Gerd Honsik Freispruch für Hitler?
Das Fragezeichen in Honsiks Buchtitel hätte getrost wegfallen können. Natürlich muss Hitler von allen Vorwürfen freigesprochen werden – so denken jedenfalls die Autoren, die Honsik als „36 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer“ vorstellt. Hier möchte man schon den Korrekturstift zücken und „unerhört“ schreiben. Denn was tun Leugner? Sie leugnen den Holocaust, klimpern mit dem Ritterkreuz (sofern sie es erhalten haben oder gern erhalten hätten), und bestätigen sich gegenseitig, wie übel die Welt doch dem armen Friedensengel Hitler mitgespielt habe. Der Nachweis, dass sie dies wirklich gut beherrschen, ist Honsik hervorragend gelungen.
Bei den „Zeugen“ handelt es sich um:
- Alois Brunner
- Altnazi, SS-Offizier, ehemaliger Eichmann-Mitarbeiter.
- Jean Beaufret
- Französischer Akademiker, unterstützte den Holocaustleugner Robert Faurisson.
- J. G. Burg
- Von der Kultusgemeinde unter anderem wegen seines Buchs Zionnazi Zensur in der BRD ausgeschlossener Holocaustleugner, Antisemit und Antizionist.
- Arthur Butz
- Schrieb den „Revisionismus“-Klassiker The Hoax of the Twentieth Century, deutsch Der Jahrhundertbetrug. Verantwortlich für die deutsche Ausgabe: Udo Walendy (siehe unten).
- Thies Christophersen
- Schrieb den Klassiker Die Auschwitzlüge. Der Titel trifft zu, allerdings nicht so, wie Christophersen es meinte. In einem Interview räumte Christophesen vor laufender Kamera ein, gelogen zu haben [vgl. Jürgen Langowski, Argumente gegen Auschwitzleugner, S. 69–71].
- Leon Degrelle
- Belgischer Ritterkreuzträger und ergebener Hitler-Anhänger.
- Helmut Diwald
- Rechtsextremer Publizist und Autor.
- Robert Faurisson
- Französischer Grandseigneur der Holocaustleugung. Viele eigenartige Ideen, die heute noch verbreitet werden, gehen auf ihn zurück.
- Hans Fritsche
- Ehemaliger Mitarbeiter im „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ unter Joseph Goebbels, nach dem Krieg im Naumann-Kreis aktiv, der die FDP nationalsozialistisch unterwandern wollte.
- Hans Grimm
- NS-Dichter und Schriftsteller. Lange vor Erscheinen von Honsiks Buch verstorben, hätte aber vermutlich keine Einwände gehabt, bei der Entlastung Hitlers mitzuwirken. Seine Tochter Holle Grimm führte den rechtsextremen Klosterhaus-Verlag und war Mitbegründerin der Gesellschaft für freie Publizistik, die u.a. Gerd Schultze-Rhonhof einen Preis verlieh.
- Esther Grossmann
- Jüdische Zeitzeugin, die in Auschwitz interniert war und keine Gaskammern sah. „Revisionisten“ lieben solche „guten“ Juden und benutzen sie gern, um Zweifel zu säen. Einfache Erklärung: Als Gefangene in Auschwitz gehörte sie nicht zu jener anderen Gruppe von Juden, die in Auschwitz II (Birkenau) ermordet wurden.
- Heinrich Härtle
- Es wundert nicht, dass der Antisemit Härtle, der mit Freispruch für Deutschland ein ganz ähnliches Buch schrieb, auch hier vertreten ist.
- Richard Harwood
- Holocaustleugner mit mäßig beendetem Geschichtsstudium; sein Buch Starben wirklich sechs Millionen? wird gern von anderen „Revisionisten“ zitiert.
- Wilhelm Hoettl
- Honsik beklagt sich, Hoettl habe seine belastende Aussage widerrufen und eingewilligt, bei diesem Buch mitzuwirken, dann aber den Widerruf widerrufen und doch nicht mitgewirkt, was Honsik aber nicht davon abhielt, Hoettl als „Zeugen“ zu benennen, zwei Seiten Text zu dem Vorgang zu schreiben und Hoettls Briefe zu veröffentlichen.
- David Hoggan
- Hoggans Buchtitel Der erzwungene Krieg meint genau das, was auch Honsik vermitteln will. Die Methoden beim Umgang mit Quellen oder Zeugen sind ähnlich.
- David Irving
- Änderte seine Meinung über die Zahlen der Opfer von Dresden öfter als Hoettl seine Widerrufe, schrieb das Vorwort für die englische Ausgabe des Leuchter-Berichts.
- Benedikt Kautsky
- Honsik schreibt den Namen als „Kautzky“. Der österreichische Sozialdemokrat wusste von den Gaskammern, auch wenn er sie nicht selbst gesehen hat. Er sagt das sogar in seinem Buch. Honsik hat „revisionistisch“ zitiert, oder präziser ausgedrückt, die Quelle gefälscht. Kautsky hätte mit Sicherheit Einwände gehabt, in diesem Buch zu erscheinen, ist aber lange vorher verstorben und konnte nicht widersprechen.
- Erich Kern
- Eigentlich hieß der Altnazi Erich Knud Kernmayr. Gaupresseamtsleiter in Wien, Kriegsberichterstatter der Waffen-SS, Gründungsmitglied einer Nachkriegs-NSDAP-Sammlungsbewegung, Autor einiger „revisionistischer“ Bücher und der Gesellschaft für freie Publizistik.
- Emil Lachout
- Fälschte ein Dokument, um den Massenmord an den Juden zu widerlegen. Die Fälschung war so plump, dass sie heute kaum noch zitiert wird. Herausgeber in Österreich war Gerd Honsik.
- Heinz Mazakarini
- Wehrmachtsoffizier, war nach eigenen Angaben von Mai bis Oktober 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft und hat keine Gaskammern gesehen. Das ist kein Wunder, weil die NS-Täter die Gaskammern vor ihrem Rückzug aus dem Lager gesprengt hatten.
- Savitri Devi
- In Frankreich geborene esoterische Hitleristin und Antisemitin, sah in dem Diktator Adolf Hitler eine Inkarnation einer indischen Gottheit.
- Francis Parker Yockey
- Faschist, Antisemit und Holocaustleugner. Auch er verstarb vor Erscheinen des Buchs, gehört aber wiederum zu denen, die vermutlich keine Einwände gehabt hätten.
- Polacco de Manasce
- Französischer Holocaustleugner. Seine Schrift Das Schweigen Heideggers erschien im Verlag des Holocaustleugners Thies Christophersen.
- Paul Rassinier
- Französisches Holocaustleugner-Urgestein, seine Vorlagen werden immer wieder gern aufgegriffen.
- Hanna Reitsch
- Deutsche Helding, NS-Fliegerin, Versuchspilotin für NS-Kampfflugzeuge. Stand dem NS-Rassenwahn kritisch gegenüber, wollte laut Honsik nicht glauben, dass es Massenvergasungen gab, und distanzierte sich auch nach dem Krieg nicht vom NS-Regime.
- Lothar Rendulic
- NS-Offizier, überzeugter Nationalsozialist, verurteilter Kriegsverbrecher.
- Henri Roques
- Meldete in seiner Dissertation Zweifel am Gerstein-Bericht an. Die „Zweifel“ beruhten auf seinen eigenen Manipulationen, was andere „Revisionisten“ aber nicht daran hindert, seine Arbeit als Beweis zu zitieren.
- Hans Ulrich Rudel
- NS-Fliegerheld, höchstdekorierter NS-Offizier, floh nach dem Krieg nach Argentinien und schrieb dort für NS-nahe Publikationen. Seine Bücher waren recht erfolgreich, er unterstützte rechtsextreme Gruppen in Deutschland. Wurde 1976 von Bundeswehroffizieren zu einem NS-Traditionstreffen eingeladen.
- Franz Scheidl
- Autor zahlreicher „revisionistischer“ Bücher, gilt als einer der ersten Holocaustleugner.
- Gerhard Schirmer
- NS-Luftwaffenoffizier, Ritterkreuzträger. Nach dem Krieg Bundeswehroffizier. Laut Honsik wurde Schirmer gezwungen, in Oranienburg auf Anweisung der Sowjets eine vorher nicht vorhandene Vergasungsanlage einzubauen. Das ist eine typische „revisionistische“ Halbwahrheit. Es war kein Neubau, denn die NS-Täter hatten die Tötungsanlagen demontiert, und die Sowjets haben sie rekonstruiert [vgl. Christian Mentel, Nichts weiter als sowjetische Propaganda].
- Herbert Schweiger
- Honsik schreibt den Namen als „Schwaiger“. Schweiger war Freiwilliger bei der Waffen-SS, rechtsextremer Publizist, Referent bei der Gesellschaft für freie Publizistik, Zusammenarbeit mit Honsik, Co-Autor der spanischen Ausgabe dieses Buchs.
- Wilhelm Stäglich
- Holocaustleugner, Autor des Buchs Der Auschwitz-Mythos. Das Buch erschien bereits in den 1970er Jahren und ist ein Klassiker der Holocaustleugnung.
- Josef Stuparek
- War laut Honsik nach eigenen Angaben als Kriegsgefangener der Sowjets
„vom 20. Juni bis 3. September 1945 im Lager Auschwitz“
und konnte die von den NS-Tätern schon vorher gesprengten Gaskammern nicht entdecken. - Otto Skorzeny
- Hitlers Mann fürs Grobe; war an der Befreiung Mussolinis beteiligt. Nach dem Krieg rechtsextremistische Vernetzung.
- Helmut Sündermann
- SS-Obersturmbannführers, stellvertretender Reichspressechef der NSDAP, Holocaustleugner, rechtsextremer Verleger. In seinem Druffel-Verlag erschien beispielsweise Zum Fall Eichmann – Was ist Wahrheit? von Paul Rassinier.
- Udo Walendy
- Laut Honsik neben Stäglich Deutschlands
„bedeutendster Revisionist“
, was wohl bedeuten soll, dass seine Fälschungen schwerer nachzuweisen sind als bei anderen. Im Falle von Edwin Blacks Buch The Transfer Agreement ist es dennoch gelungen. - Ernst Zündel
- In jungen Jahren nach Kanada ausgewandert, gründete dort den Samisdat-Verlag und schrieb und vertrieb den Holocaust leugnende Publikationen. Autor der Schrift Holocaust 101. Für ihn fuhr Fred Leuchter nach Auschwitz, um zu beweisen, dass der Holocaust nicht real sei.
Einige seiner „Zeugen“ konnten sich gegen Honsiks Zwangsrekrutierung und seine Verfälschungen nicht mehr wehren; der größte Teil hätte oder hat vermutlich bereitwillig zugestimmt. Wie man sieht, befinden sich unter den versammelten Damen und Herren neben ausgewiesenen Altnazis auch einige Holocaustleugner, wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt. So wird etwa der 4. Zeuge, Arthur Butz, mit den Worten zitiert: „Gaskammern sind Phantasien der Nachkriegszeit.“
Honsik zieht eine Passage aus dem Vorwort der deutschen Ausgabe von Butz' Hauptwerk The Hoax of the Twentieth Century heran – in deutscher Sprache als Der Jahrhundertbetrug herausgegeben vom ebenfalls oben erwähnten Udo Walendy – und zitiert Butz wie folgt:
Eine gewissenhafte und kritische Prüfung offenbart, daß die meisten Verbrechen überhaupt nie begangen worden sind, wie etwa „Lampenschirme aus Menschenhaut“, denen zuliebe KZ-Insassen einfach umgebracht worden sein sollen. Und so etwas wurde sogar von „Intellektuellen“ als unbedingt wahr hingenommen.
(…)
Derartige Untersuchungen werfen die „Massenmord“-Legende von den 6 Millionen hauptsächlich in Gaskammern umgekommenen Juden nicht um.
Arthur Butz in: Honsik, Freispruch, S. 26
Auch Butz beherrscht offenbar die „Strohmanntechnik“, durch die sich die gesamte „revisionistische“ Literatur auszeichnet.
Die erwähnten Lampenschirme aus Menschenhaut sind eine Marginalie, die mit der Realität des Massenmordes nichts zu tun hat. In Zusammenhang mit der Verurteilung von Nazis und im Rahmen der historischen Darstellung des Judenmordes hat dieses Detail nie eine Rolle gespielt. Es ist unredlich, ein derart fragwürdiges Detail zum Anlass zu nehmen, um Tausende von gesicherten historischen Fakten, die Butz nicht einmal erwähnt, in Abrede zu stellen.
Ein Stück weiter unten spricht Butz von der „Legende von den 6 Millionen hauptsächlich in Gaskammern umgekommenen Juden“
. Dies ist tatsächlich eine Legende – allerdings eine, die von „Revisionisten“ und nicht von der etablierten Geschichtswissenschaft genährt wird.
Die NS-Täter haben von ihren etwa sechs Millionen jüdischen Opfern mindestens zwei Millionen nicht in Gaskammern, sondern mit Erschießungskommandos und mit Gaswagen umgebracht, oder sie ließen ihre jüdischen Gefangenen einfach aus „natürlichen“ Gründen wie Hunger und Krankheiten verenden; dieser Umstand ist seit Jahrzehnten bekannt.
Butz legt der Geschichtswissenschaft eine selbst fabrizierte „Legende“ in den Mund und „beweist“ anschließend, dass sie nicht stimmt. Ursula Haverbeck hat anscheinend Butz gelesen und diese Dummheit wiederholt. Die Frage, welcher Historiker denn eigentlich diese „Legende“ überhaupt vertreten hätte, wird hier vorsichtshalber gar nicht erst gestellt.
Der 13. Zeuge in Honsiks Buch ist Richard Harwood, dessen Text Starben wirklich sechs Millionen? an anderer Stelle besprochen wird.
Der 18. „Zeuge wider die Gaskammern“ ist der Altnazi Erich Kern (Kernmayer), der von Honsik folgendermaßen vorgestelt und zitiert wird:
3,2 Millionen Juden in Hitlers Machtbereich! Sind davon sechs Millionen vergast worden? (…) Das Buch Die Tragödie der Juden von Erich Kern wirft Fragen über Fragen auf. So heißt es auf Seite 156: Die Tat, Zürich, kam in ihrem Artikel „Die erschütternde Bilanz zweier Weltkriege“ am 18. Januar 1955 zu der Feststellung: „In den Gefängnissen, Konzentrationslagern usw. von 1939 bis 1945 verstorbene Deutsche, einschließlich der Juden, als Folge politischer, rassischer oder religiöser Verfolgungen: 300.000.“
Erich Kern in
Gerd Honsik, Freispruch, S. 91
Die erste Unwahrheit betrifft die Zahl der Juden, die sich in Hitlers Machtbereich befunden haben. Es waren nicht nur 3,2 Millionen, wie Kern behauptet, sondern erheblich mehr. Korherr, Himmlers Statistiker, nennt für 1937 eine Zahl von über 10 Millionen Juden in Europa. Da das NS-Regime auf dem Höhepunkt seiner Macht praktisch ganz Europa besetzt hatte, müssen sich alle diese Menschen in seiner Gewalt befunden haben.
Nach dem Krieg waren die meisten Juden nicht mehr in den Ländern, in denen sie vorher gezählt worden waren. Die Einwanderungszahlen verschiedener Länder der Welt reichen bei weitem nicht aus, um die Dezimierung der Juden in Europa zu erklären. Was aus diesen Menschen geworden ist, geht aus dem Korherr-Bericht hervor: Sie wurden ermordet.
Die zweite Unwahrheit ist die Zahl von angeblich nicht mehr als 300.000 Opfern der Nazis. Diese Zahl hängt vermutlich mit dem Sonderstandesamt Arolsen zusammen.
Die anderen Beiträge in Honsiks Sammlung sind von ähnlich „revisionistischer“ Qualität.
Zusammen mit Ursula Haverbeck und anderen bekannten Leugnern gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“.
Weitere „Freisprüche“
- Harold Covington, Eine Zigarre für die Dame
- Robert L. Brock, Freispruch für Deutschland
- Heinrich Haertle, Freisprüch für Deutschland