„Soeben erfuhr ich …“
Ein Holocaustleugner informiert sich.
Vorbemerkung 2026: Dieser Jahrzehnte alte Text ist beinahe selbst schon ein Stück Zeitgeschichte. Er zeigt, dass es sinnvoll sein kann, auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, deren politische Positionen man nicht teilt, und dass man auch mit ihnen gemeinsam gegen Geschichtsfälscher vorgehen kann.
Vor längerer Zeit habe ich auf diesen Seiten das Buch Gott am Wannsee von Ivan Denes besprochen, nachdem der Holocaust-Leugner „Normarz“ einige Auszüge daraus verfälschend zitiert hatte.
Erst als die Seite schon eine ganze Weile online war, wurde mir klar, dass der Autor Ivan Denes per Email zu erreichen ist. Ich schrieb ihm und bat ihn um eine Stellungnahme, ob ich ihn richtig verstanden hatte. Er hat dies bestätigt, und damit war die Angelegenheit für mich zunächst erledigt.
„Normarz“ hat irgendwann danach offenbar von diesem Austausch erfahren und folgenden Kommentar in die Diskussionsgruppe de.alt.soc.verschwoerung geschickt:
Soeben erfuhr ich, dass Juergen Langowski sich an den Schriftsteller Ivan Denes gewendet hat, um diesen gegen mich aufzubringen. Er ist aber abgeblitzt. Ivan Denes schrieb den sehr interessanten Roman Gott am Wannsee. Wirklich zu empfehlen.
„Normarz“, 19 Sep 2001, de.alt.soc.verschwoerung, Subject: Was nicht alles so passiert
Daraufhin habe ich Herrn Denes noch einmal angeschrieben. Er hat mir freundlicherweise erlaubt, seine Antworten zu veröffentlichen. Aus Gründen der Authentizität gebe ich sie originalgetreu wieder.
Auf meine erste Anfrage, ob ich mit meiner Interpretation seines Buchs richtig liege, schrieb er mir:
Lieber Herr Langowski, entschuldigen Sie, bitte, die verspätete Antwort – ich war nicht in Berlin.
Ihr Brief und Ihr Artikel haben mich bewegt: Gott am Wannsee ist ein vergessenes, oder genauer: von der literarischen Szene nie behandeltes Werk. Mich gibt es als Schriftsteller in Deutschland überhaupt nicht, obwohl ich Leute kenne, die unter vier Augen behaupten es sei das wichtigste Buch der deutsch-jüdischen Literatur der Nachkrigeszeit – eben weil es kein Holocuast-Roman ist. Es bleibt trotz des großen Schweigens mein Lieblingskind.(Inzwischen habe ich noch mehrere Bücher veröffentlicht.)
Natürlich haben Sie recht in Bezug auf „Normarz“. Ich bin gegenüber meinen Glaubensgenosen sehr kritisch, war aber nie ein Holocaust-Leugner. Übrigens kann man Abraham Levis Suche nach den richtigen Zahlen durchaus in der Quellenliteratur begründet finden. Die größte Autorität im Bereich Holocaust, professor Raoul Hilberg, spricht von 5,1 Millionen Opfer. Haben Sie Dank für ihre Bewertung des Buches.
Ihr Ivan Denes
Berlin, 24.08.01
Ivan Denes, Mail
Nachdem ich Herrn Denes auf die oben zitierte, unzutreffende Darstellung aufmerksam gemacht hatte, erhielt ich die folgende Antwort:
Lieber Herr Langowski,
danke für Ihre Nachricht. Natürlich muß „Normarz“ in seine Ecke gestellt werden. Könnten Sie mir mitteilen, wie ich eine e-mail Mitteilung an ihn oder an sein Chatsite schicken kann? Ich habe tatsächlich mit jemandem über die Affäre geprochen, der aber schwört hoch und heilig, er habe „Normarz“ meine Position genau so geschildert wie sie ist, d.h. das ich voll und ganz auf Ihrer Seite stehe. Der Mann wollte ursprünglcih den Briefwechsel in seiner Zeitschrift veröffentlichen, ich halte jedoch nichts von solchen Querelen.
Schöne Grüße, Ivan Denes
Ivan Denes, Mail, 20.09.2001
Quellen und Verweise
- Ivan Denes, Gott am Wannsee, zwischen den Zeilen gelesen
- Johannes Peter Ney über die Wannsee-Konferenz