Illustration der anderen Beweise wäre es noch sinnvoll einzusetzen.

Gerade deshalb beharren die Holocaust-Leugner manchmal so sehr darauf, ein Foto und nur ein Foto als Beweis sehen zu wollen: Weil sie erstens wissen, dass ein Foto allein nicht ausreicht und weil sie zweitens das Foto als Vorwand benutzen, um alle anderen Beweise wegfallen zu lassen.

Würde sich etwas ändern, wenn man ein Foto von einer Gaskammer anbieten könnte, in der sich Hunderte nackter, verängstiger Menschen drängen?

Natürlich nicht. Die "Revisionisten" würden sagen: Das Foto zeigt überhaupt keine Gaskammer, sondern die Duschköpfe oben verraten uns, dass es ein Waschraum war. Man sieht ja, dass die Leute noch leben. Wieder kein Beweis für Massenvergasungen.

Und wenn man nun einen Raum voller Leichen nach einer Vergasung zeigen würde?

Die "Revisionisten" würden auch dies nicht akzeptieren. Sie würden sagen: "Na schön, auf dem Foto sind Tote zu sehen, aber Fotos von Toten gibt es viele. Gab es nicht auch Seuchen in den Konzentrationslagern? Na also. Man kann auf dem Foto nicht erkennen, wie die Menschen ums Leben gekommen sind. Immer noch kein Beweis für die Massenvergasungen der Nazis."

Und so ginge es dann endlos weiter. Egal, was man an Dokumenten und Zeugenaussagen anbietet, die Holocaust-Leugner wissen schon vorher, dass sie nichts akzeptieren werden; und die scheinheilig geforderten Fotos selbstverständlich schon gar nicht.

Manchmal treten die Herren Auschwitzleugner auch zu zweit auf, wobei einer dem anderen mit maßgeschneiderten Einwürfen die Vorlagen liefert:

An GaskammerFotos kann ich mich nicht erinnern. Nur an Darstellungen und Behauptungen, daß jene Kammern dort oder dort gewesen sein sollen.
Vielleicht gab es ja wirklich welche.

M. Bieler[2]

Aber spätestens wenn der gar nicht so harmlos nachdenkende Herr die Begründung gelesen hat, dass Fotos wenig sinnvoll sind, weil es viel bessere Beweise gibt, und anschließend weiter nach Fotos fragt, ohne auf die Erwiderung einzugehen, wird deutlich, dass genau die Strategie dahintersteckt, die hier geschildert wurde.

"Revisionisten" fragen nicht nach Fotos, weil sie neue Beweise sehen wollen, sondern weil sie die vorhandenen Beweise übersehen wollen.

Man sollte ihnen keine Fotos zeigen, sondern die Stelle, wo das Vögelchen sitzt.





Quellen:

  1. From: hk@crosslink.net (Horst Kleinsorg)
    Subject: Re: Schoene Zeiten 051
    Date: Tue, 02 Mar 1999
    Message-ID: <36e16ab5.34574785@news.crosslink.net>
  2. From: "M. Bieler" <bieler1@hotmail.com>
    Subject: Re: Wo gibt es eine Original - Gaskammer?
    Date: Wed, 7 Jun 2000
    Message-ID: <8hm05c$3afmv$3@fu-berlin.de>
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© Jürgen Langowski 2014