Holocaust-Referenz
Argumente gegen Auschwitzleugner

Joseph Goebbels Das barbarische Verfahren

Klartext im Tagebuch

Es ist keine schlechte Idee, den Auschwitzleugnern, die behaupten, der Judenmord hätte nicht stattgefunden, Texte der Nazis selbst vorzulegen, aus denen hervorgeht, dass der Völkermord eine historische Realität ist, an der es nichts zu rütteln gibt [vgl. Zitate der Täter].

Joseph Goebbels, NS-Propagandaminister, in typischer Rednerpose, 25. August 1934.

Joseph Goebbels, NS-Propagandaminister, bei einer Rede während eines SA-Appells im Berliner Lustgarten, 25. August 1934 (Ausschnittvergrößerung), Bundesarchiv, Bild 102-17049 / Georg Pahl CC BY 3.0 de

Viele dieser Zitate werden ohne Belege zu Fälschungen erklärt oder mit anderen Deutungen verharmlost. Besonders unangenehm wird es für die Holocaustleugner aber, wenn einer der ihren ein solches Zitat als echt bezeichnet.

Ein solches Zitat ist der folgende Auszug aus den Goebbels-Tagebüchern:

Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60 Prozent davon liquidiert werden müssen (…)

Goebbels-Tagebücher, Eintragung vom 27.03.1942

Dies schrieb der NS-Propagandaminister etwa zwei Monate nach der Wannsee-Konferenz. Im März 1942 begannen die Bauarbeiten im Vernichtungslager Sobibor, und das Vernichtungslager Belzec wurde im gleichen Monat in Betrieb genommen. Ende März 1942 setzte auch die Massenvernichtung in Auschwitz-Birkenau ein. Goebbels wusste, wovon er sprach.

Aber die „Revisionisten“ wären keine aufrechten Wahrheitssucher, wenn ihnen nicht auch zu diesem unangenehmen Zitat etwas einfallen würde. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden solche Textstellen kurzerhand zur Fälschung erklärt.

Eine Fälschung?

Dummerweise zitiert der Holocaustleugner David Irving in seinem Buch Führer und Reichskanzler auf S. 438 genau diese Passage als echt.

Auf seiner Website schrieb Irving zudem, er sei persönlich in Moskau gewesen und habe die Originale des Goebbels-Tagebuchs eingesehen. Eine „revisionistische“ Zeitschrift veröffentlichte einen Beitrag von Irving, in dem er dies wiederholte.

When I visited the Hoover Institution library in Stanford, California, to see the portion of the original Goebbels diary that they have there, this was the first page I asked to see. And when I was in the Moscow archives to examine the glass plate copy of the diary, this was also the first plate I searched for. I knew that if the diary had actually been copied by the Nazis in Berlin, and the glass plate version in Moscow matches the text in the Hoover library, there’s no way anyone could have faked it. And there it is on the glass plate in Moscow, identical. As a final clincher, this portion was also microfilmed in 1947 in New York from the text that is held by the Hoover library. So there are three different indications that this is a genuine quotation from a genuine Goebbels document.

Als ich die Bibliothek der Hoover Institution in Stanford, Kalifornien, besuchte, um die Teile der originalen Goebbels-Tagebücher anzusehen, die sie dort haben, war dies die erste Seite, die zu sehen ich verlangte. Und als ich in den Moskauer Archiven war, um die Glasplatten-Kopie des Tagebuchszu sehen, war dies auch hier die erste Platte, die zu sehen ich verlangte. Ich wusste, wenn das Tagebuch tatsächlich in Berlin von den Nazis kopiert worden war, und wenn die Glasplatten-Version in Moskau dem Text in der Hoover-Bibliothek entsprach, dann war es ausgeschlossen, dass jemand sie gefälscht haben konnte. Und da ist [die Textstelle] tatsächlich auf der Glasplatte in Moskau, und sie ist wortgleich. Der letzte Beweis ist die Tatsache, dass dieser Abschnitt auch 1947 von dem Text, den die Hoover-Bibliothek hat, auf Mikrofilm übertragen wurde. Also gibt es drei verschiedene Hinweise darauf, dass dies eine echtes Zitat aus einem echten Goebbels-Dokument ist. [Eigene übersetzung / JL]

David Irving, Revelations from Goebbels’ Diary, Bringing to Light Secrets of Hitler’s Propaganda Minister, Journal for Historical Review, Volume 15/1, Januar/Februar 1995.

Ein bekannter Holocaustleugner bezeichnet das Dokument als echt, eine „revisionistische“ Zeitschrift druckt seinen Beitrag ab, genau das Gleiche wird auch auf der Leugner-Website CODOH veröffentlicht.

Offenbar hat das aber nicht weiter gestört, denn seit 1995 haben immer wieder andere Holocaustleugner so getan, als hätte es diesen Beitrag nie gegeben, und als bestünden immer noch Zweifel an der Echtheit, oder wenn schon nicht an der Echtheit, dann doch mindestens an Goebbels' Verstand, da er angeblich etwas völlig Unsinniges aufgeschrieben habe.

Der Holocaustleugner Jürgen Graf zitiert in diesem Zusammenhang in Die neue Weltordnung und der Holocaust eine drei Wochen ältere Eintragung von Goebbels, in der dieser sich auf eine „Denkschrift des SD und der Polizei über die Endlösung der Judenfrage“ bezieht, die jedoch inzwischen überholt war. Dort war noch von Deportation nach Madagaskar die Rede. In den folgenden drei Wochen wurde Goebbels informiert, und mit seinem Informationsstand änderte sich auch seine Sprache.

Selbst-„Revisionismus“

Auch der Usenet-Teilnehmer „Manni“ ließ sich nicht davon beeindrucken, dass man sich u.a. auf der Website von CODOH von der Authentizität des Zitats überzeugen konnte:

Was bei CODOH zu lesen ist, interessiert mich wenig.

„Manni“, Sun, 19 Mar 2000, de.soc.politik, Subject: Re: Herr Langowski und seine "Holocaust-Lügen", Message-ID: 38dd278d.11774016@ netnews.worldnet.att.net

Wirklich?

Ich fand es erstaunlich, dass „Manni“ sich auf einmal nicht mehr für das interessierte, was auf „revisionistischen“ Webseiten veröffentlicht wurde, zumal gerade er wie kein Zweiter mit Textbausteinen von solchen Seiten um sich warf.

Also habe ich das getan, was man grundsätzlich tun sollte, wenn Auschwitzleugner etwas behaupten. Ich habe nachgeprüft, wie es um sein Interesse an solchen Web-Sites bestellt war.

Und siehe da: 1996 hat „Manni“ ein ZGram aus Ingrid Rimlands „revisionistischem“ Frisiersalon komplett ins Usenet kopiert. In diesem ZGram hieß es:

Meanwhile, check if it's up at CODOH International – and visit for a while. It's a good site, worth bookmarking. [Url entfernt]

Ingrid Rimland, zit. n. „Manni“, 11 Nov 1996, de.soc.politik, Subject: Bolschewik-Massaker [Englisch Text], Message-ID: 32877204.4459635@ netnews.worldnet.att.net

„CODOH (…) ist eine gute Site, sie ist es wert, sich ein Bookmark zu setzen“, zitierte „Manni“, der sich nicht dafür interessierte, was bei CODOH zu lesen war. Ein paar Tage später hat „Manni“ das nächste ZGram verbreitet, in dem erneut von CODOH die Rede war. Dieses Mal war sogar ein Hinweis auf David Irving im Text.

1996 hatte sich „Manni“ offenbar sehr für Dinge interessiert, die bei CODOH zu lesen waren.

Hat sich das später vielleicht geändert? Aber nein. Auch Ende 1999 hielt Manni es noch einmal für nötig, mithilfe von CODOH seine Leser zu erleuchten.

Man könnte fast sagen, dass „Manni“ mit seinen eigenen Äußerungen eine Art Selbst-„Revisionismus“ betrieben hat: Kaum sagt er es, schon will er nichts mehr davon wissen.